Mein erstes Mal Paris. Um 5 Uhr morgens habe ich mir ein Taxi zum Flughafen bestellt. Über taxi.de kann man das ganz einfach online machen und bekommt dann angezeigt, wo der Fahrer gerade ist. Mich setzt so was furchtbar unter Druck. ICHMUSSDOCHNOCHPACKEN! UNDERKOMMTIMMERNÄHER! Hat aber alles geklappt. Lustigerweise habe ich aber nun, zwei Tage später, die Seite zur Taxibestellung immer noch geöffnet und sehe wo der Taxifahrer umher fährt. Bin immer ganz aufgeregt, wann er den nächsten Kundne bekommt, wenn er länger irgendwo umher steht. Gruselig. Aber zurück zu Paris.

Endlich endlich konnte ich im Flugzeug mal einen Platz am Notausgang ergattern. Einen Platz also, wo meine Beine nicht wie eine Schweizer Taschenmesser zusammen gefaltet werden müssen. Hat man einen solchen Platz, bekommt man noch kurz extra Anweisungen. Ein älterer Flugbegleiter kniete sich auf den Platz vor mir, beugte sich langsam über den Sitz zu mir und sagte: „Schongselalalamosehma Francais?“.

„No?“ sag ich und daraufhin erklärt er mir die Sicherheitsanweisungen auf Englisch. Das tolle dabei ist, er ist dabei über den Sitz ganz nah an mich heran gelehnt und flüstert mir alles zu. Wie ich die Tür raus reißen kann und was ich machen muss wenn es brennt. Er flüstert alles, schüttelt anschließend meine Hand und für den Rest des Fluges fühle ich mich wie ein Geheimagent. Aber zurück zu Paris.

Ich bin großer Freund von Klischees. Erst recht auf Landesebene. Das erste Häkchen durfte ich setzen, als bei Air France während des FLugs kleine Crossaints gereicht wurden. Das zweite, als ich den geschwungenen Schnurrbart des Air France Busfahrers erkennen konnte. Zuvor wurde per Ansage während des Flugs mit französischem Akzent noch darum gebeten, „schwere Gebäckstücke in den dafür vorgesehenen Bereichen zu verstauen.“ Ich stellte mir vor, wie die Stewardessen danach riesige Crossaints bringen. Riesige, richtig schwere Crossaints. Aber zurück zu Paris.

Ich dachte ja, wenn man in Paris ankommt, ist alles schön. Es gibt Riesenräder, Akkordeons, Zuckerwatte und überall verliebte. Stattdessen ist es ein großes Durcheinander, es ist dreckig, riecht nach diversen Körperflüssigkeiten und alles ist ein bisschen so, wie „Grey Britain“ von Gallows klingt. Kein wirklich guter erster Eindruck, glücklicherweise änderte sich das dann aber noch ein wenig.

Dennoch bin ich immer noch begeistert über die Tatsache, dass man vom Flughafen direkt nach Disneyland fahren konnte. Wie toll das auf dem Liniennetz der Bahn aussah. Nächster Halt – Disneyland. Hach. Leider war ich nicht dort.

Warum ich jetzt genau in Paris für einen Kurzbesuch war, erkläre ich nächste Woche noch einmal genauer. Wirklich viel Zeit hatte ich jedenfalls nicht und musste deshalb alles umso schneller machen. Womöglich sind meine Eindrücke deshalb vollkommen verzerrt, klischeebehaftet und durcheinander. Da das aber immer so ist, macht das ja eigentlich nichts.

Ich mag es sehr, dass man in Paris rumlaufen kann und ständig auf irgendwelche Dinge, die einem bekannt vorkommen, weil es dort einfach so viel davon gibt. So was zum Beispiel:

Ob es die Stadt der Verliebten ist, weiss ich allerdings nicht. Ich würde sagen, eher die Stadt der Langzeitbeziehung. Also, wenn es schon etwas ruppiger zu geht. So viele hübsche, alte Dinge es dort zu sehen gibt, glaube ich, kann man einen sehr schönen Liebesurlaub dort machen. Hat man aaaaallerdings eine Partnerin oder einen Partner die/der dazu neigt, sich über Dinge aufzuregen, könnte so ein Paris Urlaub zum schlimmsten Urlaub überhaupt werden.

Natürlich ist das nur einen Momentaufnahme, aber die Berliner Unfreundlichkeit wirkt gegen die französische Unfreundlichkeit aus Paris schon sehr sehr herzlich. Erst recht in Taxis. Ich hasse es, wenn ich mich unangenehm für einen Dienst fühle, für den ich auch noch bezahle. Also das man im Endeffekt ein schlechtes Gewissen hat, den Taxi Fahrer gestört zu haben, obwohl das doch sein Job ist und man dafür bezahlt.

Aber ähm, es ist sehr schön in Paris. Nicht nur hübsche alte Sachen kann man sehen, sondern auch tolle neue. Genau so etwas hier habe ich mir nämlich schon sehr lange vorgestellt und denke (und hoffe) das in 20 Jahren ein beachtlicher Teil von Häuserfassaden genau so aussehen wird:

Es ist ein bisschen schade zu sehen, wie sich eine Nation (Immerhin habe ich versucht mit mindestens 3 Leuten zu reden, das reicht doch statistisch oder?) scheinbar dagegen wehrt, ein bisschen mehr Internationalität in Form von Englisch anzunehmen. Oder täusche ich mich jetzt da nur? Natürlich finde ich es albern, wenn jemand darauf besteht, im tiefsten Spanien sein Wiener Schnitzel auf Deutsch zu bestellen. Aber ich dachte so langsam aber sicher hätte man sich mal auf dieses Englisch geeinigt. So der Einfachheit halber.

Allerdings fand ich es auch irgendwie schön, nichts zu verstehen. Überall nur „nooschnoodelomonogoo soomornoo alloo nonono sebooomonorolodo“. In Etwa. Ich kann ungefähr anderthalb Wörter französisch und habe mich in der Schule für Latein entschieden. Warum auch immer. Vielleicht fahre ich ja mal nach Lateinien in den Urlaub. Wobei ich Latein genau so gut kann, wie französisch. Irgendwie macht es Spaß, sich zusammen zu reimen, was manche Dinge wohl bedeuten und die Freude darüber, manchmal richtig zu liegen. Und noch schöner ist es, dass man gezwungen ist, anders auf Menschen zu zugehen. Man muss von Anfang an viel offener und herzlicher sein, wenn man dann mit Händen versucht zu erklären, was man denn gerne hätte.

Was ich allerdings nicht verstanden habe, war das Wetter in Paris. So eine Arte Tourette nur mit Regen. Auf einmal steht alles unter Wasser für eine halbe Stunde, dann ist wieder gut und dann geht es wieder von vorne los. Fehlen nur noch Kolibris und Bananen.

Ich komme gerne wieder, liebes Paris, befürchte aber, dass man mich nicht lassen wird, da ich das hier gemacht habe:

Aber es war so toll! Bei Nieselregen um den Eiffelturm spazieren und dabei Yann Tiersen hören. Ein Glück, dass ich dabei nicht vom auswärtigen Amt festgenommen wurde. Wenn ihr da in Paris jetzt alle noch einen Tick netter werdet, komme ich sogar noch lieber wieder.

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