Ich bin ja zeitlich gerade so dermaßen hinterher, heieiei. Aber ich kann das ja künftig einfach so handhaben, dass ich alles hier so auslege, als würde ich mich prinzipiell nur aus dem Weltraum melden. Eigentlich bin ich auch schon in der Zukunft, aber bis das alles angekommen ist, vergeht immer sehr viel Zeit. Denkt mal drüber nach. Habt ihr eigentlich auch manchmal die Vorstellung (immer wenn es ein TV-Jubiläum gibt, wird darüber geredet), wie weit die Fernsehwellen alter Sendungen schon ins Weltall gedrungen sind.

Nein? Aber bleiben wir beim Thema Fernsehen, denn immerhin soll es um eines der größten Fernsehereignisse des Jahres gehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist glaube ich nur der Super Bowl sehr viel größer, was die Zuschauerzahlen usw. angeht. Die Rede ist vom Eurovision Song Contest. Nicht zusammen zucken jetzt, es folgt nun kein Lena-Loblied und ich hab mich auch nicht in die verliebt. Und gerade wo es so eine riesige Veranstaltung ist, ist es doch um so wunderlicher dass dort nur bedingt musikalisch wertvolle Beiträge anzufinden sind. Also größtenteils zumindest. Aber genau das ist ja auch eine der Faktoren, die den Charme ausmachen.

Da ich Fernsehkind bin und eine gewisse Schwäche für Veranstaltungen dieser Art habe, verfolge ich den Grand Prix schon seit einigen Jahren. Aber noch nie so intensiv wie in diesem Jahr. Und das kam so:

Die Kollegen Heinser und Niggemeier waren in Oslo vor Ort und haben fleißig per Videoblog darüber berichtet. Wer das Oslog noch nicht kennt, sollte es sich unbedingt anschauen. Wirklich wundertoll! Als Retrospektive sozusagen, manchmal machen Sachen ja noch mehr Spaß, wenn man weiß, dass sie am Ende gut ausgehen. Hier meine Lieblingsfolge, nicht weil man (wenn man will) die Lena auch sehr leicht doof finden kann, sondern wegen eines von mir sehr geschätzten anderen Gastes. Showhasen unter sich sozusagen:

Zuweilen der Vorbereitungen für das Oslog habe ich mich mal bereit erklärt, TV-Korrespondent zu sein um zum Beispiel die Halbfinals ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Habe ich letztlich auch gemacht und glaube ich, insgesamt 7 Stunden damit verbracht Halbfinalauftritte anzuschauen und zu analysieren. Das klingt für manche vielleicht schlimm, aber das war wirklich amüsant. Vor allem, wenn man erst einmal damit angefangen hat, das Kalkül in fast jedem der Stücke herauszulesen. Hier das Trickkleid, da das Feuer, da ein bisschen Tammtamm und auf jeden Fall Brüste.

Wer diese ausführlichen Analysen noch einmal lesen möchte, kann das hier tun: Halbfinale 1,
Halbfinale 2

Diese genaue Beobachtung der einzelnen Beitrage brachte allerdings auch gewisse soziale Folgen mit sich, denn ab einem gewissen Punkt wird man schon ein wenig verwundert angesehen, wenn man nahezu alle Auftritte vorher sagen kann und auch noch was zu den Liedern an sich sagen kann. Am meisten machte ich mir allerdings selbst Angst, als ich feststellte, dass ich die Gruppe für den Volksmusikbeitrag aus Slowenien bereits vorher schon kannte. Hm.

Ich bin übrigens auch nicht mehr davon ausgegangen, dass Lena gewinnen könnte, als der schwedische Beitrag im Halbfinale ausgeschieden ist. Während das in Deutschland ja schon eher eine halbernste Veranstaltung ist, wo es auch mal um Nussecken gehen kann, gibt es in Schweden ein richtiges Musikfestival dafür, wo dann der Beitrag für den Eurovision Song Contest durch (sicherlich) unglaublich komplizierte Verfahren bestimmt wird.

Das Lied ist ein okayer bis guter Popsong und ich glaube in diesem Jahr auch mein Lieblingsbeitrag gewesen. Hier einmal zum anhören:

Die junge Dame ist gerade mal 18 Jahre alt, was auch einer der Gründe dafür sein dürfte, dass sie total aufgeregt ist und die ganze Zeit einfach vergisst die Gitarre in ihren Händen zu bedienen. Hihi. Ins Finale hat sie’s jedenfalls nicht geschafft, was wiederrum zur Folge hatte, dass die Schweden jetzt 23.000 dieser Knicklichter übrig haben. Kann ich die bitte haben? Kan jag behaga har de?

Mein Lieblingsmoment während des Finales ereignete sich während der Stimmauszählung und hatte eigentlich gar nichts damit zu tun. Im Moment als es gerade richtig spannend wurde ob es denn ein Sieg werden würde, klingelte mein Telefon. Meine Mutter rief an und ich dachte, dass sie jetzt bestimmt auch ganz aufgeregt ist und die Aufregung mit mir teilen wollte. Aber nein, sie war ganz gelassen und wollte mir nur mitteilen, dass sie eine Lampe für die Schildkröte im Keller gefunden hat. Hm hm. Hat Boxen geguckt.

Den Song von Lena hab ich übrigens immer noch nicht im Kopf, jedes Mal wenn ich an „Satellite“ denke, fängt der hier in meinem Kopf an:

Share on Facebook0Tweet about this on TwitterEmail this to someone