[Foto aus dem großartigen Kidhood Blog]

Ich kann mir nicht so ganz erklären warum, aber ich bin heute Morgen bereits um 7 Uhr aufgewacht. Und ich war tatsächlich wach. Kein kurzes, wookiemäßiges „OOoööäÄÄoOohhh“ und dann 11 Stunden weiterschlafen, nein ich war wirklich wach. Womöglich war es meine Champions League Aufregung im Hinblick auf den Abend?

Meine Augen irrten umher und kurz darauf fand ich eine Lösung: Man musste mir Signale aus dem Weltraum gesendet haben. (Klar, oder?) Denn nur wenige Minuten zuvor, wurde ganz offiziell ein neuer Muppets Kinofilm angekündigt.

Und als ob das noch nicht genug wäre, dann folgte kurz darauf auch noch das hier:

Noch nicht mal 11 Uhr und schon 2 solch großartiger Nachrichten. Woah, Mittwoch! Komm her aus deinem unbeachteten Dasein in der grauen Mitte und lass dich drücken!

Doch der Schein trügte. War diese blinde Vorfreude berechtigt? Nein. Etwa eine Stunde später zogen dunkle Wolken auf. Ich erhielt einen Ticket-Newsletter von eventim. Niemand geringeres als Die Amigos gehen 2012 wieder auf große Tour und das wäre doch sicherlich was für mich. Warum bekomme ich so was? (Okay, es gibt eindeutige Erklärungen dafür, warum ich so etwas bekomme, aber die will ich gefälligst nicht wahrhaben.) Was ich allerdings sehr empfehlen kann, sind die Konzertbewertungen der Amigos. Wunderbare Künstler sind das. So bodenständig (wichtig) und sie singen (sehr wichtig) mit einer Lichtershow (sehr sehr wichtig).

Als ob das nicht schon genug schock wäre, zogen auch noch graue Wolken über meiner YPS-Freude auf. Es wird gar nicht eine Neuauflage des altbekannten (und schon mal neu aufgelegten YPS-Heftes), sondern wie man hier lesen kann:

Eine gute Nachricht für alle großen Jungs unter den Männern: Yps, das wichtige Heft so manch einer Kindheit wird von Egmont Ehapa neu aufgelegt. Nur diesmal mit neuem Konzept und als Magazin für Männer zwischen 30 und 45 Jahren. Chefredakteur wird der ehemalige FHM-Macher Christian Kallenberg.

Ach du heiliges Furzkissen, was ist da denn los? Herr Jan Wehn hatte dazu die gleichen Gedanken wie ich und brachte die sehr gut auf den Punkt:

Oh Gott, im neuen YPS-Heft steht dann bestimmt, wie man aus AXE-Deo und Beck’s Gold eine Charlotte Engelhardt-Nacktscannerbrille bastelt.

Heieiei. Eines Tages wird bei Fernsehauftritten von mir nur noch „Experten für Sachen von Früher™“ eingeblendet werden, so oft wie ich von Dingen rede, die man in das Herz der Retrospektive geschlossen hat.

Mal ehrlich. So superübertoll war das YPS Heft ja nie. Die Comics waren eher geht so und die Gimmicks auch gern mal noch eine Kategorie drunter. Man darf sich im Alter über 9 Jahre dann schon mal fragen: „Warum braucht man so was?“. Andererseits tragen statistisch gesehen 11 von 10 Dingen auf meinem Schreibtisch den Beisatz „Warum braucht man so was?“ . Also ungefähr 1.927.827 Mal „Warum braucht man so was?“

Das wirklich Tolle daran ist ja, dass man es nicht wirklich braucht sondern einfach gerne hat. Eben so wie das YPS Heft. Da steckt mehr Hach drin, als in der Oma vom Süderhof. Egal, was mit dem Gimmick nach dem 3. Benutzen passiert. (Also vom YPS-Heft, ob die Süderhof-Oma ein Gimmick hat, weiß ich nicht.) Und genau darum geht es doch allen Leuten, die sich auch in der Pubertät und danach noch für das YPS-Heft interessieren. Es geht um dieses Hach-Gefühl des altbewährten Magazins und nicht ein Lifestyle Männerheft mit YPS-Anstrich. Ieh. Allein die Vorstellung einer solchen heterogenen Mischung. Aber vielleicht liegt das auch nur an meiner generellen Abneigung für derartige „Männermagazine“.

Dabei fiel mir allerdings ein, dass der Ehapa Verlag vor etwa einem Jahr einen solchen Versuch schon einmal gestartet hat. Da entdeckte ich am Kiosk plötzlich „Donald – Das Lifestyle Magazin aus Entenhausen“ Magazin. (Keine Ahnung was daraus geworden ist, ich habe Angst danach zu recherchieren.) Ich hab es mir damals direkt gekauft, da ich die Idee da doch absurd und spannend zugleich fand. Voll in die Hachwelle springen und den Älteren mehr als nur ein Lustiges Taschenbuch in die Hand drücken.

Die Mischung sprang letztlich die ganze Zeit zwischen „Och, ganz schön.“ und „ACH DU SCHEISSE!“. Viele kleine Anekdoten und Hintergrundwissen um und über Entenhausen sind wirklich ganz schön aber es scheint als hätte dann ab und zu jemand auf den Tisch gehauen und gesagt: „Leute wir sind ein Lifestylemagazin, wir müssen da Uhrenwerbung platzieren also müssen da noch Lifestylethemen rein!“

Das Ergebnis davon war dann so was:

Bettina Zimmermann trägt sexy Entenhausenoutfits (auf dem Cover als „…zeigt Bein und Bürzel“ angekündigt) und erzählt im Interview mit Donald Duck dann wie sie so tickt und was ihr bei Männern wichtig ist. Die beiden flirten dabei.

Jetzt mal ehrlich. ich will das nicht. Ich will nicht, dass Donald Duck mit einer gut aussehenden Schauspielerin flirtet. Das passt in diese Welt einfach nicht hinein. Oder? Ich will doch auch einfach nie wissen, wie es wohl ist, wenn Charlie Brown seinen eigenen Körper für sich entdeckt.

Zwischen langweiligen Interviews kann man sich dann kurz bei ein paar unterhaltsamen Fakten erholen. Zum Beispiel erklärte Peter Fox seinen Künstlernamen einmal so, dass er „schön schnittig nach Privatdetektiv aus Entenhausen“ klingt. Oder auf isländisch trägt Donald Duck den schönen Namen „Andrés Önd“. Erstaunlich (und schön), dass man ihm keinen deutschen Namen gegeben hat. Harald Ente oder so was.

Dann flirten wieder irgendwelche Frauen mit Donald. Baher von ehemals Monrose sagt zum Beispiel: „Ich finde, ich ähnle Daisy sehr. Ich schminke mich ständig und liebe es mich zu stylen.“ Hm. Hm. Hm. Cassandra Steen sagt dazu: „Donald ist ehrlich, sogar eitel, selbst seine Wutausbrüche machen ihn irgendwie sexy.“ Hm. Hm. Hm. Okay, das ist ja alles lustig gemeint. Aber … ach.

Den krönenden Abschluss jeglichem Spaßes gab es dann zum Abschluss: Rezepte. Mit Enten. Ente im Schmortopf. Enten-Crisps. Duck-Burger. Jeweils fein bebildert. Noch unethischer als Tiere zu essen ist ja eigentlich nur, sie ein ganzes Magazin lang zu vermenschlichen und dann erst zu essen. Meine Güte.

Ich würde mich wirklich gern auf die YPS Jubiliäumsneuauflage im oktober freuen, aber es geht einfach nicht. Viel zu gruselig ist das, was sich da abzeichnet. Ein YPS Heft mit Uhren, Autos, Frauensindsoundso,
Brüste Höhöhöhö ist einfach kein YPS Heft. Trotzdem lasse ich mich natürlich gerne eines besseren belehren. Hauptsache es gibt keine Rezepte und Popstars die eine Ente ohne Hose sexy finden.

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