Karneval und ich verstehen uns nur so mittelgut. Zu viele Erfahrungen mit unangenehmen Menschen, die das ganze Jahr keinen Spaß verstehen und auf der Suche nach einer Alkoholbegründung sind habe ich da in meiner Jugend gemacht. Aber ach, so lange alle Spaß haben ist ja alles gut. Aber bitte nach Vorschrift. Und vielleicht könnte man das mit den kostenlosen Süßigkeiten für alle auch in weiteren Bereichen adaptieren?

In jedem Fall mag ich an Berlin, dass es hier keine Kotzberge mit Konfetti drin am Rosenmontag gibt. Wobei ich Konfetti damit Unrecht tue. Sorry Konfetti. Umso unterhaltsamer ist es dann, wenn doch einige Menschen dem Karneval frönen. Also nicht die Tatsache an sich, sondern der Weg dahin. Finster dreinblickende Menschen am Montagmorgen in der U-Bahn und dazwischen exakt ein Mensch mit Schminke, Perücke und Kostüm mit ebenso ernsten, jedoch peinlich berührtem Blick. Überhaupt sollte es mal einen Bildband oder Tumblr mit Fotos von Menschen geben, die sich (peinlich berührt) verkleidet auf dem Weg zu einer Mottoparty befinden.

In Hamburg scheint die Wertschätzung von Karneval ebenfalls in etwa konform mit meiner zu sein. Bei einem Hamburger Bäcker fand ich am Dienstag schwarze Brötchen. Die waren nicht etwa böse verbrannt, sondern extra mit Pflanzenkohle (was auch immer das ist) eingefärbt. Extra zum Karneval wurden sie unter dem Motto „bunt kann jeder“ verkauft. Das vielleicht tollste Statement zum Karneval überhaupt. Und vielleicht sogar der ganzen Welt an sich.

Ich finde es gut, wenn der Alltag an manchen Stellen etwas dunkler und schwarz wird. Erst recht nachdem ich in der aktuellen Visions Danko Jones’ Essay darüber gelesen habe, ob Rock, das schönste Musikgenre, denn nun am Aussterben ist oder nicht. Das war mir vorher alles gar nicht so bewusst. Hilfe!

In jedem Fall muss ich aber in Sachen schwarze Brötchen wieder etwas zurückrudern: Sie schmecken wie normale Brötchen, wenn man sie allerdings im Bett isst, sieht es so aus, als hätte man sich in einen Straciatella-Becher gelegt. Und beim Zähneputzen sieht es auch am Tag danach noch so aus, als hätte man sich kürzlich einen halben Sack Grillholzkohle gegönnt. Es ist eben noch ein weiter Weg.