Gerade scheint wieder eine erhöhte Klassenfahrtdichte zu herrschen. Seit mehreren Tagen teile ich mir regelmäßig den U-Bahn-Wagon mit ganzen Schulklassen. Das ist zwar anstrengend, weil es sehr viel enger ist und alles nach Axe oder Vanille riecht, aber ebenso interessant ist es auch. Ich mag es mir durch bloße Beobachtungen das soziale Gefüge einer Schulklasse auszumalen.

Wer sind die Looser, wer sind die Sporthonks, wer sind die Anführermädchen und – neu! – wer sind die Hypsterstyler? Letztere sind noch nicht mal volljährig, tragen aber spitze Lederslipper und Hemden in der Schule. Hahaha! Und überhaupt: Dieses Markending wird ja auch von Generation zu Generation schlimmer. Erst Recht durch Smartphones. Die Kids verschicken Emojis mit Geräten, die teuerer sind als mein gesamter Besitz bis zum 21. Lebensjahr! Opa Herm erzählt vom Krieg.

Zu Klassenfahrten waren wir innerhalb Deutschlands nie in Großstädten. Wahrscheinlich besser so, dass hätte uns Dorfkids vollends überfordert und alle hätten sich Hasch gespritzt und Heroin geraucht. Oder so. Einmal waren wir für einen Tag in Pirna und es fühlte sich an wie die große, weite Welt.

Deshalb finde ich es immer spannend Schulklassen dabei zu beobachten, wie sie Berlin wahrnehmen und was sie außer Primark so machen in der Stadt. Heute Morgen fuhr zum Beispiel eine ganze Klasse unter der Leitung von zwei Lehrerinnen zum Kottbusser Tor. Warum in aller Welt tut man das? Auf Teenager aufpassen am Kotti – Ich kann mir nur wenig Schlimmeres vorstellen. Höchstens vielleicht auf brennende Teenager am Kotti aufpassen. Aber vielleicht waren sie ja auch für den Sozialkundeunterricht dort. Oder die Schüler/innen hatten es sich am Vorabend verdient, direkt nach dem Frühstück erstmal von wildfremden Menschen bepöbelt zu werden.

Äußerst unterhaltsam war eine weitere Klasse in meiner Bahn auf dem Heimweg. Ich hörte raus, dass es jetzt zum Abendessen geht. Und zwar in eine Pizzeria und jede/r darf für 15€ essen. Genauer gesagt zu „I Due Foni“. Ein durchaus bekannter Laden, mit 3 Bekanntheitsmerkmalen:
1) Es gibt dort sehr gute Pizza
2) Diverse Punkbands haben sich auf den Wänden dort verewigt
3) Als Mann wird man in 9 von 10 Fällen furchtbar unfreundlich bedient

Lustig jedenfalls: Einen Augenblick nachdem der Name fiel, meldete sich direkt ein Junge der schwäbischen Schulklasse zu Wort. „Ja abor der Salat soll net so gud sei.“ Alle nickten anerkennend und berieten sich, was sie nehmen würden. Hahaha, die sind auf Klassenfahrt hier und gucken selbstverständlich in die Yelp-Bewertungen. Hallo Zukunft!

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