Seitdem ich vom Tod von Robin Williams erfahren habe und mich daraufhin ein wenig im Netz verloren habe, geistert mir immer wieder ein Gedanke im Kopf umher. Dieser Tweet war der Stein des Anstoßes:

Ja genau, warum eigentlich? Robin Williams war auch abseits seiner Rollen toll und hat so viel Lachen in die Welt gebracht, nimmt sich dann aber sein Leben aufgrund von Depressionen. (Wahrscheinlich zumindest) Und das während es da draußen tausende, ach Millionen von Menschen gibt bei denen es genau umgekehrt ist. Das sind wahnsinnige Arschlöcher die Unheil bringen und sich am Abend im Bett, kurz vorm Einschlafen, gut damit fühlen.

Oder es müssen ja gar nicht mal komplette Unmenschen sein, aber immer dieses Gemeckere und kollektive Scheiße finden. Meine Güte, es ist ja sogar chic Dinge übertrieben Scheiße zu finden. Nehmen wir mal Berlin als Beispiel. Hier liegt man vollkommen im Trend, wenn man beispielsweise Touristen und Kinder Scheiße findet. Erst recht die Kinder aus Prenzlauer Berg, furchtbar diese Blagen! Aber selbst die sind nicht so schlimm wie Touristen! Oder anders gesagt: Touristen scheiße zu finden ist eine vollkommen okaye Form von Fremdenhass. Es gibt Leute die demonstrieren für eine bessere Asylpolitik und hassen gleichzeitig Touristen. Wie sie auf den Fahrradwegen laufen und überhaupt! Das ist ein fürchterlich an den Haaren herbei gezogener Vergleich, ich weiß. Dann eben anders: Es gibt Menschen, die ziehen nach Berlin, weil in ihrem Kaff nichts los ist und beschweren sich dann über Touristen.

Oder auf ganz Deutschland bezogen. Es kommt immer gut wenn man ein paar deftige Witzeleien gegen Vegetarier/Veganer auspackt und generell Bio scheiße findet. Ach ja und digitaler Fortschritt ist auch super scheiße, wie einem das zum Beispiel in der Werbung immer ganz gut gezeigt wird. Hey, Facebook ist scheiße, betrink dich lieber mit Rum XY, denn DAS ist das echte Leben.

Dabei ist das Internet doch das Mekka aller Granteleien, Klugscheißereien und Meckereien. Ich kann von mir behaupten nun schon sehr viele Jahre mit diesem verrückten Internet und gerade auch Social Media zu arbeiten. Ich freue mich oft über die Möglichkeiten die mir all das bietet aber noch weitaus häufiger und beinahe täglich bin ich erstaunt über die Dummheit, Ignoranz und Angriffslustigkeit von Menschen auf diversen Social Media Plattformen.

Zum Beispiel habe ich vor einiger zeit meinen Fußballblog „Falsche Neun“ ins Leben gerufen. Die häufigsten Kommentare auf Facebook sind entweder Beschimpfungen weil Person A den abgebildeten Verein B hasst oder aber Berichtigungen und Klugscheißereien. Und das nicht im Stile eines „Hey du hast da ein Komma vergessen“ sondern ein herbei gerufener Weltuntergang. Einmal habe ich mit jemandem eine Diskussion angefangen, weil ich es einfach nicht begreifen konnte, wie aggressiv er mich auf eine Lapalie hinwies. Wenn ich mich recht entsinne, war es ein Tippfehler. Er hielt dann daran fest, dass „Falsche Neun“ (nach 3 Monaten) ein Kultmagazin sei und da solche Fehler einfach nicht passieren dürfen. So als hätte er ein 100€ Jahresabo abgeschlossen und könne mir deshalb in meinem 24/7 Job als Fußballjournalist mit riesiger Redaktion im Rücken gehörig an den Karren fahren. Tatsächlich mach ich das Ding alleine, stehe oftmals eine halbe Stunde früher auf, um am Morgen noch schnell einen Artikel zu schreiben und dann kommt da so ein Honk daher, der sich sonst noch nie zu Wort gemeldet hat und meint mir auf die Finger hauen zu können. Muss man sich mal vorstellen! In solchen Momenten muss man sich dann immer beruhigend einreden, dass die Leute die es gut finden immer die stillen sind. Nur die meckernden Idioten melden sich zu Wort, was ein Gesamtbild sehr schnell verzerrt. Ich betreue beruflich diverse Online-Kanäle von Circus HalliGalli und weiß deshalb, wovon ich spreche. Irgendwas ist immer. Irgendwem ist man immer irgendwas schuldig und wenn auch nur irgendeine Kleinigkeit nicht passt, stürzen sich alle drauf und schimpfen auf einen dummen Praktikanten, der wohl alles falsch gemacht zu haben scheint.

Warum ich das alles gerade aufgeschrieben habe? Weiß ich nicht genau. Wahrscheinlich weil ich alles, was mir wegen diesem einen Gedanken im Kopf umher geisterte loswerden wollte und daran erinnern wollte: Nicht auf die Idioten hören. Die kann man nicht mehr ändern. (Man kann sie höchstens bloßstellen, das kann ab und zu ganz befriedigend sein.) Nicht auf all die sinnlose Meckerei hören. Klar, Kritik ist nie verkehrt, aber eben nicht diese dumme Meckerei von Menschen deren Horizont bequem in einen überfüllten Pfandautomaten passt. Die verfolgt nämlich kein Ziel und ist letztlich nur dazu da, um sich schlecht zu fühlen. Deshalb weiterhin lieber Menschen wie Robin Williams folgen und auf die hören. Lieber Gutes tun und denken ohne es trüben zu lassen von all den Ärschlöchern, denen es damit viel zu gut geht.

Zeichnung: Vinnienine

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