Manchmal (also immer dann, wenn ich eigentlich keine Zeit habe und wichtige Dinge tun sollte) fange ich damit an, zu schauen, was eigentlich die Wrestler von damals machen.

Es gibt ja kaum bessere Themen für das soziale Umfeld. Fußball eignet sich immer um in’s Gespräch zu kommen. Und danach kann man über Wrestling von damals reden. Denn diese beiden Dinge haben erstaunlich viele Menschen in ihren Interessengebieten. Und allen geht es beinahe ähnlich.

Damals in den 90ern hat man Wrestling meist heimlich geguckt, schaut eventuell heute noch manchmal rein und kann sich absolut nicht erklären, was die kindliche Faszination daran ausgemacht hat. Wobei – natürlich kann man das. Gut und Böse sind da in allen plakativen Formen, es ist stets aufregend und für eine Seite entscheidet man sich eben. Im Nachhinein kann ich allerdings die Ratlosigkeit meiner Eltern schon verstehen. Da sind halbnackte muskelbepackte Männer die sich eingeölt durch die gegend werfen. Zudem ist es mit dem damals häufig zu sehenden Steroidmissbrauch höchst unsportlich, sexistisch und gewaltverherrlichend in Reinform. ABER ES IST DOCH SO TOLL! Vielleicht ja auch gerade deshalb. Immer wieder interessant jedenfalls, diese „Soap am Ring“.

Einer der wenigen Athleten, denen man auch nach ihrer großen aktiven Karriere noch Gehör schenken kann is Bret „Hitman“ Hart. Er war damals einer der Großen (und meiner liebsten) und ist es deshalb natürlich auch heute noch. Auf einem dicken Fundament aus Nostalgie. Seine Biografie ist sehr interessant und zudem auch sehr sehr traurig. Innerhalb kürzester Zeit sind sehr viele Menschen in seinem Umfeld gestorben und auch sonst gab es wenig Gutes. Er selbst erlitt einen Schlaganfall (von dem er sich mittlerweile wieder gut erholt hat) und innerhalb von weniger als 10 Jahren starben 6 ehemalige Kollegen und enge Bekannte, seine Eltern wie auch sein Bruder Owen. Wenn dieser mann erzählt, dann hat das also nicht ohne Grund immer eine gewisse Tiefe.

Zu diesem langen Intro habe ich jetzt für ein vergleichsweise kurzen Artikel ausgeholt. Womöglich weil man das bei diesem Thema gar nicht anders kann. Man kann nicht von damals erzählen ohne irgendwelche Anekdoten herauszukramen. Schwierig. Ohne zu erzählen, wie man es unerlaubterweise natürlich selbst ausprobiert hat (nicht empfehlenswert), vollkommen überdreht war und wie tragisch es zum Teil war, wenn einer der Guten zur bösen Seite überlief.

Und nun zum (vom dritten Seil) springenden Punkt: In der Süddeutschen Zeitung gab es kürzlich ein Portrait über Bret „Hitman“ Hart. Till Krause erzählt von damals und heute und bringt dabei die kitschige Magie aber auch die kalte Realität um das ganze Wrestlinggeschehen sehr gut auf den Punkt: „Ein Mann rauft sich zusammen“

Ach ja, habe ich schon mal mit meinem personalisierten Autogramm angegeben? Ha!

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