12. Mai 2015 | 11:22 Uhr


Ich lebe in so viel digitaler Dekadenz, dass neben der Playstation 4 im Wohnzimmer die Playstation 3 ein neues Leben im Schlafzimmer bekam. This is where the magic happens.

Ich weiß gar nicht mehr warum, aber ich habe gestern Abend einen wasserlöslichen Sportdrink ausprobiert. Nebeneffekt war, dass auf ein Glas 100mg Koffein kam. Das wirkte sogar in meinem colaverwöhnten Kopf. Wo ich statt Schlaf schonmal Konfetti im Kopf hatte, nutzte ich die gewonnene Wachzeit und entstaubte GTA 5 für die Playstation 3. Ich hatte da noch nie den Onlinemodus ausprobiert und hielt ihn für einen guten Zeitvertreib.

Ich kannte den GTA Onlinemodus von der PS4 und wusste also was mich in etwa erwartet. Anfangs wird man mit ein paar anderen Leuten, die ebenfalls erstmals diesen Modus spielen, zusammen gewürfelt und man muss einen Auftrag erfüllen. Irgendwo hinfahren und was besorgen. Gesagt getan.

Nach dem ersten Auftrag zur Einführung kann man im Prinzip machen, was man will. Mir fiel allerdings auf, dass mich ein anderer Spieler die ganze Zeit verfolgte. Normalerweise werden minderbemittelte Spieler wie ich in solchen Fällen eigentlich immer sofort umgelegt, weshalb ich mich immer mehr wunderte warum er das wohl tat.

Irgendwann kam mir ein Geistesblitz. Wir hatten den Auftrag vorher gemeinsam gespielt und wahrscheinlich denkt er nun, ich sei eine Figur des Spiels, die ihm die Stadt weiter zeigt. Ha! Er denkt ich wäre der Computer! Ich bin Gott!

Erst wusste ich nicht so recht, was ich mit meiner neu gewonnenen Macht tun sollte, bis mir einfiel was NATÜRLICH das logischste ist, um jemanden in GTA zu verwirren. Ich setzte mich in ein Auto, wartete bis er auch einstieg und fuhr los. Etwa 10 Minuten fuhr ich durch die Stadt ohne auch nur die geringste Verletzung der Straßenverkehrsordnung. Ich hielt brav an jeder Kreuzung und fuhr, wie es sich für einen vorbildlichen Verkehrsteilnehmer gehört, äußerst defensiv. Als wir einmal beinahe 2 Minuten an einer Ampel warten mussten, verließ er das Spiel.

Hatte ich gerade wirklich jemandem den Anschein vermittelt, dass GTA Online so eine Art Mitfahrgelegenheit ist? Sieben Stunden später schlief ich dann jedenfalls endlich ein.

5. Mai 2015 | 15:31 Uhr


Während der Rest Berlins am 1. Mai in Kreuzberg Steine wirft Mexikaner trinkt und zu elektronischer Musik tanzt, die so abwechslungsreich ist wie nass gewordene Erdnussflips, war ich rebellischer denn je. Ich war mit meiner Mutter im Museum. Fast 6 Jahre Berlin und ich habe die Museumsinsel bislang schon so oft für meine Rentnerspaziergänge genutzt, war aber noch nie in einem der Gebäude. Nun also die Premiere mit dem Neuen Museum, welches hauptsächlich Exponate der ägyptischen Geschichte beherbergt. Ich mag Museen.

Allein schon wegen dem Gedanken, dass man einen Raum betritt und dann ist da ein kleines Männchen, geschnitzt aus einem Stück Elfenbein. Vor 5000 Jahren (!) hat sich jemand am anderen Ende der Welt ein paar Tage hingesetzt, dieses Männchen geschnitzt, dann ging es verloren, vor ein paar hundert Jahren hat es jemand wieder ausgegraben und jetzt stehe ich davor und mache ein verwackeltes Foto mit meinem Smartphone davon, während ich von meiner Cola Light aufstoßen muss. Wahnsinn.

Automatisch fragt man sich, was aus unserer Zeitphase wohl großartig erhalten bleiben wird, außer eine dicke Schicht Müll und die Lehre, dass wir die „Sie hätten es eigentlich besser wissen müssen“ Epoche waren.

Meine Mutter hat den geschichtlichen Kontext auch einmal sehr schön hergestellt. Nachdem wir das Stück eines Grabes mit sehr gut erhaltenen Hieroglyphen sahen, sagte sie mit ernstem Ton: „Wenn man mal überlegt. Hier ist die Farbe noch so gut erhalten, aber wo der K. (Maler im Dorf) das Haus von der Oma gestrichen hat, bröckelt jetzt nach 5 Jahren alles schon wieder ab und sieht uralt aus.“ Wenn es doch so ist!

Ich weiß nicht inwieweit mittellustige Ben Stiller Filme dazu beigetragen haben, aber irgendwie male ich mir den Job von MuseumsaufseherInnen immer weitaus interessanter aus, als er wahrscheinlich tatsächlich ist. Letztlich stehen die den ganzen Tag ja doch nur vor einem Exponat und gucken die Leute rundherum an. Im Prinzip derselbe monotone Job wie die Kaufhaus-Security, die nach 20 Uhr immer am Supermarkteingang stehen. Aber nein, das kann nicht sein. Ich male mir das immer ganz anders aus.

Ein paar Theorien: Der ältere Herr war jahrelang Archäologieprofessor an der Uni und arbeitet nun im Ruhestand in Teilzeit im Museum. Die ältere Dame hat ihren Traumjob, nachdem sie als Kind jedes zweite Wochenende mit großen Augen vor dem Exponat stand, welches sie heute bewacht. Der junge Mann steht kurz vorm Ende seines Studiums, arbeitet als Nebenjob im Museum und braucht nur noch wenige Euro für seine erste große Ausgrabung. All so was. Aber die Realität scheint doch anders zu sein.

Ich stehe vor einer Büste aus der Zeit um 2000 v. Chr. als ein Museumswächter mit einem halben Hechtsprung auf mich zu rennt und durch die Ruhe der Ausstellungshalle ruft: „STAAAHP! NO MOBILE FONS!!!!!!!“ Er dachte ich telefoniere. Tatsächlich hielt ich mir nur den Audioguide des Museums ans Ohr. Sehe ich wirklich derart unseriös aus? Jährlich hat das Neue Museum mehr als eine halbe Million BesucherInnen. Sagen wir mal er ist seit 3 Jahren in diesem Job. Das Entspricht 1,5 Millionen Besuchern, die bereits an ihm vorbei liefen. Etwa die Hälfte nutzt einen Audioguide. Also 750.000 Menschen. Und dann denkt er, ich würde mitten in einem andächtigen Raum des Museums telefonieren?

In einem anderem Raum zeigte sich eine ausländische Besucherin sehr begeistert von antikem Schmuck in einer Vitrine. Erstaunt fragte sie den Museumswächter daneben: „Wow, how do you protect that?“ Der junge Mann ist überrascht. Ob nun vom Inhalt der Frage oder der Tatsache an sich, dass er gefragt wurde, kann ich nicht sagen. Seine fachgerechte Antwort nach kurzem Räuspern lautete jedenfalls: „… uhh … it’s in there.“ Die Frau stellt ihm eine weitere,halbwegs fachliche Frage, an die ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Seine Antwort war jedenfalls: „It’s colourful.“ Danach bewegte er sich angespannt und zugleich geschmeidig von der Frau weg. Er flüchtete vor möglichen weiteren Fragen mit einer Art umgekehrtem Moonwalk.

27. April 2015 | 13:35 Uhr


In Zeiten meines Studiums war ich mal ein paar Wochen lang beim Radio. Jeden Mittwoch gab es die große Redaktionssitzung, welche danach in einer Kneipe ausklang. Wobei von Kneipe eigentlich keine Rede sein kann. Es war ein Raum der Universität zwischen dessen Betonwänden eine behelfsmäßige Bar und ein paar Sitzgelegenheiten standen. Die beiden Highlights der „Bar“ waren der damals noch als Weltneuheit geltende Lichtschlauch und ein Kickertisch.

Während ich auf dem Fußballplatz zumindest ungeschickt bin und Tore mache, bin ich am Kickertisch einfach nur ungeschickt. Während besagter Radiozeit lernte ich auch das ungeschriebene Gesetz, dass man unter dem Kickertisch entlang kriechen muss, wenn man verliert, ohne selbst ein Tor zu machen. Erschwerend hinzu kam, dass ich sehr groß bin, unter dem Tisch aber äußerst wenig Platz war. Gesetz ist Gesetz. Es war eine schöne Zeit.

Wie eine Katze die mal in die Badewanne gefallen ist und sich danach nie wieder ins Bad getraut hat, meide ich seitdem Kickertische. Bis vor kurzem zumindest. Aus dem Hause Heineken kam die Anfrage, ob ich nicht auch beim deutschlandweiten Heineken Kickerturnier mitmachen möchte. Schweißnasse Hände hatte ich, wo der Kickertisch doch mein Vietnam war. Aber warum nicht. Vielleicht ist es ja so wie Minigolf. Da schwankt meine Formkurve auch jedes Mal und das, obwohl sonst bereits ein Vorzeigerentnerleben lebe!

Die Qualifikationsrunden des Heineken Kickerturniers finden derzeit in diversen Bars in ganz Deutschland statt und dieses Mal war „Nicos Bar“ in Steglitz dran. Kurze Enttäuschung meinerseits, als ich bemerkte, dass es nicht „Daniels Bar“ aus GZSZ war, aber trotzdem ganz nett dort. Ich stellte mich im Team gemeinsam mit Victoria van Violence der Kickerherausforderung. Verdammt, ich brauche auch so einen coolen Namen. Hermo Honeybadger?

All meine Hoffnungen zerschlugen sich jedenfalls direkt am Kickertisch und wir verloren alle Spiele der Qualifikationsrunde. Der HSV am Kickertiosch sozusagen. Schlimmer machte es eigentlich nur der mitleidige Blick des ebenfalls anwesenden deutschen Kickermeisters. Ich werde also weiterhin wohl eher auf dem (Kunst-)Rasen, als am Kickertisch stehen, aber empfehle euch trotzdem eine Teilnahme. Es gibt nämlich nicht nur Freibier, sondern obendrein auch die Chance auf Tickets für das Champions League Finale. (Vorausgesetzt, man stellt sich nicht so doof an, wie ich.) Die Hälfte der Qualifikationsturniere ist durch, aber es gibt wie gesagt noch deutschlandweit genug Chancen, mitzumachen. Alle Infos gibt es auf heineken-kickerturnier.de!

PS: Keine Angst, der Tisch hat nicht genug Platz, um darunter durchzukriechen!

17. April 2015 | 10:39 Uhr


Abgesehen von Turnschuhen mit Blink-Applikation und Nutella ist es ja im Allgemeinen so, dass man viele Dinge nach einigen Jahren Abstand ganz anders wahrnimmt. Plötzlich hat man einen neuen Blickwinkel und alles sieht ganz anders aus. Ich werde alt.

Es könnte also kaum passender sein, dass ich mich neulich mit der Steuererklärung beschäftigte, während nebenbei der erste Pippi Langstrumpf Film lief. Während sie für mich in meiner Astrid-Lindgren-Leidenschaft früher ein Vorbild war, ging mir plötzlich ein Licht auf und wie ein Kartenhaus fiel alles zusammen.

Doch fangen wir mal von vorne an: Der wesentliche Grundsatz ist nämlich, dass sich Pippi alles erlauben kann und das im Endeffekt immer nur, weil sie über jede Menge Geld verfügt. Nicht mal die Polizei kann ihr was anhaben, da andauernd „Ermittlungspannen“ passieren und sie im Notfall ein paar Goldstücke aus der Schatztruhe holt.

Damit nicht genug. Sie ist, wenn man ehrlich ist, nicht die hellste, weigert sich dennoch in die Schule zu gehen und findet das auch noch lustig. Im Film hat sie sich Freunde gekauft, indem sie einen ganzen Süßigkeitenladen leer geräumt hat. Als sie danach Bauchweh hatte, ist sie in die Apotheke gegangen und hat eine große Flasche „Medozin“ gekauft. Die Apothekerin war anfangs (sicherlich wegen der Betäubungsmittelverordnung) noch kritisch, ließ sich letztlich aber auch vom Geld überzeugen.

Und wo kommt all das Geld für diesen aufbrausenden Lebensstil her? Von ihrem Vater. Und warum hat der so viel Geld? Weil er Pirat ist. Kurz gesagt, sämtlicher Reichtum kommt aus kriminellen Machenschaften.

Keine Sorge liebes Internet, ich meine das alles nur so halbernst, auch wenn ich mich jetzt schon über böse Kommentare freue, die das hier übersehen. Aber was ich wirklich jedes Mal interessant finde ist, dass zum Beispiel Piraten und Wikinger einen festen Platz im Kinderzimmer haben. Sind ja auch interessant und machen Spaß. Allerdings waren Wikinger und Piraten nicht gerade die nettesten Menschen und zeichneten sich vor allem durch brutale Ausbeutungen, Vergewaltigungen und Zerstörung aus. Deshalb mal die grundlegende Frage: Wieviel Zeit muss vergehen, bis die schlimmen Seiten einer geschichtliche Gräueltat vergessen sind und sie als Kinderspielzeug herhalten? Oder anders gefragt: Wann gibt es einen kleinen Nazi, der wie Wickie der Wikinger umher springt? Egal. Zurück zu Pippi.

Eines ihrer Haustiere ist ein Pferd. Welche Mädchen bekommen ihr eigenes Pferd? Richtig, die allernervigsten. Außerdem hat sie einen Hausaffen, bei dem auch noch darauf bestanden wird, dass er förmlich angesprochen wird. Welche Menschen haben Hausaffen? Menschen wie Michael Jackson oder Justin Bieber. (Ist der eigentlich noch in München?) Überhaupt gibt es erschreckend viele Parallelen zu Justin Bieber und Miley Cirus. Man stelle sich mal vor, Pippi Langstrumpf hätte einen Instagram Account. Wie anstrengend das wäre! #LikeForLike #FollowBack und all so was unter einer Tonne Selfies und Fotos von Zeug, welches sie sich von all ihrem Geld gekauft hat. Sie macht sich ja nicht mal die Mühe, es zu waschen, sondern haut es einfach raus und lebt das Leben einer Scheinrebellin, die sich all das natürlich erlauben kann.

Alles schwierig. Was ist nur los mit mir? Aber immerhin habe ich noch Hoffnung, denn noch (?!) sympathisiere ich nicht mit Tommy und Annika.

9. April 2015 | 11:54 Uhr

Es ist komisch mittlerweile in der obersten Wohnung eines Hauses zu wohnen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich weiß es gar nicht genug zu schätzen, dass ich niemanden mehr über mir habe. Andererseits fehlen mir auch die Rätsel um 4 Uhr nachts, was diese Mischung aus Stöckelschuhen und Bowling Bahn wohl sein könnte. Nach Jahren des Rätselns gibt es nun aber ein Aufklärungsvideo und plötzlich macht alles sin. ALLES!

Endlich bin ich der nervige Nachbar von oben ARHARHAR. ZEIT FÜR EINE RUNDE BASKETBALL!

7. April 2015 | 12:09 Uhr


Jon Stewart wird bald bei der Daily Show aufhören und eigentlich dachte man immer, er wäre unersetzbar. Zumindest so lange, bis Co-Reporter John Oliver seine Urlaubsvertretung für ein paar Wochen übernahm und daraufhin seine eigene Sendung bei HBO bekam. Dort liefert er mittlerweile jeden Sonntag eine Fernsehpralinenschachtel ab, die Woche für Woche interessant UND unterhaltsam ist.

In seinem Team sind Journalisten am Werk, die zum einen sehr gut zu recherchieren wissen, zum anderen aber auch wissen, wie man eben diese Fakten verständlich und unterhaltsam präsentiert. Eine Kombination die es sonst nur in Einzelteilen gibt. Also entweder gut recherchiert oder unterhaltsam. Und das dann jeweils auch nur so mittelgut.

In der letzten Ausgabe ging es darum, dass am 1. Juni die Verlängerung des Patriot Act ansteht. Inklusive Section 215, die der NSA die Sammlung diverser Daten gestattet. Und obwohl es an sich so ein großes Thema sein sollte, ist es das nicht und noch längst nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen. Ein Thema was haargenau so auch für Deutschland gilt, wo es gegenüber Milchpreissteigerungen um 3 Cent weitaus größere Aufregung gibt, als um die Sammlung diverser persönlicher Daten. Und das, obwohl man da doch eigentlich aus der Geschichte gelernt haben müsste.

Der Oscar-prämoerte Film „Citizenfour“ ist dafür schon mal ein guter Anfang. Er zeigt die ruhigen Momente, bevor und während die Geschichte um Edward Snowden ins Rollen gerät. Den Film kann man kostenlos online anschauen und ich empfehle das zutiefst, weil es ein Stück sehr interessante und wichtige Zeitgeschichte ist. Und ausserdem sieht es lustig aus, wie Edward Snowden immer seine Passwörter eingibt:

Zurück zu John Oliver … ach, was erzähl ich. Einfach 30 Minuten Zeit nehmen und das hier anschauen. Es lohnt sich.

Ich wiederhole mich: Informativ UND unterhaltsam. Wenn doch nur jede/r Journalist/in und Entertainer seine Plattformen so nutzen könnte und würde.

6. April 2015 | 19:46 Uhr


Kurz vorm Einschlafen fällt mein Kopf in eine Art Trotzreaktion. Als würde er rufen „WARUM IST DER FERNSEHER JETZT AUS?! OKAY, DANN MACHEN WIR DAS JETZT AUF MEINE TOUR!“ Und schon nehmen irgendwelche Gedankengänge ihren Lauf, die in etwa so viel Hand und Fuß wie ein Fußball haben. Gestern Nacht zum Beispiel. Kurz vorm Schlafen gehen fiel mir die letzte Banane in der Küche auf. Ein trauriger Anblick. Mittlerweile ist sie zu 70% braun und gleicht damit einem Wahlkreis in Pirna. Wahrscheinlich werde ich verwöhnter Schnösel sie nicht mehr essen. Und das, wo sie doch extra fein säuberlich von einem Biobaum in Costa Rica bis in unsere Küche gekommen ist.

Bis eine Bananenstaude am Baum hängt dauert es ein halbes Jahr, dann werden die grünen Dinger 10.000km mit einem Schiff hier her gebracht um noch ein bisschen gelb zu werden und erst dann landen sie im Supermarkt. Und dann komme ich daher und denke jedes Mal: „Oh hm Bananen. Gesund und lecker. Da nehme ich eine mit. HALT SCHTOPP, ich sollte mich gesünder ernähren also nehme ich zwei mit.“ Am Ende esse ich aber immer nur eine, während die andere tagelang einschläft und irgendwann einen braunen Nichtmehrverzerhbartod stirbt, wenn sie nicht vorher einen Gewichtandererdingeindertascheunterschätzttod stirbt. Hach.

Man sollte viel öfter bewusster einkaufen und stolz auf Bananen sein, dass sie so einen weiten Weg auf sich genommen haben. Überhaupt sollte man viel bewusster mit dem Fakt umgehen, dass man das ganze Jahr über jede Frucht vollkommen unabhängig von ihrer eigentlichen Saison kaufen kann.

Ist das nicht verrückt? Und wisst ihr, was noch verrückter ist? Ich kann jeden Tag, so ziemlich jede Frucht der Welt unabhängig von ihrer Saison kaufen außer heute. Warum? Weil alle Geschäfte geschlossen haben, da es allgemein anerkannt ist, dass vor etwa 2000 Jahren ein Mann aus einer Höhle von den Toten auferstanden ist. Oder anders gesagt: Ein Zombie hindert mich heute am Bananenkauf. (Wenn ich das richtig verstanden habe.)

2. April 2015 | 9:57 Uhr

Ein von WWE (@wwe) gepostetes Foto am

Den ganzen Montag hatte ich im linken Auge noch dieses Koffeinzucken, weil ich in der Nacht zuvor erst um 6 Uhr morgens zur Ruhe kam. Sorry, auch dieser Artikel enthält keine coolen Partytipps. Stattdessen war ich im Kopf (und im Fernseher) mal wieder in der Pacific Time Zone. Warum? Na WRESTLEMANIA!

Ich mag Wrestling. Und das obwohl ja eigentlich so ziemlich alles daran verwerflich ist. Es ist hochgradig gewaltverherrlichend, sexistisch und bestimmt noch einige andere Dinge. Aber ich kann mich nicht so ganz davon lösen. Wahrscheinlich ist es die Essenz aus den ganzen Minus-Elementen, die am Ende Plus ergibt. Oder ich bin sehr einfach zu unterhalten, kann natürlich auch sein.

Ich bin so etwas, was man als „Smart-Mark“ bezeichnet. Also im Wesentlichen ein Klugscheißer, der weiß wie alles läuft und sich an dem Entertainment dahinter erfreut. Auch wenn ich weiß, dass die Prügeleien nicht echt sind (OMG!) so weiß ich die Athletik dahinter zu schätzen und kann mir ebenso denken, dass es trotzdem sehr schmerzhaft ist, mehrmals die Woche irgendwo drauf/drunter/daneben zu fliegen. Und noch mehr weiß ich natürlich die Storylines dazu zu schätzen. Immer wieder Gut gegen Böse, teilweise kitschig wie in südamerikanischen Telenovelas und am interessantesten wird es ja meist dann, wenn beides verwischt. Ich schaue alle paar Wochen mal RAW der WWE um bei meiner kleinen Soap am Drücker zu bleiben und habe mich dementsprechend auf Wrestlemania, das größte Event des Jahres, gefreut. Ach ja und natürlich nehme ich nichts davon ernst, dann kann man sich umso mehr daran erfreuen.

Zum Beispiel am diesjährigen Kampf zwischen John Cena und Rusev bei Wrestlemania. Allein die Show vor dem Kampf war so toll, dass ich sie an dieser Stelle nun detailgetreu wiedergeben möchte.

Eine kurze Erklärung noch vorab: John Cena ist seit Jahren das Gesicht der WWE. Mittlerweile bekommt er immer mehr Gegenwind, eben weil er (abgesehen von seinem Kopf) so ohne Ecken und Kanten ist. Trotzdem ist er die Nummer 1 wenn es beispielsweise um Merch-Verkäufe geht, ehemaliger Soldat, der nette Typ von nebenan und ein Kämpfherz, welches sich natürlich niemals unterkriegen lassen würde. Sozusagen die kommerzielle Personifizierung des American Dream.

Im Gegenüber steht Rusev. Ein behaartes, riesiges Ungetüm, was alles platt macht, was ihm in den Weg kommt. Er provoziert stets mit russischem Akzent, ist seit Monaten unbesiegt und nach jedem Kampf wird die russische Flagge von der Decke ausgerollt. Begleitet wird er stets natürlich von einer blonden, russischen Schönheit, die sich vor allem durch kurze Röcke und ebenso fiesen russischen Akzent auszeichnet. Kurz gesagt: Das personifizierte, böse Russland. Da tut es nichts zur Sache, dass „Rusev“ eigentlich Bulgare ist und auf dem Oberarm sogar ein riesiges Tattoo der bulgarischen Flagge mit den Umrissen des Landes trägt. Ach ja und seine Begleiterin „Lana“ kommt in Wirklichkeit aus der Ukraine. Aber egal, alles Russland, alles böse.

Rusev gets a Russian Hero's welcome at WrestleMania

Rusev gets a Russian Hero's welcome at #WrestleMania!

Posted by WWE on Sunday, March 29, 2015

Nachdem beide Hauptakteure seit Monaten in einer Fehde waren, sollte es bei Wrestlemania zum großen Showdown kommen. Ein vollkommen ironiefreies Kräftemessen zwischen USA und Russland. Kann man sich nicht besser Ausdenken. Kommen wir nun also endlich zur detailierten Aufzeichnung der Show vor Beginn des Kampfes:

– Es erklingt die russische Hymne. Auf der Bühne am Eingang stehen mehrere russische Soldaten mit insgesamt 6 Russlandflaggen und 4 Kanonen neben ihnen. Ja, richtig. Dazu tragen 8 weitere Soldaten eine große, russische Flagge zum Ring.

– Russlandbarbie Lana trägt einen weißen Pelzschal und trägt den Champion Gürtel vor der Flagge her. Doch wo ist Rusev?

Ein von Lana (@thelanawwe) gepostetes Foto am

– Als sie am Ring ankommen, feuern die Kanonen mehrere „Schüsse“ ab und aus den Nebelschwaden einiger Rauchbomben erscheint Rusev … in einem Panzer.

– Er schaut aus der Deckluke des Panzers heraus, sitzt am Geschütz und fährt bis zum Ring. Wladimir Putin hätte es nicht besser inszenieren können.

– Er stellt sich auf den Panzer und schwenkt eine russische Flagge. Die letzten Meter zum Ring geht er und trägt die Flagge wie eine Trophäe mit sich. Um seinen Hals baumelt dabei eine Medaille. Sie hat keinen weiteren Sinn, aber natürlich ist das Band der Medaille blau-weiss-rot und der Anhänger ein großer Stern.

– Am Ring angekommen schwenkt er noch ein bisschen die Flagge und schimpft in gewohnt gebrochenem Englisch gegen die USA.

Plötzlich erlischt das Licht in der Arena. (Okay, ach wenn das nicht so ganz auffällt, da das Event bei Tageslicht stattfindet) Es beginnt ein Einspieler und was nun folgt, wird das eben Geschehene um Weiten überbieten:

– Es beginntmit der Aufnahme eines Weißkopfseeadlers bei Sonnenaufgang

– Eine wehende US-Flagge

– Ein Foto der Unabhängikeitserklärung

– Dazu läuft der Ausschnitt einer historische Rede: „America is today the strongest, the most influential and most productive country in the world.“

– Dazu Schwarzweißaufnahmen von Arbeitern an einer Stechuhr, das klassische Foto der Arbeiter auf einem Eisenträger und ein Bild von Arbeitern an einer Dampflok.

– Der Ausschnitt einer Rede vom feuchten Präsidententraum aller Republikaner, Ronald Reagan. Es geht darum, das kein Land der Welt solche Fortschritte wie die USA hervorgebracht hat. Dazu werden wieder Fotos mit einem Querschnitt durch die Geschichte gezeigt. Von Aufnahmen vom Bau der Golden Gate Bridge, über die Mondlandung, bis hin zu einem Foto von Steve Jobs mit einem iPhone ist alles dabei.

– Ein weiterer Ausschnitt einer Rede. Dieses Mal von Kennedy der davon spricht, wie Energie, Glaube und Hingabe diese Land so großartig machen. In folgender Reihenfolge werden dazu gezeigt:
Michael Jordan, Mark Zuckerberg, ein Traktor, die Freiheitsstatue, Feuerwehrleute und ein Baseballspieler.

– Der nächste Ausschnitt ist von George Bush. Er sagt: „We have every right, to dream heroic dreams.“ Dazu werden gezeigt:
Ein baseball Spieler, ein Eishockey Spiel und Martin Luther King

– Obwohl er Demokrat ist, darf Barack Obama auch was sagen. Es geht darum, was die USA für eine Kämpfernatur von einem Land ist. Niemals rastlos. Dazu gibt es wieder allerhand Flaggen und Rosa Parks.

– Ronald Reagan darf noch mal: „Those who say, we’re in a time without heroes … They just don’t know where to look.“

– Die epische Hintergrundmusik wird lauter, dazu eine Bewegtbildaufnahme vom klassischen Motiv der abgekämpften Soldaten, die eine US-Flagge aufstellen.

– George W. Bush sagt „The greatest fighting force on this earth.“ Dazu Aufnahmen aus der Normandie, Vietnam und dem Irak. Noch mehr Bilder von Soldaten und dazu die Aussage, was für Helden diese Soldatinnen und Soldaten sind.

– Ronald Reagan darf zum dritten Mal und wird mit Kennedy zusammen geschnitten. Es geht darum, dass sich jeder, der die Freiheit der USA in Gefahr bringen könnte, fürchten muss. Dazu gibt es weitere Fotos diverser Schlachtfelder der US-Historie und die Aufnahme vom Sarg eines Soldaten.

– Endlich: Jets!

– Die historische Aufnahme von George W. Bush auf den Trümmern des World Trade Centers mit einem Feuerwehrmann im Arm.

– Die ebenso historische Aufnahme von 3 Feuerwehrmännern, die eine US Flagge im Staub des Ground Zero hissen.

– Die neu errichteten Türme am ground zero, während George W Bush davon spricht, dass die USA nie rastlos ist und gewiss nicht scheitern wird.

– Feuerwerk. Abraham Lincoln. Eine Flagge bei Sonnenuntergang.

– Ronald Reagan darf schon wieder und liefert die Schlussworte des Einspielers: „And after all – Why shouldn’t we believe that? We are Americans.“

Was für eine Fallhöhe. Einmal alles von Mondlandung bis 9/11. Dieser Einleitung zufolge ist dieser Kampf also der bisher wichtigste Punkt der US-Geschichte.

John Cena stürmt die Bühne. Es wird deutlich warum er so viel Merchandise verkauft. Er trägt eine Mütze, ein Shirt und 4 (!) Schweißbänder seiner aktuellen Merch-Kollektion. Bevor er zum Ring stürmt, hält er wie immer ein kleines Handtuch (?) – ebenfalls von seinem Merch – in die Kamera. Darauf steht: Never give up.

27. März 2015 | 2:56 Uhr


Am Dienstag saß ich in einer Agentur, in deren Flur im Eingangsbereich ein Fernseher hängt. Den ganzen Tag läuft dort N24 ohne Ton und vermittelt einem beim Vorbeilaufen immer das Gefühl, man wäre (zumindest für diesen Moment) top informiert und arbeite dementsprechend professionell. Als es kurz lauter im Flur wurde, weil sich ein paar KollegInnen unterhielten, stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn eine Katastrophe passieren würde und plötzlich alle gespannt vor besagtem Fernseher stehen würden.

Etwas mehr als eine Stunde später gab es eben genau so eine Katastrophenmeldung. Gruselig, ich weiß. Ein Flugzeug sei in den Alpen verschwunden. Wahrscheinlich abgestürzt, 150 Menschen an Bord, man müsse mit dem Schlimmsten rechnen. Natürlich fand sich dann niemand vorm Fernseher ein, sondern las davon am Rechner. Nach diesen Details habe ich diese fürchterliche Nachricht für mich weitestgehend abgehakt. Nicht weil ich sie für lapidar gehalten habe, ganz im Gegenteil, sondern weil ich nicht diesen Mechanismen verfallen wollte, dass man sich von einem Ticker zum nächsten hangelt und dabei eine halbgare Meldung nach der anderen in sich hinein fressen lässt. Diesen „Fehler“ hatte ich erst kürzlich bei dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ gemacht. Plötzlich sitzt man da in Schock und klickt sich durch verwackelte YouTube Videos, während die Täter noch zu Gange sind. Man will so nah sein, wie es nur geht, egal wie wahr die Meldungen am Ende des Tages sind, durch die man sich gerade klickt.

Das eigene Empfinden sagt einem doch eigentlich, dass man eben genau das aufgrund verschiedener Gesichtspunkte nicht tun sollte. Und doch verliert man sich viel zu leicht darin, weil es eben geht. Warum brauche ich eine Sammlung halbgarer Informationen um 13:47 Uhr, wenn es doch eigentlich viel mehr Sinn macht, zum Beispiel auf ruhigere, (hoffentlich) fundierte Nachrichten am Abend zu warten? Zumindest natürlich wenn es ein Unglück ist, mit dem ich in keinster Weise in persönlicher Verbindung stehe. Ich weiß doch, dass ein Flugzeug sehr wahrscheinlich abgestürzt ist und es wahrscheinlich keinen guten Ausgang geben wird. Warum bin ich dann umso hungriger nach jedem Schnipsel Möchtegern-Informatiosngehalt?

Wie gesagt, genau diesem Ablauf habe ich mich (zumindest weitestgehend) bewusst entzogen. Auch weil ich die kürze der Wege bei Ereignissen wie diesem mittlerweile beachtenswert finde. Beachtenswert mit mulmigen Gefühl im Bauch. Ist es nicht verrückt, wie schnell solche Geschichten die Runde machen und wie noch viel schneller Details hinterher kommen? Es gibt scheinbar immer irgendwo irgendwen, der bereit ist Informationen möglichst schnell weiterzugeben. Selbst in der kleinen Untersuchungsgruppe des Flugschreibers. Zu mir können detailierte Informationen über die Insassen des Flugzeugs und dergleichen kommen, während sich noch nicht mal der Staub am Unglücksort gelegt hat. In 99% der Fälle ist diese Verbreitung und Geschwindigkeit von Informationen im Internet toll, bei diesem einen Prozent finde ich sie gruselig.

Als ich sah wie die Medienmaschine anrollte (mit entsprechenden Hall auf diversen Social Media Plattformen), fragte ich mich, wie es wohl zu Zeiten des 11. September 2001 gewesen wäre, wenn Online Journalismus und Social Media an einem Punkt wie heute gewesen wären. Nach wie vor ein komischer Gedanke für mich. An allen Ecken und Enden des Internets krachte es los mit einem Gewitter aus halbgaren Informationen, Vermutungen und Analysen, schließlich müssen diverse Ticker gefüllt werden. Das ganze Schauspiel wurde hier bestens zusammen gefasst. Wo wir wieder bei der Frage von eben wären. Wofür brauche ich diese Ticker? Warum kann ich nicht eine fundierte Meldung abwarten? Andererseits sollen Menschen natürlich informiert werden. Dafür sind Nachrichtenportale ja schließlich da. Aber tue ich das mit einem Ticker aus halbgaren Vermutungen oder ist genau das nicht einfach nur eine Form perfider Unterhaltung? Ich stille ein fragwürdiges Bedürfnis mit noch fragwürdigeren Methoden. Und damit nicht genug, alles wird dann noch so auffrisiert, dass es möglichst viele Klicks generiert. Wenn die Menschen schon etwas wissen wollen, wovon es nichts Neues zu wissen gibt, dann doch bitteschön bei uns. Und rundherum stricken wir noch jede Menge mehr. Die deutsche Huffington Post ist ein wunderbares Beispiel für diesen ekelhaften Clickbait-Journalismus. Da gibt es ernsthaft Artikel mit Überschriften wie „So emotional reagiert German Wings auf den Absturz“ oder „Germanwings Absturz: Ein Bild das ‚unfassbar traurig’ macht“. Da sind gerade Menschen umgekommen und nur wenige Stunden oder gar Minuten sitzt jemand ein paar Kilometer entfernt davon und überlegt sich, wie man die Schlagzeilen so schreiben kann, dass sie auf Facebook möglichst gut geklickt werden. Hallo Internet 2015.

Womit wir beim nächsten Thema wären. Unmittelbar auf die kurze Schockstarre folgt der Durst nach jeder noch so kleinen Information und wiederum darauf folgt die aktive Trauer. Ich halte den Absturz des Fluges 4U9525 für wirklich schlimm und mein Beileid gilt allen Angehörigen aber ist es dann auch schlimm, wenn ich nichts fühle? Also Beileid ja, aber Trauer nein. Schließlich stehe ich in keiner Beziehung zu diesem Unglück (außer das ich selbst oft fliege, klar) und werde in den Nachrichten täglich mit ähnlichen Themen konfrontiert. Gar nicht auszudenken wenn das jedes Mal Trauer in mir auslösen würde. Damit will ich dieses Unglück in keinster Weise irgendwie kleinreden, nur ist es für mich immer noch ein erheblicher Unterschied, ob ich ein Ereignis schlimm finde oder ob mir ein Ereignis persönlich so nahe ist, dass ich Trauer empfinde. Ich denke, dass ist bei vielen Menschen so und nichts Besonderes.

Nur fühle ich mich gerade im Bezug auf eben dieses Unglück unwohl damit. Und ich weiß noch nicht mal warum. Es fühlt sich an, als würde alle Welt um mich herum im digitalen Raum plötzlich einen schwarzen Trauerflor tragen, Und das nicht still und leise, sondern aktiv und laut. Es scheint, als müsse Trauer möglichst plakativ gezeigt werden. Oder auch direkt zum Klickfang genutzt werden, wie bei einem Radiosender, der auf seiner Facebookseite den Like-Button kurzerhand zum „Kondolenz Button“ umfunktionierte. Folgte man der Aufforderung und gab einem bestimmten Foto ein Like, zeigte man damit aktiv seine Trauer. Trauer auf Knopfdruck sozusagen. Während das bei mir ein unwohles Gefühl im Bauch vor ekelhaftem Like-Fang auslöste, folgten erstaunlich viele Menschen diesem Aufruf. Ist das, wie der Aufruf vielleicht auch, aus einer Hilflosigkeit heraus entstanden? Plötzlich ist diese Trauer da, man weiß nicht wohin damit, also zeigt man sie möglichst aktiv? Ich möchte in keinster Weise jemandem die Trauer absprechen, ich würde es nur gerne einfach verstehen.

Im Fall von „Charlie Hebdo“ habe ich selbst am Abend nach dem Attentat noch ein Foto (natürlich in schwarzweiß) auf Instagram hochgeladen, bei dem ich einen Stift in der Hand halte. Ein kleines Zeichen, um zu zeigen, das man sich nicht unterkriegen lässt. Schließlich verdiene ich auch einen erheblichen Teil meines Geldes damit, lustig zu sein. Und das möchte ich natürlich auch weiterhin ohne Angst tun.

Nun haben wir einen Flugzeugabsturz und plötzlich haben Menschen das schwarzweiß Logo des betroffenen Flugunternehmens als Profilbild oder senden Kondolenzfotos an andere Unbeteiligte per Whatsapp. Gegenüber Menschen in der Öffentlichkeit herrscht eine gewisse Erwartungshaltung, was Trauer betrifft und wehe dem, der sie nicht erfüllt. Sogar ich als vergleichsweise kleiner Social Media Wurm spüre das. Oder übertreibe ich da? Aber wenn alle Welt um mich herum plötzlich Kondolenzschleifen teilt, fühle ich mich ohne wirkliches Trauergefühl wie jemand der seine Erwartungen nicht erfüllt und bei rot über die Straße geht (während weit und breit kein Auto kommt). Jetzt ist es gerade halb zwei Uhr nachts und wenn ich morgen aufwache wird wohl die dritte Phase der Nachwirkungen dieser Katastrophe einsetzen. Auf Schock folgte Trauer und beim aktuellen Stand der Ermittlung wird wohl Wut folgen. Und das aktiver und lauter als die beiden Phasen davor zusammen. Ich sitze hier weiter hilflos und frage mich ob etwas mit mir nicht stimmt, weil ich nicht das Bedürfnis habe, mein Umfeld über meine Trauer zu informieren, beziehungsweise diese gar nicht erst empfinde. Und das obwohl ich doch eigentlich mit reichlich Empathie und Mitgefühl ausgestattet bin. Oder ist es schon eine Form der Trauer, wenn ich größeres Bewusstsein entwickle und froh darüber bin, dass es mir doch eigentlich sehr gut geht gerade?

Und was macht man in solchen Momenten der Hilflosigkeit wie diesen? Richtig, Musik hören. Die Berichterstattung dieser Tage entspricht exakt den Inhalten des Songs „Vicarious“ von TOOL. Im Lied geht es darum, wie durstig man nach Elend aus einer sicheren Entfernung ist. Nur gibt es eben keiner zu. So lange ich nichts damit zu tun habe, kann ich meinen „Informations“drang an Fotos der Unglücksstelle ergötzen. Mal nebenbei gefragt: Den physikalischen Grundsätzen zufolge muss es das Flugzeug samt Passagieren beim Aufprall pulverisiert haben. Ist es also okay Fotos von einem Todesort inklusive Leichen auf den Start- und Titelseiten dieser Welt zu haben, sobald es die in Kleinteile zerrissen hat?

Eye on the TV, ’cause tragedy thrills me. Whatever flavour. It happens to be like: Killed by the husband, drowned by the ocean, shot by his own son.
She used the poison in his tea annd kissed him goodbye. That’s my kind of story. It’s no fun ’til someone dies. Don’t look at me like I am a monster. Frown out your one face, but with the other stare like a junkie into the TV. Stare like a zombie while the mother holds her child, watches him die. Hands to the sky crying: Why, oh why? ’cause I need to watch things die, from a distance.

Der zweite Song an den ich, speziell in meiner beschriebenen Situation, denken musste, ist „An Tagen wie diesen“ von Fettes Brot. So kitschig das auch sein mag, es passt einfach so gut: „Eine Million bedroht vom Hungertod nach Schätzungen der
Während ich grad gesundes Obst zerhäcksel in der
Seh‘ ein Kind, in dessen traurigen Augen ‚ne Fliege sitzt
Weiß, dass das echt grausam ist, doch scheiße, Mann, ich fühle nichts
Was ist denn bloß los mit mir, verdammt, wie ist das möglich?
Vielleicht hab ich’s schon zu oft gesehen, man sieht’s ja beinah täglich
Doch warum kann mich mittlerweile nicht mal das mehr erschrecken
Wenn irgendwo Menschen an dreckigem Wasser verrecken?
Dieses dumpfe Gefühl, diese Leere im Kopf
So was kann uns nie passieren, und was wäre wenn doch?
Und mich zerreißen die Fragen, ich kann den Scheiß nicht ertragen
Die haben da nichts mehr zu fressen und ich hab Steine im Magen!“

* Weil es so ein wahnsinnig sensibles Thema ist, noch einmal ganz deutlich: Ich möchte es absolut niemandem absprechen zu Trauern und mein Beileid gilt allen Angehörigen. Ich habe mich einfach nur gefragt, was das Internet aus Trauer macht (und umgekehrt) und warum das bei mir nicht so, wie bei zahlreichen Anderen ist.

10. März 2015 | 19:27 Uhr

Auch wenn ich es immer aussehen lasse, als würde ich ein abwechslungsreiches, aufregendes Leben eines Internetheinis leben, so bin ich tatsächlich eher einer der jüngsten Rentner Deutschlands. Wenn ich später eh mal keine Rente bekomme (WEIL DIE GENERATION YOUTUBE ES VERKACKT!), lebe ich doch lieber jetzt wie ein Rentner, so lange ich es noch kann. Einziger Unterschied ist glaube ich, dass ich nicht ganz so unfreundlich bin und mich noch nicht wie ein Outlaw verhalte, weil mein Lebensabend ja glücklicherweise noch ein paar Jährchen entfernt ist.

Und was macht ein richtiger Rentner am Wochenende? Richtig, eine Messe besuchen. Wobei auch sehr viel Wintersport im Fernsehen kam, aber man muss hier Prioritäten setzen, schließlich ist nur einmal im Jahr Tourismusmesse. Eigentlich ist die ITB an sich ja schon ein lustiges Unterfangen. Reiseziele aus der ganzen Welt müssen in möglichst hässlicher Umgebung zeigen, wie toll sie doch sind. Andererseits macht das ja wieder Sinn. Selbst das Reiseangebot von Hannover sah ganz ansprechend aus vor dem Stahlbeton der Berliner Messe. Grundsätzlich kann man an folgender Faustregel festhalten: Je unattraktiver das Reiseziel, umso aufwändiger der Stand. Bei manchen Ständen wäre ich gern bei der Planung dabei gewesen. „Okay, wir machen nichts außer Flyern und einer Frau, die einen Obstkorb auf dem Kopf trägt.“

Pro-Tipp: Es ist äußerst wichtig, die richtigen Daten auf dem Ticket anzugeben! 30% des Eintrittspreises sind dabei übrigens für die tatsächliche Messe und 70% um sich die Leute anzuschauen die dahin gehen. Es gibt richtige Muttivereinigungen die zwischen den Hallen verschnaufen und sich neu organisieren, bevor sie ihre tonnenschweren Tüten mit Flyern, Bonbons und Kugelschreibern weiterschleppen. (Enttäuschend übrigens, ich habe nur zwei Stände mit Kugelschreibern finden können!) Am Schönsten waren die Muttigangs die bereits beim Stand einer Discounterkette waren, die Strohhüte verteilte. Wenn man schon mal auf einer Reisemesse ist, kann man schließlich auch einen Strohhut tragen! Livin la vida loca. Damit kann man nämlich nicht nur wunderbar bescheuert aussehen, sondern auch noch alle anderen Leute neben einem nerven. Hach, da kommt wieder der Rentner in mir durch, schön.

Sollte ich jemals auch einen Messestand betreiben, würde ich es mir zur Aufgabe machen zu testen, was man alles kostenlos verteilen kann. Ich glaube nämlich, dass es vollkommen egal ist, hauptsache es ist kostenlos. Egal ob gefüllte Hundekotbeutel (mit Werbeaufdruck natürlich), Zitteraale oder brennende Kohlenanzünderstückchen, die Muttigangs würden sich trotzdem vorm Stand stapeln.

PS: Ach ja, die ITB ist ganz nett und vor allem praktisch wenn man noch nicht für alle Länder Klischees im Kopf hat. Ansonsten würde ich eher das Internet empfehlen. Auch wenn es da keine Steeldrums und Strohhüte gibt.