28. Januar 2013 | 9:55 Uhr


Gestern Abend habe ich Günther Jauch mit dem wohlklingenden Thema “Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem?” als aktuellen Höhepunkt der #aufschrei Debatte gesehen. Das alles finde ich so verwundernswert und wirklich schlimm, dass ich auch noch ein paar Worte dazu verlieren muss. Vorweg: ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal einen Artikel über einen Hashtag und dessen Debatte schreiben würde. Für gewöhnlich ist das nämlich ziemlich Albern. “#aufschrei” an sich klingt auch etwas albern, liegt aber ganz einfach daran, dass er in einer Reaktion von einem Moment auf den anderen gewählt wurde, also halten wir uns damit gar nicht länger auf.

Ebenfalls für gewöhnlich sind übergroße, öffentliche Diskussionen (erst recht auf Twitter) nicht sonderlich gut, geschweige denn ergiebig. Beim Thema Sexismus sehe ich das aber anders. Das kann gar nicht groß und öffentlich genug diskutiert werden. Denn ja, das kann man ohne Fragezeichen dahinter schreiben: Deutschland hat ein Sexismus-Problem. Was mich an all der Diskussion aber am meisten verwundert ist, dass es sie überhaupt gibt. Warum wird da überhaupt diskutiert? Warum wird da überhaupt so viel bis alles (siehe Jauch) klein geredet? Warum wird nicht einfach gesagt, Ja da ist ein Problem, da müssen wir was machen? Selbst wenn, wie auf Twitter derzeit, tausende von ihren Sexismus-Problemen im Alltag berichten. Das sind ja alles keine Ausnahmefälle, das ist in der Großzahl Normalität und genau das ist ja das Schlimme.

Ich glaube, viele (meiner männlichen, aber erschreckender Weise auch weiblichen KollegInnen) wissen einfach gar nicht was da los ist und können das deshalb auch nicht einschätzen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum im gleichen Zug altbekannte Zwischenrufe aufkommen wie “Ja, Frauen müssen zum Beispiel nie vor Clubs anstehen. Das ist auch Sexismus!”. Natürlich ist das auch Sexismus aber die Priorität liegt da doch etwas anders zwischen “Ein Typ hat mich auf der Tanzfläche so ekelhaft angepackt, dass ich mich noch Tage später unwohl fühle” und “Ich bin 10 Minuten später in den Club gekommen, weil ich keine Brüste habe.” Für alle Menschen, die so etwas denken: Keine Angst, Feminismus wird nicht dafür sorgen, dass alle Männer ein Leben als Knecht der Frauenwelt leben müssen.

Ebenfalls ein Problem an der Debatte: Deutschland ist in der großen Öffentlichkeit leider immer noch nicht darüber hinweg gekommen (siehe Jauch), Alice Schwarzer als großes, strahlendes Bild einer Feministin im Kopf zu haben. Natürlich hat diese Frau viel geleistet und ach, aber mittlerweile bewirkt sie wohl eher das Gegenteil. Natürlich gibt es da große Veränderungen, auch in der öffentlichen Wahrnehmung was Feminismus angeht. Aber ganz Deutschland ist was das angeht eben leider nicht Berlin Mitte. Wenn ich in meiner Heimat auf dem Land mit “Feminismus” ankomme, wird das sofort mit Igelschnitt Drachen assoziiert, die eigentlich lieber Männer wären.

Aber zurück zum Thema. Noch einmal: Ich glaube die Diskussion gibt es deshalb, weil viele einfach nicht wissen, wie krass das Problem tatsächlich ist. Ein paar Beispiele dazu. Ich kenne sehr viele Frauen in meinem Umfeld und Freundeskreis die zum Beispiel generell bei Fahrten mit der U-Bahn ein böses (gern als eingebildet aufgenommenes) Gesicht auflegen, einfach um nicht direkt doof angequatscht zu werden. Einfach weil es für viele Normalität ist, dass immer irgendein Vollhonk ankommt, der Quatsch erzählt, der weit außerhalb eines “netten Flirts” liegt. Oder noch viel konkreter: Wenn ich mich mit meiner Freundin treffe kommt es (viel zu) oft vor, dass ich zu spät bin. In diesen, sagen wir mal, fünf Minuten extra gibt es eine ungefähre Wahrscheinlichkeit von 60%, dass ihr irgendein Typ im vorbeilaufen den Wunsch nach sexuellen Gefälligkeiten an den Kopf knallt. Einfach so. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Hier gibt es viele viele mehr und es geht mir einfach nicht in den Kopf, warum es diese Diskussion mit all ihrer Kleinrederei überhaupt gibt.

Und ja, natürlich geht das auch andersrum. Auch ich wurde schon von Frauen angepackt und mehr als blöd/unangenehm angemacht. Aber das kam vielleicht zweimal vor und war im Unterschied zu eben genanntem eine absolute Ausnahme. Natürlich gibt es Sexismus von beiden Seiten. nur überwiegt er gegenüber Frauen eben so stark, dass er Normalität ist. Erst recht in Abhängigkeitsverhältnissen. Siehe das klassische Chef baggert Sekretärin an Beispiel.

Es geht dabei doch nicht um einen kleinen Flirt oder der Blick auf einen Ausschnitt im Vorbeilaufen. Es geht um verletzendes, verachtendes, sexistisches Verhalten. Und wer da die Diskussion anfängt, wo man da denn eine Linie zieht – meine Güte. Sollen wir diese Diskussion also sein lassen, weil wir nicht wissen, wo die Linie zu ziehen ist? Ganz einfach, die Grenze ist da, wo sich eine/r von Beiden unwohl fühlt. Beziehungsweise schon weit vorher, schließlich darf das jede/r immer noch für sich selbst bestimmen. Fertig aus.

Neben dem Kleinreden gibt es noch einen viel größeren, schlimmeren Punkt: Dem Opfer die Schuld zu weisen. “Wenn sie sich so anzieht, braucht sie sich gar nicht …” und so weiter. Heiliger Scheiß, was ist das denn nur für ein Diskussionsansatz? Und nur weil die ersten drei Plätze der Bestsellerlisten mit “50 Shades of Grey” belegt werden, heißt dass noch lange nicht, dass absolute jede Frau, die dieses Buch liest, mit absolut jedem mann Sex haben will. Überhaupt ist das ein furchtbares Buch in dem einfach die Unwissenheit und Schüchternheit einer Person ausgenutzt wird um sie für sexuelle Gefälligkeiten und … ach, ein andermal mehr dazu. Nein, eigentlich habe ich keine Lust über dieses Buch zu reden. Jedenfalls: Verzerrte Welt. Um es aber Mal auf den Punkt zu bringen: Viele verwechseln scheinbar immer noch Sex mit Sexismus.

Und das Schlimme ist, dass das auf lange Sicht auch nicht wirklich besser werden wird, bei all der Machokultur, die gerade auf so manchem Schulhof heranwächst. Bei Homophobie ist das ja ähnlich. Deshalb noch einmal die Frage: Warum wird diese Diskussion überhaupt geführt und warum das auf eine derart kontroverse Weise? Kann man sich nicht einfach darauf einigen, dass Sexismus scheiße und ein tatsächliches Problem ist um etwas dagegen zu tun? Bitte? Danke.

33 Kommentare zu “War doch nicht so gemeint”

  1. Sonja sagt:

    Danke für deinen Text! 
    (Kann man deine Bloginhalte flattrn?)

  2. formschub sagt:

    Nicht so ganz verstehe ich den Satz »die Grenze ist da, wo sich eine/r von Beiden unwohl fühlt« – aus meiner Sicht hat die Person, die sexistisch angegangen wird, eindeutig Vorrang, ihre Grenze zu ziehen. Ansonsten: Zustimmung.
     

  3. Herm sagt:

    @formschub: stimmt voll und ganz, das war unglücklich formuliert.

  4. Mirko sagt:

    Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu. Aber “die Grenze ist da, wo sich eine/r von Beiden unwohl fühlt” kann ich so pauschal auch nicht stehen lassen. Manche Frau fühlt sich ja schon unwohl, wenn sie der Blick eines Manns nur streift. Ich hab’ sogar schon gereizte “ey, guck mich net so blöd an” von Frauen zu hören bekommen, die ich vorher nichtmal wahrgenommen habe, weil völlig außerhalb des Blickfelds… Sicher, daran dürfte der schon erlebte schlimmere Sexismus keine kleine Schuld treffen, aber man kann doch auch nicht gleich nahezu jeden normalen Kontakt verbieten.
    Ich finde, die Grenze ist auf jeden Fall dort zu ziehen, wo ein eindeutiges “Nein” signalisiert wird. Auch durch Gesten. Und wenn sich dann Frauen wundern, warum sie plötzlich nur noch Leute in der Friendzone haben statt Macho-Typen, die vermeintlich “um sie kämpfen”, und die richtigen Schlüsse ziehen, wäre das sicher für beide Seiten eine wünschenswerte Weiterentwicklung…
    Und selbstverständlich sollte man vielleicht versuchen, auch mal in die Augen zu schauen statt auf andere Körperteile – Männer wollen ja auch nicht auf ihren Hintern reduziert werden… ;-)
    Was die am Ende erwähnte Homosexualität angeht, habe ich mal irgendwo die Aussage gehört, Homophobe hätten nur Angst, dass sie von homosexuellen Männern so behandelt werden könnten, wie sie Frauen behandeln. Sagt auch viel aus über Sexismus…

  5. Juni sagt:

    super Text, merci beaucoup!

  6. Uli sagt:

    Herr Jauchs Sendung taugt leider fast nie zu irgendeinem Erkenntnissgewinn, wenn man Frau Schwarzer einlädt schalten viele wahrscheinlich sofort ab. 

    Ich sehe das so: Ja es gibt ein Problem mit Seximus, das ist spätestens nach dem #aufschrei hoffentlich jedem klar geworden. Beispiele gibt es viele und die Diskussion sollte sich darum drehen was alles dazu gehört und wie man so etwas verhindern kann. Die meisten Männer die sich überhaupt schon mal mit dem Thema beschäftigen dürften gar nicht die Zielgruppe sein, sondern die berühmten 1% unverbesserlichen Idioten. Wenn man solche Leute kennt oder in der Öffentlichkeit sieht sollte man versuchen aktiv zu werden, was sicher alles andere als einfach ist. Das ist es bei ausländerfeindlichen Sprüchen oder Schwulenwitzen aber auch nicht. 

  7. Leilah sagt:

    Ich find’s gut, dass Du Dich dazu äußerst – wenn Du auch die 2 Fälle, in denen Du belästigst worden bist, herunterspielst.
    Bei dem, was Mirko sagt, fällt mir ein, dass es auch eine Diskriminierung der Bisexualität gibt – Männer entwickeln da sicher Ängste, bei Frauen ist es oft unbewusst, die können innig-platonische Freundschaft mit der besten Freundin haben, ohne an Sex auch nur zu denken.

  8. Hendrik sagt:

    Woher weiß A denn, wodurch sich B eventuell unwohl fühlen könnte, wenn sich A und B nicht kennen? Klar gibt es Dinge, die man einfach nicht sagt oder tut, aber die Debatte führt in meinen Augen hauptsächlich dazu, dass die Grauzone dessen, was nicht jeder unmittelbar als sexistisch einstufen und andere sogar als gut gemeintes Kompliment auffassen könnten, viel mehr vergrößert wird. 

  9. Cecil sagt:

    Gibt es tatsächlich Männer, die “Frauen müssen bei Clubs nicht anstehen” als Argument bringen? Weil im Grunde wird ja dieses schnelle Einlassen von Frauen auch nur für die Männer gemacht, nur halt für die , die schon drin sind, Eintritt bezahlt haben und jetzt Spass haben sollen. Das ist keine Bevorzugung von Frauen sondern nur Geschäftsdenken.

  10. Ich wiederhole mich gern, weil auch dieser exzellente (männliche) Beitrag mich bestätigt: Männer und Frauen wollen sich wieder sicher miteinander fühlen. Deshalb auch diese große, hoffentlich fruchtbare, Debatte. Es tauchen soviele konstruktive, uneitle Beiträge auf, die bereits eine rote Linie ziehen zwischen gestrig und zukünftig.

  11. Martin sagt:

    Danke für diesen Artikel!
    Können wir die Schlussfolgerung bitte etwas weiter fassen:
    Es gibt Diskriminierung in dieser Gesellschaft gegen Fraurn, Behinderte, chronisch Kranke, Ausländer, Frauen….
    Jede Form dieser Diskriminierung ist scheiße!
    Bitte? Danke!

  12. nickel sagt:

    Sehr schöner Beitrag, danke dafür. Ich finde dieses Kleinreden auch furchtbar- vor allem aber furchtbar gefährlich. “Hey, der Jauch findet dumme Sprüche okay- da kann ich die ja bringen.” Nein verdammt! Und genau deswegen ist es wichtig, dass man nicht aufhört, zu diskutieren! Und ob ich dafür als Zicke oder sonstwas abgestempelt werde, ist mir so unglaublich egal. Was gesagt werden muss, das muss nunmal gesagt werden. Und wenn es auch nur EINER Person die Augen öffnet.

  13. Ich bin die Meisterin im “Sprich mich ja nicht an”-Blick. Sollte eigentlich Workshops geben. Aber was ich wirklich erschreckend finde und wo ich selbst zugeben muss, dass es manchmal so ist: Kommt der gleiche Spruch aus dem Mund eines fetten, alten Sackgesichts fühle ich mich belästigt, ist es ein gut aussehender Jüngling ist es ein Flirt …

  14. nk sagt:

    > Warum wird nicht einfach gesagt, Ja da ist ein Problem, da müssen wir was machen?
    Dann mach bitte mal einen Vorschlag
    1. wer das sagen soll. Wer genießt genug Vertrauen, dass seine Ansage nicht nur nach leerer Wahlkampfphrase klingt?
    2. wie die/derjenige das Thema dann angehen soll. Gesellschaftliche Zustände kann man nicht durch Weisung vom Zentralkomitee ändern.
    > Es geht dabei doch nicht um einen kleinen Flirt oder der Blick auf einen Ausschnitt im Vorbeilaufen. … die Grenze ist da, wo sich eine/r von Beiden unwohl fühlt.

    Merkste selber, ne?

    > Ja, Frauen müssen zum Beispiel nie vor Clubs anstehen. Das ist auch Sexismus!

    Sorry, aber da hast Du was falsch verstanden. In diesem Beispiel ging es darum, dass Frauen, die Sexismus anprangern, sich nicht abends mit vorgeschobenem Busen das Geilo-Privileg abholen. Weil das den Sexismus nutzt, den man anderswo angeprangert hat.

    > Viele verwechseln scheinbar immer noch Sex mit Sexismus.

    Du ja offenbar auch. Oder warum bringst Du das Beispiel Shades of grey?

    > Kann man sich nicht einfach darauf einigen, dass Sexismus scheiße und ein tatsächliches Problem ist um etwas dagegen zu tun? Bitte? Danke.

    Ja kann man. Und nu? Alles beim alten? Die reine Ansage bringts halt nicht. Und das Reduzieren auf die Aussage auch nicht, wenn jeder sich seinen persönlichen Sexismusbegriff selbst definieren darf. Oder ihn – wie im Fall Brüderle – gegen andere „Interessen“ abwägen.

  15. Janina W. sagt:

    Was ich so gut finde: Endlich werden die Täter ans Licht gezerrt. Früher hätte man in dem Artikel nur gelesen, dass es ein “bekannter FDP”-Politiker gemacht haben soll. Die Frau hätte Beweise vorbringen müssen (und ihre eigene Aussage hätte dabei als Beweis natürlich nicht getaugt). Endlich traut sich eine – und die ganze Nation redet über den Täter. Das ermutigt auch andere Frauen:
    http://deraufschrei.wordpress.com/2013/01/27/endlich-werden-die-tater-genannt/

  16. [...] http://www.hermsfarm.de/blog/war-doch-nicht-so-gemeint/ (…) Das kann gar nicht groß und öffentlich genug diskutiert werden. Denn ja, das kann man [...]

  17. Nina sagt:

    Super Bild! Sagt eigentlich alles. Und zum Thema Pünktlichkeit: “Meine Pünktlichkeit drückt aus, dass mir Deine Zeit so wertvoll ist wie meine eigene.” (Helga Schäferling, Soziologin)  

  18. HJK sagt:

    Wenn folgendes wieder mehr in Vordergrund treten würde: Respekt und Schätzung des Gegenübers, dann würde es diese Diskussion gar nicht geben. 

  19. ihrhabtprobleme sagt:

    Warum sollte die Frau, die einen kurzen Rock trägt denn keine Mitschuld bekommen? Es soll keine Generallvollmacht für Primatmänner sein, deswegen eine Frau dumm anzumachen. Aber fragt euch doch bitte mal, was ein aufreizendes Outfit bei einigen für Reaktionen hervorruft? Und dann eine #aufschrei fabrizieren?

    Ich bediene jetzt bewusst Stereotypen: Wenn ich durch Berlin gehe und nicht abgestochen werden will, meide ich nunmal Kreuzberg/Neukölln und Wedding.

  20. Jette sagt:

    Ganz einfach: DANKE!

  21. Robin sagt:

    ganz großartiger Text. Es gibt auch männliche Feministen! Das ist immer schön einen zu treffen :) Ich bin auch einer :) Alice SChwarzer finde ich aber doch cooler als Du anscheinend

  22. Alex sagt:

    @Janina W.
    Geht es auch eine Nummer kleiner? Brüderle ist momentan m. E. eher ein Opfer. Die Geschichte ist ein Jahr her, die Reporterin ist auf  ihn zugegangen und hat ihn zunächst einen unpassenden Spruch zum Alter um die Ohren gehauen. Sie hatte im Gespräch mehrfach die Chance, ihm klarzumachen, was sie davon hält bzw. einfach zu gehen.
    Das ist das größte Problem dieser eigentlich sinnvollen Diskussion. Dieses Beispiel taugt eben nicht als Paradebeispiel für Sexismus. Es besteht kein Abhängigkeitsverhältnis wie z. B. zwischen Chef und Angestellte, wenn sie sich nicht wehren kann, ohne den Job zu riskieren. 
    Wenn bei Männern der Kompass zur Unterscheidung zwischen “nett ansprechen” und Sexismus mit dieser Diskussion verbessert wird, ist das sehr gut. Nur befürchte ich, dass einige ihren bereits gut funktionierenden Kompass wegwerfen und gar nicht mehr ansprechen. Es machen sich also die falschen Männer Gedanken.
    Mal abgesehen davon, dass der Unterschied zwischen Flirten und Sexismus in den harmloseren Fällen häufig durch das Aussehen des Mannes bestimmt wird.
    Ach ja, auch wenn es bis hierhin nicht so klingt: Ich stimme Herm in vielen Punkten des Textes uneingeschränkt zu!
     

  23. Jörg sagt:

    Hallo, Ich finde die Diskussion überflüssig. Ich gehöre zu der unatracktiven Mehrheit die bei den meisten Frauen automatisch Abwehr erzeugen. Da in unserer Gesellschaft nur der Äußere Schein zählt hagelt es böse Blicke. Egal wie tief das Dekolletee ist, oder kurz die Shorts geschnitten sind. Ich werde die Frauen nie verstehen, die sich halbnackt präsentieren, und dann erwahrten das kein Blick sie treffen möge. bei der Jauch Diskussion fand ich den Einwand, das Menschen mit Migrationshintergrund noch weniger ehre haben wen es um Frauen Anmachen geht, am interessantesten. Den diese kl. Prinzen haben sicherlich noch nie etwas von Feminismus gehört, also was ist mit denen ??
    LG 

  24. Thomas. sagt:

    Und da sind sie endlich auch hier, die Relativierer. Kommt ihr euch eigentlich nicht selbst extrem minderbemittelt dabei vor, solch offensichtliche Darbietungen intellektueller Unfähigkeit zu artikulieren? SELBSTVERSTÄNDLICH bestand ein Abhängigkeitsverhältnis Himmelreichs von -in diesem Fall- Brüderle. Denkt ihr wiirklich, sie wäre dort sitzen geblieben und hätte sich -offensichtlich zum wiederholten Male- die Anzüglichkeiten und Tätscheleien angetan, wenn sie nicht auf seine Auskünfte und damit auf seine “Gutmütigkeit” angewiesen wäre. Die Parallele zum Arbeitgeber springt einem doch förmlich ins Auge (es sei denn, man/frau möchte sich mit Gestalten wie Frau Steinbach oder Herrn Kubicki einreihen, denen traue ich tatsächlich zu, dass sie es nicht begreifen)! Um eben dieses Machtgefälle wissen Arbeitgeber, Vorgesetzte und Brüderles, und dessen Instrumentalisierung macht den Vorfall verachtenswert. Bei allen Männern, die jetzt eine große Sorge um ihren zukünftigen Spaß an dem, was sie als flirten erachten, heraufziehen sehen, habe ich ein sehr ungutes Gefühl, denn eigentlich sollte jedem Mann, der Frauen auf Augenhöhe zu begegnen versucht, klar sein, dass das, was sich Brüderle da heraus genommen hat, mit Flirten ungefähr so viel zu tun hatte wie die Volksrepublik China mit Demokratie…Wenn sich nun ausschließlich die “falschen Männer” konstruktive Gedanken zu der Thematik machen, dann zeigt das lediglich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die nicht viel aus der Unerträglichkeit der 50er und 60er Jahre gelernt hat. Interessant ist in dem Zusammenhang allerdings, mit welcher Inbrunst die Reaktionären versuchen, ad hominem zu “argumentieren” (also, sowohl gegen Himmelreich, als auch gegen den Stern zu giften), das Kernproblem, die Causa sozusagen, allerdings nur sehr selten, und wenn, dann realitätsfern wie Wibke Bruns, angegangen wird…

  25. Was diese Debatte auch deutlich macht, ist die unglaubliche Beständigkeit der immerselben Argumente.  Ist es wirklich so, dass alle, die jetzt noch dasselbe sagen, vorher gar nichts mitbekommen, nichts gelesen und gesehen haben?
    z.B. @Alex hier:  Das Brüderle-Gate ist IM DETAIL und Ablauf allüberall geschildert worden, es gibt auch eine Zeugin, die das so bestätigt hat. Dennoch schreibt Alex: “Sie hatte im Gespräch mehrfach die Chance, ihm klarzumachen, was sie davon hält bzw. einfach zu gehen.”  Dabei HAT SIE DOCH klar gemacht, was sie von seiner Anmache hält und hat darum gebeten, das Gespräch “professionell zu halten”.  Und natürlich hätte sie “gehen können”, aber sorry, das ist nicht das, was Journalisten auf einem FDP-Event beim Treffen mit Politikern an der Bar weiter bringt! Wenn “einfach gehen” die Lösung ist, dann bleibt es dabei, dass männliche Journalisten einfach die besseren Karten haben.
    Ebenso der Vorwurf, die Geschichte sei doch ein Jahr her. Ja Himmel, das ist schon zigtausendmal gesagt und BEANTWORTET worden. Zuletzt bei Jauch vom Chefredakteur des STERN. Es ist in Mainstream-Medien absolut üblich, bei Karrieresprüngeln einzelner Politiker zusammenfassende Portraits zu schreiben, in denen alles alles angesprochen wird, was die Person jemals verbockt hat! An Stühlen sägen, Leute runter und rauf schreiben – das ist tägliches Mediengeschäft. Kann man kritisieren, hat aber für sich genommen nix mit Sexismus zu tun, sondern ist ein ganz anderes Thema!
    Himmelreich hat also einen ganz normalen Journalistinnenjob gemacht und dabei – ziemlich mutig – eigene Erlebnisse als “Anschauungsmaterial” beigesteuert. 
    Und von wegen “kein Abhängigkeitsverhältnis”:  Himmelreich ist DIE Journalistin, die für den STERN “aus der FDP” berichtet. Möchte nicht wissen, wie das in diesen Tagen so für sie ist! Und wie es vor einem Jahr gewesen wäre, hätte sie ihm ihr Glas Wein ins Gesicht geschüttet, als er ihr zu nahe kam….
    Kurzum: die Debatte ist durch #Aufschrei” groß und breit geworden, aber ich finde es fast verstörend, dass immer wieder diesselben Argumente gebracht werden!
     
     
     

  26. Alex sagt:

    @ Claudia Berlin: “Brüderle-Gate”? Gehts noch?
    Du widersprichst Dir selbst, wenn Du einerseits Himmelreich für abhängig hälst, andererseits der Presse zugestehst, dass sie “Leute rauf- und runter schreiben” kann.
    Wenn eine Stern Journalistin abhängig vom Wohlwollen eines Politikers ist, ist in der Presse per se irgend etwas falsch. Und wenn diese Episode so heraus gestellt wird, ohne dass im Artikel des Sterns auf Politisches eingegangen wird, dann sagt das leider viel mehr über das Niveau des Artikels aus als über Brüderle. Als ob man mit 67 keine Politik mehr machen dürfe, obwohl er in mancherlei Hinsicht so liberal wie die Piraten ist.
    Mal abgesehen davon, dass wir in diesem konkreten Fall nicht wissen, wie die beiden Gesprächspartner sonst miteinander umgegangen sind.
    @Thomas: nein, ich fühle mich nicht minderbemittelt, und Relativieren scheint notwendig angesichts der verschiedenen Dinge, die hier allgemein unter Sexismus zusammengefasst werden. Das eine Extrem ist heftig, m. E. strafrechtlich relevant und ich finde es schlimm, dass die Opfer still halten, weil sie sonst heftigste Nachteile erwarten (Jobverlust etc). Das harmlose Extrem ist dann eher Kinderkram, da war derjenige, der angesprochen hat, einfach nur zu hässlich, um so etwas sagen zu können.
    In einem hat Claudia recht. Himmelreich wird nie wieder ein vertrauliches Gespräch an der Hotelbar führen. Und viele andere auch nicht, da hat sie der Branche einen Bärendienst erwiesen. Vielleicht bin ich deswegen auch nur so sauer, die Presse wurde auf die eine Seite verschoben, die Politiker auf die andere Seite. Und das übliche Wimpernklimpern hat seine Wirkung vielleicht nicht verloren, aber doch erheblich eingeschränkt.
     
     
     
     
     
     

  27. lassie sagt:

    Ich freue mich einfach über die öffentliche Debatte, weil es mich daran erinnert, nicht allein zu sein (wie kam ich überhaupt auf den Gedanken). Den “quatsch mich bloß nicht blöd an”-Blick habe ich super drauf, in Gesprächen mit unbekannten Männern, gerade wenn es um berufliches geht, habe ich mir angewöhnt nicht oder wenig zu lächeln, um keine „Missverständnisse“ zu verursachen, und seit Jahren ziehe ich keine Röcke oder Kleider mehr im Sommer an, einfach, um so weit wie möglich meine Ruhe zu haben. Und es kotzt mich an.
    Mir macht die öffentliche Diskussion Mut, in viel mehr Situationen (laut) zu sagen, wenn Grenzen überschritten werden, weil ich das zarte Gefühl habe, dass vielleicht immer mehr Menschen hinter mir stehen und das auch so sehen.

  28. Pipp sagt:

    Sehr schöner Artikel, mit einem kleinen ABER:
    50 shades of grey ist bei aller Kritik und allem Lob nicht mehr und nicht weniger als : Porno!
    Jawohl, es ist ein Porno für Frauen und vielleicht liegt genau an dieser Stelle das Problem, denn Pornos für Frauen zu schreiben ist “verrucht”, einfach weil in unserer Gesellschaft der Gedanke, dass Frauen an stumpfen Sex denken können aber nicht müssen noch gar nicht angekommen ist. Die Art der Kritik ist auch … faszinierend. “unrealistische Charaktere, flache Dialoge und Fokussierung auf Sex”. Nehmen wir nun ein beliebiges Youporn Video und schreiben genau das auch drunter ? Oder anders : welcher Porno bekommt die selbe Kritik, wie dieser, dessen Kernproblem ist, dass er FÜR Frauen und nicht ÜBER Frauen geschrieben wurde.
    Man muss das Buch nicht mögen, man muss es nicht lesen, man muss es nicht einmal kennen- ebenso wie es für alle anderen Titel und Werke aus der bunten Welt der Pornoindustrie gilt.

  29. Ana sagt:

    Ich liebe Sie, Herr Herm :) Und ich liebe diesen Artikel! Vielen Dank dafür!

  30. Juri sagt:

    Toller Text.
    Vielen Dank!

  31. Fredda sagt:

    Ach Hermi, Deine Beiträge leisten mir manchmal sooo gute Dienste bei der Erziehung meines 16jährigen Sohnes. Da kann ich noch so viel reden, wenn Herm drüber schreibt, ist alles klar. Und gerade bei diesem Thema ist mir das besonders lieb und wichtig.  Vielen Dank dafür!

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