Ich habe Freunde in Norwegen, besuche sie aber viel zu selten. Wo doch jeder weiß, wie schön es dort ist! Umso schöner, dass es neulich endlich mal wieder mit einem Kurzbesuch in Bergen geklappt hat. Gerade bei solchen kurzen Wochenendbesuchen fallen einem viele Kleinigkeiten auf, die ich der Einfachheit halber mal aufgeschrieben habe:

90% der Leute reagieren auf einen Norwegenbesuch mit „Aber da ist doch alles so teuer, nä?!“ oder gleich direkter „MUSSTE ABER BIER MITNEHMEN, DAS IS DA SUPERTEUER!!!“. Zum Glück trinke ich kein Bier und sollte es jemals bei mir so weit sein, dass ich aus Gründen der Ersparnis eine Palette Bier mit zu einem Wochenendausflug nehmen sollte, dann … hmmm … bitte schüttelt mich dann ganz doll. Jedenfalls ein super Thema auch für Norweger. Die lieben es darüber zu reden, wie teuer alles bei ihnen ist. Abgesehen von Restaurantbesuchen ist das übrigens gar nicht sooo schlimm. Lustig hingegen aber ist, dass Deutsche im Allgemeinen in Norwegen das Klischee haben, dass sie nur mit dem Wohnwagen unterwegs sind und alles von Zuhause mitbringen.

Ich habe vorab mit einer App ein klein wenig norwegisch gelernt, machte mir aber langsam Sorgen, weil es in allen Sprachbeispielen mit Bergen darum ging, dass niemand da hin will, weil es andauernd regnet. Und siehe da, bis auf wenige Stunden hat es durchgehend geregnet. An sich nicht weiter schlimm, allerdings macht man sich ja doch seine Gedanken, wenn für Ausstellungszwecke ein Nachbau der Arche Noah im Hafen steht …

Apropos Wetter: Das Schöne an Bergen ist auch, dass man nach 20 Minuten zu Fuß inmitten der Natur steht und bei ein bisschen Nebel und Nieselregen vollends davon überzeugt ist, das jederzeit ein Troll aus einem Gebüsch gepurzelt kommen könnte. Passend dazu gibt es seit einiger Zeit den Film „Trolljegeren“ auch in deutscher Synchro bei Netflix.

So hübsch, friedlich und ruhig wie es in Bergen ist, war es eigentlich die logische Konsequenz, dass die Stadt neben Oslo das Zentrum der Entwicklung der Black-Metal-Szene in den frühen Neunzigern war. Manchmal singen die Möwen leise im Hafen „Darkthrone“. Auch darüber gibt es eine interessante Doku namens „Until the Light Takes Us“ (in voller Länge auf YouTube zu sehen). Sehr interessant, aber mit Vorsicht zu genießen, da alle Aussagen in keinster Weise kommentiert oder reflektiert werden. Sollte man jetzt also nicht unbedingt seinem kleinen Cousin zeigen, könnte sonst sein, dass der Sympathie und Verständnis für rassistische Mörder entwickelt.

Bergen hat ein neues, verrücktes Müllsystem. Auf ein paar Häuser kommen wie gewohnt eine Tonne für jeweils Papier, Altglas und so weiter. Aber das sind keine Tonnen, sondern Öffnungen für einen Schacht. Mit einem Chip kann man die Öffnung ein paar Mal im Monat (je nachdem wieviel man bezahlt) öffnen und den Müll reinwerfen. Der Müll wird dann unterirdisch erst gesammelt und dann per Hochdruck durch ein Rohrsystem in die Müllverbrennungsanlage geschossen. Verrückte, neue Welt!

Apropos verrückte, neue Welt. Bis vor kurzem waren in Bergen Segways verboten. Die rechtsgerichtete Partei im örtlichen Parlament setzte sich dann aber erfolgreich dafür ein, dass sie endlich erlaubt werden.

Weiterhin verboten sind aber Plakatwerbungen. Abgesehen von kulturellen Veranstaltungen wird per Plakat nichts in Bergen beworben. So sieht alles gleich noch mehr nach hübscher, heiler Welt aus.

In Bryggen sieht alles aus wie eine Mischung aus Besuch beim Weihnachtsmann und Wochenende im Heidepark. Ist tatsächlich aber ein UNESCO Weltkulturerbe und ehemaliger Umschlagplatz der Hanse. Die Geschichte dieser kleinen deutschen Siedlung ist durchaus interessant.

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