Schon wieder Fernsehen. Der vergangene Montag war mit einigen seiner Geschehnisse ganz schön großartig und teils auch ein wenig verwirrend. Aber alles in allem hat er in einigen Belangen ziemlich genau das auf den Punkt gebracht, was ich innerhalb kürzester Zeit hier drüben schon sehr zu schätzen gelernt habe. Aber fangen wir mal von vorne an.

Eine ziemlich gute Verbindung im Universum muss arrangiert haben, dass Conan O’Brien mit seiner Sendung exakt für 4 Tage von Los Angeles an seine alte Wirkungsstätte New York zurück kehrt, während ich auch gerade dort bin. Das sollte man dazu vielleicht noch wissen: Ich würde Conan O’Brien durchaus als meine Lieblingsperson des US-Fernsehens bezeichnen. Und wenn ich mir schon andauernd seine Sendungen über dunkle Seitengassen Seitengassen des Internets besorge (aber nur weil es leider keine hellen gibt), kann ich doch auch mal in seiner Sendung zu Gast sein. Erst recht, weil die Sendung im wunderhübschen Beacon Theatre und nicht in irgendeinem kleinen, schnöden Studio aufgenommen wird.

Der einzige Weg an die (wie immer) kostenlosen Tickets ranzukommen, ging über ein Online-Losverfahren. Zum einen habe ich den Termin für besagtes Verfahren aber verpasst und zum anderen war das glaube ich eh nur für US-Bürger. Dennoch gibt es wie immer eine kleine Zweitchance. Die sogenannte Standby Line. Ein paar Plätze bleiben immer frei und dorthin werden dann Leute der Standby Line gesetzt.

Und so stand ich am frühen Morgen wieder Schlange. Um 10 Uhr Morgens wurden der Reihe nach nummerierte Armbänder ausgegeben mit denen man dann am Abend zurück kommen konnte um zu sehen ob man nun noch einen Platz bekommt oder eben nicht. 100 wurden ausgegeben und ich bekam Nummer 38. Klingt doch schon mal gut. Hoffnung!

Und so gehen wir erstmal raus aus dem Conan Universum rein in das blühende Leben NYCs. Mein Tag sollte wieder am Central Park beginnen. Der war schließlich direkt um die Ecke und wo wenn nicht da sollte ich mich hinsetzen, um in Ruhe mein Frühstück zu genießen. Mein umfangreiches, eher bunt als nahrhaftes Frühstück sah übrigens so aus:

Direkt am Schildkrötenteich inmitten dieses wunderbaren grüns habe ich auch einen wunderhübschen Platz zum frühstücken gefunden. Da:

Wie eine Disneyprinzessin habe ich mich da gefühlt. Ausblick aufs Wasser mit den Schildkröten und rundherum um mich lauter Eichhörnchen und kleine fröhliche Vögel. Gut, wahrscheinlich sah ich dabei nicht aus wie eine Disney Prinzessin, aber es geht doch ums Gefühl, richtig? Lustig war an meiner Prinzessinnennahrungsstätte allerdings, dass ich nun gefühlt auf mehreren hundert Urlaubsfotos zu sehen bin. Das muss wirklich toll aussehen. Zumeist waren es irgendwelche Pärchen die vor See und Pavillion ganz romantisch posierten, während ich im Hintergrund als Sad Keanu Double Frosties aus einer Plastiktüte gegessen habe. Toll.

Ich mag den Central Park. Dieser erstaunlich große Dschungel mitten im Großstadtdschungel. Dieses Wortspiel hat bestimmt noch Niemand gemacht. Aber genau so fühlt es sich nunmal an, wenn man in der Ferne die Hochhäuser hinter den Baumwipfeln sieht.

Ausserdem ist der Central Park ein wunderbarer Platz um Menschen zu beobachten. Was mir in New York zum Beispiel aufgefallen ist, ist das hier Niemand einfach so joggen geht. Das geht hier scheinbar nur mit einer atmungsaktiven, wind- und wasserdichten Komplettausstattung aus dem Running Laden des Vertrauens. Erstaunlich. Nur einmal habe ich jemanden in Jeans joggen sehen. Aber ich glaube, der war nicht wirklich joggen, denn er hat dabei alle möglichen Menschen beschimpft.

Sehr hat mir auch die folgende Statue gefallen. Ich hab mich gar nicht weiter darüber informiert, aber sie gibt in jedem Fall ein super Fotomotiv her. Ein fürchterlich erschrockenes Pferd mit einem Reiter der zwar verwundert ist, dabei aber total gelassen bleibt:

Nach meinem morgendlichen Central Park Rundgang hatte ich es mir vorgenommen, die Columbia University zu besuchen. Keine Ahnung warum, im Nachhinein kann ich mir das gar nicht mehr so genau erklären. Ich glaube im Wesentlichen deshalb weil ich mir den Campus anschauen wollte (ach, wirklich?) und für das Gefühl, so zu tun, als wäre es ganz normal, dass man dort mit umher läuft.

Sieht ein bisschen hübscher aus, als meine Uni damals in Bielefeld:

Mein Plan, so zu tun, als wäre es vollkommen normal, dass ich dort umher stolpere war allerdings nur semigut. Ich dachte mir, einfach so weit weiter zu laufen, wie man ohne Ausweis eben kommt. Bis ich mich irgendwann verlaufen hatte und plötzlich inmitten einer Business School Infoveranstaltung stand. Ja, äh, schön hier, äh, ich muss weg. In Notsituationen wie diesen funktionieren Instinkte ja glücklicherweise sehr gut und so fand ich auch meinen Weg wieder nach draußen. Glück gehabt. (Wieviele Minuten muss man sich wohl in einer US-Universität aufhalten, bis man sich einfach so automatisch verschuldet?)

Um mich von meinem kurzen Businessschock zu erholen, bin ich da nach zu FAO Schwarz. Ein weiterer riesiger Spielzeugladen, der aber eigentlich fast besser als Toys R Us ist, da er zum einen liebevoller eingerichtet ist und zum anderen gibt es da einen Muppet-Workshop, wo man sich für 100$ eine eigene Muppet-Puppe zusammen stellen kann. Woah!

Danach bin dich direkt gegenüber ins Plaza. Wenn ich die ganze Zeit schon an „Kevin allein in New York“ denken muss und die dazugehörige Musik höre, muss ich doch wenigstens mal kurz im passenden Hotel gewesen sein. Wenn auch nur auf der Toilette. Aber auch ein solch einfaches Unterfangen heißt ja nicht, dass man sich nicht auch in einem Luxushotel verlaufen kann. Herrje, haben die da viele Gänge mit Ecken und Kurven und teurem Zeugs drin. Und so stand Sad Keanu dann auf einmal zwischen irgendwelchen Hotelrestaurants mit lauter alten Menschen. Ja, äh, schön hier, äh, ich muss weg.

Wurde langsam mal wieder Zeit für mein Conan Unterfangen. Fiese Spannung, wenn man sich bei der Warteschlange wieder anstellt. Nach beinahe einer Stunde blanken Umherstehens die erste Information. Bei Nummer 42 wird die Warteschlange gekappt. Uahhh! Sollte ich das Pech, was ich bei der Daily Show hatte, etwa in Form von Glück bei Conan haben?

Knapp 2800 Leute werden Heute in das Beacon Theatre passen. Und da kommen doch nicht alle die ihr kostenloses Ticket gewonnen haben oder? Für 38 Leute muss da doch irgendwo Platz sein. Richtig?

Weitere 30 Minuten später die Gewissheit: Nein. Letztlich waren nur für die ersten 23 Leute Restplätze übrig. Wieder für (so gut wie) nichts angestanden. Nargh. Dabei sahen die Chancen doch so gut aus. Erstmal eine Runde um den Block laufen und eine Ahnung davon bekommen, was hier für ein Produktionsaufwand betrieben wird. Im wesentlichen eine kleine Late Show mit 2 Leuten, einer kleinen Band und 2 Gästen pro Abend. Im wesentlichen waren das dann ganze 5 Trucks und eine Straße voll Equipment.

Ich holte mir irgendwas zu trinken und traf dann noch einmal ein Mädchen, was zuvor hinter mir in der Schlange stand. Wir kamen ins Gespräch und standen noch ein wenig umher. Irgendwie hat man schließlich so eine komische Art von aufgedreht sein, in der großen Hoffnung, dass etwas passieren wird, aber dann ist man einfach nur eine Nummer und wird nicht reingelassen. Doof.

Dafür war die Unterhaltung umso netter und ich lernte jemanden vom Conan Team kennen. (Lustigerweise eine Frau mir roten Haaren, wer weiß wie oft sie schon diesen einen Witz höre musste) Ich hatte sie tagsüber schon ein paar Mal gesehen, da sie unter anderem das gesamte Standby Line Dings organisierte. Es stellte sich heraus, dass sie Chef von irgendwas war und fragte mich kurz darauf, ob ich nicht Tickets für eine Show in den nächsten Tagen haben will. Oh, äh … wie bitte? Gerne doch. Das war ja einfach.

Die Hoffnung auf „das noch was passiert“ sollte sich also bewahrheiten. Ich unterhielt mich noch ein wenig mit der jungen Dame die ich zuvor kennen gelernt hatte und irgendwie waren wir uns einig, dass doch noch mehr passieren könnte, jetzt wo das hier einmal angefangen hat.

Vorm Beacon Theatre standen 3 Ben & Jerry’s Trucks, die scheinbar die Verkostung von kostenlosem Eis vorbereiten. „Fairer Ersatz!“ dachte ich noch. Wir unterhielten uns ein wenig mit den Ben & Jerry’s Menschen und diese erzählten irgendwann, dass das Ende der Show vor den Eiswagen stattfinden würde. Huch. Was nicht alles passiert, wenn man bloß umher steht und einfach nett zu Menschen ist.

Man muss sich das kurz so vorstellen: Ich stand da ganz allein mit meiner temporären Begleitung und den Eismenschen. Sonst niemand. Auf einmal kommen ein paar Leute vom Team und sperren den Gehweg ab. Dann fliegt die Tür auf und Conan O’Brien und sein Gast Jimmy Fallon kommen heraus gerannt.

So. Und jetzt steh ich da auf einmal mittendrin. Innerhalb kürzester Zeit bildet sich eine riesige Menschentraube dort, wo eben noch alles ganz verlassen war und ich stehe mit Jimmy Fallon und Conan O’Brien an einem Eiswagen. Ähm äh hallo. Wer möchte noch ein Eis?

An sich und auch in seiner Entstehung einer der absolut absurdesten Momente der letzten Zeit. Wobei so langsam aber sich alles in New York hier unwirklich wird, bzw. die ganze Zeit schon ist. Ich meine, ich hab einfach nur rumgestanden und mich mit ein paar Leuten nett unterhalten. War das also dieses Karma? Gutes passiert dem, der Gutes tut und so? Hm.

Apropos Karma … Eiscreme! Der Hintergrund für all das war, dass Jimmy Fallon eine eigene Ben & Jerry’s Sorte bekam. Die schmeckt übrigens eher geht so. Also ein „geht so“ auf Ben & Jerry’s Niveau natürlich. Hach. Was daran aber wirklich fies war: Alle Leute, die vorbei liefen, dachten, es gäbe kostenlos Eis für alle. Passte ja auch zu Halloween.

Auf der Verkaufstheke der Eiswagen standen (vorbereitet für die Show) Tabletts mit kleinen Eisbechern, die aber vorher nicht herausgegeben werden durften. Jedes Mal wenn sich Kinder in Kostümen näherten spielte sich dann Folgendes ab:
Kinder: OMG EIS!!!!!!!!!!!
Eisfrau: Wartet mal kurz, schließt eure Augen und wünscht euch etwas.

Eisfrau: AUGEN AUF! HAPPY HALLOWEEN!
In dem Moment warf sie eine Hand voll Glitterkonfetti über die Kinder und man konnte bei jedem einzelnen den „Wie jetzt? Das wars?“ Blick beobachten. Furchtbar. Alle hatten den einen Wunsch womöglich auf Eis gesetzt.

In New York gehen die Kinder übrigens an Halloween nicht von Haus, da sie dort womöglich in den tausenden Treppenhäusern verloren gehen würden, sondern von Shop zu Shop und greifen da Süßigkeiten ab.

Nach dem kurzen, absurden Eiszwischenfall fragte mich das Mädchen, mit dem ich die ganze Zeit umher gestanden hatte, ob ich nicht noch mit zur Halloweenparade wolle. Abanakla! Daraufhin lernte ich dann die wichtigste Lektion über Halloween in den USA: Bei Männern geht es ums verkleiden und doof sein, bei Frauen im Wesentlichen eher darum sich auszuziehen. Ein bisschen so, als würden Männer vom Kölner Karneval auf eine Stripperinnenmesse treffen. Okay, ganz so schlimm war es dann natürlich doch nicht. Allein schon deshalb, weil es überall Süßigkeiten gibt. Mein liebster Moment des Abends: Ein Kind gibt mir Süßigkeiten mit den Worten „Everybody should have candy!“. Sehr richtig, kleiner Mann, hoffentlich geht er mal in die Politik.

Danach zeigte mir mein persönlicher Guide noch ein paar schöne Ecken inklusive ihrem Lieblinsgbuchladen, wo ich dann ihr Lieblingsbuch kaufte.

Danach verabschiedeten wir uns und werden uns nun womöglich nie wieder sehen, weil wir keinerlei Kontaktdaten ausgetauscht haben. Aber irgendwie mag ich die Geschichte auch so. Das war auch kein Flirt oder so, dass war einfach nur, was passieren kann, wenn man hier nett zu den Menschen in den Straßen New Yorks ist.

Den Flirt des Tages gab es dann später in meinem geliebten Supermarkt, während bei meiner neuen Lieblingsradiosendung gerade „I still haven’t found what I’m looking for“ von U2 lief. Wie soll ich mich denn hier bitteschön auch irgendwie nicht wie in einem Film fühlen?

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