Endspiele sind immer etwas ganz Besonderes. Eigene Regeln und so. Aber das es gleich derart besonders werden würde, konnte ja niemand auch nur ansatzweise erahnen. Und das schon VOR dem eigentlichen Spiel. Eine Zusammenfassung des vielleicht unangenehmsten Fußballvorspiels seit langer langer Zeit …

Äußerst geordnete Ultra-Gruppierungen scheinen sich dem Wembley Stadion auf einer spiegelglatten Oberfläche zu nähern:

Schach, oho oho. Erhofft man sich für Wembley etwa ein ermüdendes Rasenschachfinale mit blödem 1:0 Siegtor nach gefühlten 183 Minuten?

Licht schimmert langsam ins Dunkle. Das Schachbrett scheint nur eine Metapher für die feinfaserige Kriegsdiplomatie von Lord Breitner zu sein.

Warum das alles? Nutzt Lord Breitner diese Bühne für hunderten Millionen Zuschauern, um dem Kommunismus ungeahnten Aufschwung zu geben? Nein! Sein ärgster Widersacher Sir Ricken ist am Kriegsschauplatz angelangt um Lord Breitner die Stirn zu bieten. Im Gegensatz zum eisernen Blick seines Kontrahenten gibt er sich betont locker. Lauscht nebenbei „Like Ice In The Sunshine“ auf seinem Walkman und hat den weisen Daniel-San zur Unterstützung mitgebracht.

Während Sir Ricken nicht so recht weiß, was er dort eigentlich gerade tut, verneigt sich Lord Breitner ein letztes Mal vorm wilden Degengefecht.

Doch plötzlich verlassen beide wieder den Platz. War es das schon? Wäre das Champions League Finale 2013 bereits jetzt zu Ende – Niemand hätte das Recht sich zu beschweren! Aber nein, es scheint, als wäre dies erst der erste Schritt auf dem kilometerlangen Weg zu einer geschichtsträchtigen Schlacht. Ein Trompetenmann kündigt Neues an.

Sehr böse, mittelalterliche Krieger der technischen Fakultät der Universität Dortmund strömen nun auf das Feld.

Sie sind derart böse, dass sogar die LED-Werbewände des Stadions in Flammen aufgegangen sind. WAS GEHT HIER VOR SICH?!

Als entsprechendes Gegenstück sind aus München (ebenfalls grimmige) Mechatroniker angereist:

An dieser Stelle des Abends sagt Béla Réthy: „Das ist schon so gedacht, glaube ich, von den Organisatoren.“ Auf dem Spielfeld haben sich Bogenschützen auf beiden Seiten aufgereiht. Sie schießen ihre Pfeile Nacheinander quer über den Platz verteilt ins Nichts. Weder Sir Ricken noch Lord Breitner dürften über eine derart lasche Kampfmoral erfreut sein.

Béla Réthy: „Es waren immer intensive Duelle, allerdings ohne Waffen.“ Daraufhin ruft die Anhängerschaft der Technischen Falkultät sehr laut vor einem Meer aus Flammen.

Die Mechatroniker-Gewerkschaft aus München setzt dem ein lautes „Haaa!“ entgegen. Im Hintergrund erleiden zwei Männer Verbrennungen fünften grades. Eines der vielen hässlichen Gesichter des Krieges.

Beide Parteien nähern sich dem Mittelkreis. Es wird ernst. Sehr ernst.

Béla Réthy interpretiert in diese Ansicht derweil hinein, dass das Spiel im Mittelfeld entschieden wird.

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Ritter eilen herbei! Nicht alle von ihnen können etwas sehen.

Doch die Ritter kämpfen nicht. Stattdessen reihen sie sich um den Mittelkreis und lassen den jeweils Stärksten aus den eigenen Reihen zum wahrscheinlich alles entscheidenden Kampf antreten. Dem FC Bayern scheint auch hier ein wahrer Transfer Coup gelungen zu sein, denn niemand geringeres als Shaquille O’Neal zückt für die Münchner das Schwert.

Nach einem Schwertkampf in unvergleichlicher Dynamik einigt man sich nach 7 Sekunden auf Unentschieden. Man spürt förmlich, wie die Druckmaschinen der Geschichtsbücher rund um den Globus anspringen.

Nachdem die Ritter den Schauplatz verließen, stürmten plötzlich die Informatik-Studenten und Mechatroniker aufeinander zu. Was passiert jetzt?!

Leider wird genau währenddessen zum ersten Mal in den Spielertunnel geschaltet. Ich frage mich ganz ehrlich, warum die Regie hier ein derart schönes wie aufregendes Event mit Füßen zu treten scheint. Wer will die Spieler im Tunnel sehen, wenn auf dem Platz gerade ein ritterliches Spektakel herrscht?! Traurig.

Fassungslose 20 Sekunden wird gezeigt, wie sich Fußballer in den Katakomben abklatschen. (Langweilig!) Keine Ahnung was in der zwischenzeit alles passiert ist, aber mittlerweile hat man sich im Ring der Verdammnis aufgestellt.

Während die Krieger am Mittelkreis gemeinsam friedlich trommeln, werden die Wappen beider Vereine aufgezogen. Scheinbar hat die Unvernunft gewonnen und man zeigt nun doch noch etwas mit Fußball.

Lord Breitner und Sir Ricken tauchen wieder auf. Sichtlich unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Schlacht bringen sie widerwillig einen sehr großen Zinnbecher zum Ort des Geschehens. Jetzt muss alles wohl doch fußballerisch gelöst werden.

(Bonusfact: So ein mechanisches Pferd, wie hier im Hintergrund, gibt es auch bei jedem Konzert der aktuellen Lady Gaga Tour)

Keine Ahnung was da in der Planung wohl vorgefallen sein muss. Ich denke mal, der englische Fußballverband hat sich das Champions League Finale zur 150 Jahrfeier anders vorgestellt, war erbost und hat sich dann so etwas ausgedacht. Insofern kann man also froh sein, dass wenigstens nichts mit Adolf kam. Andererseits spielte sich der absurdeste Moment erst weit nach dem Spiel ab. Auf der Spieler“Party“ des BVB gab es ein exklusives Helene Fischer Konzert. Wer hat das nach einer solchen Niederlage verdient?

Andererseits finde ich es noch viel bedenklicher, dass Helene Fischer ja schon im Voraus gebucht wurde um auch bei einem Sieg ordentlich Stimmung zu machen. Man stelle sich das vor: Ein Jahrhundertsieg und dann Helene Fischer auf der Bühne? So blieb mir am Ende nur die Frage: Ist meine Idealvorstellung von Profifußballern mittlerweile etwa schon derart von der Realität entfernt? Und was wurde aus Lord Breitner und Sir Ricken? Wie wird die Sage weitergehen? Werden Mario Götze und Marco Reus auch bei getrennten Vereinen weiterhin ihre Mütze doof tragen? Fragen über Fragen.

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