Jedes Mal, wenn ich (wie so oft viel zu kurz) in meiner Thüringer Heimat bin, nutze ich die Zeit zwischen straff organisierten familiären Plänen, um ein wenig durch den Wald zu laufen. Das gestaltet sich recht einfach, den in der Umgebung gibt es – egal in welche Richtung – nichts anderes als Wald.

Seitdem ich nur noch ein paar Mal im Jahr zu Besuche komme, habe ich das ganze Grün viel mehr zu schätzen gelernt. Alles ist einfach so wunderhübsch hier. Wenn man es in jungen Jahren vor der Nase hat, dann ist es einfach das normalste von der Welt und man sorgt sich eher darüber, dass man 30 Minuten mit dem Auto zum nächsten Mc Donald’s fahren muss.

Wenn ich jetzt die wenige Male im Jahr, die ich hier bin, durch das Unterholz stürze, frage ich mich, wie eine Kindheit ohne überhaupt möglich ist. Also möglich natürlich, aber wie das wohl ist.

Mittlerweile wohne ich in Deutschlands größter Stadt und da ich nun mal auch in dem hippen Bezirk mit den tausenden Kinderwagen wohne (was ich zugegebner Maßen übrigens sehr toll finde), denke ich oft darüber nach, wie so eine Kindheit in der Stadt wohl ist. Ich habe mich schon oft mit Leuten aus meinem Freundeskreis unterhalten, die eine Kindheit in der Stadt hatten, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, wie das wohl ist. Komisch. Ich bin gespannt, was dann passiert, wenn mir meine biologische Uhr Nachwuchs vorsetzt. Ich will doch schließlich in einer Stadt wohnen wo ich alles immer tun und lassen kann. Aber der Nachwuchs?

Herrje, jetzt bin ich ganz schön vom Thema abgekommen. Womöglich, weil ich natürlich überproportional oft über die Fortsetzung meines Familienzweigs ausgefragt werde. Zurück zum Wald.

Jedes Mal wenn ich dort bin, merke ich mir selbst an, wie mich das digitale Wesen in mir nerven kann. Nämlich genau dann, wenn ich bei strömendem über irgendwelche Lichtungen stürze und nicht denke „WOW!“, sondern „WOW! Ichmusssoforteinfotodavonmacheneinenblödenfarbeffektdrüberlegenundesinsinternetzhochladen!“.

Das ändert natürlich nichts daran, dass ich den Moment und die Umgebung sehr genieße, nur habe ich dann viel zu oft das Gefühl, es nur zu 90% zu tun. Andererseits freut es mich dann umso mehr, wenn ich mir später noch einmal die Fotos anschaue und mir so ein nasskalter Sonntagnachmittag wieder in den Sinn kommt.

Dabei höre ich übrigens immer Arcade Fire oder Bon Iver (wie im Bild zu sehen) und bin dabei manchmal auf der Jagd nach Hobbits.

Bisher allerdings – wie auch hier – erfolglos.

Die Musik fügt sich einfach so schön in das ganze Bild, und was mir dabei immer durch den Kopf geht, ein.

Hach.

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