Vor ziemlich genau einer Woche habe ich eines meiner wichtigsten Prinzipien gebrochen: Nichts ausser Creme darf cremefarben sein. Überhaupt habe ich sämtliche Coolness in mir vergessen und mir ein cremefarbenes Fahrrad gekauft. Mit Körbchen vorne dran. Aber es ist so schön bequem! Und sieht auch noch hübsch aus. Erstaunlich. Und egal wie albern man mit einem Korb vorn dran aussieht, nichts kann aufwiegen, wie praktisch das ist. Spätestens wenn mein geheimer Ausserirdischer eines Tages mal abgeholt werden sollte, bekommt der Korb seinen großen Auftritt. Auch wenn der Rest kein BMX, sondern ein cremefarbenes Fahrrad mit Gesundheitslenker ist.

Ich war über die Ostertage verreist und hatte mein Fahrrad im Hof vergessen. Also nicht vergessen im eigentlichen Sinne. ich hatte es angeschlossen, habe eben nur vergessen, es am Abend hoch in die Wohnung zu tragen. Als ich nach drei Tagen zurück kam, lag nur noch das traurige Fahrradschloss am Boden. Es fiel einem Bolzenschneider zum Opfer. Berlin, Stadt der Herzen. Mein Fahrrad und ich waren lange, gute Freunde. Nach diversen schlechten Erfahrungen mit Gebrauchträdern, habe ich mir mal ein Neues gekauft aber nach zwei Jahren sollte Schluss sein mit dieser Liason.

Mein trauriges, verirrtes Auge kehrte zurück zu „Europas größtem Zweiradmarkt“ und schlug im Cremesegment zu. Allerdings gab es nach erfolgreicher Übergabe des Kaufvertrags die Ansage, dass das neue Rad noch fertig montiert werden müsse und ich es deshalb erst nach einer Stunde Wartezeit abholen kann. Das war insofern okay, weil nebenan ein riesiger Fressnapf Markt ist, indem man allerhand plüschige Tiere anschauen kann. (Disclaimer: Ich finde es schlimm, wenn man flauschige kleine Tiere einsperrt, aber kann auch nicht aufhören sie anzuschauen.)

Der eigentliche König vom Fressnapf Markt war aber nicht etwa eine der 20cm großen Heuschrecken, eine hangelnde Maus oder eine der OHMEINGOTTSINDDIEKLEIN Schildkröten sondern eine Krähe. Plötzlich flatterte nämlich etwas zwischen den Gestängen der sehr hohen Decke. Eine Krähe! Und cool wie sie ist, fliegt sie erstmal zu einem für Demozwecke aufgestelltem Wasserbrunnen für Katzen und gönnt sich danach noch einen kleinen Snack. Bleibt dann noch ein bisschen oben in dem Gestänge unterm Dach sitzen (wo sie niemals jemand einfangen könnte) und verschwindet dann wieder.

Seitdem habe ich mir mehrmals Gedanken darüber gemacht, was die Krähe wohl gedacht haben muss, als sie das erste Mal versehentlich in den Fressnapf Markt geflogen ist. Wahrscheinlich so etwas wie: „AHHH scheißescheißescheiße wo bin ich jetzt, ich bin gefangen und werde sterbOHMEINGOTT HIER IST ÜBERALL FUTTER!!! DA! DA! DAAA NOCH MEHR!!!!“ Seitdem kommt sie scheinbar für regelmäßige Besuche vorbei.

Ein weiterer Punkt auf meiner internen Vogelhitliste, die von Krähen angeführt wird. Nicht nur, weil sie sehr schön aussehen, sondern auch noch die mit Abstand schlauesten Vögel sind. (Ich hoffe nur die Fressnapf-Krähe tut den Fressnapf-Flauschtieren nichts.)

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