
Ganz ehrlich, ich habe mich noch nie so cool beim verfassen eines Beitrages wie in diesem Moment gerade gefühlt. Eben wurde ich am Flughafen aufgerufen, hab das Kevin-Schreck-Gesicht mit weit aufgerissenen Augen und den Händen auf den Wangen gemacht und erreichte das Flugzeug letztlich doch noch gerade so als letzter. Eine kleine Maschine an deren Ende ich gerade sitze und mich mindestens 10 Zillionen Meter hoch in der Luft bin. Fühlt sich ja immer so nach Weltraum an, wenn es so dunkel draußen ist. Die junge Dame war eben schon mit der Schokolade hier, hat den Karton auf dem Sitz hinter mir abgestellt und wohlwollend drauf gezeigt. Sex auf dem Flugzeugklo, pffff … Schokoladenflatrate! Und gleich kommt sie noch einmal und bringt Cola, begleitet von “Such Great Heights” auf meinen Ohren - es könnte mir nicht besser gehen.

Aber worüber wollte ich eigentlich schreiben? Ach ge, Wien! Der Hauptstadt Österreichs habe ich Heute einen kurzen Kurzbesuch abgestattet. Das natürlich nicht ohne Grund, aber alles zu seiner Zeit. Anfangs war es ein komisches Gefühl, zum ersten Mal österreichischen Boden ohne klobige Wanderschuhe zu betreten, viel zu sehr haben Wanderurlaube in jungen Jahren dieses Land für mich geprägt. Dazu kam noch eine Art innerer akustischer Reflex, denn immer wenn ich wunderbare Altbauhäuser in Regionen, sagen wir mal, südlicher als meine thüringer Heimat sehe, dann habe ich automatisch dieses Lied im Kopf und sehe Buchstaben über die Dachziegeln hüpfen.
Aus der Luft schaut Wien so schön geometrisch aus. Überall Straßen und Bepflanzungen nach Tetris Vorbild. Auch nach dem Landen wurde ich dieses Freizeitparkgefühl nicht los. Alles schaut einfach so schön alt und hübsch aus, als sei man irgendwo auf einer Modelleisenbahnspanplatte oder inmitten einer Puppenhaus-Kleinstadt abgesetzt worden. Ich rechnete damit, dass jeden Moment ein Maskottchen aus einer der alten Holztüren gestolpert käme. Dies kann durchaus aber auch daran liegen, dass ich in der letzten Nacht nur 3 Stunden auf mein Schlafkonto gutgeschrieben bekam.
Wie passend das ich gerade von akutem Schlafmangel schrieb. Dazu muss man sagen, dass zwischen diesem und dem Absatz zuvor eine Flugzeuglandung und gut 2 Stunden befinden. Folgendes ereignete sich auf meinem Heimweg: Wenn man tagsüber ein wenig mit der Bahn durch die Gegend fährt und ein Tagesticket hat denkt man da ja nicht mehr dran. Man steigt in die Bahn und fährt und fährt. So auch auf dem Heimweg. Bis ich auf meinem Sitz geweckt wurde. Fahrkartenkontrolle. Aber ist ja alles kein Problem. Oh. Merke: Wenn man mit einem Wiener Tagesticket in Berlin S-Bahn fahren möchte, dann kostet das unter gegebenen Umständen 40€. Hmpf. Was manchmal in meinem Kopf unter Schlafrückstand vorgeht ist mir ein einziges Rätsel.
Aber kommen wir lieber wieder zurück zu Wien, da gab es mehr Grund zur Freude. Ich mag ja zum Beispiel den Dialekt wirklich sehr gern. Da ist es natürlich umso besser, wenn man direkt in der ersten Bahn in Wien von 20 Grundschulkindern umgeben ist. Am liebsten hätte ich sie alle den ganzen Tag über mitgenommen um sie im Chor auf “Und wie sagt man …”-Fragen antworten zu lassen.

Bereits nach weniger als 20 Minuten Aufenthalt stimmte mich das Freizeitparkgefühl Wiens in Kombination mit einem Überschuss an Klischee äußerst nachdenklich. Ich traf DJ Ötzi. Also ich traf ihn nicht. Ich ging an ihm vorbei und er guckte böse. So absurd dieser kurze Moment auch war, er gab mir wieder etwas Sicherheit. Zuvor war ich nämlich schon im Ansatz mich zu verlaufen, konnte so aber sicher gehen, dass ich mich auf jeden Fall noch im deutschsprachigen Raum befinde.
Der Fahrer vom Bus sah aus und hörte sich an als sei er ein kleiner König. Der Bus heißt eigentlich Autobus und an jeder Haltestelle befindet sich ein Mistkübel, sprich Papierkorb, in dem man zum Beispiel das Sackerl der Fitnessstangerl vom Bäcker werfen kann. Wie soll man diese Sprachform denn bitte schön nicht innigst mögen? (Zudem ist sie auch sehr praktisch, da man sich scheinbar auch ausschließlich durch die Verwendung von Vokalen verständigen kann). Aber eins beschäftigt mich immer noch: Auf den Papierkörben, also Mistkübeln, stand die Nummer des “Misttelefons”. Wann ruft man da an? Ist die Telefonnummer wirklich vergeben?
Darüber mache ich mir später weiter Gedanken, jetzt ist erstmal Zeit zum Schlafdefizit abbauen, nicht das ich mich noch weiter durch hirnrissige Denkfehler ins Unheil reite. Ach nein, da waren noch 3 Sachen.
1. Der Stephansdom hat zum Teil eine ziemlich miese Auflösung:

2. Kennt ihr noch “Kick Of ‘97″? Vom Aussehen der Panini Stickerverpackung her, scheint der Fußball in Österreich auch so wie “Kick Of ‘97″ zu sein.

3. Darf man ein Skateboard mit ins Handgepäck nehmen? Weil wenn man mit den kleineren Maschinen fliegt, tippelt man ja manchmal noch ein wenig über das Rollfeld und da würde ich wirklich gern mal das hier machen:

7 Kommentare zu „10 Stunden Wien“






Sag bitte nicht, dass du keine Marillenknödel gegessen hast. Dann müsste ich nämlich weinen. Die sind doch das beste an Wien!
27. Januar 2010 um 12:22 UhrStatt “anfassen” sagt man da wohl auch “angreifen”. Als also beim Musik-LK Exkurs ein Mitschüler von mir in Wien einen Hund (Ich glaube beim Schubert-Haus) streicheln wollte, schallte eine böse Frauenstimme von oben herab: “Na! man soll den Hund nicht angreifen!” worauf mein Mitschüler empört “Ich hab ihn gar nicht angegriffen!” zurücktönte.
27. Januar 2010 um 7:09 UhrIm U4 gewesen?
27. Januar 2010 um 7:11 UhrDas mit dem Skateboard kommt ganz auf das Wohlwollen der Stewardess an. Wenn der Flieger nicht gerade übervoll ist würde ich jedenfalls ein Auge zudrücken.. Die Flughafenmitarbeiter aber wahrscheinlich nicht, wenn du das mit dem Skaten auf dem Rollfeld wirklich probieren solltest ;)
27. Januar 2010 um 10:33 Uhrfix oida!: http://www.youtube.com/watch?v=j0PoM6Vtwyo&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=fkOa2fM10ls&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=UCJrNd6D0_I&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=7VnHj184EZ4&feature=related
ich könnt ewig weitermachen… o bam oida…
28. Januar 2010 um 1:04 Uhrhui, cool, den dj ötzi hab ich damals auch in wien getroffen. betend im sog. steffl. kein scheiß!
28. Januar 2010 um 8:08 Uhr[...] am 2. oder 3. tag roman und fabian, zwei lustige österreicher kennengelernt (kurz davor diesen Blogeintrag gelesen), roni und feina, die ersten beiden sympathischen israelis mütze und flip flops (chandals) [...]
20. März 2010 um 8:32 Uhr