Was ist denn hier los?! Mein Blog ist noch eingestaubter als der Wasser-Max in unserer Küche. Dasdarfdochwohlnichtwahrsein! Und das, wo ich mir doch im Urlaub an der türkischen Ägäisküste sogar Notizen gemacht habe. Einen ganzen Monat nach Strand und Sonne hier also meine Aufzeichnungen über einen Türkei-Urlaub:

– Das Hotelfernsehen hat 2 deutsche Sender, SAT1 und ProSieben. Es laufen Luke Mockridge auf dem einen und Daniel Aminati auf dem anderen. Deutschland wirkt aus der Ferne noch unangenehmer.

– Apropos Deutschland. Es gibt erstaunlich wenige Deutsche im Hotel, aber ab und an sieht man doch ein Prachtexemplar. Beziehungsweise eben nicht. Man könnte es so als Foto in die deutsche Botschaft in der Türkei hängen: Schon vorm Frühstück sind 2 große Liegen nebeneinander belegt mit einem kleinen Handtuch. Aufdruck: Der WM Pokal, dazu die Aufschrift „Weltmeister 2014“.

– Ich dachte es gibt überall Falafel-Berge und Wannen voller Hummus. Aber nein, das ist ja arabisch, wie ich heute gelernt habe. Kreuzberg was machst du mir da vor?!

– Hammam kammamamachen. Man fühlt sich auf dem warmen Marmorklotz wie ein Stück Butter auf einem warmen Toast. Allerdings ging ich ja davon aus, dass sich ein dicker stark behaarter Mann mit Ellenbogen voran per Bodyslam auf mich wirft. Stattdessen dann eine kleine Thailänderin, die aber, glaube ich, mehr Kraft als ein solcher Hammammamammann hatte. In jedem Fall fühle ich mich jetzt wie ein lauwarmer Octopus.

– Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Bodrum ein bisschen das Sylt der Türkei. Also ein hübscher Küstenort, wo Männer mit grauen Schläfen ihre Yachten parken. Trotzdem gibt es rund um den Hafen fast kilometerlang Geschäfte, die nichts als Fälschungen verkaufen. Lustig, wie einem da doch der verrückte Markenwahn vor Augen geführt wird. Und erstaunlich auch, wie problemlos das geht. Wenn man in Deutschland „Adidos“ und „Nyke“ Shirts verkauft, ist man mit einem Bein im Gefängnis und hier gibts es das alles ohne Schreibfehler zu schleuderhaften Paketpreisen. Schon erstaunlich was sich im Bereich der Trikotfälscherei auch alles getan hat. Die sehen nicht nur (auf den ersten Blick) überraschend echt aus, es gibt sogar Designs, die gerade mal vor zwei Wochen veröffentlicht wurden. Am bizarrsten sind übrigens die Markenfälschungen der zweiten Generation, wo dann alles Mögliche vermischt wird. Mein Liebling bisher ist ein Nirvana Shirt im Starbucks Design oder ein gangstermäßiges Basketballshirt von Rammstein.

– Ich habe den glücklichsten Traktor der Welt getroffen.

– „Danke“ heißt auf türkisch „Teşekkür ederim“. Nach zwei Tagen konnte ich es mir immerhin merken, aber das kann man gar nicht so elegant mit einem Grinsen wegnuscheln wie ein „Takk“ oder „Gracias“. Fühlt sich eher wie ein Vortrag an. Einmal hab ich es schon an einem kleinen Fischerboot beim Gehen ausprobiert, aber der Mann hat einfach nicht reagiert. WASSOLLDAS?!! (Ansonsten sind hier alle Menschen wahnsinnig freundlich übrigens)

– Am Pool ist mir am dritten Tag in Folge ein Familienvater aufgefallen, der jeden Tag eine türkisgrüne Badehose und eine Kapitänsmütze vom Markt trägt. Irgendwie finde ich den Gedanken lustig, morgen sein Outfit nachzukaufen und dann immer bei ihm vorbeizulaufen.

– Ich habe ein neues Feindbild: Schreiende Kinder. Wobei, nicht direkt schreiende Kinder, das ist okay. Schlimm sind schreiende, unzufriedene Kinder. In meiner Kindheit habe ich für einen Urlaub meistens ungefähr 8 Stunden in einem Backofenauto auf dem Brenner gesessen. Angekommen in den Bergen sind wir mit einer Gruppe befreundeter Rentner durch irgendwelche Geröllfelder gewandert. Ich war immer das einzige Kind der Gruppe und sollte erst 20 Jahre später verstehen, was genau an Wandern so toll ist. Hier hingegen ist das anders. Meer, Pool, Palmen, Hunde, Katzen und wann immer man will, gibt es Eis. WARUM HEULT DER DANN, DASS IHM LANGWEILIG IST?! Oder ein anderes Kind hat in einer Burg geweint, weil er keine Lust mehr hatte. Eine tolle, verwinkelte Burg mit echten Kanonenkugeln überall, Rittern, freilaufenden Tieren und ganzen Räumen voller versunkener Schätze, die man in der Bucht davor gefunden hatte. WASGEHTLOSDAREIN?!

– Apropos Hunde und Katzen. Es gibt sehr viele Straßenhunde und -katzen hier. Wirklich ungewohnt, Hunde zu sehen, die einfach niemandem gehören. Glücklicherweise gehen alle Leute sehr nett mit den Tieren um und geben ihnen weitestgehend Wasser und Futter. Am Liebsten würde ich alle mitnehmen. Geht aber nicht, also habe ich an die benachbarte türkische Dependance des Berliner Tierheims gespendet. Kannmanauchmamachen.

– Kleine Bootsfahrten sind sehr praktisch, wenn man in einsame Buchten zum Baden und Tauchen möchte. Hat ein Boot allerdings mehr als anderthalb Passagiere an Bord, kommt ein Fotograf mit, der zu Beginn der Tour wahnsinnig romantische Fotos macht, die am Ende der Tour in ebenfalls wahnsinnig schönen Mappen verkauft werden. An Bord ist ein älteres englisches Pärchen, die sich sehr wahrscheinlich bei einer Kneipenschlägerei kennengelernt haben. Sie ist braun und untersetzt wie eine aufgeschwemmte Mokkabohne, während er krampfhaft versucht, die ganze Zeit seine Muskeln anzuspannen, um die alten Tattoos in voller Pracht wirken zu lassen. Dabei hat er sich so leuchtend rot verbrannt, dass ich mir sicher bin, dass man ihm vom Mond sehen kann. Die beiden kooperieren seit 10 Minuten mit dem Fotografen und bekommen immer neue Tipps für besonders romantische Posen. Gerade halten sie ihre Arme, um ein großes Herz zu bilden. Ich überlege mittlerweile, ob ich am Ende der Tour nicht einfach ihre Mappe kaufe und die Fotos mit einem „Uns geht ey gut, Grüße aus der Türkei.“ als Postkarten an Oma und Opa schicken soll. Oder auf Din A0 im Wohnzimmer.

– Ich bin wirklich überrascht davon, wie fast schon unsichtbar der Islam hier ist. Wären nicht die Minarette hier und da, würde man es nicht erahnen können. (Wie auch immer ich mir das in meinem einfach gestrickten Hirn so vorgestellt haben mag) Gerade ist Ramadan und ich frage mich, was wohl in Deutschland los wäre, wenn die Hälfte der Leute den ganzen Tag nichts Essen und trinken würde. Man stelle sich das mal vor! Eine Berliner U-Bahn gegen 19:00 Uhr im Berufsverkehr und die Hälfte der Leute hat nichts gegessen und getrunken. Weltuntergang!

– Manchmal, wenn der Muezzin fertig mit seiner ähhh Botschaft über die kratzigen Lautsprecher am Minarett ist, hört man den Tastenton eines Telefons. Das spricht für mich dafür, dass die Lautsprecher an eine Telefonanlage gekoppelt sind. Da sitzt also jemand irgendwo in einem Kabuff und ruft lauter Sachen in sein Telefon rein, haha! Noch besser wäre allerdings, wenn sich jemand verwählt und man das dann in der ganzen Stadt hört.

– Ich habe für gewöhnlich den größten Pro-Kopf-Zuckerkonsum im Raum Deutschland/Österreich/Schweiz, aber was die Türken da anstellen ist selbst mir ein Rätsel. Allein der Fakt, dass mir etwas zu süß ist, dürfte schon verwunderlich genug sein. Zucker wird mit Zuckersoße übergossen und ein weiteres Mal mit Zucker bestrichen. Es gibt kaum süße Spezialitäten bei denen man sich nach drei Stück nicht so fühlt, als könne man nie wieder etwas Süßes zu sich nehmen. Und damit übertreibe ich nicht. Es scheint als wären die Spezialtäten weitestgehend Zucker mit Zucker und frittiertes Frittiertes. Ich gehe seitdem fest davon aus, dass die Einwohner/innen der Türkei an Diabetes sterben, wenn sie nicht vorher bei einem Verkehrsunfall an einer Kreuzung umkommen.

– Ich bin großer Fan des Dosenpfands, denn so fühlen sich kalte Soft Drinks aus Dosen gleich viel exklusiver an. In der Türkei gibt es sogar blaugefärbte Cola-Dosen. Ich denke mal, im Bereich Corporate Identitiy ist bei Coca Cola Türkei gerade eine Stelle frei geworden.

Alles in allem ein wunderbarer Urlaub und ich lasse mich gerne bald wieder mal blicken. Dann lerne ich hoffentlich auch ein paar mehr Wörter.

PS: Eine schönere und vor allem bildreichere Zusammenfassung hat meine Liebste hier gemacht.

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