19. Juni 2014 | 14:55 Uhr


Bevor der dumpfe Klang und das Fiepen in meinen Ohren meinen Kopf zum explodieren bringt, tippe ich lieber noch ein bisschen was ab, damit die Nachwelt weiß, woran mein Gehör (inklusive mir) zu Grunde gegangen ist. Eine wichtige Lektion zuerst: Solltet ihr eine Lieblingsband haben, die irgendwo in der Stadt ein DJ Set macht – Geht da nicht hin. Bei Hip Hop Künstlern kann man noch Glück haben, dass sie einen motivierten Kumpel mitbringen der das dann übernimmt. Bei Indiebands hat man aber direkt eine Niete gezogen. Die legen nämlich nur noch ironisch auf. Sprich entweder ganz fürchterliche Musik oder aber gute Musik, die dann auf komische Art und Weise verzerrt ist.

Gestern waren Arcade Fire in der Stadt und weil die so ein feierwütiger Haufen sind, ging es nach dem Konzert in kleiner Runde im Hof des Michelberger Hotel weiter. Wenn eine Party im Hof des Michelberger Hotel ist und dann auch noch Arcade Fire zu Gast sind, muss man sich das Publikum in etwa so vorstellen, als hätte man diverse Tumblr-Klischees einmal durchgeschüttelt und in eben diesen Hof gekippt.

Win Butler, seines Zeichens Frontmann von Arcade Fire, hat mit “DJ Windows 98″ zwar den coolsten DJ Namen der Welt, bestätigt leider aber auch den eingangs erwähnten Sachverhalt. Kann allerdings auch an der Soundanlange im Hof gelegen haben, die so unmotiviert und kraftlos wie kurz vorher Spanien gegen Chile. Nur noch etwas kratziger. Eine wahre Tortur die man sich ergehen ließ, weil man wusste, das später noch die PHI SLAMMA MAMMA BOYS spielen würden. Eine Kombo aus dem Hause Arcade Fire, die womöglich sogar Arcade Fire selbst ist?

Es muss übrigens sehr komisch sein, Mitgleid bei Arcade Fire zu sein bzw. Frontmann der Band zu sein. Kurzzeitig fiel der Strom aus, weil die Anlage schlichtweg überlastet war. Aus Langeweile heraus begann er auf einer Flasche im Takt zu klimpern. Reflexartig waren 10 Mobiltelefone in der Luft, um alles mitzufilmen. ist das jetzt schon Kunst? Ich stelle es mir wirklich schwierig vor über lange Zeit gute Musik zu machen, wenn man in solche einem Vakuum lebt, dass im Prinzip alles was man tut, sofort für bestmögliche Kunst gehalten wird. Komisch. Wahrscheinlich klingt “Reflektor” auch deshalb so wie es klingt. An sich ein sehr gutes ALbum aber irgendwie dann doch mit so viel Frickelei und Kleinkram übersät, dass man es ein halbes Jahr später nur selten aus dem Plattenregal nimmt.

Das klingt jetzt alles so nachdenklich negativ dabei: AHHH EINE ARCADE FIRE PARTY! Nach zwei Stunden bitterlichem Kampf zwischen meinem Trommelfell und den verzerrten Beats der Kratzlautsprecher (#firstworldproblem) kam es endlich zur ersehnten Livemusik. Sarah Neufeld machte quasi die Vorband und spielte ein paar Violinenstücke ihres Soloprojekts bevor die PHI SLAMMA MAMMA BOYS die Bühne betraten.

Erster Downer: Das sind gar nicht Arcade Fire, sondern nur 50% davon und sie spielen auch keine Arcade Fire Songs. Haben sie ja heute schon zu genüge an anderer Stelle. Dafür gibt es Coversongs der Rolling Stones, Byrds und den Beatles was großen Spaß macht. Nicht zuletzt auch, weil die 4 Herren auf der Bühne sichtlichen Spaß dabei haben. Hochzeitsband wäre damit also auch gefunden!

Und so wurde es nach all der Kratzerei doch noch ein wunderbarer später Abend und ich muss mir dringend abgewöhnen jetzt auch so ein Berliner Szenenörgler zu werden, der sich beschwert, weil die Musik im Hof bei einer lustigen Sause mit der größten Band der Welt zu laut ist.

18. Juni 2014 | 16:20 Uhr


Ich wurde kürzlich von Mit Vergnügen gefragt, welchen Ort in Berlin ich denn besonders zum Fußball schauen empfehlen könnte. Hmm, keine Ahnung. Gerade bei wichtigen Spielen neige ich nämlich dazu, meine eigenen vier Wände nicht zu verlassen, um jegliche Eventualitäten ausschließen zu können. Keine blöden Zwischenrufe, generell keine unangenehmen Menschen (sondern wenn dann nur gute!), Ersatzkabel und -möglichkeiten, falls irgendetwas in der Übertragung nicht funktionieren sollte. Fußball ist viel zu emotional, um es irgendeinem Großraumveranstalter vertrauensvoll in die Hände zu geben.

Umso schöner also, dass sich die Klangexperten von Sonos bei mir meldeten, um mir pünktlich zum ersten Deutschlandspiel der WM 2014 ein 5.1 Dolby System in die Bude zu stellen.
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17. Juni 2014 | 10:40 Uhr

Am Wochenende war ich in meiner Heimat und in einem Schrank fiel mir der Karton für Bundesliga Manager Hattrick entegen. OH THE FEELS! Damals und so. Überhaupt immer ganz schön, so eine kleine Wochenendzeitreise. Thüringer Dörfer haben den Vorteil, dass man nach 2 Minuten Fußweg egal in welche Richtung mitten in einem Wald steht. (Und bis dahin von mindestens 17 Rentnern, die nur semigut hinter Gardinen versteckt sind, beäugt wurde.) Ich nutze diese Eigenschaft, also die mit dem Wald, sehr gerne als Abwechslung zum dreckig-lauten Berlin.

Gestern wusste ich nicht so wirklich, wo ich hin laufen könnte, irrte also erstmal los. Ich kann an dieser Stelle übrigens sehr empfehlen, dass neue Jack White Album zu hören und dabei im Wald durch die Sonne zu laufen. Allerdings kann es vorkommen, dass man vor lauter Countryklängen dann mit Klapperschlangen und dergleichen rechnet.

Mir kam jedenfalls ein Geistesblitz, dass ich doch mal wieder nach einer Höhle im Wald schauen könnte, die ich in Kindertagen mit ein paar Freunden mehr schlecht als recht zwischen zwei Bäume genagelt hatte. Toll sah sie zwar nicht aus, aber sie war besonders. Mein Vater hatte sie mir mal gezeigt. Genauer gesagt: Mein Vater hatte sie zu Kindertagen dahin gebaut und 20 Jahre später stand sie da immer noch. In den Sommerferien 1997 haben wir ein paar neue krumme Baumstämme dran genagelt und uns dabei wie Restauratoren gefühlt.

Länger als diesen einen Sommer 1997 beschäftigten wir uns allerdings nicht damit und die waghalsige Konstruktion ereilte das gleiche Schicksal wie in den 20 Jahren zuvor. Gestern stand ich wieder dort. 17 Jahre später. Solche Orte sind es dann, an denen man Zeit am besten sieht und spürt. Als würde man diesen einen Punkt im Leben noch mal besuchen, wenn man sich die rostigen, krummen Nägel anschaut.

Es wäre mir damals wahrscheinlich absolut nicht vorstellbar gewesen: Pass auf, du fährst jetzt zwar mit deinem Fahrrad nach Hause weil es langsam dunkel wird und denkst dir nichts weiter dabei, aber du wirst sehr lange nicht mehr hier sein. Genauer gesagt so viele Jahre wie du jetzt alt bist plus weitere sechs Jahre. Ausserdem kann man dann sehr hochauflösende Fotos mit dem Handy machen und du wirst ein Bild eurer Höhle auf einem Dienst namens Instagram hoch laden.

Das Lustige daran ist ja auch, dass man viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel sieht. Entfernungen zum Beispiel. Niemand würde uns finden können haben wir damals noch gedacht. Haha! Gut, niemand würde sich wahrscheinlich die Mühe machen diesem Berg hochzuklettern, aber was für uns damals wie eine kleine Expedition wirkte, waren letztlich doch nur 5 Minuten. Mal schauen wann ich das nächste Mal dort bin und einen Mini-Me zum weiterbauen anleite.

Auf meinem Weg zurück bin ich dann versehentlich auf ein Wespennest getreten, wodurch ich gute 10 Minuten durch den Wald vor einem Wespenschwarm wegrennen musste. Aber selbst das war nicht so schlimm wie die Facebookseite von Daniel Aminati.

14. Juni 2014 | 16:07 Uhr


Da ich die Eleganz von einem Mops in der Mittagssonne, den Feinsinn von Stefan Effenberg, den Esprit einer angeditschten Banane und das Modeverständnis von Reinhold Beckmann in den 90ern habe war ebay so nett, nachdem Pharell Williams in den USA damit angefangen hatte, mich zu fragen, ob ich ein paar Kollektionen erstellen möchte. Das kann man dort nämlich neuerdings.

Ein bisschen wie bei Pinterest kann man verschiedene Produkte in einer Kollektion zusammenfassen. Zum Beispiel wenn man unterschwellig genaue Vorstellungen von Geburtstagsgeschenken verbreiten möchte, sich auf verschiedene Lebensumstände schon mal optional vorbereiten möchte oder – und das ist glaube ich auch der grundlegende Ansatz – Empfehlungen geben möchte. Seit ein paar Wochen haben so alle Nutzer bei ebay Deutschland die Möglichkeit dieser Funktion. Dafür muss man einfach nur auf eine Produktseite gehen und “Zur Kollektion hinzufügen” klicken. Alles weitere dürfte dann eigentlich selbsterklärend sein.

Ein paar Beispiele die ich in den letzten Wochen so angelegt habe:
Heisenberg: Hier kann man nicht nur alle “Breaking Bad” Folgen nacheinander ansehen, sondern dank einem “Chemie für Dummies” Buch und diversen Utensilien direkt selbst loslegen. Auch wenn das wahrscheinlich nur eher mittelmäßig empfehlenswert ist.

Zombieapokalypse: Aus Verantwortung gegenüber ebay und der Menschheit an sich habe ich eine Kollektion angelegt, mit deren Utensilien man eine Zombieapokalypse zumindest einige Tage überleben dürfte.

Der Berg ruft: Da ich kürzlich erst selbst durch die Alpen getingelt bin, habe ich mal zusammen gesammelt, was man dort so dringend mitbringen sollte.

Comic Meisterwerke: Und falls man lieber Zuhause bleibt, statt durch die Alpen zu stiefeln, kann man sich meine Lieblingscomics mal zu Gemüte führen.

ZuCkErScHoCk (*_*): Meine heimliche Lieblingskollektion. Inklusive einer mobilen Zuckerwattemaschine und einem 5kg Eimer Nutella.

Kowabunga: Alles rund um die Turtles! Sollte man also gerne in Kanalisationen rumhängen und sich für Kampfsport interessieren, ist das hier die genau richtige Kollektion. Nachhaltig beeindruckt bin ich von einem Rucksack in Schildkrötenpanzeroptik und einem Kissen mit Pizzaaufdruck. Wie toll das sein muss, wenn man darauf aufwacht!

10. Juni 2014 | 13:54 Uhr


Eigentlich hatte ich meinen ganzen Tag bereits damit verbracht, mir einzureden, dass Black Sabbath mittlerweile alte gebrechliche Männer sind. Ich versuchte die ganze Zeit daran zu denken, das es beim Konzert eh nichts außer dem großen Namen zu sehen geben würde, um meinen Ärger zu verdrängen, dass ich mich nicht rechtzeitig um ein Ticket gekümmert hatte.

Wie durch Zauberhand bekam ich aber zwei Stunden vor Konzertbeginn doch noch eins und eilte durch die Hitze zur Wuhlheide und schwitzte dabei wie Kim Dotcom zu seinen besten Zeiten. Es ist ja schließlich nicht nur Black Sabbath, sondern eine Vorband namens Soundgarden zu Gast. Eine große Wiedervereinigungsrevue sozusagen.

Chris Cornell hatte ich zuletzt noch mit den großartigen Audioslave gesehen, dazwischen hatte er sehr merkwürdige Phasen (inklusive Zusammenarbeit mit Timbaland) und ist nun endlich zu richtigen Gitarren zurück gekehrt. Die ersten fünf Songs sind direkt das Soundgarden Grundseminar: Jesus Christ Pose, Spoonman, Rusty Cage, Outshined und Black Hole Sun. Bei “Black Hole Sun” muss ich in der 30 Grad Hitze an die schmelzende Barbie im Video denken. Der Teenager in mir mit kaputten jeans und alter Trainingsjacke verliebt sich neu in die Stimme von Chris Cornell und die dunklen Klänge von Soundgarden. Die Reaktionen um mich herum sind allerdings eher verhalten.

Wie nicht anders zu erwarten ist es ein sehr altes Publikum die entweder in der Kutte hängen geblieben sind oder mit mittlerweile lichtem Haar an die Matte von früher denken. Und für die ist Soundgarden ja neumodischer Kram! Wenn man beim Black Sabbath Debütalbum 20 war, war man bei “Superunknown” schon 40. So viel Musikgeschichte auf einmal heute! Chris Cornell erzählt, das er zu Black Sabbath fand, als er sich als Teenager die “Paranoid” Platte geklaut hat, weil er das Cover so toll fand und mir wird in der Zwischenzeit ein großer Vorteil von älterem Publikum bewusst: Das Handynetz ist nicht zusammen gebrochen!

Nach Soundgarden suche ich mir einen Platz direkt vor der Bühne. Wenn schon mal Legenden zu Gast sind, dann will man die doch auch aus nächster Nähe sehen. Nach nur 20 Minuten hört man erstes Krächzen von Ozzy hinterm Vorhang. Ich hatte mich darauf gefasst gemacht, dass alle Bandmitglieder und vor allem Ozzy sehr gebrechlich auf der Bühne stehen würden. Der Vorhang fällt und Ozzy Osbourne springt fröhlich über die Bühne und ist dabei vitaler als in den letzten 20 Jahren zusammen. Was ist da denn passiert? Geezer Butler zeigt seine übernatürlichen Basskräfte und Tony Iommi nickt in einem dicken Ledermantel freundlich allen Fans vor der Bühne und jedem einzelnen Gast neben der Bühne zu. Der Mann hat Krebs, wird nach der Tour weiter behandelt und macht hier alles platt.

Der erste Song ist “War Pigs” und ich kann nicht aufhören, diesem Mann auf seine Finger zu gucken. Was für ein wahnsinnig guter Sound, was für eine Präsenz der ganzen Band. Innerhalb von einer Minute waren all meine schlimmen Befürchtungen wie weg geweht. Aus gesundheitlichen Risiken entschied man sich, am Schlagzeug auf die Originalbesetzung zu verzichten. Stattdessen sitzt dort Tommy Clufetos der dem ganzen noch mal mehr Druck verleiht.

Ich bin da hin gefahren um Ozzy Osbourne und Tony Iommi noch mal auf einer Bühne zu sehen, mehr wollte ich eigentlich gar nicht. Und dann liefern die da anderthalb Stunden so eine unglaubliche Show. Sollte irgendjemand also Zweifel haben: Schaut euch Black Sabbath an. (München, Stuttgart und Essen kommen noch in den nächsten Tagen)

Der komplette vordere Rand der Bühne war übrigens mit einer Anhöhung und Leuchtschläuchen ausgestattet, damit da der Prince of Darkness nicht runter fällt. Der hatte um sein Mikro übrigens auch ganze fünf Monitorboxen stehen. The Gehör of Darkness. Kurz vor der Zugabe schaute ich noch mal genau auf die Bühne, um mir bewusst zu machen, dass es wahrscheinlich das letzte Mal ist, dass man diese Herren so sieht. Danach verließ ich die Wuhlheide, holte mir eine Portion Riffelpommes und lief mit einem Grinsen durch den Park, während das Riff von Paranoid die Nachbarschaft unsicher machte. Ein wahnsinnig guter Konzertabend mit vielen positiven Überraschungen. Das einzig Verlässliche war die gewohnte Unfähigkeit von Berliner Konzertveranstaltern für die Hitze in Sachen Getränken vorzusorgen. Aber zum Glück gab es genügend Stände mit Crepés und Waffeln. Haha sehr gut, ich hab mir ein bisschen Rentnergemoser angeeignet.

Aerosmith habe ich gestern Abend ausgelassen, dafür geht es heute Abend mit den Rolling Stones weiter. Ich bin gespannt, wird schwer sein, da mitzuhalten.

PS: Interessante Entdeckung in letzter Zeit – Immer häufiger gibt es nun auch Kunstdruckposter am Merchstand zu kaufen. Im Hause Black Sabbath hat man das direkt mal auf die Spitze getrieben: Nach Ende des Konzertes gab es 100 limitierte, signierte Poster für stolze 120€ pro Stück zu kaufen.

8. Juni 2014 | 16:59 Uhr

Mein persönlicher Privat-Tumblr Donnie hat mich kürzlich darauf hingewiesen, dass wir uns scheinbar im Jahr des Luigi befinden. Im neuen Mario Kart 8 (was überall herausragend gute Bewertungen bekommt) trägt Luigi eine ungewohnt hohe, flammende Vergeltungssucht in seinen Augen. Es scheint als hätte er über all die Jahre Wut angestaut, die sich nun – im Jahr des Luigi – entlädt.

Alles begann mit diesem Video:

Der Blick! Ich garantiere: Auch nach dem 50. Anschauen ist dieses Video noch sehr lustig und man entdeckt jedes Mal neue, kleine Details.

Doch damit natürlich nicht genug, denn dies war erst der Anfang von Luigis Rachefeldzug gegen alles und jeden.

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1. Juni 2014 | 21:41 Uhr


Gute 28 Jahre habe ich auf diesen einen Moment gewartet:  Einmal im Olympiastadion sitzen, wenn der FC Bayern zum Pokalfinale aufläuft. (Glücklicherweise war ich auch noch über diesen Moment hinaus im Stadion.) Meine persönliche Pokalfinalpremiere war es allerdings nicht. Vor 3 Jahren war ich bei Duisburg gegen Schalke vor Ort, schade war dabei nur, dass es bereits nach gefühlten 3 Minuten 5:0 stand. Ein richtiges, gegenseitiges Aufheizen gab es dabei also nicht. Eher ein „Schön, dass wir hier sind“ auf beiden Seiten. Mal mit freudigem, mal mit traurig-stolzem Unterton. Aber zurück ins Jahr 2014.

Nachdem mir diverse Ticket-Losverfahren des DFB nicht hold waren und ich mich schon mit einem Platz vorm Fernseher abgefunden hatte, gab es eine Nachricht aus Stuttgart. Als Deutschlands Fußballbloghochstapler Nummer 1 wurde ich von der Sportkommunikation aus dem Hause Mercedes-Benz zum Pokalfinale geladen. Hier eine Webcam-Aufnahme meiner Reaktion darauf:

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17. Mai 2014 | 11:18 Uhr


Der für mich urbanste Ort Berlins ist die Warschauer Brücke. 4 Spuren für Autos, Straßenbahnschienen, normale Bahnschienen, alte Industriegebäude, neue Industriegebäude und überall Dreck. Allein an den Knotenpunkten für die öffentlichen Verkehrsmittel steigen dort täglich über 80.000 Menschen um.

Überall Menschen, Menschen, Menschen. Beinahe jeden Morgen muss ich über die Brücke laufen und mir dabei einen Weg bahnen, durch eine menschliche Raupe die unberechenbar und langsam voran schreitet. Für die 200 Meter über die Brücke fühle ich mich immer wie ein Rentner. Alles nervt und am schlimmsten sind die Jugendlichen.

Es ist übrigens egal ob tagsüber oder nachts, auf der Brücke ist immer was los. Allerdings hat es ab 3 Uhr nachts immer etwas zombiehaftes. Um ehrlich zu sein, ist die Warschauer Brücke der perfekte Ort für ein Videospiel. Aber das sind ja eigentlich alle Ort, über die ein taff Beitrag gedreht wurde.

Der Bodenbelag ist eine nicht näher definierbare Mischung aus Tapetenkleister, Kotze, Crossaintkrümeln, Partyflyern und Salat. Aber es gibt auch Lichtblicke. Zum Beispiel wohnt in einem großen Müllcontainer ein Star. Also kein Fernsehstar, sondern ein Vogel Star. Wie in einer kleinen Villa wohnt er da, isst jeden Tag nur die feinsten Krümel, bekommt manchmal Besuch von Kollegen aus der Stadt und hat es dabei so gut, dass er im Winter nicht mal in den Süden fliegt. Oder der Saxophonspieler auf halber Strecke. Ich weiß das er vollkommen wahllos Leute am morgen grüßt, aber trotzdem freut es mich jedes Mal, wenn es mich erwischt. Mir fällt gerade auf, dass er nur im Winter dort steht. Wahrscheinlich zieht er den Sommer über in den hohen Norden und spielt in Spitzbergen Saxophon, wenn der Star das schon nicht macht.

Eigentlich ja bezeichnend. Normalerweise kann ich das Saxophon bis auf wenige Ausnahmen als Instrument in etwa so gut leiden wie Koriander und Zwiebeln. Aber an so einem stressigen und negativ belasteten Ort wie der Warschauer Brücke, wirkt es plötzlich wie eine Insel der Ruhe.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Ein Bild was es immer häufiger gibt, sind Liebesschlösser nach dem Vorbild der Hohenzollernbrücke in Köln. Was sind das für Menschen, die als Symbol ihrer Liebe ausgerechnet an diesem Ort ein Schloss mit Gravur der eigenen Initialen hängen? Die einzig schlüssige Erklärung für mich wäre, dass man sich nach drei Dönern während eines LSD-Traums dort kennen gelernt hat. Aber ansonsten? “Oh das ist so schön romantisch hier. Da vorne ist gleich die Metro, da unten seit tausend Jahren eine Baustelle und gleich hier wurde erst letzte Woche jemand erstochen. Awwwww!”

14. Mai 2014 | 18:47 Uhr

Das was das Berghain für Clubs in Berlin ist, ist “Hokey Pokey” im Eis-Business. Ein großartiger Eisladen zu dem Besucher aus aller Welt schwirren. Das sorgt allerdings dafür, dass der Bürgersteig regelmäßig verstopft ist, da sich rundherum Speiseeiswillige wie Antilopen an einem Wasserloch in der Savanne sammeln. Mit dem benachbarten Falaelladen scheint es deshalb schon ordentlich Stress zu geben. Es gibt diverse Schilder, die darauf hinweisen, dass man sich mit Eis bitte NICHT auf die Bänke des Falafelladens setzen soll. Die Anzahl dieser Verweisschilder lässt darauf schließen, dass man sofort mindestens angeschossen wird, wenn man sich eine Kugel Banane-Erdnussbutter-Eis auf einer der wackeligen Falafelbierbänke gönnt.

gestern hatte ich meine persönliche Hokey Pokey Premiere des Jahres. Eine kleine Kugel Eis am Abend kann ja schließlich nicht schaden und der Laden war auch recht leer. Fast keine Warteschlange – Utopie! Falsch gedacht. Eine Gruppe von drei menschen vor mir, wobei eine Dame es für wichtig hielt sich über alle Sorten aufklären zu lassen und dies und jenes zu probieren. DAS GEHT SO NICHT! Man steht in der Warteschlange, um sich bereits da schon seine Bestellung zu überlegen. Eis ist Grundnahrungsmittel und jede Verzögerung des Verkaufsablaufs sollte hart bestraft werden. Wann ist endlich Europawahl? Nach gefühlten 20 Minuten hat sie endlich ihre Auswahl getroffen. Vorher hatte ich schon mehrmals überlegt den Laden wieder zu verlassen. Aber das geht nicht, ich würde aussehen wie ein Idiot. Außerdem bekommt niemand in der Eis-Warteschlange spontan doch keine Lust mehr auf Eis. Zu verdächtig, ich wäre womöglich sofort auf einer CIA-Liste gelandet.

Jedenfalls stand ich meinem Eis Glück ganz nah aber dann … wie kann man in einem Eisladen den Bezahlvorgang möglichst kompliziert gestalten? EIN HUNDERT EURO SCHEIN! Nach reichlichem Prüfen kommt die Eisfrau zur Entscheidung, dass sie den leider nicht annehmen kann. Sie kann ihn nicht überprüfen und so. Kein Problem für die Dame vor mir, sie nimmt den 100€ Schein zurück und zahlt auf den Cent genau passend. Sie wollte den 100€ Schein nur endlich mal loswerden sagt sie. Eisläden kommen mir auch immer sofort in den Sinn, wenn ich großes Geld in kleine Scheine wechseln möchte. Ich bündelte all meine telekinetischen Kräfte um mit meinem Blick ihr Eis zu schmelzen und glaube auch, dass es ein bisschen funktioniert hat. Doch ehe ich ihr Eis mit meinen übernatürlichen Kräften  auf einer der Falafelbänke bewegen konnte, zündete sie die nächste Phase.

Was wäre das nächste, möglichst absurde was sie tun könnte? Na? Richtig, sie hat eine Bewerbung abgegeben. Was für ein cooler Move! Entschuldigung, können sie meinen 100€-Schein wechseln? Nein? Okay, kann ich bei ihnen arbeiten? Ich wünsche viel Erfolg.

10. Mai 2014 | 13:40 Uhr

Vor ziemlich genau einer Woche habe ich eines meiner wichtigsten Prinzipien gebrochen: Nichts ausser Creme darf cremefarben sein. Überhaupt habe ich sämtliche Coolness in mir vergessen und mir ein cremefarbenes Fahrrad gekauft. Mit Körbchen vorne dran. Aber es ist so schön bequem! Und sieht auch noch hübsch aus. Erstaunlich. Und egal wie albern man mit einem Korb vorn dran aussieht, nichts kann aufwiegen, wie praktisch das ist. Spätestens wenn mein geheimer Ausserirdischer eines Tages mal abgeholt werden sollte, bekommt der Korb seinen großen Auftritt. Auch wenn der Rest kein BMX, sondern ein cremefarbenes Fahrrad mit Gesundheitslenker ist.

Ich war über die Ostertage verreist und hatte mein Fahrrad im Hof vergessen. Also nicht vergessen im eigentlichen Sinne. ich hatte es angeschlossen, habe eben nur vergessen, es am Abend hoch in die Wohnung zu tragen. Als ich nach drei Tagen zurück kam, lag nur noch das traurige Fahrradschloss am Boden. Es fiel einem Bolzenschneider zum Opfer. Berlin, Stadt der Herzen. Mein Fahrrad und ich waren lange, gute Freunde. Nach diversen schlechten Erfahrungen mit Gebrauchträdern, habe ich mir mal ein Neues gekauft aber nach zwei Jahren sollte Schluss sein mit dieser Liason.

Mein trauriges, verirrtes Auge kehrte zurück zu “Europas größtem Zweiradmarkt” und schlug im Cremesegment zu. Allerdings gab es nach erfolgreicher Übergabe des Kaufvertrags die Ansage, dass das neue Rad noch fertig montiert werden müsse und ich es deshalb erst nach einer Stunde Wartezeit abholen kann. Das war insofern okay, weil nebenan ein riesiger Fressnapf Markt ist, indem man allerhand plüschige Tiere anschauen kann. (Disclaimer: Ich finde es schlimm, wenn man flauschige kleine Tiere einsperrt, aber kann auch nicht aufhören sie anzuschauen.)

Der eigentliche König vom Fressnapf Markt war aber nicht etwa eine der 20cm großen Heuschrecken, eine hangelnde Maus oder eine der OHMEINGOTTSINDDIEKLEIN Schildkröten sondern eine Krähe. Plötzlich flatterte nämlich etwas zwischen den Gestängen der sehr hohen Decke. Eine Krähe! Und cool wie sie ist, fliegt sie erstmal zu einem für Demozwecke aufgestelltem Wasserbrunnen für Katzen und gönnt sich danach noch einen kleinen Snack. Bleibt dann noch ein bisschen oben in dem Gestänge unterm Dach sitzen (wo sie niemals jemand einfangen könnte) und verschwindet dann wieder.

Seitdem habe ich mir mehrmals Gedanken darüber gemacht, was die Krähe wohl gedacht haben muss, als sie das erste Mal versehentlich in den Fressnapf Markt geflogen ist. Wahrscheinlich so etwas wie: “AHHH scheißescheißescheiße wo bin ich jetzt, ich bin gefangen und werde sterbOHMEINGOTT HIER IST ÜBERALL FUTTER!!! DA! DA! DAAA NOCH MEHR!!!!” Seitdem kommt sie scheinbar für regelmäßige Besuche vorbei.

Ein weiterer Punkt auf meiner internen Vogelhitliste, die von Krähen angeführt wird. Nicht nur, weil sie sehr schön aussehen, sondern auch noch die mit Abstand schlauesten Vögel sind. (Ich hoffe nur die Fressnapf-Krähe tut den Fressnapf-Flauschtieren nichts.)