Zu den meisten Paketboten habe ich in etwa so ein Verhältnis wie zu den Geistern bei Super Mario World. Wenn man ihnen den Rücken zudreht, nähern sie sich, aber sobald man sie anschaut (und auf sie warte) regt sich nichts mehr. Ich weiß nicht, was ich verbrochen habe, aber irgendwie habe ich bei Paketboten nicht den besten Ruf.

Wobei es sich nach unserem Umzug sehr gebessert hat. Bis vor kurzem habe ich meist einfach einen Zettel in den Briefkasten bekommen. Darauf ein Kringel (oder eine Brezel?) und ich musste dann raten, wo mein Paket wohl sein könnte. Es war jedes Mal ein anderer Nachbar und so wurden die beiden Hinterhöfe zu einer Art Adventskalender für mich.

Mittlerweile geht das, ich wohne in einem geordneteren Haus, wo man die Klingelschilder ungefähr zuordnen kann und Paketboten haben kleine Drucker dabei, so das man ihre Handschrift nicht mehr lesen muss. Selbst Ärzte können nämlich die Handschrift von Paketboten nicht lesen.

Eines meiner Pakete wurde im Haus nebenan abgegeben. So weit, so normal. Problematisch war für mich nur, dass es sich dabei um ein Bestattungsinstitut handelte. Oh. Schlagartig verabschiedete ich mich von meinem Paket. Das sind zu viele Fettnäpfchen in die man dabei treten könnte.

Diverse Szenarien schossen mir sofort durch den Kopf. Unter anderem, das Ende vom Film „Sieben“. Oder ich will nur mein Paket mit schnöden Wasserfiltern abholen und dann nehme ich versehentlich eins mit einer Urne mit. Man weiß ja nie. Oder ich komme da rein und sehe erst dann, dass gerade eine Familie einen Termin (?) hat. „Wenn ich kurz stören dürfte. Mein Beileid und so, ich möchte nur kurz mein Amazon Paket abholen.“

Oder ein Klassiker meiner Vita: Sachen umwerfen. Ich hab mal beim Gehen in einem Thai Restaurant den kleinen Buddha Schrein (?) am Eingang mit meinem Rucksack umgeworfen. Seitdem traue ich mich nicht mehr in die Nähe und meide Reisen in den buddhistischen Kulturkreis. Was also, wenn ich mich, während mein Paket aus dem Lager geholt wird, irgendwo anlehne und dann ein Domino Effekt mit 10 Särgen losgeht? Apropos, wo liegt mein Paket überhaupt? Liegen da jetzt ein Kranz für Tante Ingeborg, die Urne für Opa Heinz und dazwischen mein Paket?

Wenn es wenigstens ein unangenehmer Ort wäre, den man einschätzen kann. Ein Sex Shop zum Beispiel. Da gibt’s halt Pimmelpropeller und Taschenmuschis, aber das kann einem ja egal sein, wenn man sein Paket holt. Vielleicht gibt’s ja noch eine Packung Boobie-Nudeln obendrauf. Aber ein Bestattungsinstitut hat für mich so eine unberechenbare,emotionale Komponente. Auch weil ich (zum Glück!) noch nie so wirklich damit zu tun hatte. Was, wenn ich mit einem Grinsen im Gesicht und dem Paket unterm Arm gerade den Laden verlasse, während Familie XY rein kommt, die vor zwei Tagen ihren Sohn bei einem Autounfall verloren hat?

Mich hat das wirklich beschäftigt. So sehr, dass ich mein Paket fast zwei Wochen nebenan liegen ließ. Irgendwann auf dem Heimweg hielt ich aber doch nebenan mal an. An der Tür steht „Bitte klopfen“. Ist das jetzt wie in einem Club, wo man erst Fragen beantworten muss? Anzugspflicht? Dem Ort angepasste, besondere Andächtigkeit?

Die Tür öffnete sich und eine kleine, fröhliche Frau in einem leuchtgelben Hemd übergab mir tänzelnd mein Paket. Wie sich außerdem herausstellte, musste ich klopfen, weil mich sonst ihre beiden Mini-Pudel angefallen hätten.