Ich weiß nicht so recht, wie das passieren konnte, aber ich werde jetzt langsam aber sicher Autoexperte. Das ist in etwa so, als würde Super Mario neben seinem Klempnerjob Sprachkurse in Englisch geben. (Als ob der nicht schon genug zu tun hätte!)

Aber zurück zum Thema. Ich wurde in das schöne Hamburg eingeladen um bei der Vorstellung des neuen Volvo V60 Plug-In-Hybrid unter dem Motto „Switch To Pure“ an eben diesem rumzuprobieren. Das neue Auto der Schweden setzt auf Elektrizität, womit ich jetzt bereits mehr Elektroautos als 99% der deutschen Bevölkerung gefahren habe. BzzzZZzZZZZzzt.


Wobei das nicht so ganz stimmt – es steht zwar überall ganz groß Electricity drauf, tatsächlich ist die aber nur ein Teil, denn das Auto ist der erste Diesel/Elektro Hybrid. Im Auto sind 2 Motoren und man kann jeweils den Fahrmodus wählen. Die Knöpfe „Pure“ (rein elektrisch), „Hybrid“ (Best of both worlds) oder „Power“ (volle Dieselkraft voraus) muss man dafür jeweils drücken.

Das Ganze fand im Schuppen 52 statt. Tolles Ding! Wie ich jetzt weiß, ein modernisierter Kaischuppen aus der Kaiserzeit. Riesige Verladehallen, überall Container, große Schiffe, LKWs und eine okay besuchte Pommesbude. Es hat sogar nach Gewürzen gerochen! Wäre ich dort verloren gegangen, hätte ich womöglich nie wieder zurück gefunden. Wahrscheinlich erging es allen Leuten, die dort arbeiteten, so.

Foto: Insta-Bosch

Ziemlich guter Ort um eine Testfahrt zu machen. Nicht wegen des Gewürzgeruchs, sondern wegen der breiten und zumeist auch freien Straßen. Bloggerkollege Bosch und ich wurden in ein Auto gesetzt. Einen Pro Driver würde man uns an die Seite stellen (bzw. setzen) hieß es im Voraus. Im Anblick des Autos habe ich mir die ganze Zeit ausgemalt wie das wohl sein konnte. Dauert die Testfahrt gleich nur 5 Minuten (und zwar genau 5 Minuten) und Ryan Gosling wirft sich eben seine Skorpion-Jacke über? Oder was macht eigentlich Heinz-Harald Frentzen? Gleich kommt der Pro Driver und womöglich würden wir hier gleich durch die Gewürzhallen fliegen,  über LKWs springen und uns in letzter Sekunde vor mehreren Explosionen auf ein Schiff retten können.

Okay, war dann nicht ganz so. Statt Ryan Gosling oder ehemaligen Formel 1 Größen kam Herr W. Er hat den festesten Händedruck der Welt und sein Beruf ist es, durchs Land zu tingeln und Leuten neue Autos vor der Markteinführung vorzustellen. Aha! Eine waghalsige Verfolgungsjagd oder Ähnliches gab es auch nicht, denn nicht Herr W., sondern ich fuhr das Auto. Statt „SOFORT EINSTEIGEN! WIR MÜSSEN LOS SONST KRIEGEN DIE UNS!!!“ gab es dann erstmal „Hier können sie ihren Sitz elektrisch einstellen srrrt passt das srrrrrt so? srrrrrt. Nein, dieser Knopf hier srrrrt.“

Mit mir am Steuer verlief die etwa 20minütige Fahrt dann auch etwas bedeckter.  Vor allem weil ich mich gar nicht so recht auf’s Fahren achtete, sondern lieber auf die tausenden Funktionen des Autos (auch wenn diese natürlich zum Fahren irgendwie dazu gehören). Wow, als würde man ein Raumschiff lenken. Hätte ich alle Knöpfe und Funktionen einmal ausprobieren wollen, hätte ich etwa 5 Knüpfe pro Probefahrtminute drücken mussen.

Ich habe ja eigentlich keine Ahnung von Autos, deswegen ist das mittlerweile vielleicht schon Standard in vielen neuen Autos, aber es war wirklich beeindruckend was es da für kleine Spielereien gab. Volvo hat sich das Ziel gesetzt, dass bis 2020 kein Mensch mehr in oder durch einen Volvo stirbt. bemerkenswertes Ziel und die vielen kleinen praktischen Funktionen zeigen das auch. Diverse Fahrhilfen, Warnhinweise, Fahrerleichterungen und überhaupt. Meine Lieblingsfunktion war allerdings die, dass man den Amaturenanzeigen ein Theme zuweisen konnte. Von esoterisch bis Rennfahrerstil. Leider gab es das Hot Dog Stand Theme nicht. Erinnert sich noch jemand an das Hot Dog Stand Theme?

Der V60 Plug-In-Hybrid ist übrigens erst ab Oktober verfügbar, weshalb ich einen Prototypen gefahren bin. Das Tolle daran: Im Kofferraum war ein kleiner Kasten, der sämtliche Fahrdaten direkt nach Schweden übermittelt hat. Ich musste mir dann die ganze Zeit 2 Dinge vorstellen: Zum einen wie da ein Technikerteam vor einer Wand aus Bildschirmen sitzt und sich angesichts meiner Fahrgewohnheiten nur fragend anschaut. „Er fährt etwa 3km/h und hat das Theme der Geschwindigkeitsanzeige bereits zum 27. Mal umgeschaltet. Hm.“ Und zum anderen, wie mein Fahrverhalten direkt in die finale Entwicklung des Autos mit einfließen könnte. „Während der Fahrt drückte Tester Nr. 1337 immer wieder auf den Zigarettenanzünder. Während der endgültigen Auswertung stellten wir fest, dass er darauf ein Stück Tape mit einer Rakete drauf geklebt hat. Die einzig logische Konsequenz ist, dass wir noch einen Raketenantrieb einbauen.“

Ich komme vom Thema ab. Wobei, eins noch: Bei der abendlichen Dinnerveranstaltung gab es noch eine Videovorführung zum Auto. Während ein unglaublich gruseliger Sprecher zukunftsweisenden Visionen von sich gab, überlegte ich mir, was ich wohl als Autohersteller mit so einer Vorführung tun würde. Idee: Fahraufnahmen zeigen und dabei Wind durch den Kinosaal pusten. Und das wurde tatsächlich gemacht! Fahraufnahmen und Windmaschinen! Wohooo!

Aber jetzt wirklich zurück zum Auto. Die Hybridtechnologie scheint mir beim derzeitigen Entwicklungsstand die logischste von allen zu sein. Am Volvo V60 sieht man das ganz gut. Mit reiner Elektrokraft kommt man 50km weit, was für den täglichen Stadtverkehr vollkommen reicht. Bedient man sich beider Motoren, kommt man mit einer Tankfüllung von Berlin nach London.

Foto: Insta-Bosch

Lediglich ein kleines Ungleichgewicht stört mich da. Es kann nun jeder für sich selbst ausmalen inwieweit man Umweltschutz ernst nimmt, wenn neben den emissionsfreien Elektromotor ein 215 PS Dieselmotor unter die Haube steckt. Andererseits ist das natürlich auch der Anspruch von Volvo, da auf keinen Komfort und keinerlei gewohnte Leistung verzichten zu wollen, erst recht, weil man das Auto bewusst als „Green Luxury“ positioniert. Für mich dann aber eher Luxury als Green, denn nichts ist wirklich grün, wenn es Abgase produziert.

Vielversprechend klingt da das Ziel, bis 2020 eine 0 bei den Emissionen von Volvo Autos zu haben. Ein ziemlich gewagtes, aber dafür umso lobenswerteres Ziel. Nimmt man jetzt mal die ganze Marketinghülle ab, finde ich es sehr gut, dass sich nun auch so ein autotechnisches Schwergewicht wie Volvo auf zukunftsweisenden Elektrowegen bewegt.

Da ist natürlich noch viel Luft nach oben und ich bin gespannt wie schnell die Entwicklung nun voran gehen wird, wo sie endgültig im Wettbewerb angekommen ist. Während der Podiumsdiskussion am Abend fiel mir auf, dass mich die Diskussion rund um das Thema eigentlich noch mehr interessiert, als so ein Auto selbst. Schließlich stehen wir da gerade an einem sehr spannenden Punkt der Entwicklung, der auch mit ein paar Absurditäten verbunden ist. In Deutschland zum Beispiel gibt es, auch meinen eigenen Erfahrungen zufolge, immer noch sehr viele Vorbehalte gegenüber Elektroautos. Es gibt kein Geschwindigkeitslimits auf den Autobahnen, weshalb so ein Auto auch ordentlich WRRRROOOOM machen muss. Elektroautos zählen da nicht. Andererseits ist Deutschland in Sachen Umweltschutz, Mülltrennung usw. erstaunlich weit vorn. Komische Mischung. Aber spätestens die Benzinpreise dürften da nun langsam mal zu einem Umdenken führen. „Kompromissloses Fahren kann ihr Weltbild verändern.“ sagt Volvo dazu und das passt dann wohl auch ganz gut.

Ich bin jedenfalls gespannt wie das alles weiter geht. Und wer sich einen Volvo V60 Plug-In-Hybrid (in der Basisausführung für etwa 56.000€) zulegt, möge mich bitte mal fahren lassen, das hat nämlich ganz schön Spaß gemacht. Bzzzzz Wrrrroooom!

Mehr dazu:
volvocars.de

 

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