Vor einigen Jahren hatte ich mal mit einer aufstrebenden Skatepunk Band zu tun. Für die war es damals ein sehr prägendes Erlebnis, in den USA gewesen zu sein. Denn wie sie sagten, war das Skateboard fahren dort eine viel größere Auflehnung gegen alles, weil es einfach nahezu überall verboten war und man sich stets vor Cops in Acht nehmen musste.

Da ich es mir größtenteils abgewöhnt habe, vor Kinobesuchen Trailer zu schauen und mich groß zu informieren (der besseren Unterhaltung wegen), hatte ich vorher von „This Ain’t California“ eine ähnliche Erwartung. Skateboarder in der DDR – womöglich also Auflehnung pur und ein paar verwackelte Super-8 Kamerabilder von selbst gebastelteten Boards, hübsch aneinander geschnitten. Eben nett zum zwischendurch mal schauen. Kam dann aber sehr anders.

Dennis stirbt 2011 bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Sein Tod ist der Grund, warum sich all seine Jugendfreunde nach Jahren wiedertreffen und von damals erzählen. Zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung verloren sich ihre Wege und ausgerechnet der schlimmste aller Anlässe bringt sie wieder zusammen.

Genau das macht die Geschichten von Anfang an aber auch umso emotionaler und lebhafter. Alles beginnt Anfang der 80er in Magdeburg mit den drei Jungs Dirk, Nico und Jens. Sie machen sich einen Spaß daraus, eigene Rollbretter zu bauen und versuchen die Betonwüste rund um ihre Plattenbausiedlung neu zu interpretieren.

Der Vater von einem der Jungs hatte glücklicherweise eine Kamera und bekam auf wundersame Art und Weise jede Menge Filmbänder. Weshalb es nicht nur ein paar wackelige halbwegs ansehnliche Skateaufnahmen gibt, sondern eine umfangreiche Sammlung an einzigarten Aufnahmen der Reise der drei Jungs, die an diesem Punkt beginnt und zahlreiche Wendungen bekommt. Und wenn es mal keine Kameraufnahmen gibt, wird mit großartigen Illustrationen weitererzählt.

Statt, wie ich dachte, seichter Unterhaltung von damals, bekommt man einen wunderbaren Film voller Herzblut. Und um Auflehnung ging es schon gleich gar nicht. Ich mag den Ausdruck, dass man einfach versuchte, die Betonwüsten Magedburgs und Berlins für sich umzuinterpretieren und das nicht als Aufstand sondern einfach deshalb, weil man durch das Skateboard fahren das Kind in sich behält. Dennoch passte Skateboard fahren natürlich nicht in ein System wie die DDR. Ganz einfach deshalb, weil es dabei kein genau festgelegtes Ziel gibt. Man macht es einfach und es passiert. So wie die Geschichte dieses Films mit all ihren Wendungen.

Hier der Trailer der – Vorsicht – 90% der Grundgeschichte erzählt, dafür aber auch für erheblich Gänsehaut sorgt:

Also eine Empfehlung aus tiefstem Herzen: Angucken! Läuft allerdings leider nicht mehr lange und nur noch äußerst selten aber bald gibt es ja dann auch DVD und Fernsehen.

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