Ding! Ding! Ding! Ich habe erfolgreich die 1000km Marke meiner Testfahrerei geknackt! Nach 1000km Berliner Stadtverkehr habe ich folgende Dinge festgestellt:

  • Wäre der Berliner Straßenverkehr, sagen wir mal, ein Dschungel, dann würde sich das Tierreich innerhalb kürzester Zeit versammeln und festlegen, dass man die Spezies der Taxifahrer irgendeiner Gottheit an einer Klippe opfert. Alles was sich an dunkler Materie im Straßenverkehr befindet, tritt in gebündelter Form in cremefarbenen Mercedes Benz mit schwarzen Ledersitzen auf. Wahnsinn!
  • Ich habe meine Vorliebe zu lokalen Oldie-Radiosendern wiedergefunden. Irgendwo läuft immer ABBA! Und was erstaunlich ist: Wenn man eine Zeit lang Oldie-Radio hört, denkt man irgendwann wirklich, dass es derzeit nichts wichtigeres als Spargel gibt.
  • Woah, Fahrradfahrer! Als Autofahrer merkt man ja gleich noch viel mehr, wie schlimm es zum Teil im Berliner Straßenverkehr um Fahrradfahrer bestellt ist. Es gibt so viele Ecken, wo man nahezu gezwungen ist, sich mies gegenüber Fahrradfahrern zu verhalten Und, ach ja, ich hab das vorher auch nur bedingt ernst genommen aber: Licht anmachen! Sonst kann das schnell lebensgefährlich werden.

Ich glaube wirklich, dass sich nahezu alle dunklen Seiten einer Gesellschaft im Straßenverkehr widerspiegeln. So viel wie da statt Rücksicht und Einsicht lieber geschimpft und gehupt wird. Uah! Aber zurück zum Auto, denn mit so was habe ich ja gar nichts zu tun. Ich bin womöglich viel zu nett für Berlins Straßen.

Meine Testphase ist jetzt etwa in der Hälfte angekommen und seit dem ersten Tag, erkläre ich nun beinahe täglich wieschnellfährtderdennwieweitfährtderkannderüberhauptfahrenistdaseinrichtigesautowielädtmandenauf? Jeden Tag! Immer wieder die gleichen Fragen! Cleverer Move, Nissan. Um mich selbst dabei bei Laune zu halten, habe ich in letzter Zeit damit angefangen, ab und zu noch ein paar Fehl- oder zumindest noch nicht ausprobierte Informationen zu streuen. Das läuft dann immer auf irgendwas mit Weltraumtechnik hinaus und ich sage dann solche Sachen wie, dass das Auto eigentlich zum Fliegen konzipiert wurde. Das Tolle ist nämlich: Weil das Auto aus der Zukunft kommt, wird einem darüber gleich viel mehr geglaubt.

Was ich aber auch gemerkt habe: Keine Information über dieses Auto ist so begeisternd, wie das Startgeräusch, wenn man den Power Button drückt. Wenn es nach mir ginge, hätte man hier gerne, den Startsound der Playstation 1 integrieren können, immerhin der beste Startsound der Welt. Aber der vom Nissan Leaf ist auch nicht schlecht. Bum bum bumbum und schon sind alle Fahrgäste auf Zukunft eingestellt.

Der nächste große Bringer in meiner Odyssee von Erklärungen, ist das Fahrgeräusch des Autos. Also das nicht vorhandene Geräusch sozusagen. Umso mehr muss man dann aber auch auf Fußgänger und Fahrradfahrer aufpassen. Es ist mir jetzt schon 2 Mal in einer kleinen Gasse passiert, dass Fußgänger einfach vor mir auf der Straße stehen geblieben sind, weil sie dachten, ich hätte den Motor aus und würde da jetzt parken. Ähm ja. Ich parke jetzt hier. Einfach so. Mitten auf der Straße. PLATZ DA! BZZZZZZZZZZZ!

Ich habe mich auch dabei erwischt, wie ich mich manchmal zu etwas rasanter Fahrerei hinreissen lasse. Und zwar dann, wenn Leute im Auto neben mir an der Ampel die „Hallo ich bin ein Elektroauto, guck mal!“ Informationen an der Seite des Autos lesen und dabei amüsiert/abfällig/kritisch bis verächtlich gucken. (Und das, obwohl in deren Autos meist sehr laute elektronische Musik läuft – warum also die Elektro-Missbilligung? Haha.) Bzzzzzzzz bin ich weg. Das ist zugegebener Maßen auch ein bisschen unfair, denn ich weiß gar nicht wie viel besser ein Auto mit Benzin und Co ausgestattet sein muss, um da mit zu halten. Die Beschleunigung macht beim Nissan Leaf wirklich großen Spaß und ich würde damit auch gerne mal Rennen fahren. Aber dann auch nur auf einer geraden Strecke. Ach ja, ich würde natürlich nie super rasant oder so mit meinem Auto davon düsen, schließlich habe ich das ja so in meinem Leihvertrag unterschrieben. Ich hab mir das alles nur vorgestellt.

Zurück zu meinem Dasein als Ritter aus der Zukunft. Ich habe bei mir in der Nachbarschaft langsam ein Muster erkannt: Alle Ladesäulen befinden sich gegenüber von oder direkt vor Bars und Cafés. Wenn es nun immer bessere Temperaturen werden, sitzen da am Abend jede Menge Leute dafür und ich erscheine da jedes Mal wie ein Zauberer, wenn ich mein leuchtorangenes Kabel aus dem Kofferraum auspacke um aufzuladen. Vielleicht sollte ich mir wirklich noch einen Zylinder anschaffen und total komische Handbewegungen machen, bevor ich den Ladestecker ins auto Stecke und dann in einer Rauchwolke verschwinden. Alles Zauberei! „Fährt der mit Strom?“ Nein, mit Ahornsirup. Aus der Ladesäule kommt Ahornsirup. Erstaunlich oft entstehen rundherum aber kleine Gespräche, ist eben doch etwas sehr besonderes, so ein Elektroauto. Oder vielleicht doch Ahornsirupauto?

Wer weiss schon, was in den Ladesäulen wirklich drin ist. In der Zwischenzeit habe ich übrigens gelernt, dass aus allen Ladesäulen von RWE (die mit Nissan kooperieren) nur Strom aus erneuerbaren Energien fließt. Das ist sehr sehr löblich, denn nur so macht der Einsatz von Elektroautos auch wirklich Sinn. Allerdings leider nur ein kleiner Anfang, denn RWE ist der größte CO2-Emittent Europas und für ein Sechstel aller CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich. Da geht noch was, meine Damen und Herren.

Meine Ladeverhalten habe ich übrigens auch ab und zu ein wenig geändert. Statt über Nacht komplett zu laden, mache ich das einfach zwischendurch, wenn ich gerade irgendwo bin. Das hat dann den Nebeneffekt, dass man sich zum Beispiel einreden kann, man hätte mit Tanzen Energie erzeugt, wenn man nach 5 Stunden aus einem Club kommt und das Auto wieder komplett aufgeladen ist. Ausserdem ist es bei der Parkplatzsuche sehr praktisch, dass sich neben den Ladesäulen immer 2 Parkplätze befinden, wo ausschließlich Elektrofahrzeuge zum Ladevorgang parken dürfen.

Neulich erging es mir allerdings so, dass nichts funktionierte. Denn all die Vorab-Organisation nutzt nichts, wenn man von zu vielen Faktoren abhängig ist.

Ich bin nach Summt gefahren. Ich finde, wenn man ein Elektroauto hat, macht es total Sinn in einen Ort zu fahren, der „Summt“ heisst. BzzzzzzzzzZZzZzz! Eigentlich aber noch eher, weil er kurz vor Berlin liegt und dort ein wunderbarer See ist. Perfekt für einen kleinen Wochenendausflug, bei dem man auch mal die Autobahn ausprobieren kann.

Zur Autobahn: Bei BzzzZzZzZZzz nach Summt, hat mich der Leaf ganz schön überrascht. Wenn man denn kann und will, fährt er sehr schnell sehr schnell. Ich hätte nicht gedacht, dass das derart gut funktioniert. Ehe man sich versieht hat man 100km/h und ehe man sich noch mal versieht, merkt man, dass der digitale Tacho bei 159 km/h aufhört. Da steht das Elektroauto dem herkömmlichen also in nichts nach. Aaaaaaaaaber … wenn man es Geschwindigkeitstechnisch gleich so auf die Spitze treibt, ist der Verbrauch absurd hoch. Auf 5 Kilometern verbraucht man da schon mal eigentliche 30 Kilometer Reichweite. Also: Immer schön vorsichtig fahren. (Ein Vorteil nebenbei übrigens: Auch auf der Autobahn ist es ruhig im Auto und man kann bestens Musik hören.)

In Summt war es aber so schön, dass ich an einem anderen Wochenende mit Freunden noch einmal dort hinfahren wollte. Nur musste das Auto zuvor aufgeladen werden. Über Nacht wollte ich es aber nicht an einer der Ladestationen stehen lassen schon gar nicht am 1. Mai vor irgendwelchen Bars. „Oh, ein Stecker, was passiert, wenn man den zieht?“ Das ist doch viel zu verlockend.

Mein Alternativplan war es dann, das Auto nachts irgendwo sicher zu parken, es am Morgen an die Ladesäule zu stecken und am Nachmittag auf- und vollgeladen nach Summt zu summen. Neeeeek – Fehlanzeige. Leider werden die Halteverbotsplätze vor Ladesäulen nicht ernst genommen. Schon gar nicht an Feiertagen wo keine Kontrolleure unterwegs sind. Würde man einen Sonntag lang vor den Zapfsäulen einer Tankstelle parken, hätte man wohl circa nach 20 Sekunden ein mittelgroßes Problem und nach 40 Sekunden kein Auto mehr.

Bei elektrischen Zapfsäulen ist das noch etwas anders. Ist ja auch irgendwie klar. Schließlich gibt es, neben eifrigen Carsharing-Unternehmen, in Berlin bisher gefühlt in etwa so viele Elekrofahrzeuge wie Erstliga-Fußballvereine. Trotzdem ist es tierisch asozial, sich vor eine Ladestation zu stellen. Schließlich gibt es Menschen, wie mich zum Beispiel, die darauf angewiesen sind. Die kleinen Ladesäulen kann man leicht übersehen, nicht aber die Halteverbotsschilder daneben. Die haben sogar noch ein Schild drunter, auf das ein kleines Elektroauto gezeichnet ist!

So fuhr ich umher auf der Suche nach Strom und alle 3 Ladesäulen in meiner Nähe waren zugeparkt. Jeweils beide Parkplätze, während mein Ladestand dem einstelligen Bereich immer näher kam. Schönen dank auch. Aber dann mein Geistesblitz: Die Schnellladestation! Dafür musste ich zwar einmal durch die ganze Stadt fahren, machte aber nichts, weil da könnte ich ja superschnell aufladen und wäre immer noch im Zeitplan, obwohl ich schon seit 2 Stunden versuche, Strom in mein Auto zu bekommen.

Angekommen am Innovationszentrum musste ich feststellen, dass die Schnelladestation ebenfalls zugeparkt war. Das Auto was da stand, nutzte die Ladestation nicht und stand da einfach nur so übers Wochenende. Ziemlich smarter Move vom Innovationszentrum also, die Techniken, die man voran treiben möchte einfach mal zu blockieren und somit nicht nutzbar zu machen. Hoarr! Ich hoffe auf der riesigen Baustelle des Innovationszentrums wird künftig auch ein Mitdenkerzentrum gebaut, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Hihi.

Das war es dann auch für meine Tagesplanung und es hatte sich ausgesummt. Eine Ladestation in der Nachbarschaft war dann zwar wieder freigeparkt, aber das Aufladen hätte zu lange gedauert, so wurde es dann eben doch nur der Park in der Nähe.

Und das ist halt auch eine der Achillesversen die neue Entwicklungen wie Elektroautos so an sich haben. Man muss vorab viel organisieren und ist dann auch noch auf viel angewiesen. Ich musste mir Gedanken machen, wann und wo ich wie viele Stunden auflade, konnte das letztendlich aber gar nicht, da die Ladesäulen nicht benutzbar waren. Im Endeffekt war ich einen halben Tag für nix unterwegs, dabei hätte es doch auch so einfach sein können.

Was ich aber auch, vor allem in meinem neuen Dienst als Taxifahrer im Freundeskreis, gelernt habe: Sollte man irgendwann keine Lust mehr haben, kann man auch die Sitze umklappen und ein Fahrrad überall mit hinnehmen. Das passt da wirklich rein! Und letztendlich ist Fahrrad fahren ja auch besser als irgendein Auto je sein wird.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Es fühlt sich noch mehr nach Zukunft an, wenn man „The Avengers“ guckt und danach Elektroauto fährt.