18. Februar 2012 | 14:06 Uhr

Manchmal frage ich mich, was meine Eltern wohl damals dachten, als ich im Kindesalter gerade in meiner Wrestling-Phase steckte. Mein ganzes Zimmer hing voller Poster mit schweißnassen, eingeölten Männern, die ihre Anabolika-Körper in viel zu enge, neonfarbene Unterhosen gesteckt hatten. Und in meinen Taschen steckten Aufkleber und Sammelkarten mit den gleichen Motiven.

Überhaupt ist das doch absurd. Gibt es irgendetwas gewaltverherrlichenderes, sexistischeres, was dann auch noch derart albern dabei ist? Aber womöglich ist es nun mal genau diese Mischung, welche die komische Faszination für diesen Sport ausmacht.

Hin und wieder schaue ich mal, was die aufgepumpten Herren so machen. Natürlich findet man es mittlerweile verdammt albern, allerdings kann man das sehr leicht ausblenden, wenn man dabei diese kindliche Begeisterung in sich spürt. Irgendwann kommt der Punkt an dem man diese Mischung aus Sport und Unterhaltung nicht mehr ernst nehmen kann, dafür realisiert man aber zunehmends, wie schlimm es da zum Teil hinter den Kulissen wohl zugehen mag.

Was für komische Asumaße das annehmen kann, wird unter anderem in der Dokumentation “Wrestling with Shadows” über Bret Hart, Held meiner Kindheit, gezeigt. Und weil das National Film Board Of Canada auf der Höhe der Zeit ist, kann man sich die gesamte 90minütige Doku hier anschauen. Auch für Menschen, welche nie Fan von dieser Sportart waren durchaus zu empfehlen. Bittesehr:

In this feature-length documentary, director Paul Jay was given unprecedented access to the world of Bret Hart and pro wrestling as his camera followed Bret “the Hitman” Hart for one year. Going behind the tightly guarded walls of wrestling’s spectacle and theatre, the film explores the meaning of today’s wrestling morality plays. As fantasy crosses into real life, the true story of Bret Hart’s struggle with Vince McMahon, the legendary owner of the WWF, is revealed.

Vor zwei Jahren wurde ich einmal eingeladen, als die WWE in Berlin gastierte. Nach einer 13jährigen Pause und einem zwischenzeitlichen Schlaganfall war auch Bret Hart wieder mit von der Partie. Ein komisches Bild wie ein Mann in seinen Mittfünfzigern da am Ring steht. Trotzdem ein unbezahlbarer Gänsehautmoment, wenn einer der Helden der Kindheit mit seiner Musik im Rücken plötzlich in die Halle gestürmt kommt. Hach!

Er ist einer der wenigen, die auch nach ihrer aktiven Karriere noch halbwegs im Rampenlicht geblieben sind und gibt zudem hin und wieder sehr interessante Interviews. Seine Biografie ist ebenfalls sehr lesenswert. Dennoch verkörpert er wie kein anderer die dunklen Seiten dieses Sports. Sein Bruder starb während eines Unfalls bei einer Wrestlingshow und 6(!) weitere ehemalige Freunde und Kollegen von ihm starben bereits frühzeitig, wegen der Dinge, die sie ihrem Körper antaten.

Mit “Dead Wrestlers Scoiety” gibt es mittlerweile sogar schon eine großartige Kunstausstellung über einige verstorbene Athleten. Warum? Na: “Professional Wrestling has given us some of the most colourful and charismatic characters in sports history. Defying all attempts at labelling or categorisation these huge writhing muscular masses of outrageous behaviour clad in ever-changing wardrobes of flamboyant costumes and crazy color-ways. What better muse for ilovedust?”

Welch verheerende Ausmaße es annehmen kann, wenn die Scheinwerfer und Zuschauer rund um das Geschehen weniger werden, dafür aber Medikamente und diverse Drogen umso mehr werden, zeigte eine ESPN Doku Ende letzten Jahres. Eigentlich wollte ich damals schon darauf hinweisen, aber so ein unterhaltsamer Gerümpelhaufen wie das Internet ist, da kann so was ja schnell mal untergehen.

Die Doku handelt von Scott Hall, früher besser als “Razor Ramon” bekannt. Es wirkt, als wäre sein Leben mittlerweile das geworden, was Mickey Rourke im großartigen FIlm “The Wrestler” darstellt. Nur noch schlimmer. Es folgen 20 sehr bedrückende Minuten …

ESPN 60 : The Scott Hall Story 

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