24. Februar 2012 | 17:25 Uhr


Meine Güte. Das Jahr 2012 ist ja fast schon wieder vorbei, aber ich habe es dennoch rechtzeitig und endlich geschafft: Meine liebsten Alben des Jahres 2011



Bei Atomic Floyd war man so freundlich, mir die hübschen SuperDarts Kopfhörer zur Verfügung zu stellen. Und das, obwohl ich doch ein absoluter In-Ear-Neuling bin. Um ehrlich zu sein, höre ich doch viel zu gern in der U-Bahn mit, was so um mich herum geschieht. Beim ersten Test der Kopfhörer wäre ich beinahe umgefallen, weil ich nichts ausser meinem eigenen Atem gehört habe und den aus Reflex dann erstmal angehalten habe, damit komplette Stille herrscht.

Umso praktischer ist dieser Sachverhalt dann natürlich beim Musik hören. Es fühlt sich an, als hätte man plötzlich einen ganzen Proberaum im Kopf. Zudem sehen die Kopfhörer mir rotem Kabel und enormer Detailverliebtheit auch noch verdammt gut aus und sind so gut verarbeitet, dass man damit ruhig mal die Luft anhalten und umfallen kann. (Wer noch mehr über die Kopfhörer erfahren möchte: ich kann diesen Beitrag voll und ganz unterschreiben)

Beste Vorraussetzungen für mich also, meine liebsten Platten des letzten Jahres noch mal durch zu hören und endlich mal aufzulisten. Eins vorneweg: Irgendwie fehlte mir 2011 die Zeit um irgendwelche Supergeheimtipps auszugraben. Bitte erwarten sie also keinen superhippen Indieravescheiß. Dafür scheine ich langsam alt zu werden. Immerhin mochte ich erstaunlich viele Alben, welche andere Menschen nicht mehr als belanglos fanden. Aber so sehen sie doch selbst. Es folgen 14 Alben in wertungsfreier Reihenfolge, dafür aber immerhin in Kategorien eingeteilt.

Bon Iver – Bon Iver

Zugegeben, ich habe Bon Iver viel zu spät zugehört. Ich weiß nicht so recht, welchen Sinn dieser Persönlichkeitszug von mir hat, aber wenn mir zu viele Menschen auf einmal sagen, dass ich ein Album UNBEDINGT ANHÖREN SOLL, dann mache ich das nicht. Kurz gehört und gedacht, dass das womöglich nur ein weiterer Typ in Holzfällerhemd ist, der ein bisschen Gitarrenmusik macht. Irgendwann hat ihn mal ein Mädchen verlassen und seitdem macht er monoton gleiche Platten. Aber halt! Trifft in diesem Fall nicht zu.

Der Moment, als ich mich dazu entschied, Bon Iver nun doch mal eine Chance zu geben, hätte nicht perfekter sein können. Ein Spaziergang im Wald. Eines der schönsten Alben des Jahres gehört und dazu das hier gesehen:

Der Typ klingt so wie ich, wenn ich ganz schlimm Hunger habe und macht Musik dazu, die wie Sonntags in der Wolldecke vorm Kachelofen klingt. Perfekt. Wer die Möglichkeit hat, sollte das gesamte Album im thüringer Wald hören. Auch wenn es da nicht ganz so hübsch ist, wie in diesem unoffiziellem Musikvideo zu “Holoscene”:

Bon Iver – ‘Holocene’ Unofficial Music Video from Dylan Wiehahn on Vimeo.

Bester Moment: Das wirklich Tolle ist ja, dass das gesamte Album ein schöner großer Moment ist.
Kurz gesagt gut, weil: Es baut sich die ganze Zeit sich langsam auf, bricht aber niemals wirklich aus. So als würde es schneien, nur eben ohne Schneesturm.
Auszeichnung für:
Beste Spazierengehunddanachkakaotrinkmusik des Jahres

Dredg – Chuckles and Mr. Squeezy

Ich bin womöglich der einzige Mensch, der Dredg schon länger hört und das letzte Album trotzdem großartig findet. So anders als es im Gegensatz zu allen anderen Alben zuvor klingt, hätte man es eigentlich fast schon unter einem anderen Bandnamen veröffentlichen sollen. Alles ist sehr minimalistisch angelegt und man findet sich in ständigen Loops wieder.

Das Bemerkenswerteste ist allerdings, dass das Album fast ohne wirkliches Schlagzeug statt findet. Ich frage mich jedes Mal wie es dazu kam, immerhin hat Dredg einen der besten und energetischsten Drummer der Welt. (Live klingen die neuen Songs übrigens noch besser, weil dann auch ordentlich auf das Schlagzeug eingehauen wird.) Das Video zum besten Song des Albums, “The Thought Of Losing You”, ist einer dieser absurden, berührenden Kurzfilme, wie es eigentlich alle Musikvideos sein sollten. Aber sehen sie selbst:

Dredg – The Thought of Losing You from Stephen Reedy+ZerofriendsFilms on Vimeo.

Bester Moment: Der eingängige Refrain von “The Tent”, bei dem man die ganze Zeit monotn mitsingen und mitwippen möchte.
Kurz gesagt gut, weil: … es sich wie ein Legomusikkasten anfühlt und.
Auszeichnung für: Das größte Defizit zwischen Fähigkeiten eines Schlagzeugers und dessen Hörbarkeit auf dem Album.

The Horrible Crowes – Elsie

Brian Fallon kann nicht nur Gaslight Anthem sondern auch noch Hach-Musik mit seinem besten Kumpel. Innerhalb einer Woche habe ich mich komplett an diesem Album überhört, das aber auch nur, weil ich es jeden Tag immer und immer wieder durchgehört habe. Klingt, als würde man nach einem miesen Tag in einer verrauchten Kneipe Platz nehmen um etwas von Gott und der Welt hören. Angeknackste Gefühle, Verluste und sogar von Religion bekommt man zu hören.

Mein persönlicher Herbst-Soundtrack des letzten Jahres. Ein Album was man hören sollte, wenn man in die alte Heimat fährt. Oder überhaupt immer Beim Zugfahren, wenn es draußen vor sich hin regnet und die Dämmerung langsam kommt. Wie melancholisch kaputt alles zwischen den Zeilen ist, zeigt das Video zu “Behold The Hurricane”:

Horrible Crowes ‘Behold the Hurricane’ from Academy Plus (A+) on Vimeo.

Bester Moment: Der Anfang von “Crush”. Pour yourself a drink, I sing you a song.
Kurz gesagt gut, weil: … es so schön ehrliche Gitarrenmusik mit ein paar Schrammen hier und da ist.
Auszeichnung für: Die blödeste Nebenbeidiskussion 2011: Der Hang zum Kreationismus von Brian Fallon. Mich hat das ja eher beruhigt, da dieser Junge sonst einen Tick zu perfekt wäre.

Tegan & Sara – Get Along

Okay, eigentlich ist das unfair. Livealben sollten nicht zählen. Aber es ist doch so toll! Das Livealbum kommt im Paket mit DVD, worauf sich dann 2 kurze Filme über das Touren in den USA und Indien, so wie ein komplettes Konzert befinden. Der ganze Spaß ist für mich die perfekte Abbildung vom kreativen Schaffen dieser beiden Damen. Immer wenn ich das Album höre, habe ich total Lust, mit beiden Weihnachtsplätzchen zu backen. Hach. mehr braucht man dazu nicht zu sagen, die Songs solltet ihr ja schließlich gefälligst alle schon kennen.

Bester Moment: Das Klavier in “Back In Your Head”.
Kurz gesagt gut, weil: … es 2 Schwestern zeigt, die für ihre großartige Musik durch die Welt reisen.
Auszeichnung für: Diese Worte gegen den, meiner Meinung nach, überschätztesten Künstler des letzten Jahres.

Incubus – If not now, when?

Mit Ausnahme von “A Crow Left Of The Murder” wurden meiner Meinung nach alle Incubus Alben Stück für Stück belangloser. Mit dem letzten Album hat man sich es aber so schön gemütlich in der Harmlosigkeit gemacht, dass ich es wieder gut finde. Es ist ganz ruhig, es gibt kein wirkliches Ausbrechen und alle Songs wachsen mit jedem Anhören.

Vielleicht mag ich das Album ja auch so, weil ein Song mein Jahr 2011 ganz schön gut auf den Punkt bringt:

“I’m on the road of least resistance, I’d rather give up than give in to this. So promise me only one thing, would you? Just don’t ever make me promises.”

Bester Moment: Wenn das Album bei “In The Company Of Wolves” nach langem Anlauf dann eben doch exakt einmal ausbricht.
Kurz gesagt gut, weil: … solides Songwriting zum ins Regal stellen. Und hervorragende Spaziermusik übrigens.
Auszeichnung für: Die kitschigste Liedzeile 2011: “Light like a feather, bright like a dying star.Cut those together – girl that is what you are.”

Casper -XOXO

Im letzten Sommer konnte man zur Fête de la Musique allerhand Bands in Berlin kostenlos live sehen. Mit dabei auch Casper im Mauerpark. Es war furchtbar voll, da der Hype um den jungen Herren aus Bielefeld bereits in vollem Gange war. Vor Beginn des Konzerts tippte ich eine Freundin aus Norwegen an und sagte ihr, dass das was jetzt kommen würde bald durch die Decke geht und bald auf Platz eins der deutschen Charts stehen würde.

Damals klang das noch ganz schön übertrieben, aber ich war mir darin sehr sicher. Vor allem deshalb, weil sich (neben persönlicher, bielefelder Wertschätzung) die ersten Vorboten des Albums wie die perfekte Vermischung verschiedener Genres anhörten. Eben wie etwas, was es vorher noch nicht wirklich gab. Eine Lücke, bei der es nur eine Frage der Zeit war, bis sie jemand gekonnt füllen konnte. “XOXO” ist dieser Lückenfüller mit Hit-Niveau und für mich zudem das beste Beispiel in 2011 dafür, was man alles erreichen kann, wenn Künstler und Label sehr geschickt und gut arbeiten.

Casper – Der Druck steigt/Blut sehen from Four Music on Vimeo.

Bester Moment: Der Druck … steigt! HOOOOAHHAAAAAAAAAAAHHH
Kurz gesagt gut, weil: Es eben das wirklich das Album ist, was dem Hip Hop an einigen Ecken angenehm leben eingehaucht hat. Auch wenn man von dieser Phrase mehr als müde ist.
Auszeichnung für: Eine neue Reaktion darauf geschaffen zu haben, wenn man sagt, dass man mal in Bielefeld gewohnt hat. Immer seltener ein blöder Witz über die Nichtexistenz, immer häufiger Gespräche über deutsche Räpmusik. Ich begrüße das sehr.

Beatsteaks – Boombox

Ich weiß gar nicht so recht warum, aber ich gab “Boombox” erst gar nicht den Hauch einer Chance. Womöglich haben mich riesige Plakate am örtlichen Saturn M
arkt abgeschreckt. Wobei so was ja auch ziemlich bescheuert ist. Irgendwo in meinem Hinterkopf hatte ich abgespeichert, dass mich die Beatsteaks nicht mehr so recht bewegen würden. Meine Güte, was für ein Fehler.

Alle Songs vermitteln das “Ach verdammt … aber irgendwie wird alles gut” Gefühl. Der Clou: Die Melodien klingen nach “Alles wird gut”, die Instrumente aber nach “Ach verdammt!”. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang klingen einfach so unglaublich gut auf dem Album, dass es schon eine Freude ist einfach nur darauf zu hören. Solide nennt man das dann glaube ich. Aber “solide” im guten Sinne. Was ich damit meine, kann man im folgenden Song hören. Diese Gitarren … wunderbar! (Mein liebstes Kommentar zu diesem Video war übrigens: “Wussten die Ochsenknechts, dass sie gefilmt wurden?!”)

Beatsteaks – House On Fire from Christopher Haering on Vimeo.

Bester Moment: Wenn “House On Fire” ein letztes Mal zielstrebig auf das Albumfinale zusprintet.
Kurz gesagt gut, weil: … die Beatsteaks so groß klingen, wie sie es mittlerweile sind. Und das ohne doof zu sein.
Auszeichnung für: Die bestgestimmten und -abgemischten Gitarren des Jahres.

Blink-182 – Neighbourhoods

Was für eine Geschichte. Die Komponisten meines persönlichen Teenager-Soundtracks machen nach Jahren der Trennung wieder gemeinsame Sache. Eigentlich herrschte mehr als Funkstille, doch dann fand man sich am Krankenbett wieder zusammen, weil einer der 3 einen Flugzeugabsturz mit viel Glück überlebte. Knapp 2 Jahre später war das Album fertig. Es klingt sehr viel erwachsener und einige Songs brauchen ein paar mal Hören, greifen dann aber umso mehr. Das die Herren neben blöden Geschlechtsteilwitzen auch sehr gute Songschreiber sind, dürfte ja mittlerweile hinlängst bekannt sein.

Einziges Manko ist, dass man dem Album hier und da auch seine Entstehung anmerkt. Die wenigste Zeit saßen die Herren 182 in einem gemeinsamen Studio. Zuviele Nebenprojekte und andere Aktivitäten gab es da. Und so wurde zumeist allein aufgenommen und fleißig hin und her geschickt. Manchem Song merkt man da an, dass er an der ein oder anderen Ecke noch hätte besser werden können. Aber bei so einer bewegenden Reunion-Story drücken wir da mal noch ein Auge zu. Das Fun-Punk Ding ist in der zwischenzeit irgendwo verloren gegangen, aber das ist auch gut so. Womöglich war die selbst verordnete Zwangspause, die eigentlich für immer gedacht war, dahingehend besser als gedacht, wenn man bedenkt wo all die Bands hin sind, die vor einigen Jahren noch in einem Atemzug mit Blink-182 genannt wurden.

Bester Moment: Die B-Seite “Fighting The Gravity”.
Kurz gesagt gut, weil: Es schön ist, dass sie wieder da sind.
Auszeichnung für: … die meisten Kleidungs/Schuh-Firmen und Musiknebenprojekte innerhalb einer Band.

La Dispute – Wildlife

Ich bin großer Fan davon, wenn Instrumente und Stimmbänder weitaus mehr als nötig strapaziert werden. Das Problem ist nur: So sehr ich Hardcore auch mag, so schwer fällt es mir, neue Bands zu entdecken die ich auch wirklich mag. Viel zu groß ist da der Sumpf aus lauter Bollo-Hardcore Bands die alle, aber wirklich alle, gleich klingen. La Dispute ist da genau die Art von Hardcore die ich hören will. Emotion an allen Ecken und Enden und wenn es sein muss, wird irgendwas kaputt gehauen. Hier kann man sich das ganze Album anhören.

Bester Moment: Wie sich “a Departure” langsam aufbaut und dann aus dem Hintergrund mitten rein geschriehen wird.
Kurz gesagt gut, weil: … es so schön ehrliche Gitarrenmusik mit ein paar Schrammen hier und da ist.
Auszeichnung für: Beste Musik zum Joggen. Ich war nicht einmal joggen in 2012. Aber wenn, dann hätte ich dieses Album gehört und Passanten dabei böse angeguckt.

Touché Amore – Parting the Sea Between Brightness and Me

Ich bin großer Fan von Häppchen. Exakt ein Song auf dem Album ist länger als 2 Minuten. In gebündelter Energie, wie kleine Traubenzuckerdrops kommt ein Song nach dem anderen. Wobei Traubenzuckerdrops nicht derart versiert sind, denn auch innerhalb von 2 Minuten kann sehr viel Platz sein. Immer wieder hält alles für einen Bruchteil einer Sekunde an, eine eingängige Melodie tönt auf der Gitarre durch und alles bricht danach umso schroffer zusammen. Was ich damit meinte, wird in den nun folgenden 2 Minuten mit “Home Away From Here” sehr anschaulich gezeigt:

Touché Amoré – Home Away From Here from DEREK WOODS on Vimeo.
Bester Moment: Die kompletten 1:38 Minuten von “Art Official”.
Kurz gesagt gut, weil: … es 13 Schläge aus ziemlich kurzer Schlagdistanz sind.
Auszeichnung für: Kalte Platte Award 2011 für das häppchenmäßigste Album des Jahres!

The Death Set – Michel Poiccard

Eine meiner liebsten Livebands überhaupt, die dann auch noch zu meinem geburtstag spielte. Irgendjemand sagte mal, sie klingen wie die Beastie Boys auf Speed. Ich denke, das bringt es ganz gut auf den Punkt. Neben dem gewohnten Übertreiben auf Höchstgeschwindigkeit hat das neue Album noch sehr viel mehr hörenswerte Melodien an Bord. Die Jungs machen sich und ich habe keine Ahnung, warum sie nicht längst schon viel größer sind. Vor dem Album verstarb eines der beiden Gründungsmitglieder, Beau Velasco. Die Band entschied sich weiter zu machen, da er es wohl auch so gewollt hätte und hat ihm mit diesem Album ein äusserst hörenswertes Denkmal gesetzt.

Bester Moment: Wenn “Slap Slap Slap Pund Up Down Snap” losbricht.
Kurz gesagt gut, weil: … hier Cola mit Mentos gemischt wird. Musikalisch gesehen.
Auszeichnung für: .. einen Song über “Kittens inspired by Kittens”.

Lights – Siberia

Junge, hübsche Damen, die mit Beats umher fummeln und ansehnliche Popmusik daraus machen. Was das angeht, war ich vergangenes Jahr ein sehr leichtes Opfer für die Musikindustrie, allen voran Universal. Lights ist eines dieser Internet-Nerdmädchen was nun zum Popstar wurde. Das schöne an nahezu jedem Song ist, dass immer, wenn er droht in Popbelanglosigkeit abzudriften irgendein Break mit nettem Beat kommt.

Bester Moment: Der Break, wenn bei Everybody Breaks A Glass auf einmal ganz tiefe Beats einsetzen. Auch wenn man sich den Rap danach wohl hätte sparen können.
Kurz gesagt gut, weil:Sehr gute Melodien verpackt in zeitgemäße Popmusik mit ein bisschen Indie dabei.
Auszeichnung für: Das blödeste Tattoo. Hat mit der Musik nichts zu tun, sollte aber erwähnt werden. Auf dem Unterarm der Engländerin steht auf deutsch: “Jetzt und immer die Seegen von der Vater und bleibst Unschuldig bis Er kommt”. Hmmm, okay.

Natalia Kills – Perfectionist

Sobald eine junge Dame ein bisschen schöne Popmusik macht, kommt ja derzeit direkt die Frage, ob sie wohl die neue Lady Gaga ist. Dabei ist die Frage doch vollkommen unnötig, schließlich ist Lady Gaga noch gar nicht so lange da, als das man sie austauschen müsste. Ich glaube allerdings, dass Natalia Kills sehr viel größer sein könnte, wenn das nächste Album noch einen Tick besser produziert wird. Als professioneller Musikkritiker würde ich hier glaube ich von Dark Pop sprechen. Popmusik, die gewohnt kitschig ist, allerdings auf äusserst düstere Art und Weise.

Kurz gesagt: In jedem Song geht es darum, dass sie auf eher unkonventionelle Art und Weise Geschlechtsverkehr mit einem jungen Herren hat und diesen danach umbringt. Find ich gut. Die Melodien, Beats und Gitarren hier und da sind großartig und klingen live noch weitaus besser. ich mag mich damit ein bisschen weit aus dem Fenster lehnen, aber Natalia Kills ist für mich das Beste, was Popmusik 2011 passiert ist.

Zombie (Official Music Video) from Natalia Kills on Vimeo.

Bester Moment: Das Intro von “Break You Hard”. Ach was, der ganze Song.
Kurz gesagt gut, weil: … die Bezeichnung “Dark Pop” auf einmal Sinn macht.
Auszeichnung für: Das absurdeste Konzertpublikum 2011. Ein bisschen Großraumdiskothek, ein bisschen Nerds, ein paar Teenies und noch mehr Muttis.

Lady Gaga – Born This Way

Frau Gaga ist wohl mit Abstand das beste, was Popmusik und -kultur in den letzten Jahren Passieren konnte. Auch ideologisch. Beim neuen Album brauchte es jetzt jeweils ein zweites hinhören bevor man einen Song gut fand. Waren es beim Vorgänger noch diverse Hits, die direkt zündeten, brauchte es, zumindest bei mir, bei jedem Song ein paar Mal. Wohl auch, weil jeder song fast schon fürchterlich überladen ist. Es müssen viele lange Nächte gewesen sein, in denen noch eine und noch eine und noch eine Tonspur mit irgendeinem verzerrten Instrument hinzugefügt wurden. Ihr eigener Vergleich mit einigen Springsteen-Songs passte da wohl ganz gut.
Sie sehen nun: Das beste Musikvideo des Jahres:

Bester Moment: My mama told me when I was young we are all born superstars.
Kurz gesagt gut, weil: Mit “The Fame”/”The Fame Monster” hat sie sich auf den Thron gesetzt und mit “Born this Way” hat sie sich jede Menge Hymnen geschrieben.
Auszeichnung für: Das furchtbarste Albencover seit … ach, was weiß ich.

Ansonsten fast dabei:

Defeater – Empty Days & Sleepless Nights
Die Geschichtenerzähler mit gewohnter Lautstärke und betont viel Herz, was ab und zu mal runter fällt.

Joy Formidable – The Big Roar
Die perfekte Mischung aus melodischem Indiegeklimper, einer E-Gitarre hier und da und einer ganz wunderbaren Stimme.

Florence + The Machine – Ceremonials
Das Album klingt immer so, als würde man noch im bett liegen, während eine Frau mit super viel Hall im Bad zu singen anfängt. Früher oder später setzen dann Instrumente (in der Nachbarschaft) ein und es wird noch toller.

Machine Head – The Locust
Eigentlich die logische Fortsetzung vom übergroßen “The Blackening” aber irgendwie dann doch zu perfekt und rund.

Adele – 21
Eigentlich das beste Pop-Album des Jahres, aber das wollte ich jetzt nicht auch noch mal schreiben. Ich hätte mir nur ein Review oder generell eine einzige Berichterstattung gewünscht, in der es nicht um ihr Gewicht ging.

PJ Harvey – Let England Shake
Hört sich an, wie der Morgen Nachmittag nach einer Party, wo am Vorabend etwas in den Kuchen gefallen ist.

Angels & Airwaves – Love Pt. 2
Weltraumkitsch erster Güte. Ein paar großartige Songs, aber dann doch zu abgelutscht hier und da.

Hinterlasse eine Antwort