Vor einigen Tagen saß ich für eine längere Strecke im Taxi. Wenn Taxifahrer nicht gerade aussehen wie Auftragskiller neige ich dazu, sie nach ihren Top 3 absurdesten Erlebnissen zu fragen. Erstaunliche Statistik dabei: Fast jeder Taxifahrer scheint schon mal eine (Beinah-)Geburt im Auto gehabt zu haben.

Dieses Mal kam ich mit dem Fahrer ins Gespräch weil er einen hübschen, alten Mercedes hatte, selbst schon grau war und sein ruhiges Gemüt darauf schließen ließ, dass er den Fahrersitz innerhalb der letzten Jahre wohl eher selten verlassen hat. Tatsächlich fuhr er schon seit Mitte der Siebziger Taxi und sein Wagen hatte bereits die Millionenmarke geknackt. Wir redeten über das Taxigewerbe im Allgemeinen, wie es sich in all den Jahren verändert hat und Prominente, die er bereits gefahren hat.

Da er als Taxifahrer in Westberlin tätig war, kam mir irgendwann die Frage in den Sinn, ob er wohl auch am Tag des Mauerfalls gefahren ist. In meinem Kopf baute sich ein Sat1-Film zusammen, wie er mit Hilfe seines Taxis eine Familie nach jahrelanger Trennung wiedervereinte und auf dem Heimweg mit einem Rad über die Waffe eines DDR-Grenzsoldaten fuhr.

War nicht ganz so. Gedächtnisprotokoll:
„Ick saß damals mit meiner Frau vorm Fernseher als et in den Nachrichten kam. Wir hatten auch Verwandte im Osten, weshalb ick meine Frau fragte, ob wa rüwer fahrn solln. Nee sachtse, da wär jetzt zu viel los. Dann hamwer uns hinjelegt und jeschlafen.“

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