16. Oktober 2012 | 16:37 Uhr

Mein gestriger Tag begann am Morgen im New Yorker Fremdenverkehrsamt. Zumindest heißt das in meinem Heimatdorf so und ich finde, dass das ein schönes Wort ist. So wie Nicki für T-Shirt. Im vergangenen Jahr hatte mir die Webseite nycgo.com sehr weitergeholfen einen aktuellen Durchblick über New York zu bekommen, weshalb ich dieses Jahr einfach mal anfragte ob es da nicht auch irgendwelche Extras für Bloggerheinis wie mich gibt. Und siehe da, die gibt es tatsächlich und die Menschen dort sind ausgesprochen nett.

Ich hatte einen Termin um meinen NY City Pass abzuholen. Ein Pass von dem ich bis dato noch nichts wusste. Bei solchen Tourismuspaketangeboten denke ich ja immer sofort, dass das Quatsch ist und man eh nur abgezogen wird, ist da aber nicht so. Wenn man nach New York kommt und die großen Sehenswürdigkeiten sehen möchte, ist dieser Pass tatsächlich sehr praktisch. Für $89 hat man 7 Tage lang Zeit sich diverse inbegriffene Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Zum Beispiel die Freiheitsstatue, das Empire State Building, das Museum Of Modern Art, das Guggenheim Museum und einiges mehr. Was genau folgt in den nächsten tagen, ich werde diese Liste nämlich fein säuberlich abarbeiten.

Obendrauf bekam ich noch den Explorer Pass. Ebenfalls ein sehr praktisches Angebot. Man bekommt mit eine kleine Chipkarte bei der man den Eintritt für 3 aus über 40 Sehenswürdigkeiten wählen kann oder diverse Vergünstigungen bekommt. Beide Angebote find eich im übrigen auch sehr praktisch dafür, wenn man mit der Menge an Angeboten in New York überfordert ist und gerne einen geordneten Überblick und Anfang hätte um sich in das Touristendasein zu stürzen.

Als ich den Herrn suchte, bei dem ich meinen Termin am Morgen hatte, machte ich eine lustige Wortverwechslung. Auf die Frage hin ob man mir helfen könne, verwechselte ich “accomodation” mit “appointment”. Sprich, ich sagte nicht, dass ich einen Termin hier im Büro hätte, sondern da wohne. Schien aber nichts ungewöhnliches zu sein.

Ausgestattet mit meinem Supertouristenpaket fuhr ich erstmal ganz weit runter nach Downtown um die Fähre zur Freiheitsstatue zu nehmen. Das hatte ich im vergangenen Jahr nicht geschafft und wollte mir unbedingt das Einwanderermuseum auf Ellis Island anschauen. Normalerweise berechtigt der NY City Pass übrigens auch noch dazu, dass man überall die Warteschlangen skippen kann und den VIP Eingang nehmen kann, ausgerechnet hier aber leider nicht. Eine riesig lange Warteschlange und ewige Flughafensicherheitskontrollen, damit man bei Miss Liberty dann auch nichts kaputt machen kann. Mindestens eine Stunde Wartezeit. Hmpf.

Die Klimaanlage im Flugzeug hatte meinem Gemüt erkältungstechnisch doch sehr zugesetzt weshalb lange rumstehen derzeit nicht zu meinen großen Stärken gehört. Ich entschied mich dafür, mich lieber noch ein wenig hinzulegen und meine Pläne einen Tag zu verschieben. Am besten gleich früh Morgens was aber schon wieder nicht klappt, da ich gerade diesen ausführlichen Text hier schreibe.

Auf dem Rückweg kam ich wieder am Times Square in meiner hell erleuchteten Nachbarschaft vorbei. Seit Tagen hatte mich da schon der Eingang einer Attraktion begeistert. Also eine komische Form von Begeisterung. Wie wenn man zum Beispiel 3 Stunden lang Solitär im Flugzeug spielt. In “Ripley’s Beliefe It Or Not Auditorium” wird eine riesige Ausstellung voller Scheiß angepriesen. Oder um auf tolle Wörter zurück zu kommen, eine Ausstellung voller Klimbim.

Immer wenn ich vorbei lief war ich begeistert von der Hydraulikpuppe einer dicken bärtigen Frau. Sollte es da drin etwa noch mehr geben? Ich bin großer Fan solcher komischen Hydraulikpuppen in Freizeitparks und dank meines Explorer Passes könnte ich hier ja nun auch kostenlos rein. Das beste Heilmittel für Erkältungen ist ja sowieso unterhaltsamer Klimbim.

Zur kurzen Erklärung: Herr Ripley war so eine Art echter Indiana Jones, der 40 Jahre lang rund um die Erde gereist ist und diverse besondere Dinge gesammelt hat. Zum Beispiel diese Rüstung für einen indischen Elefanten:

Im wesentlichen beschäftigte sich die Ausstellung dann nur noch mit Menschen, die entweder supergroß, superklein oder superdick waren:

Oder auch aussahen wie Popeye oder so was hier:

Spätestens da war mir bewusst geworden, dass diese Ausstellung nur eine große Abzocke ist und ein echter Indiana Jones so einen Quatsch nicht ausstellen würde. Dicke Menschen und Frauen mit Bart uhhh wie abenteuerlich. Doch während ich überlegte, öffnete sich auf einmal per Bewegungsmelder ein Bücherregal und die richtige Ausstellungsfläche begann. Huch!

Plötzlich war da ein Raum mit flackerndem Licht voll mit solchen Freunden hier:

Und danach dieser Raum hier:

Joah, von allem was dabei. Sehr schön fand ich dann die Abfolge. Erst ein Volk, bei dem die Frauen, die Köpfe ihrer verstorbenen Ehemänner um den Hals tragen, dann eine Vitrine voller Dinge von Kannibalen und dann … joah aus den Dingern hier trinken die in Deutschland ihr Bier.

Das hier ist ein Stück Kohle welches von der Titanic geborgen wurde. Ein Modell welches daneben stand machte mir erstmal klar, wie tief unten dieses Wrack doch liegt. Das ließ sich leider nicht auf einem Foto festhalten, aber die Höhe des Empire State Buildings war ein geschätztes Zwölftel davon. Über 3500 Meter tief! Woah!

Wer schon immer mal die Totenmaske von Napoleon angrinsen wollte – bitterer:

Die Ausstellung befasste sich dann mit verschiedenen Themen und wurde zunehmend creepy als es auf einmal um Folter und Hinrichtung ging. Für den Showeffekt konnte man nämlich einen elektrischen Stuhl oder einen Galgen bedienen. Uah.

Viel interessanter fand ich dann schon das hier: Russische Astronautennahrung!

Bevor es im letzten Raum die weltgrößte Schrumpfkopfsammlung zu sehen gab (Ich habe jetzt gelernt wie man die herstellt), gab es ein paar Ausstellungsstücke über die Geschichte von Schönheitsidealen. Manche Ausstellungsstücke hatten wie gesagt einen Knopf oder Hebel, mit denen man irgendeinen Effekt auslöste. Vor mir ging ein kleiner Junge lang und probierte natürlich alles aus. Zuerst zog sich bei einer Puppe ein Korsett enger, beim nächsten zögerte er allerdings. Man sah nur den Oberkörper einer Frau und weder er noch ich wussten, worum es jetzt geht. Er drückte nach kurzer Überlegung den Knopf, woraufhin auf einmal die Brüste riesengroß wurden, erschreckte sich tierisch und verschwand mit hochrotem Kopf. Hihi.

Mein Lieblingsausstellungsstück war übrigens das hier – Wenn ich präsentieren darf: Meine Hand an einem Meteoriten, der durch das Universum geflogen ist und irgendwann im 16. Jahrhundert auf die Erde geknallt ist.

Danach war dann aber doch mal Zeit für Ausruhen angesagt. So viele aufregende Sammelstücke, meine Güte. Am Abend stand für mich doch das Hauptprogramm des Tages an: Ein Spiel der Brooklyn Nets! Zur Erklärung: Die Brooklyn Nets waren bis vor kurzem noch die New Jersey Nets, sind nun aber in eine neue Halle nach Brooklyn umgesiedelt und haben einen hübschen neuen Anstrich bekommen. Das alles etwas cooler wirkt, kommt übrigens nicht von ungefähr, denn ein gewisser Jay-Z zählt zu den Besitzern. Brooklyn we go hard und so.

Es handelte sich zwar nun um ein eigentlich unspektakuläres Pre-Season Gams gegen die Washington Wizards aaaaaber zugleich war es auch das allererste Spiel in der neuen Heimst, welche erst vor wenigen Tagen mit ein paar Jay-Z Konzerten eingeweiht wurde. Insofern also doch sehr besonders. Das gibt dem Spiel zwar nicht mehr Brisanz, dem rundherum aber schon.

Ein regnerischer Abend, perfekt also für Hallensport. Kurz vorm Eingang bekam ich kurze Sorge. Mein Ticket hatte ich mir bei StubHub gekauft. Eine Plattform auf der Leute ihre Tickets weiterverkaufen können. Hier gibt es noch halbwegs faire Preise und man ist als Käufer äusserst gut abgesichert. Wenn etwas nicht klappt, kann man sogar noch beim Event anrufen und es wird sich um alles gekümmert.

Dennoch hatte ich Sorgen. Mein Ticket war nämlich für die erste Reihe direkt unten am Spielfeld und ich hatte sie statt für $150 für gerade mal $75 bekommen. Schlagartig wurde mir bewusst, dass das ein Trick sein muss. Hütchenspielrtrick und ich bin drauf reingefallen. Arrrrrrghhh!

Aber nein, alles gut. Der Barcode nahm meinen Barcode bereitwillig an und schon war ich drin. Wow.

Was die Halle angeht, ist sie sehr gut mit der o2-World in Berlin vergleich bar. Ich würde sagen, schätzungsweise die gleiche Größe nur das es hier natürlich noch ein paar mehr Shops für diverse frittierte Köstlichkeiten gibt. Organisiert wie ich bin war ich bereits äußerst früh in der Hall und schaute den Spielern beim Training zu. Ich saß da ganz allein in meinem Block, krümelte mit meiner Brezel alles voll und Kris Humphries schaute mich auf einmal super böse an. Als erfahrener Society Experte weiss ich natürlich, dass er der Ex-Mann von Kim Kardashian ist und habe nun ein bisschen Sorge in diesen Rosenkrieg mit hineingezogen zu werden.

Eine Stunde später sollte es losgehen. Nein, noch nicht ganz. Erstmal Mütze runter, hinstellen und das Land ehren. Heieiei. Sogar auf den kleinen LED-Screens an der Verstrebung für die Basketballkörbe wurden nun wehende USA-Flaggen eingeblendet.

Ich finde so was ja doof. Mein Freund Ingmar hat das mal hervorragend auf den Punkt gebracht: Patriotismus teilt Leute in Wir und Ihr ein und das ist nie gut. Beim Sport natürlich schon, aber auf Länderebene eher schwierig. Man kann natürlich sehr froh darüber sein in einem Land zu leben, bin ich als Deutscher ja auch aber stolz ist dann wieder ein ganz anderes Kaliber. Geht ja auch gar nicht. Also worauf ist man denn dann stolz? Auf die Landschaft? Auf Schiller? Auf Mercedes Benz? Hach, schwieriges Thema. Zusammengehörigkeit und Toleranz ist jedenfalls toll, Patriotismus eher nicht so. Trotzdem bin ich super anfällig und bekomme jedes Mal Gänsehaut, bei der Pause bevor dann vom Land der Freien und der Heimat der Mutigen gesungen wird.

Basketball ist ja so eine Sache zum zuschauen. Eigentlich passiert die ganze Zeit irgendwas, irgendwie aber auch doch nicht und wenn dann wird es erst zum Ende spannend. Selten mal so richtig davor. Als begeisterter Fußballgucker tue ich mich da immer ein wenig schwer. Auch wenn es natürlich mehr als großartig ist, diesen jungen Herren beim Spielen zuzuschauen.

Ein äusserst träges Publikum war es aber trotzdem. Wenn Stimmung aufkam, dann eigentlich nur, wenn über alle Bildschirme ein großes “Mache Some Noise!!!” eingeblendet wurde. Standardmäßig wird das zum Beispiel eingeblendet wenn das gegnerische Team einen Freiwurf. Und noch besser: Versammelt ein Spieler beide Freiwürfe, wird danach dieses Cartoon Sprungfedergeräusch eingespielt. Aber bei aller Trägheit darf man natürlich nicht vergessen, das es nur ein Pre-Season Gams war. Da ist das ja normal.

Erwähnte ich schon, dass es Wahnsinn ist, wie schnell diese jungen Herren Basketball spielen? Meine Güte. Ich hab mal versucht einzuschätzen, was denn die Besonderheiten der großen US-Sports sind. Ich glaube, es sind 3 wesentliche Punkte. Zum einen braucht man irgendein besonderes Extra: Einen Basketballkorb, einen Bseballschläger oder ein Ball, der wie ein Ei aussieht. Dann kann man diesen Sport auch einfach so im stehen betreiben ohne sich wirklich anzustrengen. Körbe Werfen, Baseball oder Football zu werfen. Beim Fußball geht das nicht so richtig, oder? Und – das ist glaube ich das aller wichtigste – es gibt zahlreiche Unterbrechungen. In erster Linie natürlich für Werbung oder aber auch für Unterhaltungsprogramm in der Halle.

Ich Frage mich ja immer, wer Cheerleader erfunden hat. “Joah, wenn die sich kurz ausruhen schicken wir junge Frauen aufs Feld die dann da rumtanzen. Cool oder?” Ist heute jedenfalls das normalste der Welt. Und T-Shirt Kanonen gibt es tatsächlich auch! T-SHIRT KANONEN!!!

Das muss schon ein komisches Leben als Profibasketballer sein. Aufgrund der Größe fällt man überall auf, kann womöglich nicht einmal seine Ruhe haben, ist das ganze Jahr mit mehreren Spielen pro Woche unterwegs und dann hat man nie das Spielfeld für sich allein.

Das klingt glaube ich die ganze Zeit so, als würde ich sehr damit hadern, fand das alles aber wirklich sehr unterhaltsam und interessant anzusehen. In der Halbzeitpause musste ich nach meinem halben Liter Root Beer eine Toilette aufsuchen. Bei sportlichen Großveranstaltungen in der Halbzeitpause ein Klo aufzusuchen ist nie eine gute Idee, also ging ich nicht über den Hauptausgang zum oberen Ring, wo alle Toiletten und Verkaufsstände waren, sondern zum Ausgang unten an einer der Ecken des Spielfelds. Also da wo die Spieler einlaufen, nur eine Ecke weiter.

Es wurde nach Bändchen kontrolliert. An dieser Stelle ein Tipp: Wenn man keins hat immer die Hände in die Jackentasche stecken und möglichst teilnahmslos wirken. Hat funktioniert. An 4 (!!!) Kontrolleuren vorbei stand ich dann auf einmal im VIP Bereich der Brooklyn Nets. Nebenan war noch “The Vault”, ein exklusiver Club von Jay-Z in den ich mich dann aber doch nicht traute. Man soll sein Glück ja nicht herausfordern.

Leider gab es nur diverses Fleisch beim Buffet weshalb ich mir noch eine Cola auf Kosten des Hauses gönnte und mich noch ein wenig umschaute. Das hier ist zum Beispiel die Trainingshalle nebenan.

Und wie ich so weiter lief stand ich plötzlich in den Katakomben dort, wo die Spieler einlaufen. Huch!

Herr Humphries hat auch nicht mehr böse geguckt, schien also alles wieder gut zu sein. Überhaupt schien sich niemand zu wundern, was ich dort überhaupt mache. Mein Auftreten muss wohl sehr sicher oder aber supercool gewesen sein. Leider habe ich dadurch zwar die Halbzeitshow verpasst, bin dafür aber einfach noch ein wenig umher spaziert.

So sieht es ähh Backstage in der neuen Halle aus. (Ich schreibe diesen Text hier mit Textedit, was manchmal einfach so Wörter automatisch korrigiert. Eben hat es aus “Backstube”, “Backstube” gemacht. Die konnte ich aber leider nicht finden.) Ich bin eigentlich fest davon ausgegangen, dass dort gleich ein Wrestlingkampf losgeht:

Und wie ich da so rumstand, probte auf einmal die Hallenmoderatorin ihre Moderationskarten durch. “Ja hallo, ich bin der Markus, ich irre hier nur rum.” Mit einem Endstand von 98 zu 88 wurde das Spiel erfolgreich zu Ende gebracht und möge der Anfang einer laaaaaangen Siegesserie sein.

Weil es beim ersten Mal so gut geklappt hat, bin ich nach dem Spiel auch noch mal direkt in die Katakomben (nun kein Problem mehr, man kannte mich ja) gab ein paar Spielern auf dem Weg zur Kabine noch High Fives und ging wieder. Haha!

Vielleicht darf ich ja nächstes Mal auch ein bisschen mitspielen.

PS: Das lustigste war übrigens, dass man ja die ganze Zeit darauf hingewiesen wird, verdächtiges Verhalten dem nächsten Police Office oder Usher zu melden. Mit Usher sind natürlich die ganzen Platzanweiser in der Halle gemeint, ich mag aber trotzdem die Vorstellung mehr, dass da der echte Usher steht und man im mitteilen kann, wenn irgendwas verdächtig ist. Dann sagt er “Mmmmyeah!” und geht den Kriminellen an den Kragen.

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