Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Punkt auf meiner ToDo-Liste: Heiraten! Das ist grundsätzlich erstmal super und obendrein noch sehr interessant, weil man dadurch in eine vollkommen neue Welt eintaucht, mit der man vorher absolut gar nichts zu tun hatte. Es ist ja an sich schon interessant wenn da alte Traditionen, Familienangelegenheiten, eigene Vorstellungen, jede Menge Fragen und einiges mehr aufeinander treffen. Im Kern ist es etwas sehr schönes, mit jeder Menge Fragen rundherum.

Neulich war ich, pardon – waren wir, zum ersten Mal auf einer Hochzeitsmesse. Lustiger Weise hieß es aber gar nicht Hochzeitsmesse, sondern „Love Circus BASH Wedding Festival“. Da muss man erstmal drauf kommen und es dann auch immer noch ernsthaft gut finden, wenn man es irgendwo zum ersten Mal auf Flyern gedruckt liest. Aber an sich ein schönes Dings mit lauter Ausstellern, die entweder im kleinen Rahmen Sachen mit viel Liebe selber basteln oder als Premiumprofis als Teil der Bezahlung eine vollständig ausgestattete Blutdiamantenmine fordern.

Am erstaunlichsten war für mich jedoch etwas anderes. In einer heteronormativen Gesellschaft ist man es als weißer, großer Mann gewohnt, immer die erste Geige zu spielen. So ziemlich egal was, egal wo. Leider. Bei so einer Hochzeitsmesse bekommt man dann mal mit, wie es eigentlich ist, wenn das nicht so ist. Wenn man höchstens als +1 wahrgenommen wird. So muss es in etwa sein, wenn man als Frau in einem Fußballstadion ist. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass es scheinbar für alle klar ist, dass die Hochzeitsinitiative natürlich von meiner Frau ausgeht. Erst recht die Entscheidung, eine Hochzeitsmesse zu besuchen. Ich wurde dann auch gerne mal belächelt. Frei nach dem Motto „Haha sonntags auf ner Hochzeitsmesse, dabei könntest du doch jetzt Bier trinken und American Gladiators schauen WIE EIN ECHTER MANN!!!!“ Zugegeben, wenn die „American Gladiators“ wieder im Fernsehen laufen würden, hätte mich wohl tatsächlich nichts vom Sofa bekommen. Aber zurück zum Weddingdingsbash.

Es ist wohl auch so ein ungeschriebenes Gesetz, dass sämtliche Entscheidungsgewalt in den Händen der Frau liegt. Wenn einem Visitenkarten und dergleichen übergeben wurden, stand ich dann also gerne Mal daneben wie eine Topfpflanze. Man muss die Frau für sich gewinnen und der Mann zahlt das dann. Meine Güte.

Gestern habe ich mir aus Interesse sogar ein Hochzeitsmagazin gekauft. Selbst da ist das so. Man bekommt 2 Magazine zum Preis von einem. Vorne ganz große das Braut Magazin und hinten klebt dann das Bräutigam Magazin dran, was nicht nur ein Drittel der Seiten hat, sondern auch im Format kleiner ist. Haha! Ich hab noch nicht reingeschaut, aber wahrscheinlich ist das Bräutigam Magazin voller Uhrenwerbung.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum man den Spaß überhaupt mitmacht. Schließlich ist es an sich eine Mischung aus zwei sehr unangenehmen Dingen die da aufeinander treffen:
a) Wahnsinnig alteingesessene Wertevorstellungen und Abläufe. So und nicht anders!
b) Der daraus resultierende Drang, ausbrechen zu wollen und sich doch irgendwie daran halten zu wollen. Bei der Eröffnung des Tanzes passiert auf einmal ein Flashmob wie in diesem einen YouTube Video und selbst der dicke Onkel Heiner macht beim Breakdance mit. So crazy!

Aber zum Glück kann man ja selbst daraus machen was man will. Im Kern ist das schließlich eine wunderbare Sache. Nicht das ich nicht auch ohne könnte, aber ich finde dieses große Geständnis zueinander sehr schön. Und wenn man das auch noch mit seinen Liebsten feiert, ist das doch umso schöner. Wie in fast allem gilt also: Letztlich kommt es drauf an, was man selbst draus macht und wenn man da ohne Rechtfertigungsdrang rangeht, wird es schon irgendwie super. UND AUSSERDEM KANN MAN DANACH VOLL STEUERN SPAREN, OH YEAH!

Je mehr ich darüber nachdenke, umso verrückter finde ich aber diesen Druck der im Allgemeinen aufgebaut wird. Es muss der schönste Tag des Lebens werden! Was für eine schlimme Vorstellung, dass man nach einem Drittel seines Lebens den schönsten Tag des Lebens dann bereits schon hatte! Was passiert, wenn man das zu ernst nimmt, kann man immer in dieser Hochzeitssendung auf Vox nehmen. Es gibt keine Sendung bei der ich mich mehr unangenehm und aufgeregt zugleich fühle. Uah. Nichtsdestotrotz (ich liebe dieses Wort!) sollte natürlich einer der schönsten Tage überhaupt werden. Aber das steht doch eh außer Zweifel. Immer komisch wenn man dann Leute sieht, bei denen das nicht so ist. Die also diesen Zug wirklich voll und ganz mitfahren. Wo die Ringe natürlich ein bestimmtes Preisbudget sprengen müssen und die Hochzeit eher für die Außenwahrnehmung des Paares, als für das Paar selbst gedacht ist gedacht ist. Ronny und Cheyenne können sich in den nächsten 30 Jahren nichts mehr leisten, aber ihre Ringe sind sooo toll und auf ihrer Hochzeit hatten sie Tauben, die Klavier spielen konnten.

Woher diese Herangehensweise wohl kommt? Meine Theorie ist, dass vor allem Leute, die man noch aus Schulzeiten vom Dorf kennt, äußerst anfällig dafür sind. Das mag jetzt wahnsinnig abgehoben klingen, aber ich habe das Gefühl, dass man viel mehr darauf abgeht EINMAL AM SCHÖNSTEN TAG DES LEBENS IM MITTELPUNKT ZU STEHEN UHH JAAAA wenn man das sonst eben nicht tut und seit dem 18. Lebensjahr im gleichen Reihenhaus neben Mutti wohnt.

Aber vielleicht werde ich ja auch noch so. Immerhin war ich vor zehn Jahren schonmal Protagonist in einer „Frank der Weddingplanner“ Ausgabe, in meiner Paraderolle als dümmlicher Cousin, der seine Hose für die Hochzeit vergessen hat. Mal schauen was das alles wird, ich freue mich jedenfalls auf den ganzen Wahnsinn. Den schwierigsten Part hab ich ja immerhin schon hinter mir und die passende Frau gefunden. Ha! Hauptsache es gibt irgendwas mit Monster Trucks.

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