Noch mal so viel wie bis jetzt,ein bisschen obendrauf und schon bin ich Rentner! Vielleicht liegt daran, dass ich mich in den letzten Jahren immer dabei erwischt habe, zum Jahresende schweißnasse Hände bekommen habe und dachte „Huch, was waren denn jetzt die wirklich guten Platten des Jahres?!“ Bisher ging es immer, aber Ende 2015 war es beinahe aussichtslos. Bin ich etwa schon Musikrentner, der immer den gleichen Alten Kram hört und bei neuen Releases nur kritisch die Augenbraue hoch zieht? Und das in Zeiten, wo es so einfach war wie noch nie, neue Musik für sich zu entdecken? Oder war das Musikjahr 2015 einfach wirklich so enttäuschend und leer für mich?

Oder liegt es daran, dass Rockmusik scheinbar eine immer kleinere Bedeutung bekommt? Zumindest lässt mich dieser Gedanke seit diesem Essay von Danko Jones nicht mehr los. Gegen Ende des Jahres habe ich mal in die 100 aktuell am meisten gestreamten Songs geschaut. Natürlich war es nur eine Momentaufnahme, aber nicht ein Song war ein Rock-Song und es waren allerhöchstens 4 von 100 Songs in denen eine Gitarre merklich zu vernehmen war. Wenn sich Geschichte wiederholt ja eigentlich ein gemachtes Beet für Grunge.

So sehr ich letztlich auch überlegte und mich noch einmal durchhörte, für mich war (bis auf wenige Ausnahmen) 2015 einfach kein gutes Musikjahr. Und was macht man in solchen Momenten als Musikrentner? Richtig, man blickt wohlwollend zurück, schließlich war früher alles besser. Erst recht vor 10 Jahren, als vor allem der Indie-Rock-Abschlussjahrgang brillierte. Zum Beweis die Top 30 der Visions-Lesercharts 2005, welche sich aus heutiger Sicht wie eine Hall of Fame lesen:

Mando Diao – Hurricane Bar
System of a Down – Mezmerize
Bloc Party – Silent Alarm
… And You Will Know Us by the Trail of Dead – Worlds Apart
Maxïmo Park – A Certain Trigger
Dredg – Cath Without Arms
Foo Fighters – In Your Honour
Franz Ferdinand – You Could Have It So Much Better
Queens of the Stone Age – Lullabies To Paralyze
Kettcar – Von Spatzen und Tauben
Bright Eyes – I’m Wide Awake It’s Morning
The Mars Volta – Frances the Mute
Arcade Fire – Funeral
Nine Inch Nails – With Teeth
Kaiser Chiefs – Employment
Art Brut – Bang Bang Rock & Roll
Coldplay – X&Y
Babyshambles – Down In Albion
Coheed And Cambria – Good Apollo
System of a Down – Hypnotize
My Chemical Romance – Three Cheers For Sweet Revenge
Madsen – Madsen
The White Stripes – Get Behind Me Satan
Muff Potter – Von wegen
Turbonegro – Party Animals
Sigur Rós – Takk
Oasis – Don’t Believe the Truth
Hard-Fi – Stars of CCTV
Bright Eyes – Digital Ash In a Digital Urn
Tocotronic – Pure Vernunft darf niemals siegen

Für eine extra Portion in Erinnerungen schwelgen hab ich daraus mal eine Playlist gebaut:

Oder sieht das einfach nur aus der Zukunft so wahnsinnig gut aus und 2025 werde ich davon schwärmen wie großartig 2015 war? Die verschiedene Wahrnehmung von Musik über die Jahre ist jedenfalls ziemlich interessant. Bei Deezer hat man dafür nicht nur 10 sondern gleich 20 Jahre zurück geschaut und dabei gemerkt, dass einige One-Hit-Wonder heutzutage in Sachen Streaming viel erfolgreicher sind als damals in den Charts. Oder ganz einfach gesagt: Coolio war in den deutschen Jahrescharts gerade mal auf Platz 17 ist heute aber der unangefochten meistgestreamte Song aus diesem Jahr. Heißt das jetzt, Gangster denken noch lieber an damals™?
Interessante Statistik jedenfalls:

Kann man sich auch als Playlist anhören (Falls man sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat und tierisch Lust hat, „Lemon Tree“ zu hören.)

Aber genug zur Vergangenheit, ich muss jetzt das neue Turbostaat Album hören, damit 2016 ein gutes Musikjahr wird.

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