Eigentlich wollte ich mich jetzt vor den Fernseher werfen und meine Lieblingsserie Modern Family gucken. Also zum ersten Mal so richtig im Fernsehen. Aber ausgerechnet Heute läuft eine Wiederholung. Mist. Dafür habe ich jetzt ein bisschen Zeit über den heutigen Tag zu schreiben, der stand nämlich auch zum größten Teil im Zeichen des Fernsehens.

Ich hatte auf ein bisschen Zeitverschiebungskopfwirrwarr gehofft. So das mein Kopf eben denkt: „Ach du meine Nase, schon 14 Uhr! Voll lang geschlafen! Aufwachen!“ Dabei ist es aber erst 8 Uhr und man hat den ganzen Morgen für sich. War aber leider nichts, da man dafür so was wie einen Schlafrhythmus braucht, womit ich nun so gar nicht ausgestattet bin. So bin ich dann irgendwann gegen 11 langsam aus dem Bett raus auf die Straße gekullert.

Bei meinem morgendlichen Spaziergang fand ich ein paar Häuser weiter eine eventuelle Möglichkeit meine Reisekasse aufzubessern. Weiß nur noch nicht so ganz, gezielt hab ich das alles noch nie ausprobiert, aber aus Versehen kann ich auf jeden Fall eine Menge Schaden anrichten.

Ich lief über die Williamsburg Bridge von meiner temporären Heimat rüber nach Manhattan. Das bringt mit sich, dass man von so einer Brücke aus natürlich wunderbar das Betonwirrwarr New Yorks betrachten kann, um sich für den Rest des Tages einzustimmen.

Ich habe mich Heute ein paar Mal dabei erwischt, wie ich dachte, dass ich das alles ganz schön gut verstehen kann, wie einem das alles sehr am Herzen liegen kann. Ich kann es gar nicht so richtig Beschreiben, muss wohl einfach eine Grundstimmungsangelegenheit sein. Nehmen wir ein beispiel von heute Morgen, als ich die Brücke überquert hatte begrüßte mich ein sehr freundlicher Bauarbeiter. Er trug einen kitschigen Stars & Stripes Helm und arbeitete vor einem Plakat, dessen wesentliche Aussage war, dass Feuerwehrmänner die echten Helden sind. Garniert mit dem angesprochenen Betonwirrwarr rundherum fand ich diese Szenerie irgendwie ganz schön gut. Aber (und das ist sehr wichtig), jedes Mal wenn ich mich bei diesem Gedanken erwischte, dachte ich mir auch gleich, dass ich das eben auch nur bis zu einem gewissen Punkt verstehen kann und toll finde. Es gibt da ja immer zwei Seiten. Wenn der nette Bauarbeiter mal eine Woche krank auf der Baustelle fehlt gerät er in erhebliche Probleme und im Stars & Stripes Glänzen von seines Helms mag wohl einiges an Ignoranz liegen, wenn man die Kreise etwas größer zieht. Und ohhh das Betonwirrwarr. Die arme Mutter Natur in den dunklen Ecken hinter den schwarzen Müllsäcken. Ganz zu schweigen von den Indianern, denen das hier alles mal gehört hat. Schwierig alles. Aber interessant allemal. Ich habe mich heute sehr oft bei diesen Gedanken wiedergefunden. Ich mag es, dass einem New York auch bei all dem Nachdenken immer wieder Fragen stellt. Hier zum Beispiel:

Warum ist da dann überhaupt eine Tür? Ist dahinter womöglich King Kong?

Mein morgendlicher Spaziergang brachte mich mit ein bisschen Spazierbahnfahren zum Madison Square Garden. Ich sollte später gegenüber zu Besuch sein, also war es doch nicht verkehrt, etwas früher dorthin zu kommen. Ich mag übergroße Sportstätten. Manchmal sogar noch viel lieber, wen sie leer sind. Dann spürt man die legendären Begebenheiten, die sich da so ereignet haben gleich noch ein bisschen mehr. Wenn man zum Beispiel im leeren Berliner Olympiastadion auf den Rängen sitzt und drüber nachdenkt, wie Zizou dort einst den Materazzi ausgeknockt hat. Ganz nach drinnen konnte ich leider nicht. Hab mir aber ein Fähnchen gekauft, so werden später wenigstens ein paar Leute denken, dass ich tatsächlich bei einem Spiel dort anwesend war. Das reicht mir, haha.

Kurz darauf, war ich beim Musikfernsehen gegenüber eingeladen. Fuse.tv, hm hm. Mal gucken, wie die das in den USA so machen. Das Logo kommt mir musikfernsehtechnisch sehr bekannt vor und ist mir schonmal grundsympathisch:

The Naked And Famous hatten gerade ein kurzes Stelldichein gegeben und standen noch umher, während sie ihren Tourbus wieder bepacken ließen. Ach guck an, ihr hier? (Noch so ein Querverweis zwischen deutschem und US-Musikfernsehen!) Lustigerweise bekam ich vorher noch den Tipp auf ihr Konzert zu gehen, um später angebermäßig (wenn sie dann mit dem 2. Album so richtig erfolgreich werden) zu sagen „Ja, die hab ich mal in New York gesehen.“ Mein Zeitplan ließ das Konzert leider nicht zu, aber die Aussage kann ich dann ja jetzt trotzdem machen. Ha!

Der eigentliche Grund für meine Anwesenheit bei Fuse.tv war „Hoppus on Music“. Hoppus kommt von Mark Hoppus und der wiederum ist Gastgeber der Sendung und obendrein noch Bassist einer Band die ich seit vielen Jahren ans Herz gewachsen ist. Die Band trägt im übrigen ein 182 im Namen. Ich mag nicht nur seine Musik (wofür man sich hier und da schonmal rechtfertigen muss), sondern auch den Mark an sich und finde ihn obendrein auch noch sehr lustig. Deshalb wollte ich mir mal anschauen, wie sich der Mark so im Fernsehen macht und bekam ein Ticket für seine Sendung.

Beim Warten vorm Gebäude bekam ich allerdings schon erste Zweifel. Blink-182 ist ja so eine Band, die von zum Teil sehr komischen Menschen gut gefunden wird. Grundlegend rede ich da von dem Typ Menschen, die sich für Fotos die Pappe von Bier-Sixpacks als Krone aufsetzen. Solche Menschen kommen natürlich auch, wenn der Bassist dieser Band eine Musiksendung macht. Und so stand ich da plötzlich zwischen Jungs in der inneren und äußeren Höchstphase ihrer Spätpubertät und hysterischen, dicken Mädchen. Allesamt von oben bis unten eingekleidet in diversem Merchandise. Ach du scheiße. Ich musste spontan an das Jahr 1997 denken, da lief ich zufällig an der Erfurter Thüringenhalle vorbei, als dort ein Aaron Carter / Gil Konzert war. Ich wollte doch nur die Fernsehsendung gucken, sehen was der Mark so macht und ab und zu klatschen. Aber so was hier? Meine Zweifel stiegen. Erst recht, wenn ich meinen MP3-Player für ein paar Momente lang nicht an hatte und hörte, was die Leute um mich herum so von sich gaben. Waren ja nicht viele. So ca. 20. Aber man könnte da durchaus von einer Essenz sprechen. Als sich die Aufzeichnung immer weiter hinaus zögerte und mittlerweile eine Stunde später beginnen sollte, schloss ich den Entschluss zu fliehen. Nein, das war mir nichts. Mit komischen Menschen auf kleinen Bänken auf Kommando applaudieren, das mache ich dann wohl doch nur für befreundete Sendeformate. Was aber viel wichtiger war: Durch die Verzögerung der Aufzeichnung hätte ich meinen zweiten Fernsehtermin des Tages verpasst: Die Daily Show! Ich gab mich damit zufrieden, ein High Five mit Mark Hoppus vorm Madison Square Garden gehabt zu haben, reicht doch auch. Fürs quieken während der Aufzeichnung waren die anderen Anwesenden ja sowieso besser. Und so verschwand ich von dort wieder und habe jetzt ein Armband von Fuse.tv mit dem ich irgendwann dann einfach mal in eine Sendung spazieren kann, haha. oder die tracken mich jetzt damit. Ohje.

Aber kommen wir zum zweiten Fernsehtermin. Die Daily Show ist eine meiner absoluten Lieblingsfernsehsendungen, wegen der ich mittlerweile über US-Politik wohl weitaus mehr als über das deutsche Pendant weiß. Hm, eigentlich ja nichts zum gut finden, aber da kann ja die Sendung nix für. Jon Stewart, Kopf der Sendung, ist in der Top 3 meiner Lieblingsentertainer und ich wollte ihn nur zu gern auch mal in echt in Aktion sehen. Wer sich immer schonmal gefragt hat, wie eigentlich das „Comedy Central World News Headquarter in New York“ aussieht … nun ja:

Wer irgendwann auch mal zur Daily Show möchte, hier ein paar Tipps: Die Tickets sind, wie für die meisten anderen US-Fernsehsendungen auch, kostenlos. Man kann sie also nicht kaufen. Auf der Webseite der Daily Show kann man sie aber reservieren lassen. (Bis zu 4 Stück pro Person) Standby Tickets gibt es nicht. Online sind die Tickets immer Monate vorher ausgebucht, allerdings gibt es immer noch mal 2 bis 3 Tage vorher eine kleine Anzahl von Tickets für das jeweilige Datum. Der dortige Newsletter bringt dahingehend leider gar nichts, also einfach immer wieder die Seite neu laden und auf Glück hoffen. Das einzige Problem ist: Es werden immer mehr Tickets herausgegeben als Plätze vorhanden sind. Man sollte also ein bis 2 Stunden vor Aufzeichnungsbeginn bei den Studios vorbeischauen. Dort bekommt man an der Gästeliste eine Wartenummer mit der man später wieder kommen und sich entsprechend anstellen kann.

Hab ich alles gemacht und mich brav angestellt. Die Schlange ist in 5 Bereiche aufgeteilt gewesen und der 5. war sogar ganz leer. Meine Chancen also durchaus gut. beruhigendes Gefühl, alles rechtzeitig geschafft zu haben. Als der Einlass beim letzten und meinem Teil angelangt ist, kommt ein Security und sagt, dass alle bis zur Nummer 163 rein können. Für alle anderen ist leider kein Platz mehr. Meine Nummer:

Doch kein Jon Stewart. Kann ich zu meinem Bändchen von Fuse.tv legen. Erstaunlich gute Quote hatte ich da wohl Heute bei meinen Fernsehversuchen. Zur Erklärung kurz dazu: Es ist Platz für 200 Leute. Dummerweise gibt es aber auch VIP-Tickets die kommen können wann sie wollen und damit jemand anderes aus der Schlange kicken. Heute waren wohl recht viele da und so hat es mich erwischt. Arrrrgh! Occupy! Als ich mit hängendem Kopf wieder vom Studio weg lief, versuchte ich mir einzureden, dass das ja eigentlich die bessere Geschichte für meine Enkel später wäre. Das hatte ich mir schonmal erfolgreich eingeredet, als ich auf dem Weg vom Rolling Stones Konzert zurück zum Parkplatz ein Plektrum von Keith Richards verlor. Hmpf. Ach ja, vielleicht noch eine weitere Randnotiz für die Daily Show Freunde: Vor jeder Sendung macht Jon Stewart zum Warm Up nicht nur ein paar Standard Gags, sondern beantwortet auch diverse Fragen des Publikums. Nur eben ohne mich. Menno!

Ach, aber als ob man bei solchen Anblicken beim Umhertrotten lange traurig sein könnte.

Eine Meile lief ich der Straße entlang. Da landet man beim Rockefeller Center und dort sitzt ja bekanntlich NBC. Hab mir ein paar NBC-Bleistifte gekauft und den Plan meiner eigenen Late Night Show nun endgültig ins Auge gefasst. Aber da bestimme ich dann, wer alles reinkommt.

Keine Ahnung, aber der Eispoliermann im Rockefeller Center scheint ziemlich bekannt zu sein, irgendwie haben den alle fotografiert.

Hier noch der dazugehörige Blick von der Aussichtsplattform vom Dach von NBC:

Ich mag es, alleine hier kreuz und quer umher zu stromern und finde es dann auch ziemlich gut allein unterwegs zu sein. (Sonst könnte man sich ja auch nicht stundenlang in diverse Fernsehsendungsschlangen stellen) Aber manchmal wäre es doch nicht verkehrt wenigstens zu zweit unterwegs zu sein. Also habe ich das in die Hand genommen und mir einen NY-Reisepartner gesucht und gefunden. Es ist letztlich niemand geringeres als Slimer geworden. Das tolle an Slimer ist sein Gesichtsausdruck, der veredelt direkt diverse Urlaubsaufnahmen. Im Gegensatz zu mir findet Slimer zum Beispiel die Polizeiautos überhaupt gar nicht toll:

Bei meinem planlosen Umherlaufen landete ich Heute erneut am Times Square. Bei der zweiten Betrachtung fand ich es im Gegensatz zum unwirklichen Gestern, dann doch weitaus mehr als angemessen groß. Slimer hingegen fand es eher langweilig und nervig:

Ursprünglich hatte ich übrigens einen anderen Plan: Ich kann das ja immer verstehen wenn Leute in ihrem Urlaub, zum Beispiel in New York, total begeistert sind, alle möglichen Hochhäuser fotografieren und dies dann mit der Welt teilen. Nach Bild 3 finde ich das dann aber meist eher öde, außer man war halt schonmal dort. Daher die Idee der Urlaubsfotoveredlung. Ursprünglich wollte ich mir dafür eine Godzilla Figur kaufen, in der Warteschlange an der Kasse kam mir aber Gott sei Dank noch mal in den Sinn, dass so ein 30cm langer Godzilla ja doch irgendwie unpraktisch ist, was den Transport angeht. Ausserdem ist Slimer auch gesprächiger.

Ich mag den Supermarkt hier um die Ecke. Ich könnte den ganzen Tag zwischen den Regalen spazieren und spontan mit anderen Leuten Witze machen. Das ist so toll. Spontane Kommunikation, einfach so, überall. Schade, dass es das in Berlin nur selten und dann auch eher in der Pöbelvariante gibt. Cool, gerade mal der 2. Tag vom Urlaub und ich bin jetzt bereits in der Phase der unfairen Vergleiche mit der Heimat angekommen. Aber zurück zum Supermarkt. Ich kann mittlerweile schon helfen und den Leuten sagen wo was steht. Habe das bereits erfolgreich angewandt und vielleicht bleib ich die nächsten Tage einfach die ganze Zeit da. Immerhin gab es da Heute einen der schönsten Momente des Tages: Im Radio erzählte eine Frau davon wie sehr sie ihren neuen Freund liebt. Sie sind seit 2 Monaten zusammen, sie kann nachts nicht schlafen, weil sie andauernd an ihn denkt und ruft ihn tagsüber einmal pro Stunde an. Unter diesen Umständen gebe ich dieser Beziehung zwar nur noch 2 Tage, aber schön kitschig war es allemal. Erst recht als danach „I don’t want to miss a thing“ lief und ich dazu in Zeitlupe der Keksregalmeile stolzieren konnte. Wunderbar.

PS: Heute zum ersten Mal einen 3D-Truck gesehen. Cool!

Share on Facebook0Tweet about this on TwitterEmail this to someone