Murmel arbeitet im Kino. Heute habe ich diesen Umstand erstmals genutzt und bin außerhalb ihrer Arbeitszeit mit ihr zu ihrem Arbeitsplatz. Das bringt natürlich einige Vorteile mit sich und irgendwie fühlt es sich ein bisschen so an, als sei man von seiner Mutter mit an die Arbeit genommen worden. Alle sind ganz freundlich, es gibt überall gut gelaunte Hallos aber anfassen darf man trotzdem nichts.

Es kann übrigens passieren, dass man am Arbeitsplatz der Mutter keine freundlichen Hallos bekommt, sondern lediglich betont ernste Mienen mit musternden Blicken. Das kann dann zum Beispiel daran liegen, dass man eine Mutter hat, welche beim Bundesgrenzschutz arbeitet und alle Kollegen denken, man sei ein krimineller Jugendlicher, der gerade auf sein anstehendes Verhör wartet. Aber dazu erzähle ich vielleicht ein andermal mehr, kommen wir lieber zurück zum Kinoaufenthalt.

„Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ ist ein sehr angenehmer Film. In etwa so als würde man an einem lauen Sommerabend kleine Leckereien auf einer Terrasse zu sich nehmen. Man wird sich nicht an Einzelheiten über die Leckereien erinnern, aber der Abend wird als sehr angenehm in Erinnerung bleiben.

Ich musste dabei gleich mehrmals an Familienangelegenheiten denken. Bei all der italienischen Stimmung fühlte ich mich natürlich an den Fakt erinnert, dass ich jetzt seit etwa einem halben Jahr weiß, irgendwelche italienischen Vorfahren gehabt zu haben. Familie Balbiani.

Ich werde da noch einmal genauer nachhaken und meine Verwandten da unten ausmachen. Ich sehe mich schon durch diese engen Kalksandsteinhäußergassen tanzen, jede Menge Weißmehlspeisen verzehren und als neue Attraktion als kalkweißer Strandgast, der noch im fernen Tunesien die Kettenverkäufer an der Strandpromenade blendet. Das wird schön, klingt so, als wäre das ein Projekt für den nächsten Sommer. Das letzte Mal als ich mit Italienern zusammen gefeiert habe, befand ich mich noch im Zivildienst. Einer von denen ist auf dem Billardtisch eingeschlafen und sein Handy ist in eines der Löcher gefallen. Ich weiß gar nicht ob er das Handy jemals wiederbekommen hat.

Im Film war übrigens auch Ronny zu hören? Kennt den wer? Ja, dieser Name ist stark vorbelastet, aber ich meine den Sänger aus den 60er/70er Jahren. Mein Vater hörte für gewöhnlich so was AC/DC oder Status Quo, was man eben so hört, wenn man mal in einer Dorfmopedgang war. Gerade wenn aber ein Urlaub in Gebirge anstand waren starke Schwankungen in seinem Musikgeschmack zu spüren.

Er hörte dann plötzlich fürchterliche deutsche Volksmusik und eben auch Ronny. Ein Mann mit tiefer Stimme der vom Wilden Westen singt, man aber beim Hören nie dieses Getränkediscounter Gefühl los wird. Eine dieser Musikausgeburten wurde während eines Urlaubs in der Schweiz ganz fürchterlich. Wir hörten bei diversen Wanderroutenanfahrten diese eine Ronny Kassette hoch und runter. Ich kenne daher alle Wild West und Frauengeschichten von Ronny, in einem Lied wird er sogar erschossen. In einem unbeobachteten Moment ließ ich die Kassette dann auf einem Autoparkplatz verschwinden, ein bis Heute in meiner Familie ungeklärter Fall. Mutti wenn du das hier liest, deine Vermutungen stimmten damals tatsächlich, ich war’s.
Hier mein Lieblingssong: „Dunja, Du

Heute vor ziemlich genau 15 Jahren war ich auch in einem dieser Familienwanderurlaube und zwar in Ruhpolding. Aufgrund der Wintersportaffinität meines Großvaters, sind meine Großeltern dort für gefühlte 70 Jahre lang jedes Jahr für 3 Wochen im Sommer hingefahren. Die schmale Rente macht das mittlerweile leider nicht mehr möglich. (Sollte irgendein Mobilfunkunternehmen einen Posterboy Blogtypen für Werbezwecke suchen, für ein Ruhpolding Urlaubsgutschein mach ich’s!)

Mit meinen Eltern war ich jedenfalls auch mal für ein paar Tage mit dort.Wanderurlaub im Gebirge. Mal wieder. Und Heute vor genau 15 Jahren, habe ich auf dem Weg zum Schwimmbad meine Baby Sinclair („Nicht die Mama!“) Spielfigur verloren. Am Abend war ich dann zum ersten Mal in meinem Leben in einem Kino. Es lief die Realverfilmung der Flintstones und ich hatte das Gefühl, der allercoolste im ganzen Saal zu sein, weil ich ein „Macho Man Randy Savage“ T-Shirt trug. Das ging mir damals bis über die Knie und es ist das einzige aus der Sammlung welches ich Heute noch besitze. Leider würden mir wohl Klagen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses ins Haus stehen, weil mein Bauch in Kombination mit dem Shirt am besten als „quallernd“ beschrieben werden kann.

Diese kleinen Details habe ich mir übrigens nur aus dem Grund gemerkt, weil an jenem Tag auch mein anderer zu Hause gebliebener Opa gestorben ist. Wenn die großen Dinge geschehen, bleiben eben auch die kleinen mit hängen.

Ich merke gerade wieder, dass ich ja doch irgendwie älter werde. Immerhin kann ich schon bestens kleine Anekdoten und Geschichten von Früher erzählen. Ich freue mich schon sehr darauf eben diese Anekdoten meinen Verwandten in Italien zu erzählen, während ich mich mit einem Ausdruckstanz für die Gastfreundschaft in Form einer riesigen Pizza bedanke. Oder so.

(Und, wer sieht beim Hören gerade vor sich, wie Michael Schumacher die Mütze abnimmt und sich den Champagnr aus dem Gesicht wischt?)

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