(Ich hänge in meiner Berichterstattung jetzt einen Tag hinterher, bitte wundern sie sich nicht.) Eigentlich hatte ich für gestern meinen Sportsamstag angesetzt und wollte mir nach ein wenig Bundesliga am Morgen die volle Portion US-Sports geben. Auf dem Plan war ein Besuch im Footballstadion der Giants und Jets und ein College Football Spiel. Kam dann aber ein wenig anders und ich weiß jetzt, was gemeint ist, wenn der Wetterbericht was von „thunder snow storm“ erzählt.

Auf Footballbesuche war mir die Lust vergangen, da das Stadion erstaunlich schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden ist, wenn dort nicht gerade irgendein Spiel ist und auf der Tribüne beim College Football rumstehen während es kalt ist und in Strömen regnet. Hier darf ich mir das doch auch erlauben, Edelfan zu sein.

Also saß ich noch ein wenig in meinem New Yorker Zuhause rum, gönnte mir zur Abwechslung mal ein wenig ruhe und überlegte was ich noch so machen könnte, mit Dach über dem Kopf. Und plötzlich ergab sich beim Blick aus dem Fenster dieses Bild hier:

Ha! Schnee! Und das im Oktober. Das ist auch hier rekordverdächtig. Erst recht, wo es vor wenigen Tagen noch gute 20° C waren.

Und das war nicht nur ein kleines bisschen niedlicher Schnee mit gefrorenem Wasser, nein der meinte das durchaus ernst. So das es zwischenzeitlich dann auch mal so aussah:

Und dann so:

Endlich hatte es sich auch richtig angefühlt, dass ich mir den „Kevin allein in New York“ Soundtrack mitgenommen hatte. Auch wenn mir der ganze Schneematsch einen Strich durch meine gewöhnliche Umherschlenderei gemacht hat, so muss ich sagen, dass sich durch das eiskalte Chaos, New York zum ersten mal so richtig nach einer Stadt und nicht mehr nach Film in Dauerschleife für mich anfühlte.

Wobei die U-Bahn bei derartigen Wettereinbrüchen doch schon abenteuerlich und Filmreif wird. Wenn das Wasser aus den Wänden läuft und mal warme, mal kalte Luft von irgendwo kommt, wartet man eigentlich nur noch auf die Aliens.

Aber was macht man bei all dem ganzen Thunder Storm Snow Dingsbums? Ich hab mich auf meinen besten Freund in New York besinnt: Fernsehen. Also nahm ich mir die Schneematschzeit, um ein paar NBC Studios zu besuchen. Wahrscheinlich bin ich da Tourismustechnisch ein bisschen komisch aber irgendwie habe ich festgestellt, dass mir Fernsehstudios großartiger TV-Sendungen weitaus mehr geben, als zum Beispiel ein Skyline-Ausblick.

3 Studios habe ich zu Gesicht bekommen: Dr. Oz (früheres Conan O Brien Studio), Late Nigh with Jimmy Fallon und Saturday Night Life. Im Bezug auf letzteres könnte man also durchaus sagen, dass ich im absoluten Fernsehstudiohimmel war. Leider durfte ich nirgends Fotos machen, sonst würde ich dafür jetzt wohl schon im Gefängnis sitzen. Zur besseren Illustration habe ich mich aber hier und da mal eines Bildes bedient.

Was bleibt dazu zu sagen?
Die Studios sind (wie überall anders auch) weitaus kleiner als sie letztlich im Fernsehen erscheinen. Da wird natürlich viel getrickst. Erst recht bei Studios in New York, wo der Raum ja bekanntlich eher in die Höhe geht, als in die Breite.

Hier zum Beispiel das Studio von Jimmy Fallon:
Jimmy Fallon Empty Studio

Im Studio von Jimmy Fallon steht übrigens der größte Fernseher des gesamten NBC Gebäudes. Die einzige Verwendung dafür: Videospiele. Find ich gut. Auf diesem Fernseher hat Jimmy übrigens mal Tiger Woods in seinem eigenen Spiel besiegt. Tiger sagte damals, dass dies der peinlichste Moment seiner Karriere gewesen sei. Diese Aussage ist allerdings schon ein paar Jahre.

Dr. Oz kannte ich bis dato gar nicht. Der gute Herr ist Arzt, war eine Weile bei Oprah zu Gast und weil die Quoten damals so gut waren, bekam er danach seine eigene Sendung. Er arbeitet neben seiner Sendung tatsächlich noch ab und zu als Arzt, macht dann aber zumeist nur Herzoperationen. och ja, warum nicht. Interessant ist auch, dass in dem relativ kleinen Studio knapp 300 Lampen nebeneinander an der Decke hängen, da in HD gesendet wird und man das Publikum ohne irgendwelche Schatten haben will. Wie gesagt ich habe leider kein Foto davon, aber diese Lampenlandschaft an der Decke sah aus, als würde das Gebäude auf der Stelle in die Luft fliegen. Scheint aber bisher zu funktionieren.

Und zu guter letzt: Saturday Night Live!

Angesichts dieser Studiomaße bitte einmal an den Auftritt von Kanye West erinnern, als er da gut 50 Leute auf und um die Bühne gehievt hat. Gern wäre ich auch bei einer Aufzeichnung dabei gewesen, zum einen gab es diesen Samstag aber keine, zum anderen ist das mehr als schwierig. Vor ein paar Jahren hatte man mal eine Warteliste eingeführt, als diese aber auf 20 Jahre (!) Wartezeit angewachsen war, hat man sich entschieden, jedes Jahr im August eine Lotterie zu veranstalten, bei der man Tickets für eine Aufzeichnung gewinnen kann.

Wie der Name schon sagt, ist die Sendung übrigens tatsächlich live, was vor allem die Kostümwechsel für die Sketche teils sehr kompliziert macht. Es kann sein, dass weniger als eine Minute für Kostüm und Make-Up bleibt. Deshalb haben die Maskenbildner von jedem Schauspieler (und Gast) der Sendung einen 1 zu 1 Abdruck des gesamten Kopfes. An diesem Abdruck kann dann eine Woche lang das Make Up geübt werden, damit in der Livesendung alles passt.

Eigentlich wollte ich am Abend noch auf ein Konzert, hab ich aber sein lassen, auch wenn es sich dabei um eine der besten Livebands der Welt handelt. Macht aber nichts weil a) The Death Set nächsten Monat auch nach Deutschland kommen und b) die Kombination aus zweitweichstem Sofa der Welt und Football im Fernsehen (ganz ohne Schneematschsturm) ganz schön gut war.

Auf meinem Weg nach Hause ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr ich bereits die Nachbarschaft meines temporären New York Zuhauses ins Herz geschlossen habe. Zum Beispiel der Supermarkt. Den hatte ich ja schonmal erwähnt. Irgendwie schaffe ich es immer genau dann einzukaufen, während gerade die kitschige Radiosendung läuft, in der verliebte Menschen im Radio anrufen und sich Musik wünschen. Dieses Mal lief tatsächlich „Ironic“ von Alanis Morissette. Hach. Dazu muss man wissen, dass es quasi ein Kindheitstraum von mir ist, eines Tages mal mit den 4 verschiedenen Alanises aus dem „Ironic“ Video quer durch die USA zu fahren. Und jetzt stehe ich da, gerade aus dem Schneematsch rein zwischen die Regale mit all dem bunten Zeugs und sie spielen tatsächlich „Ironic“. So einen tollen Einkaufsmusikmoment hatte ich in London, als da „Don’t look back in Anger“ im Supermarkt lief.

Ebenso mag ich meine neuen Burritofreunde aus dem Burritoladen um die Ecke. An der Kasse steht eine Amerikanerin, die so aussieht, wie die Menschen die immer als Interviewpartner in deutschen Nachrichten gezeigt werden, wenn es irgendwo paranormale Aktivitäten gab. Sie sagt immer „Maxakkouh“. Ihr beiden mexikanischen Kollegen sind super. Die sind genau so groß wie die hohe Theke hinter der sie ihre Burritos zusammen rollen, so das man eigentlich nur ihre übergroßen NY Yankees Caps sehen kann. Ausserdem ist toll, dass das Logo des Ladens wie ein verärgerter Konny Reimann aussieht:

Ohhh ich hätte fast vergessen, dass ich einen noch viel größeren und zugleich großartigen Comicladen gefunden habe: Forbidden Planet!

Dort habe ich auch ein T-Shirt meines neuen Arbeitgebers bekommen. Vielleicht bleibe ich ja jetzt einfach hier und fahr für immer Pizza aus:

PS: Den Gullieingang zu den Turtles habe ich leider noch nicht gefunden. Dafür aber festgestellt, dass auf einigen sehr groß „Made in India“ steht und bin seitdem die amüsante Vorstellung nicht mehr losgeworden, dass jeder Gullideckel hier per Briefumschlag aus Indien kam.

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