Heute verstarb Ellis Kaut nach langer Krankheit im Alter von stolzen 94 Jahren. Erwartungsgemäß wirbelt diese Meldung gerade die deutschen Sphären des Internets auf und es ist einer dieser traurigen Anlässe, bei dem man automatisch in Erinnerungen schwelgt. Immerhin gibt es neben meinen Eltern wahrscheinlich kaum eine Person, die derart großen Einfluss auf meine Kindheit hatte, wie Ellis Kaut.

Es fing damit an, dass ich bereits im jungen Kindesalter zum Einschlafen Hörspiele vorgesetzt bekam. Meine erste Kassette war eine Folge „Panki aus Pankanien“ und direkt darauf folgten diverse Pumuckl Kassetten. Die erste war die Folge „Die Bank vor der Werkstatt“ und jedes Mal, wenn meine Mutter alle paar Monate bei einer Fortbildung war, brachte sie aus der großen Stadt eine Pumuckl Kassette für mich mit aufs Dorf. Insgesamt dürften es zwar nur 15 Stück sein, die noch heute fein säuberlich sortiert im Schrank liegen und doch habe ich diese Sammlung verehrt und konnte jede Folge mitsprechen.

Die dazugehörigen Ausgaben der Fernsehserie sowieso. Wahrscheinlich kommt auch durch den Pumuckl meine Liebe zur verschnörkelten bayrischen Urigkeit. Als ich vor einigen Jahren das erste Mal in München war, wollte ich natürlich zum Drehort der Werkstatt und wie sollte es anders sein: Das Gebäude der Werkstatt wurde vor vielen Jahren abgerissen und an ihrer Stelle steht mittlerweile ein Bankgebäude.

Wenn ich heute darüber nachdenke war es wohl die Mischung aus Anarchie und klarer Ordnung, die mich beim Pumuckl begeisterte. Während ich alte Pippi Langstrumpf Filme heute eher nervig finde, freue ich mich jedes Mal, wenn eine Folge „Pumuckl“ im TV läuft. Beziehungsweise braucht es ja gar keinen Fernseher mehr, denn letztes Jahr entdeckte ich, dass es zahlreiche Folgen auf YouTube gibt und gewöhnte es mir über den Winter an, morgens eine Folge zum wach werden zu schauen. Hier meine Lieblingsfolge: Pumuckl und der Pudding

Es ist auch heute noch dieses einzigartige warme Kindheitsgefühl in mir drin, wenn zum Beginn jeder Folge die Buchstaben über die Ziegeldächer springen und die letzten Töne der Zither am Ende des Intros ausklingen. Immerhin ging es damals bei mir so weit, dass ich Pläne machte, um ein eigenes kleines Holzbett zu bauen. Schließlich wollte ich verdammt noch mal auch so einen Kobold haben!

Im Übrigen bin ich froh, dass ich zwar gern „Pumuckl TV“, aber im Kindheitsalter nie den Kinofilm „Pumuckl und der blaue Klabauter“ sah. Am Anfang des Films gibt es nämlich eine Szene, die mich heute noch so sehr mitnimmt, dass es damals wahrscheinlich mein kleines Kinderherz in tausend Stücke zerrissen hätte. Und zwar:

„Da Gustl Bayrhammer nach den Dreharbeiten für den Film verstarb, musste dieser von Wolf Euba nachsynchronisiert werden. Der Film beginnt mit einer Widmung an Gustl Bayrhammer. Pumuckl sitzt auf seinem Bettchen in Eders Werkstatt vor einem Bild von Bayrhammer als Meister Eder und spricht mit Tränen in den Augen die Worte: „Diesen Film widme ich Dir, lieber Meister Eder.““

Ich werde mir heute Abend jedenfalls die ein oder andere Folge des Pumuckls anschauen und in Erinnerungen schwelgen, wie viele tolle Geschichten Ellis Kaut in mein Leben als kleiner Möchtegern-Kobold brachte. Von Herzen vielen Dank dafür.

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