Telesehen

Wie mich YouTube als Reiseführer enttäuschte


Am Wochenende habe ich meine persönliche Prag-Premiere. Endlich mal in die Stadt reisen, von der ich schon so viel Gutes gehört habe. Auf der Suche nach Anhaltspunkten, was man sich denn unbedingt anschauen sollte, kam mir erstmals die Idee, doch auch mal bei YouTube nachzuschauen.

Zwar fühle ich mich regelmäßig spürbar alt, weil ich den Gehalt so einiger YouTube-Werke einfach nicht nachvollziehen kann, aber für das Thema Reisen eignet es sich doch eigentlich hervorragend. Falsch gedacht. Es folgt eine Sammlung meiner Ergebnisse die ich bekam, bis ich nach 15 Minuten entnervt abbrach und mir dann doch einen gewöhnlichen Reiseführer in Buchform bestellte.

Disclaimer: Ja, ich hätte meine Suche mit mehr als „Prag“ verfeinern können. Finde die Ergebnisse dennoch wunderbar sinnbildlich. Werfen wir also mal einen Blick darauf, was man in Richtung Prag mit auf den Weg nehmen kann.

Eine klassische Doku, die sich so trocken und alt anfühlt, wie klobige Videokassetten im Geografie-Unterricht. Nur das man sich damals über alles, was mit einem Videorekorder zu tun hatte, gefreut hat. Nein, nein, ich will schnelle, tolle Fakten. Dafür ist YouTube doch gemacht!

Also klickte ich auf das Video dieses jungen Herren. 10 Minuten für 10 Tipps, das könnte doch was sein. Er erklärt die erste Minute lang mehrmals, dass er auf mehreren Kanälen, mehrere Prag Videos hochlädt. Aha, okay. Ich scheine schneller zu begreifen als die allgemeine Community und kann meine freie Zeit damit nutzen, mich voll auf seine Art des Redens zu konzentrieren, die mich wahnsinnig macht. Nachdem hoffentlich alle verstanden hatten, wo nun welche Vlogs landen, erklärt er 5 Minuten lang, wo man auf keinen Fall Geld tauschen sollte. Okay, super Prag Tipps, danke. Als er dann endlich ans Eingemachte geht und erklärt, wo es schön ist, aber kaum Leute sind, damit man ungestört Instagram-Fotos machen kann, musste ich mit schwitzigen Händen wegklicken.

Vielleicht können Beauty-Mädels das ja besser und hey, sie hat immerhin fast 100.000 Abonnenten. Was mir das Video so richtig sagen sollte, habe ich nicht verstanden. Aber immerhin ist sie das Risiko eingegangen und hat endlich einen bestimmten Concealer ausprobiert, obwohl ihr schon mehrere Leute sagten, dass der zu schnell austrocknet.

Dann bleiben wir doch direkt bei Beauty. In Prag kann man scheinbar günstig für 3000€ Brust-OPs machen lassen. Immerhin schonmal etwas über die Stadt gelernt. Eine komplett CGI-animierte Frau erzählt deshalb sehr versiert, wie ihre OP war. Zeigt aber in 16 Minuten nicht einmal ihre neue Oberweite. Enttäuschend. Immerhin rennt bei 1:29 Minuten eine Katze durchs Bild.

Okay, „Follow me around“ scheint das passende Format zu sein, um etwas über die Stadt zu lernen und die junge Dame hat eine Viertelmillion Abonnenten. Das muss was sein. Die ersten 2 Minuten lang wird das Klo gezeigt und welches Make-Up sie dabei hat. Es folgen wahnsinnig wackelige und/oder unscharfe belanglose Aufnahmen aus der Stadt mit schlechten Gags und einer anschließenden Zusammenfassung, welche Beauty Produkte sie gekauft hat. Wieder was gelernt: Es gibt dm auch in Prag. Das beruhigt mich jetzt.

Ja gut, wenn wir einmal dabei sind, schauen wie eben auch noch das Prag-Haul-Video von Ginibabe. Die wollte eigentlich auch ein Follow-Me-Around-Video drehen, aber die Kamera hat gesponnen. Ärgerlich! Immerhin ein paar gerettete Aufnahmen beweisen, dass sie bereits im Juli 2014 mit Selfiestick arbeitete. Okay, noch was gelernt: In Prag machen die scheinbar um Lippenstifte nichts drum, weshalb fast alle schon benutzt sind. Und es gibt Sephora Geschäfte! Die gibt es in Deutschland nicht! Ich weiß nicht was das ist, aber dann gehe ich da natürlich auch hin!

Ich musste mich wohl oder übel aber damit abfinden, dass es Prag-Reisenden scheinbar nur um Kosmetikprodukte vom DM geht. Aber dann kam ein Lichtblick! Nicht nur überdrehte Teenager mit komisch verlagerten Prioritäten nutzen YouTube als aktive Produzenten, sondern auch Rentner! Selten war ich so dankbar dafür. Und so kann man sich das Video einer Reisegruppe aus dem Jahre 2007 anschauen und es ist schlichtweg wunderbar. Am besten trinkt man einen schönen Tee dazu und erinnert sich an alte VHS Zeiten, in denen Onkel Peter auch noch solche aufwändigen Videos selbst produziert hat.

Zu Besuch in Jurassic World


Früher Samstagnachmittag, bestes Sonnenwetter – Was tut man da? Richtig, ins Kino gehen um sich „Jurassic World“ anzuschauen. Es sind Momente wie diese, in denen ich es sehr schätze, in Berlin zu wohnen. Also dann, wenn man einfach am Nachmittag ins Kino gehen kann und da besagter Film im Original im IMAX läuft.

Überhaupt ist das Kino als Sommerort vollkommen unterschätzt. Da ist es nämlich immer schön kühl, man bekommt keinen Sonnenbrand und nervige Insekten gibt es auch nicht. Kinobetreiber scheinen davon Wind bekommen zu haben, weshalb das IMAX-Ticket bereits 14 € kostet. Mittlerweile also teurer als eine Blu-Ray, die es ein paar Monate später gibt. Natürlich hinkt der Vergleich, denn auch ich sehe das Kino eher als ein Erlebnis und nicht als eine von vielen Möglichkeiten, um einen Film zu schauen an. Aber VIERZEHN Euro? So viel dürfen höchstens frisch zubereitete Smoothies kosten! Ach ja 50 Cent Online Gebühr kamen noch dazu für … hmmm keine Ahnung wofür. Und das obwohl ich online gar nicht gekauft, sondern nur reserviert habe. Ach ja, eine letzte Rentnerbeschwerde noch: Mir fehlen Zeiten, in denen Eintrittskarten so toll aussahen, dass man sie sich an eine Pinnwand übers Bett geheftet hat. Mittlerweile wären da nur noch eventim Ausdrucke und ähh solche Kassenzettel neuerdings:

Aber zurück zu „Jurassic World“. Hach, ich bekomme ja immer noch Gänsehaut, wenn sich das Tor des Parks öffnet und die Musik dazu ertönt. Allen menschen, denen es genauso geht, sei dieser Film empfohlen. Allen anderen die einen wendungsreichen, nachdenklichen Wasauchimmer-Kracher erwarten und Dinosaurier nicht leiden können … nun ja, was macht ihr in diesem Film? Natürlich gibt es von allem zu viel, aber das muss ja so in Hollywood. Was mich mittlerweile nur wirklich stört, ist das immer aggressivere Product Placement. Ich habe an sich ja nichts dagegen, nur muss es doch nicht immer so wahnsinnig plakativ sein. Man versteht auch, dass es ein Mercedes ist, auch wenn er nicht wie im Werbeprospekt geparkt ist. Oder diese wahnsinnig unnatürlichen Art und Weisen, ein Mobiltelefon zu halten, nur damit jedes Mal der Hersteller gut zu sehen ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, was für wahnsinnig viele unangenehme Telefonate es da jedes Mal geben muss. Also wenn Marken darauf bestehen, dass ihr Produkt so und nicht anders abgelichtet ist. Da muss doch alles in einem sterben, wenn kreative Filmmacher in ein Meeting mit diversen Marketingmenschen gesetzt werden, um die Szenen durchzugehen. Aber wahrscheinlich gibt es dazwischen eh noch sehr viel mehr Ebenen. In Jurassic World gibt es in den ersten 10 Minuten jedenfalls weitaus mehr Marken als Menschen zu sehen.

Ich gehöre übrigens zu den Nerds, die sich den Grundplot von Jurassic Park und Jurassic World wirklich vorstellen können. Irgendwann wird das mit dem Klonen schon irgendwie auch ohne lebende Zellen gehen. Man kann es sich nur jetzt natürlich noch nicht vorstellen. Wenn man jemandem vor 30 Jahren das Internet erklärt hätte, dann hätte der das auch weitaus verrückter gefunden, als einen Park voller wiederbelebter Saurierspezies.

Viel unrealistischer waren am Film ganz andere Dinge. Man stelle sich das Mal vor: Ein Park auf einer Insel vor Costa Rica wo alles so High Tech ist, dass es wahnsinnig teuer ist. Die Folge ist, dass nur reiche Kids dorthin kommen. Im Film sind die alle wahnsinnig liebe und begeisterte Dino-Fans die mit ihren Lomo Kameras (HAHAHAHA!) aufgeregt Fotos machen. Malen wir uns das doch mal in der Realität aus. Ein Dinosaurier Park wäre so ziemlich der letzte Strohhalm, wo reiche Eltern ihre Rich Kids of Instagram hinschicken, um sie irgendwie für etwas begeistern zu können. Das Ergebnis wäre ein Park voller genervter, verzogener Kids, die keine Lust auf irgendwas haben. Was für eine wahnsinnig unangenehme Insel das dann wäre. Und die Mishcung erst! Dinosaurier und genervte Teenager. Im Prinzip ja das gleiche irgendwie.

Als „Parks and Recreation“ Fan hat man übrigens die ganze Zeit dieses wohlige Gefühl der Freude, dass Chris Pratt jetzt auf einmal der heisseste Scheiß Hollywoods ist. Ich bin so stolz auf dich, Andy! Und der Film bekommt dadurch so eine schöne zweite Ebene, wenn man sich die ganze Zeit automatisch denkt, der junge Dinosaurier-Trainer wäre eigentlich Andy Dwyer aus Pawnee.

Apropos Dino-Trainer. Ja, im Film werden Velociraptoren von Menschen trainiert. Es ist wahnsinnig ernüchternd, wenn man in einem Film gesehen hat, wie Velociraptoren aufs Wort hören und dann kommt man Heim und da liegen zwei Katzen da, die … naja sie liegen halt rum. Das ist ja auch okay, aber dann sollen sie wenigstens nicht so vorwurfsvoll gucken, wenn sie schon keine Tricks können.

– ACHTUNG SPOILER –
PS: Ich hätte gerne eine Romantic Comedy, welche direkt an das Ende des Films anschließt.
PPS: Es ist wahnsinnig unbefriedigend, dass die legendäre Melodie aus dem ebenso legendären Soundtrack bis aus eine Ausnahme nie ganz gespielt wird. immer nur Deee Deee …. statt Deee Deeee DeDeDeeeDeeeeDeeee

This crazy show called Watnn dass


Bald gibt es kein „Wetten, dass …“ mehr (leider) und dann gibt es auch nicht mehr allzu oft dieses beklemmende „Aber so ist das nicht immer hier!“-Gefühl, wenn zum Beispiel Hollywood-Größen oder Musiker auf dem Showsofa Platz nehmen. An sich kann es einem ja egal sein, was zum Beispiel Tom Hanks denkt, wenn er durch die einem unangenehmen Witzgewitter ausgesetzt ist. Er wird schließlich schon viel Schlimmeres erlebt haben.

Dennoch fragt man sich jedes Mal, wie gerade US-Größen das alles wahrnehmen, die ganz andere Show Standards gewohnt sind. Die kommen ja zu „Wetten, dass..“ und bekommen erzählt „Hey, dass hier ist das absolut Größte was deutsches Fernsehen zu bieten hat.“

Letzte Nacht hat der großartige Will Arnett seine deutsche Showerfahrung ganze 5 Minuten lang bei Jimmy Kimmel zum besten gegeben. Und ja, es ist wirklich so schlimm, wie man es sich immer ausmalt. Und endlich lernt man auch mal, wie nervig Simultanübersetzer sind, das hatte ich mich schon immer gefragt. Viel …äh … Spaß damit:

Da merkt man ja erstmal das Ausmaß, wie schlimm diese Sendung eigentlich ist, wenn sich damit 5 Minuten zur (fast noch) Primetime mit einem (fast) Standup im US-Fernsehen füllen lassen. Und da sieht man auch, dass es einem eben doch nicht egal sein kann, weil es diverse fürchterliche Klischees befeuert, denen man sich im Ausland stellen muss.

Ein bunter Fernsehabend mit Beppo Zimbo Rokkochini


Es ist wahrscheinlich eine komplett falsche Aussenwahrnehmung, aber ich mag manchmal die Unaufgeregtheit des US-Fernsehens. Oder viel eher den Umgang damit, dass Fernsehen einfach ein Kulturheiligtum ist. Ein Beispiel dazu: Harald Schmidt hat sich vor kurzem vor gefühlt 100 Zuschauern auf Sky (und im YouTube Livestream) aus dem Fernsehen verabschiedet, nachdem er zuvor durch diverse Fernsehanstalten getragen wurde. Jedes Kind weiß schließlich: Nur der Schmidt kann Late Night unsonstkeina! Und überhaupt ist Late Night nicht das gelbe vom Ei.

Es folgt ein fieser Vergleich, aber in den USA gab es vor kurzem Ähnliches, nur anders. Jay Leno übergab die Tonight Show (diesmal wirklich?) an Jimmy Fallon, dessen Late Night übernahm wiederum Seth Meyers und in Kürze wird die Late Show vom altehrwürdigen David Letterman an Stephen Colbert übergeben. Ein fröhliches Fernsehkarusselfahren nach 23 Uhr bei der mir eine Besonderheit auffiel. Als Fallon und Meyers ihre neuen Sendungen übernahmen, waren die ersten Sendungen voller Ehrfurcht.Das kann man kitschig finden, aber ich mochte diese Anspannung sowohl beim Publikum als auch beim Host. Der eine vor der Kamera konnte es nicht fassen, dass er dort an dieser Stelle stehen darf und alle hinter der Kamera warteten gespannt, was er denn nun alles anstellen würde.

Im deutschen Fernsehen undenkbar. Klar fehlt es zum einen an Talent und Mut, aber auch von aussen werden neue Ideen ja nur zu gerne direkt zerbombt. Hatte zum Beispiel ein Markus Lanz überhaupt je eine faire Chance? Klar hätte er auch diese in den Sand gesetzt aber so ganz grundsätzlich: Gab es auch nur eine Sekunde, in der er einfach mal machen durfte, ohne vom Klugscheißertwitterrat torpediert zu werden? Und: Geht das überhaupt im deutschen Fernsehen? Wo Verrisse bei Spiegel Online am besten geklickt werden, Führungsetagen Angst vor konsequenten Neuerungen haben und die breite Masse vorm Fernseher die Hälfte nicht versteht?

Tausende Kilometer entfernt lief es bei Jimmy Fallon und seiner Traditionshowübernahme nach Plan. Sogar mehr als das. Die Sendung läuft besser als je zuvor und hat erfolgreich eine Verjüngung bekommen. Allerdings bekommt man auch davon ein verzerrtes Bild hier mit. Wenn hier ungefähr einmal im Monat ein breiteres, deutsches Publikum etwas von Jimmy Fallon sieht, dann ist es ein Supermegayoutubehit. Schnell heißt es dann: „So was müsste es in Deutschland mal geben, aber das traut sich wieder keiner! Armes Deutschland! Boah ich hab voll Bock auf einen Smoothie jetzt.“ Was dabei untergeht ist das die Tonight Show mit Jimmy Fallon fünfmal die Woche läuft und es dabei abgesehen von Stargästen auch sehr gerne Mal eher durchschnittliche bis langweilige Sendungen gibt. Aber – und da wären wir wieder bei der Unaufgeregtheit – das ist dann auch vollkommen okay so. Schließlich sind Late Night Shows genau dafür da. Seichte Unterhaltung am Abend, mit experimentellen, kreativen Ausbrüchen ab und zu.

Deshalb mag ich auch „Saturday Night Live“. Allein schon der Geschichten aus dem Kreise der Autoren wegen. Tina Fey zum Beispiel sagte mal, dass sie während ihrer Zeit als Autorin den Rate bekam, dass in der Sendung nie das beste zu sehen ist, sondern immer das, was man eben innerhalb einer Woche fertig bekommt. Ich mag diese Mischung aus abgedrehtem Humor, einfachen Sketchen und dem Gefühl, dass nie alles zu 100% fertig ist. Unaufgeregt eben. Könnte das so auch in Deutschland funktionieren?

Gab es mit „RTL Samstag Nacht“ schon mal, aber würde das auch in einer zeitgemäßen Aufmachung funktionieren? Zumindest wage ich es zu bezweifeln, dass man mit Kentucky schreit Ficken und Spocht auch 2014 noch ein paar Lacher gewinnen kann. Also … würde SNL auch in Deutschland funktionieren?

Und siehe da, der WDR wagt es sich. Und wie! Keine Ahnung wie es dazu kam, vielleicht eine überzogene Betriebsfeier? Jedenfalls gab man der jungen Kölner Bildundtonfabrik einen Sendeplatz am Sonntagabend in die Hand. Und das vor 3 Uhr nachts! Was ist da los beim WDR? Woop woop!

Um 22:15 Uhr lief gestern die erste Ausgabe „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von …“. Wahrscheinlich wollte man umso mehr hervor heben wie frisch dieses Format daher kommt und steckte es zwischen … Achtung … „Gags am laufenden Band“ und „So lacht NRW“.

Jetzt habe ich so einen langen Anlauf gebraucht und weiß gar nicht so recht, was ich nun zur Sendung sagen soll. Kurz gesagt: tolles Format! Es gibt ein viel versprechendes Ensemble, welches schon in der ersten Ausgabe so viele Facetten und Charaktere zeigte, dass es direkt hängen blieb. Um dann noch ein letztes Mal den unfairen USA-Vergleich zu bringen: Genau das gelang bei Saturday Night Live zuletzt nicht wirklich. Punkt für Köln.

Natürlich kann man immer ein paar Humorschrauben drehen, aber ich fühlte mich eine Dreiviertelstunde lang sehr gut unterhalten. Auch weil es endlich mal ein neues Format war in dem man im Prinzip gar nichts Neues machte und stattdessen eine unaufgeregte, solide Sendung ablieferte, die von Detailreichtum und ihrem sehr guten Look lebt. Irgendwo in Köln muss es ein Kellerverließ mit Affen geben, die jahrelang nichts Anderes gemacht haben, als Grafiken, Effekte und den generellen Look der ersten Ausgabe „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von …“ gebastelt zu haben.

Besagter Detailreichtum kommt zum Beispiel dann, wenn sich der Nerd in mir über ein Reddit Logo (Im deutschen Fernsehen! Im WDR!) freut, während zum Beispiel meine Mutter über den gleichen Sketch auch lachen könnte. Hinzu kommen übrigens noch zwei sehr, sehr gute Cameo-Auftritte.

Ich weiß gar nicht wann genau es weiter geht, aber ich bin gespannt auf die nächste Ausgabe. Frank Elstner war ein guter erster Gast, weil mit ihm der Spagat zwischen ruhiger Unterhaltung und abgedrehtem Humor so gut funktionierte. Nun muss die Sendung – im Gegensatz zu SNL – aber irgendwie damit zurecht kommen, dass es in Deutschland keine Prominenten gibt. Und man damit künftig wohl um biedere D-Prominenz eine ganze Sendung stricken muss. Aber das kann ja auch eine Chance sein, gut aussehen wird es immerhin auf jeden Fall.

Die erste Ausgabe von „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von …“ kann man hier in der Mediathek ansehen oder hier in einer praktisch zusammen klamüserten YouTube Playlist:

Basketball-Diplomatie


Im Prinzip ist es immer der gleiche Ablauf: Ich greife zur Vice, blättere sie durch und dann fällt mir jedes Mal aufs neue ein, dass es zu 75% doch nur unangenehm reißerische Texte über Drogen vom Polenmarkt, angekokelte Leichenteile und diverse Dinge in diversen Körperöffnungen sind. Oder so ähnlich. Aaaaaber die Dokus aus dem Hause Vice sind dafür in den meisten Fällen sehr sehenswert. Auch weil sie Themen aus anderen Blickwinkeln zeigen oder zu unkonventionellen Methoden greifen. Bestes Beispiel ist dafür der neueste Streich: Ein Besuch in Nordkorea.

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Was macht eigentlich Seth?


Ich neige stark dazu, bei regelmäßigem Konsum einer Serie, eine extrem persönliche Ebene zu den Charakteren aufzubauen, die dann gerne Mal über die Serie hinausgeht. Eine enge Bindung einseitiger Natur sozusagen. Nein, halt, das klingt creepy. Was ich damit meinte, ist zum Beispiel, dass ich Pam und Jim aus der US-Version von „The Office“ für das tollste Paar überhaupt halte und nicht hören will, dass die im echten Leben gar nicht zusammen sind.

Genauso wenig will ich, dass Malcolm oder gar Dewey aus „Malcolm mittendrin“ im echten Leben in irgendeiner denkbaren Form altern. „Schlimmer“ noch ist es bei „O.C. Calfornia“. Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie mich das Leben reicher Teenager (die von Leuten Anfang 30 gespielt wurden) am Strand derart in seinen Bann ziehen konnte. Alle Staffeln hab ich verschlungen und halte das Ende der ersten Staffel immer noch für einen der größten Hach-Momente der Fernsehgeschichte.

Lustiger Weise ging das so weit, dass ich im Unterbewusstsein diverse Leute aus der Serie, immer noch für meine Leute von damals halte. Wenn ich zum Beispiel Mischa Barton in der InTouch sehe, bin ich überhaupt erst mal verwundert, sie da zu sehen (ihr wisst schon warum …) und habe dann immer das Gefühl, eine alte Schulfreundin zu sehen. Von allen anderen hört man ja gar nichts mehr.

Bis zum Wochenende! Da habe ich nämlich „Seeking a Friend for the End of the World“ mit Steve Carrel und Keira Knightley gesehen. Und siehe da, wer spielt da den latent genervten, melancholischen Freund? Ha!

Seth! Ich bin immer noch ein bisschen schockiert darüber und weiß nicht so recht, wie ich es einordnen soll …

PS: Ben McKenzie, also Ryan, wird Detective James Gordon in der neuen Serie „Gotham“ spielen. Die Serie erzählt die Vorgeschichte von Batman. Uhh! Immerhin aus Ryan ist also was geworden.

Weihnachten mit ZDFhitler

In den Anfängen meiner Kindheit hat meine Mutter mir zum Einschlafen immer eine Hörspielkassette angemacht. Die Spätfolge davon ist, dass ich zum Einschlafen Entertainment brauche. Gepriesen sei deshalb die Sleep-Funktion eines jeden Fernsehers! Meistens läuft es darauf hinaus, dass ich irgendwelche Dokus anschaue und nach ca. 7 Sekunden sofort einschlafe.
In den meisten Fällen lande ich dafür auf Sendern wie tagesschau24 oder ZDFinfo. Bei letzterem fiel mir vor geraumer Zeit auf, dass es sich erstaunlich oft um Deutschland unter Hitler, beziehungsweise Hitler, beziehungsweise irgendwas, was mit Hitler zu tun hat, dreht. Aber vielleicht war das ja nur meine Wahrnehmung, da schließlich immer irgendwas mit Hitler im Fernsehen läuft.

Zum Auftakt der gemütlichen, wie fernsehaffinen Tagen der Weihnachtszeit, dachte ich, werfe ich mal einen genaueren Blick darauf. Aber nein, alles gut. Hab falsch gedacht. Alle außer Hitler! Am Morgen kam was über Franz-Josef Strauß und jetzt gerade läuft eine von zwei Dokus über Helmut Schmidt. Dann kommen wie gewohnt mit heute 100 sec die immer sehenswerten Kurznachrichten und dann … oh.

12:50 – 14:15 Uhr: Zwei Folgen von „Hitlers Frauen“

14:15 – 17:15 Uhr: 3 Stunden voll mit „Hitler Privat – Das Leben des Diktators“

17:15 – 18:45 Uhr: Noch mal zwei Folgen von „Hitlers Frauen“, falls man die vom Mittag bereits vergessen haben sollte

18:45 – 19:30 Uhr: Es wird weihnachtlich mit „Stille Nacht in Stalingrad“, eine Doku über Weihnachten an der Front 1944

19:30 – 20:15 Uhr: Das Weihnachtsprogramm geht weiter mit „Blutige Weihnachten“, dabei geht es um die „geheimnisvolle Schlacht von Ortona“ im Jahre 1943. Ist zwar in Italien aber hoffentlich gibt es trotzdem Wasmithitler!

20:15 – 21:00 Uhr: In der Doku „Auf Messers Schneide“ geht es um eine Einheit ausschließlich aus Afroamerikanern die 1944 an der Westfront in den Ardennen kämpfte. Adolf ain’t gonna like that!

21:00 – 21:40 Uhr: Bei „Geheimnisse der Tiefe“ geht es um das Leopoldville-Desaster bei der 1944 das gleichnamige Passagierschiff sank, nachdem es von einem deutschen Uboot torpediert wurde.

21:40 – 22:25 Uhr: Es bleibt weiterhin geheimnisvoll, beim Infomagazin „Geheimnisse des zweiten Weltkriegs“ dreht sich heute alles um das Schicksal vom Langstrecken-Uboot U513.

22:25 – 00:35 Uhr: Über zwei Stunden „Der Jahrhundertkrieg“ mit den wichtigsten Entscheidungsschlachten des 2. Weltkriegs.

00:35 – 1:00 Uhr: Erste Vershcnaufpause seit heute mittag mit dem heute-journal.

1:00 – 4:00 Uhr: Wenn man dann immer noch nicht Schlafen kann, kann man sich noch volle 4 Stunden „Als der Krieg nach Deutschland kam“ gönnen.

Bis auf die kurze Pause mit dem heute-journal (hoffentlich kommt was mit Adolf!) sind das dann 15 Stunden Hitler und Zweiter Weltkrieg am Stück. In diesem Sinne – Frohe Weihnachten!

Disclaimer: Natürlich finde auch ich das gut, wenn regelmäßig über Hitler und seine Schandtaten berichtet wird. Schließlich wiederholt sich Geschichte nur allzu gern, wenn man nicht aufpasst. Ein bisschen mehr Programmvielfalt wäre dann aber doch wünschenswert. Sonst kann ich doch nicht einschlafen! 

Neu in der Stadt


Das ist John Mulaney. (Fieserweise ein sehr altes, dafür aber umso unterhaltsameres Bild von ihm) John Mulaney ist sehr, sehr lustig. Er war jahrelang Autor bei „Saturday Night Live“ und nebenbei immer wieder als Stand-Up Comedian aktiv. Hier ist sein komplettes, aktuelles „New In Town“ Programm. Wenn ihr euch am Abend über eure Chipsbäuche streicht und nicht wisst, welchen Serienmarathon ihr nun schauen sollt, guckt euch das mal an – sehr unterhaltsam!

Der Grund warum ich dieses in Internetzeit gerechnet schon sehr alte Programm wieder hervor krame ist übrigens, dass Herr Mulaney bald eine eigene Sitcom bekommt und ich mich sehr darauf freue. Dürft ihr auch. Und bei solchen Seriennerdgesprächen dann damit angeben, dass ihr das alles schon vorher wusstet. (Verspiegelte Sonnenbrille dafür nicht vergessen!)

Ein Bisschen wie die Lachse


Bevor man aus einer Wohnung auszieht, gibt es, zumindest bei mir, immer diesen einen kurzen Moment wo man sich umdreht, noch einmal alles anschaut und denkt „Hier drin werde ich wahrscheinlich nie wieder sein.“. Und das, wo man doch so viele Erinnerungen und persönliche Entwicklungen damit verbindet. Also im besten Fall natürlich. Ein kleines Stück Heimat, was zum großen persönlichen Heimatpuzzle dazu kommt. Manche Puzzleteile sind besonders schön, andere ganz klein (im Erdgeschoss, mit wenig Tageslicht oder so) und fast schon unbedeutend, aber letztlich ergibt sich ein Gesamtbild aus allen Teilen.

Und dann gibt es nur dieses eine große Bild an dem Punkt, wo man im Leben gerade steht. Es gibt nur diese eine Heimat. Das Wort „Heimat“ hat noch nicht mal einen Plural. Dabei gibt es doch gar nicht nur diesen einen Punkt, sondern noch den Weg dahin. Beziehungsweise, wo ist diese Heimat denn dann überhaupt? Im Dorf, weil man da nun mal her kommt oder das obercoole Berlin, weil man da wohnt? Man sagt das Heimat dort ist, wo das Herz ist. Aber das ist doch auch sprunghaft! Ich werde ja richtig philosophisch beim Gedanken daran. Vielleicht erkläre ich ja bald mal den Begriff „Raststättenbuffet“, da ist es ja ähnlich.

Aber zurück zum Thema. Als es Google Streetview neu in Deutschland suchten viele Menschen direkt ehemalige Wohnhäuser und Manche bastelten sogar Fotoalben auf Facebook und dergleichen dazu. Stück für Stück konnte man sich dem besagten Weg entlang klicken. Wäre eigentlich noch schöner, Geschichten zu diesem (digitalen) Spaziergang zu hören.

Ha! Wie passend, dass es seit einiger Zeit eine Fernsehsendung gibt, die sich genau damit beschäftigt. Der durch „Wild Germany“ bereits sehr reise- und menschenerfahrene Manuel Möglich tourt in „Heimwärts mit …“ nämlich durch Deutschland und besucht mit Prominenten markante Punkte ihrer Heimat in der Jugend.

Das ist nicht immer super interessant, aber trotzdem ist es immer wieder schön zu sehen, wenn Leute plötzlich still werden und ganz zaghaft über die Einfahrt eines Hauses gehen, wo früher mal Oma gewohnt hat.

Eine besondere Empfehlung für die Sendung (die hoffentlich noch die ein oder andere neue Staffel bekommt) kam mir deshalb in den Sinn, weil ich vergangene Woche den von mir sehr geschätzten Heinz Strunk dort sah. Die ganze Folge gibt es hier zu sehen.

Grüner Fernsehstreifen


Ich mag an Feiertagen den gefühlten Reflex von dritten Programmen der irgendwo zwischen „AM FEIERTAG SIND ALLE ZUHAUSE UND GUCKEN FERNSEHEN“ und „NIEMAND GUCKT UNS AN FEIERTAGEN!“. Als Ergebnis davon laufen dann sehr oft tolle Sachen in Reihe hintereinander weg und den ganzen Tag lang. Bestes Beispiel dafür ist vielleicht der traditionelle Tag voller Konzerte bei 3Sat an Silvester.

Gestern stellte ich mit Freude fest, dass Phoenix etwas Ähnliches trieb. Die Reihe „Mitten im wilden Deutschland“ des von mir sehr geschätzten Tierfilmers Andreas Kieling lief in 5 Teilen, komplette 4 Stunden lang am Stück. Wer vorm Fernsehr auch derart zu einem Gemütlichkeitsrentner mutiert, wie ich, dem empfehle ich diese Reihe sehr. Es geht einmal den kompletten, ehemaligen Mauerstreifen entlang durch Deutschland. Die Besonderheit dieses Gebiets ist nämlich, dass die Natur auf diesem schmalen Streifen während der Mauerzeit sich komplett unbeeinflusst entfalten konnte. Immerhin ein einziger positiver Punkt bei all dem Mauermurks.

Andreas Kieling ist dabei zwar mit Sicherheit nicht der beste Erzähler, dafür sind die Inhalte wirklich immer interessant. Neben den schönen Bildern lernt man so nebenbei noch zum beispiel, wie man Kreuzottern fängt, w und wo Einhörner herkommen. Bis ich die Reihe endlich in irgendeiner Mediathek finden kann, hier ein Verweis auf YouTube, viel Spaß damit.

Teil 1: Vom Dreiländereck ins Coburgerland

Teil 2: Hohe Rhön und weites Werratal
Teil 3: Wildnis Harz
Teil 4: Berlin grenzenlos
Teil 5: Von der Elbe an die Ostsee