10. Februar 2016 | 13:46 Uhr

Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Punkt auf meiner ToDo-Liste: Heiraten! Das ist grundsätzlich erstmal super und obendrein noch sehr interessant, weil man dadurch in eine vollkommen neue Welt eintaucht, mit der man vorher absolut gar nichts zu tun hatte. Es ist ja an sich schon interessant wenn da alte Traditionen, Familienangelegenheiten, eigene Vorstellungen, jede Menge Fragen und einiges mehr aufeinander treffen. Im Kern ist es etwas sehr schönes, mit jeder Menge Fragen rundherum.

Neulich war ich, pardon – waren wir, zum ersten Mal auf einer Hochzeitsmesse. Lustiger Weise hieß es aber gar nicht Hochzeitsmesse, sondern „Love Circus BASH Wedding Festival“. Da muss man erstmal drauf kommen und es dann auch immer noch ernsthaft gut finden, wenn man es irgendwo zum ersten Mal auf Flyern gedruckt liest. Aber an sich ein schönes Dings mit lauter Ausstellern, die entweder im kleinen Rahmen Sachen mit viel Liebe selber basteln oder als Premiumprofis als Teil der Bezahlung eine vollständig ausgestattete Blutdiamantenmine fordern.

Am erstaunlichsten war für mich jedoch etwas anderes. In einer heteronormativen Gesellschaft ist man es als weißer, großer Mann gewohnt, immer die erste Geige zu spielen. So ziemlich egal was, egal wo. Leider. Bei so einer Hochzeitsmesse bekommt man dann mal mit, wie es eigentlich ist, wenn das nicht so ist. Wenn man höchstens als +1 wahrgenommen wird. So muss es in etwa sein, wenn man als Frau in einem Fußballstadion ist. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass es scheinbar für alle klar ist, dass die Hochzeitsinitiative natürlich von meiner Frau ausgeht. Erst recht die Entscheidung, eine Hochzeitsmesse zu besuchen. Ich wurde dann auch gerne mal belächelt. Frei nach dem Motto „Haha sonntags auf ner Hochzeitsmesse, dabei könntest du doch jetzt Bier trinken und American Gladiators schauen WIE EIN ECHTER MANN!!!!“ Zugegeben, wenn die „American Gladiators“ wieder im Fernsehen laufen würden, hätte mich wohl tatsächlich nichts vom Sofa bekommen. Aber zurück zum Weddingdingsbash.

Es ist wohl auch so ein ungeschriebenes Gesetz, dass sämtliche Entscheidungsgewalt in den Händen der Frau liegt. Wenn einem Visitenkarten und dergleichen übergeben wurden, stand ich dann also gerne Mal daneben wie eine Topfpflanze. Man muss die Frau für sich gewinnen und der Mann zahlt das dann. Meine Güte.

Gestern habe ich mir aus Interesse sogar ein Hochzeitsmagazin gekauft. Selbst da ist das so. Man bekommt 2 Magazine zum Preis von einem. Vorne ganz große das Braut Magazin und hinten klebt dann das Bräutigam Magazin dran, was nicht nur ein Drittel der Seiten hat, sondern auch im Format kleiner ist. Haha! Ich hab noch nicht reingeschaut, aber wahrscheinlich ist das Bräutigam Magazin voller Uhrenwerbung.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum man den Spaß überhaupt mitmacht. Schließlich ist es an sich eine Mischung aus zwei sehr unangenehmen Dingen die da aufeinander treffen:
a) Wahnsinnig alteingesessene Wertevorstellungen und Abläufe. So und nicht anders!
b) Der daraus resultierende Drang, ausbrechen zu wollen und sich doch irgendwie daran halten zu wollen. Bei der Eröffnung des Tanzes passiert auf einmal ein Flashmob wie in diesem einen YouTube Video und selbst der dicke Onkel Heiner macht beim Breakdance mit. So crazy!

Aber zum Glück kann man ja selbst daraus machen was man will. Im Kern ist das schließlich eine wunderbare Sache. Nicht das ich nicht auch ohne könnte, aber ich finde dieses große Geständnis zueinander sehr schön. Und wenn man das auch noch mit seinen Liebsten feiert, ist das doch umso schöner. Wie in fast allem gilt also: Letztlich kommt es drauf an, was man selbst draus macht und wenn man da ohne Rechtfertigungsdrang rangeht, wird es schon irgendwie super. UND AUSSERDEM KANN MAN DANACH VOLL STEUERN SPAREN, OH YEAH!

Je mehr ich darüber nachdenke, umso verrückter finde ich aber diesen Druck der im Allgemeinen aufgebaut wird. Es muss der schönste Tag des Lebens werden! Was für eine schlimme Vorstellung, dass man nach einem Drittel seines Lebens den schönsten Tag des Lebens dann bereits schon hatte! Was passiert, wenn man das zu ernst nimmt, kann man immer in dieser Hochzeitssendung auf Vox nehmen. Es gibt keine Sendung bei der ich mich mehr unangenehm und aufgeregt zugleich fühle. Uah. Nichtsdestotrotz (ich liebe dieses Wort!) sollte natürlich einer der schönsten Tage überhaupt werden. Aber das steht doch eh außer Zweifel. Immer komisch wenn man dann Leute sieht, bei denen das nicht so ist. Die also diesen Zug wirklich voll und ganz mitfahren. Wo die Ringe natürlich ein bestimmtes Preisbudget sprengen müssen und die Hochzeit eher für die Außenwahrnehmung des Paares, als für das Paar selbst gedacht ist gedacht ist. Ronny und Cheyenne können sich in den nächsten 30 Jahren nichts mehr leisten, aber ihre Ringe sind sooo toll und auf ihrer Hochzeit hatten sie Tauben, die Klavier spielen konnten.

Woher diese Herangehensweise wohl kommt? Meine Theorie ist, dass vor allem Leute, die man noch aus Schulzeiten vom Dorf kennt, äußerst anfällig dafür sind. Das mag jetzt wahnsinnig abgehoben klingen, aber ich habe das Gefühl, dass man viel mehr darauf abgeht EINMAL AM SCHÖNSTEN TAG DES LEBENS IM MITTELPUNKT ZU STEHEN UHH JAAAA wenn man das sonst eben nicht tut und seit dem 18. Lebensjahr im gleichen Reihenhaus neben Mutti wohnt.

Aber vielleicht werde ich ja auch noch so. Immerhin war ich vor zehn Jahren schonmal Protagonist in einer „Frank der Weddingplanner“ Ausgabe, in meiner Paraderolle als dümmlicher Cousin, der seine Hose für die Hochzeit vergessen hat. Mal schauen was das alles wird, ich freue mich jedenfalls auf den ganzen Wahnsinn. Den schwierigsten Part hab ich ja immerhin schon hinter mir und die passende Frau gefunden. Ha! Hauptsache es gibt irgendwas mit Monster Trucks.

29. Januar 2016 | 16:23 Uhr


Noch mal so viel wie bis jetzt,ein bisschen obendrauf und schon bin ich Rentner! Vielleicht liegt daran, dass ich mich in den letzten Jahren immer dabei erwischt habe, zum Jahresende schweißnasse Hände bekommen habe und dachte „Huch, was waren denn jetzt die wirklich guten Platten des Jahres?!“ Bisher ging es immer, aber Ende 2015 war es beinahe aussichtslos. Bin ich etwa schon Musikrentner, der immer den gleichen Alten Kram hört und bei neuen Releases nur kritisch die Augenbraue hoch zieht? Und das in Zeiten, wo es so einfach war wie noch nie, neue Musik für sich zu entdecken? Oder war das Musikjahr 2015 einfach wirklich so enttäuschend und leer für mich?

Oder liegt es daran, dass Rockmusik scheinbar eine immer kleinere Bedeutung bekommt? Zumindest lässt mich dieser Gedanke seit diesem Essay von Danko Jones nicht mehr los. Gegen Ende des Jahres habe ich mal in die 100 aktuell am meisten gestreamten Songs geschaut. Natürlich war es nur eine Momentaufnahme, aber nicht ein Song war ein Rock-Song und es waren allerhöchstens 4 von 100 Songs in denen eine Gitarre merklich zu vernehmen war. Wenn sich Geschichte wiederholt ja eigentlich ein gemachtes Beet für Grunge.

So sehr ich letztlich auch überlegte und mich noch einmal durchhörte, für mich war (bis auf wenige Ausnahmen) 2015 einfach kein gutes Musikjahr. Und was macht man in solchen Momenten als Musikrentner? Richtig, man blickt wohlwollend zurück, schließlich war früher alles besser. Erst recht vor 10 Jahren, als vor allem der Indie-Rock-Abschlussjahrgang brillierte. Zum Beweis die Top 30 der Visions-Lesercharts 2005, welche sich aus heutiger Sicht wie eine Hall of Fame lesen:

Mando Diao – Hurricane Bar
System of a Down – Mezmerize
Bloc Party – Silent Alarm
… And You Will Know Us by the Trail of Dead – Worlds Apart
Maxïmo Park – A Certain Trigger
Dredg – Cath Without Arms
Foo Fighters – In Your Honour
Franz Ferdinand – You Could Have It So Much Better
Queens of the Stone Age – Lullabies To Paralyze
Kettcar – Von Spatzen und Tauben
Bright Eyes – I’m Wide Awake It’s Morning
The Mars Volta – Frances the Mute
Arcade Fire – Funeral
Nine Inch Nails – With Teeth
Kaiser Chiefs – Employment
Art Brut – Bang Bang Rock & Roll
Coldplay – X&Y
Babyshambles – Down In Albion
Coheed And Cambria – Good Apollo
System of a Down – Hypnotize
My Chemical Romance – Three Cheers For Sweet Revenge
Madsen – Madsen
The White Stripes – Get Behind Me Satan
Muff Potter – Von wegen
Turbonegro – Party Animals
Sigur Rós – Takk
Oasis – Don’t Believe the Truth
Hard-Fi – Stars of CCTV
Bright Eyes – Digital Ash In a Digital Urn
Tocotronic – Pure Vernunft darf niemals siegen

Für eine extra Portion in Erinnerungen schwelgen hab ich daraus mal eine Playlist gebaut:

Oder sieht das einfach nur aus der Zukunft so wahnsinnig gut aus und 2025 werde ich davon schwärmen wie großartig 2015 war? Die verschiedene Wahrnehmung von Musik über die Jahre ist jedenfalls ziemlich interessant. Bei Deezer hat man dafür nicht nur 10 sondern gleich 20 Jahre zurück geschaut und dabei gemerkt, dass einige One-Hit-Wonder heutzutage in Sachen Streaming viel erfolgreicher sind als damals in den Charts. Oder ganz einfach gesagt: Coolio war in den deutschen Jahrescharts gerade mal auf Platz 17 ist heute aber der unangefochten meistgestreamte Song aus diesem Jahr. Heißt das jetzt, Gangster denken noch lieber an damals™?
Interessante Statistik jedenfalls:

Kann man sich auch als Playlist anhören (Falls man sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat und tierisch Lust hat, „Lemon Tree“ zu hören.)

Aber genug zur Vergangenheit, ich muss jetzt das neue Turbostaat Album hören, damit 2016 ein gutes Musikjahr wird.

26. Januar 2016 | 22:17 Uhr


Am Montag wurde mir kurzerhand ein Auftrag abgesagt. Solche plötzlich geschenkten Tage werden entweder Örghs-Tage oder ICHBINSUPERPRODUKTIV-Tage. Das Verhältnis liegt bei ungefähr 1 zu 6. Glücklicherweise hatte ich am Montag letzteren und stand schon um 9 Uhr morgens im Baumarkt zwischen Bodenlacken und Steinfliesen.

Ich hab eigentlich nur ein bisschen Kram fürs Grünzeug zuhause eingekauft, aber war kurz dabei ein neues Haus zu planen. Grund dafür war die Sprecherstimme der Baumarkt-Spots. Wenn ich mich nicht irre, war das die Stimme aus „Anno 1602“! Was für eine perfekte Kombination! Diesem mann traue und folge ich. Leider hat er seine Signature-Sätze nicht entsprechend angepasst. „Es fehlt an Dübeln. Euer Volk wünscht ein Gewächshaus. Ein Reisender hat die Pest in Euren Baumarkt gebracht!“

Wer jetzt Lust auf Anno spielen hat: Die älteren Teile sind alle zum Download für unter 10€ zu haben. Und ich fühle mich jetzt (wieder Mal) ein bisschen alt, weil ich gerade gelesen habe, dass „Anno 1602“ in diesem Jahr bereits 18 wird.

Zurück zum Einkauf. Danach war ich noch kurz im „Fressnapf“ nebenan, um unseren beiden Mitbewohnern (die frechsten Arbeitslosen Deutschlands) etwas mitzubringen. Den ganzen Morgen und Vormittag hatte ich sämtliche Medien von Internet über Fernsehen bis hin zu Radio gemieden, da in der Nacht zuvor die beiden NFL Conference Finals waren und ich mir später die Aufnahme der Spiele noch anschauen wollte. Und dann werden doch tatsächlich die NFL Ergebnisse im Fressnapf durchgesagt. IM FRESSNAPF!

Apropos: Ich hätte gern eine Webseite, wo man per Zufall die Sprechanlage eines Supermarktes zugewiesen bekommt und per Webcam dann die Reaktionen der Besucher sehen kann.

17. Januar 2016 | 13:48 Uhr


Berlin ist rund um die Weihnachtstage leer gefegt wie einst die Planet Hollywood Restaurants. Jedes Jahr finde ich es amüsant, dass es junge Ur-Berliner/innen gibt, die sich etwas darauf einbilden, dass sie „ihre Stadt endlich mal für sich haben“. Überall Parkplätze und so. Ja, Gratulation. Aber das Berlin ohne seine nervigen Zugezogenen ein langweiliger Querschnitt aus Axel Schulz und Mario Barth wäre, daran mag keiner denken. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen.

Auch ich bin einer der Menschen, die pünktlich zu Weihnachten in die Dorfheimat fahren. Ich tue das zunehmend schweren Herzens, weil meine eigentliche, kleine Familie ist ja in Berlin, bin aber letztlich immer gerne dort. Schließlich mag ich es, in zwei komplett verschiedenen Welten leben zu können. Ich hab seit mittlerweile 8 Jahren mein Berlin-Stadtumfeld, wo ich beinahe jede Ecke kenne. Und wenn mir danach ist, tauche ich einfach noch mal in mein altes Dorf-Umfeld ab, wo ich ebenfalls jede Ecke kenne. Es ist immer eine komische Mischung, irgendwie verändert sich dort über die Jahre alles, aber letztlich ja doch nichts.

Seitdem ich weg gezogen bin haben so ziemlich alle kleinen Geschäfte im Dorf geschlossen. Sieht man mal, was ich für eine Kaufkraft habe! Dementsprechend war es natürlich ein überdimensionales Event, als nach knapp einem Jahr Bauzeit ein neuer Rewe-Markt am Ortseingang eröffnete. Ein kleiner Ort, wo sonst so gut wie nichts passiert, bekommt einen neuen High-Tech-Rewe. Das ist in etwa so, als wäre die Elbphilharmonie nach einem Jahr eröffnet worden. Ein neues Wahrzeichen! Dementsprechend Aufregung war auch das Eröffnungsevent. Eine Tanzgruppe führte ein Programm auf und für zehn Minuten gab es eine Lasershow. Endlich einkaufen.

Nach diesen Erzählungen konnte ich es kaum erwarten an Weihnachten auch endlich das neue Rewe-Feeling auszuprobieren. Und siehe da, es ist tatsächlich etwas ganz besonderes. Und der direkte Vergleich macht es umso interessanter. Der neue High-Tech-Rewe in meiner Berliner Nachbarschaft sieht von innen schließlich genauso aus wie der Dorf-High-Tech-Rewe. Wenn ich hier einkaufen gehe, geht man sich aus dem Weg, ab und zu rennt ein Kind gegen ein Regal, es gibt mehr Sorten Apfelschorle und Mate als Cola und die Soja-Milch ist oftmals kurz vor ausverkauft.

Auf dem Dorf ist das anders. Da ist so ein neuer Supermarkt eine Art Begegnungsstätte, die es ja sonst nicht mehr gibt. Schließlich hat nicht nur der kleine Einzelhandel sondern auch sämtliche Kneipen in den letzten Jahren den Löffel abgegeben. Der erste Blick in den Markt ist deshalb direkt ganz anders. Auf der einen Seite laufen Menschen durch die Regale und blicken sie an, als wären sie im Museum, während an allen Knotenpunkten kleine Rentnergruppen stehen und sich austauschen über ihr aktuelles Krankheitsbild, wer zuletzt verstorben ist, einen Autounfall hatte oder was die Tomaten kosten. Dabei verbarrikadieren sie sich mit ihren Einkaufswagen rundherum als wären sie der schwarze graue Block.

Wenn man mal wissen möchte, wie es sich anfühlt, prominent zu sein, sollte man einfach mal in einem Dorfsupermarkt einkaufen. Wie eine Playmobilfigur im Lego-Kasten fällt man sofort aus und andauernd kommen zwischen den Regalen Köpfe hervor, die einfach nur schauen, wer man eigentlich ist. Das sieht tatsächlich sehr lustig aus und hat ein bisschen was vom einstigen Moorhühner jagen.

Ich kann es also nur empfehlen, mal einen Supermarkt aufm Dorf zu besuchen. Auch weil man danach eine der wichtigsten Fragen im Dorfleben beantworten kann. Sobald man einkaufen war, kommt nämlich jedes Mal die Reaktion: „Ouhh, das war doch bestimmt total voll?!“ Aber natürlich, schließlich gab es eine Lasershow.

*Disclaimer: Das Foto ist nicht vom Supermarkt, sondern eine Ecke weiter. Aber ich mochte das Schaf.

14. Januar 2016 | 0:23 Uhr


Gestern bin ich auf dem Weg zum Zug schon um 6 Uhr morgens über den Alexanderplatz gelaufen. Um diese Zeit strahlt der Platz umso mehr dieses “Was ist hier eigentlich passiert?!” aus. Im Sommer fischt um diese Zeit ein Müllmann alles Mögliche aus dem Brunnen und bei während den Weihnachts-Frühlings-Oster-Pfingst-Sommer-Herbst-Irgendwasistimmer-Märkten stehen die abgeschlossenen Verkaufshäusschen immer so verlassen rum, als wären sie Hütten in “Anno 1602” die keine Straßenanbindung bekommen haben. Schade eigentlich, dass ein – sowohl geografisch als auch historisch – so zentraler Platz zunehmend zu einem Urghs-Platz wird. Um genau zu sein fehlt eigentlich nicht mehr viel für eine volle Urghs-Punktzahl. Primark-Tüten haben den Platz wie ein Algenbefall übernommen, es gibt jede Menge Trickbetrüger, ab und zu wird mal jemand umgelegt und wenn man ganz viel Pech hat, ist gerade das Berliner Humor-Festival. Vielleicht ist es ein bisschen so wie mit dem Times-Square in New York. Als Tourist ist es einer der ersten Orte, den man mit großen Augen ansteuert, aber als Anwohner kann man sich kaum nervigeres vorstellen.

Na ja, ganz so schlimm ist es zum Glück nicht. Schließlich schaue ich bei jedem Gang über den Alexanderplatz kurz hoch zum Fernsehturm und freue mich darüber, in Berlin zu wohnen und das dieser Ausblick oft zu meinem ganz normalen Arbeitsweg gehört. Die besonderen Momente sind dabei wie gesagt meistens am sehr frühen Morgen. Wenn es Kaffee nur in Bechern mit grellen Farben gibt, weil die ganzen hippen Cafés noch nicht aufhaben. Gestern fiel mir in so einem ruhigen erneut auf, dass es keine Tauben mehr auf dem Alexanderplatz gibt. Stattdessen jede Menge Krähen. Die Krähen haben die Vorherrschaft am Alexanderplatz! Ich mag Krähen. Sie sind wahnsinnig schöne Tiere und obendrein auch noch sehr schlau.

Dementsprechend habe ich den Gedanken gleich weitergesponnen. Wenn die schlauen Nebelkrähen jetzt den Alexanderplatz in ihren Krallen haben, kann es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie die Kids zwischen all den Primark-Tüten überlisten. Als nächstes die Trickbetrüger. Und dann die Infostände der Sekten und fragwürdigen politischen Vereinigungen. Liebe Krähen, ich zähle auf euch.

Mein Tag in Hamburg startete heute zum Glück nicht ganz so früh. Dennoch mit Urghs-Moment. Auf dem Weg zum Büro flog auf einmal etwas knapp an meinem Kopf vorbei. Als es auf dem Boden landete sah ich, dass es ein Feuerzeug war. Huch! Wer wirft denn so früh am Morgen mit Sachen nach mir (vor allem OHNE, dass ich einen Gag vorher gemacht habe)?! Ich drehte mich verwundert um und sah einen jungen Herren in Tribal-Tracht. Wie sollte es auch anders sein. Er sah aufgebracht aus, war aber weit genug entfernt, also drehte ich mich wieder weg. Er blaffte irgendwas daher, was ich aber dank David Bowie auf meinen Ohren gar nicht hörte. Und außerdem, wer um 9 Uhr morgens mit Feuerzeugen wirft, hat wahrscheinlich eh keine Lust auf ein aufklärendes Gespräch. Wenn mir das Stadtleben eins gelehrt hat dann: Nicht auf nervige Spinner eingehen!

So ganz konnte ich mir aber doch keinen Reim darauf machen, was denn jetzt los war. Also drehte ich mich noch einmal um und guckte dieses Mal fragend böse statt verwundert belächelnd. Wenn ich seine rudernden Arm-Bewegungen daraufhin richtig interpretiert habe, wollte er mir sowas wie “Ja ich weiß doch auch nicht, sorry!” signalisieren.

(Ich nehme mal an, er hat mich erkannt und dann ist ihm schlagartig eingefallen, dass ich wöchentlich Wrestling schaue und über 200 Kontakte auf Xing habe.)

18. Dezember 2015 | 19:42 Uhr


Momentaufnahme um 4 Uhr morgens

Bei manchen Dingen ärgere ich mich, popkulturell nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Für Nirvana war ich zum Beispiel ein paar wenige Jahre zu jung und zu weit auf dem Dorf. Andere Dinge hätte ich miterleben können, habe sie aber nicht. Harry Potter zum Beispiel. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, das Ganze nicht mitgemacht zu haben. Wäre doch schließlich super gewesen, gemeinsam mit den Akteuren einer (scheinbar) so guten Geschichte älter zu werden.

In jungen Jahren, ich dürfte in etwa 10 gewesen sein, habe ich meinem Onkel mal eine Videokassette mit irgendeiner belanglosen Sendung drauf geliehen. Als er mir die Videokassette zurück gab, hatte er die Sendung überspielt und auf dem Aufkleber am Rücken der Kassette stand „Krieg der Sterne“. Ich ärgerte mich, dass die belanglose Sendung, an die ich mich heute nicht mehr erinnern kann, überspielt wurde und hatte nicht wirklich Lust einen uralten Film mit Krieg im Weltall zu sehen.

Mit 13 sah ich dann Episode I. Das coolste am Film fand ich die Papp-Aufsteller mit dem kleinen Anakin, dessen Schatten die Form von Darth Vader hatte. Den Film selbst, wie der Rest der Welt, eher so mittelmäßig. Nichts was ein besonderes Fan-Dasein in mir hätte entfachen können. Die folgenden zwei Filme habe ich nur noch am Rand so halbwegs mitbekommen.

Das Thema Star Wars an sich hielt ich weiter immer für interessant, hatte bislang aber keinen 100%igen Einstieg. Ich mochte die Welt in der das Ganze spielte, den Look und den damit verbundenen emotionalen Kitsch, solange Staub daran klebte. Vor ein paar Jahren dann der Knall: Lucasarts wird von Disney aufgekauft und der neue Film wird mit JarJar Abrams gemacht.

Uhh! Endlich mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Regisseur von dem ich viel halte macht einen Film einer Reihe von der ich an sich viel halte, aber bislang nie so ganz eintauchen konnte. Ein günstiges Zusammentreffen, was sich das Universum da ausgedacht hat. Und so stürzte ich mich vollends in den Hype. Beziehungsweise eher nicht. Schließlich wollte ich mein grundlegendes Filmerlebnis nicht durch das permanente Suchen von Gerüchten und dergleichen in keinster Weise trüben. Vor einigen Wochen dann der erste Trailer, ein bisschen Gänsehaut, mehr dann aber auch nicht. Ich will alles im Kino zum ersten Mal erfahren und hasse es, wenn (wie in diesem Fall zum Glück nicht) Trailer 90 Prozent des Plots hergeben.

Vor einigen Wochen startete dann der Kartenvorverkauf für die 0 Uhr Premieren des Films. Ich überlegte den ganzen Tag, ob ich mir das antun sollte. Ich würde am Abend aus Hamburg zurückkommen und dann noch vollkommen zerschossen ins Kino gehen. Muss ja nicht sein. Oder doch? Pünktlich als der Vorverkauf startete entschied ich mich spontan dazu es doch zu tun und muss sagen, es war eine meiner besten Entscheidungen des Jahres.

Ein Kino voller Menschen, die einen Film wertzuschätzen wissen, überordentlich viel Vorfreude mit sich tragen und dann auch noch schlecht sitzende Kostüme anhaben – Perfekt! Fast schon schade, dass man Filme nicht öfters derart zelebriert, schließlich sind sie oftmals ja wirklich großartige kulturhistorische Werke. Am Wochenende schaute ich mir die Episoden IV bis VI noch einmal an und steigerte meine Vorfreude auf ein Höchstmaß.

Ich mag Hypes übrigens. Ich mochte das Gefühl, als ich an einem bis dahin langweiligen Mittwochabend zum Sony Center lief und sich auf dem Weg dorthin alle angrinsten, weil klar war, wohin es nun ging. Ich verstehe es, wenn man genervt davon ist, dass wirklich überall irgendwelche Star Wars Bildchen drauf sind. Aber mal ehrlich, ist es nicht tausendmal besser so, als wenn wie sonst üblich, überall Helene Fischer drauf kleben? Na also. Habe ich eben tatsächlich „als wenn wie“ benutzt und das ist grammatikalisch auch noch korrekt? Zurück zum Thema. Bei Star Wars ist das ja auch was anderes als zum beispiel bei einer Fußball WM. Bei Star Wars werden coole Figuren vermarktet, bei einer WM dann ähh Länderfarben. Ich bin großer Fußballfan und ich sehe das nicht als Privileg an (haha!) deshalb darf es zu WM und EM gern unendlich viele Eventfans geben, nervig ist nur, dass das Ganze dann mit Partypatriotismus verwechselt und verbunden wird. Das kann bei Star Wars nicht passieren. Dumme Menschen werden durch Star Wars nicht dümmer, bei Fußballgroßereignissen hingegen kann das schon mal passieren. Also: Der Star Wars Hype ist toll. Und herrje, selbst wenn man es nicht mag ist es dann ja auch egal ob nun ein Yoda auf den Orangen ist oder nicht. Man hat sie ja vorher auch nicht wegen der eleganten Etiketten gekauft.

Na gut, man darf auch genervt davon sein. Allerdings verstehe ich es nicht, dass es nach der Generation „Ich habe keinen Fernseher Zuhause und bin stolz darauf!“ auch noch Leute gibt, die stolz darauf sind, noch nie einen Star Wars Film gesehen haben. Wow, großartige Leistung. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom! Es gibt sogar Medienhäuser, die Menschen, die noch nie Berührungspunkte mit Star Wars hatten, ins Kino schicken, damit sie dann zerreissende Kritiken schreiben. Schließlich macht ja alles keinen Sinn im neuen Film. Ähm okay. Für alle die der Hype nervt, finde ich diesen Tweet hier ganz wunderbar:

Und keine Sorge, in einer Woche ist dann erstmal alles wieder vorbei. Dann können alle wieder Revolverheld hören und mittelmäßige Romantic Comedies im Kino schauen. Ich finde „Das Erwachen der Macht“ übrigens perfekt für Leute, die bislang noch keinerlei Berührungspunkte mit Star Wars hatten. Genauso gut funktioniert der Film aber auch als Brücke zu den alten Teilen und liefert dabei wunderbare Bilder. Man könnte wahrscheinlich beinahe jeden einzelnen Frame des FIlms als Poster ausdrucken. Das alles kommt nicht von ungefähr. Vor Jahren hat ein YouTuber mal einen sehenswerten Clip zusammen gestellt, was Star Wars für ihn ausmacht und das Ganze an JJ Abrams gerichtet.

Abrams meldete sich daraufhin bei ihm und die beiden brainstormten ein bisschen. Eine von vielen kleinen Geschichten, die auch verdeutlicht, warum der Film so schön geworden ist, wie er nun mal ist. Am Tag nach der Premiere habe ich mir vorgestellt, wie JJ Abrams sich durch diverse Foren im Netz klickt und super erleichtert ist, dass die Reviews alle so gut ausfallen. Ich bin gespannt wie es weitergeht und überaus glücklich popkulturell endlich mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort für den Film des Jahres gewesen zu sein.


GEWINNSPIEL

Und weil ihr jetzt alle gelernt habt, dass der Star Wars Hype etwas Gutes ist, soll sich das auch noch für euch lohnen. Mit freundlicher Unterstützung von Samsung verlose ich deshalb nämlich beide Versionen des streng limitierten „Samsung Galaxy S6 Star Wars-Bundle“. Genauer gesagt gibt es:

1 x die DARK SIDE EDITION
Galaxy S6 32GB I Black-Sapphire
Induktive Ladestation Black
Back Cover “Sith Lightsaber”
„Star Wars™: Galaxy of Heroes“ In-App Items im Wert von 10 Euro

1x die LIGHT SIDE EDITION
Galaxy S6 32GB I White-Pearl
Induktive Ladestation White
Back Cover „Jedi Lightsaber”
„Star Wars™: Galaxy of Heroes“ In-App-Items im Wert von 10 Euro

Um teilzunehmen kommentiert dafür einfach bis zum 21. Dezember um 21:00 Uhr einmal unter diesem Beitrag, welcher Seite der Macht ihr angehört. Die Gewinner werden dann per Zufallszahl ausgelost und per Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

16. Dezember 2015 | 23:02 Uhr


Ich habe Freunde in Norwegen, besuche sie aber viel zu selten. Wo doch jeder weiß, wie schön es dort ist! Umso schöner, dass es neulich endlich mal wieder mit einem Kurzbesuch in Bergen geklappt hat. Gerade bei solchen kurzen Wochenendbesuchen fallen einem viele Kleinigkeiten auf, die ich der Einfachheit halber mal aufgeschrieben habe:

90% der Leute reagieren auf einen Norwegenbesuch mit „Aber da ist doch alles so teuer, nä?!“ oder gleich direkter „MUSSTE ABER BIER MITNEHMEN, DAS IS DA SUPERTEUER!!!“. Zum Glück trinke ich kein Bier und sollte es jemals bei mir so weit sein, dass ich aus Gründen der Ersparnis eine Palette Bier mit zu einem Wochenendausflug nehmen sollte, dann … hmmm … bitte schüttelt mich dann ganz doll. Jedenfalls ein super Thema auch für Norweger. Die lieben es darüber zu reden, wie teuer alles bei ihnen ist. Abgesehen von Restaurantbesuchen ist das übrigens gar nicht sooo schlimm. Lustig hingegen aber ist, dass Deutsche im Allgemeinen in Norwegen das Klischee haben, dass sie nur mit dem Wohnwagen unterwegs sind und alles von Zuhause mitbringen.

Ich habe vorab mit einer App ein klein wenig norwegisch gelernt, machte mir aber langsam Sorgen, weil es in allen Sprachbeispielen mit Bergen darum ging, dass niemand da hin will, weil es andauernd regnet. Und siehe da, bis auf wenige Stunden hat es durchgehend geregnet. An sich nicht weiter schlimm, allerdings macht man sich ja doch seine Gedanken, wenn für Ausstellungszwecke ein Nachbau der Arche Noah im Hafen steht …

Apropos Wetter: Das Schöne an Bergen ist auch, dass man nach 20 Minuten zu Fuß inmitten der Natur steht und bei ein bisschen Nebel und Nieselregen vollends davon überzeugt ist, das jederzeit ein Troll aus einem Gebüsch gepurzelt kommen könnte. Passend dazu gibt es seit einiger Zeit den Film „Trolljegeren“ auch in deutscher Synchro bei Netflix.

So hübsch, friedlich und ruhig wie es in Bergen ist, war es eigentlich die logische Konsequenz, dass die Stadt neben Oslo das Zentrum der Entwicklung der Black-Metal-Szene in den frühen Neunzigern war. Manchmal singen die Möwen leise im Hafen „Darkthrone“. Auch darüber gibt es eine interessante Doku namens „Until the Light Takes Us“ (in voller Länge auf YouTube zu sehen). Sehr interessant, aber mit Vorsicht zu genießen, da alle Aussagen in keinster Weise kommentiert oder reflektiert werden. Sollte man jetzt also nicht unbedingt seinem kleinen Cousin zeigen, könnte sonst sein, dass der Sympathie und Verständnis für rassistische Mörder entwickelt.

Bergen hat ein neues, verrücktes Müllsystem. Auf ein paar Häuser kommen wie gewohnt eine Tonne für jeweils Papier, Altglas und so weiter. Aber das sind keine Tonnen, sondern Öffnungen für einen Schacht. Mit einem Chip kann man die Öffnung ein paar Mal im Monat (je nachdem wieviel man bezahlt) öffnen und den Müll reinwerfen. Der Müll wird dann unterirdisch erst gesammelt und dann per Hochdruck durch ein Rohrsystem in die Müllverbrennungsanlage geschossen. Verrückte, neue Welt!

Apropos verrückte, neue Welt. Bis vor kurzem waren in Bergen Segways verboten. Die rechtsgerichtete Partei im örtlichen Parlament setzte sich dann aber erfolgreich dafür ein, dass sie endlich erlaubt werden.

Weiterhin verboten sind aber Plakatwerbungen. Abgesehen von kulturellen Veranstaltungen wird per Plakat nichts in Bergen beworben. So sieht alles gleich noch mehr nach hübscher, heiler Welt aus.

In Bryggen sieht alles aus wie eine Mischung aus Besuch beim Weihnachtsmann und Wochenende im Heidepark. Ist tatsächlich aber ein UNESCO Weltkulturerbe und ehemaliger Umschlagplatz der Hanse. Die Geschichte dieser kleinen deutschen Siedlung ist durchaus interessant.

1. Dezember 2015 | 18:40 Uhr


Da man von Berlin aus mit dem Zug gerade mal eine Stunde nach Wolfsburg braucht, habe ich neulich die Chance genutzt und mir den Pokalkracher zwischen dem FC Bayern und dem VFL Wolfsburg angeschaut. Das Stadion ist gerade mal eine Viertelstunde vom Bahnhof entfernt und der Weg dorthin fühlt sich an, als wäre Wolfsburg ein kleiner, absurder Freizeitpark. Erst läuft man durch ein kleines Outlet Center und dann an der Autostadt vorbei. Überall stehen alte, neue, schöne, besondere und verrückte Autos. Allesamt wunderhübsch angestrahlt, während im Hintergrund die Schornsteine des VW-Werks thronen. Selbst das vergleichsweise kleine Stadion wirkt durch seine Umwelt fast wie ein Autohaus.

Für stolze 70€ hatte ich ein Ticket in Reihe 5 nahe der Mittellinie bekommen. Ich mag es, so nah am Spielgeschehen zu sein, dass man das Geräusch jede Ballannahme hören kann, die Zurufe und Anweisungen der Spieler hört, so wie deren Mimik dazu sehen kann. Gerade die erste Halbzeit war dabei wie ein permanentes Dessert mit feinstem Fußball. Philipp Lahm stand dabei die meiste Zeit vor mir und ich konnte aus nächster Nähe beobachten, wie er die Fäden zog. Ebenso wie Xabi Alonso zu dem ich mir einrede, dass wir befreundet sind, seitdem wir im Frühsommer diesen Jahres mal zusammen gekickt haben. (Er hat mich allerdings gar nicht gegrüßt, wahrscheinlich hat er mich nur übersehen. Oder??)

Hach, mein FC Bayern. Vor einigen Wochen war ich in München und habe während einem Spaziergang das altehrwürdige Olympiastadion besucht. Ich habe mich auf einen der alten Schalensitze gesetzt und darüber nachgedacht, wie unerreichbar dieser Ort für mich früher war. Während so ziemlich alle Fußballfans in meinem Freundeskreis aus Liebe zu ihrem Verein schon im Kindesalter in der Kurve im Stadion standen, saß ich in meinem Kinderzimmer in Thüringen und das Olympiastadion war für mich dabei in etwa so unerreichbar, wie die Tiere aus meinem Afrika Buch. Wobei es die immerhin im Zoo gab, Mehmet Scholl hingegen nicht. Den gab es nur einmal.

Mit 14 war ich dann zum ersten und einzigen mal im Olympiastadion. Es fühlte sich an wie im Film und ich kann mich heute noch an beinahe jeden Moment erinnern. Carsten Jancker und Giovanne Elber sahen wirklich so aus, wie man sie aus „ran“ kannte und bereits 10 Jahre vor der WM in Südafrika kaufte ich eine Vuvuzela. Ich Trendsetter. Meine blonden Strähnen damals kamen eben nicht von ungefähr.

Wenn es hochkommt sehe ich den FC Bayern heutzutage etwa fünf Mal im Jahr. Jedes Spiel so exklusiv wie ein Stück aus einer Pralinenschachtel und jedes Mal etwas besonderes. Ich wäre gerne weniger diese Form des Edelfans, aber das geht aus der Ferne ja leider eher schlecht. Dafür werde ich aber auch niemals das Heimspiel-Gefühl beim mir von Gott und meinem Vater zugeteilten Herzensverein verspüren. Denn für mich ist jedes FC Bayern Spiel ein Auswärtsspiel. Egal ob in Berlin, Wolfsburg oder München. Aber das ist okay, die gewinnen ja auch ohne mich relativ oft.

Aus der Ferne kann man sich dafür dann mit anderen Dingen umso mehr beschäftigen. Zum Beispiel mit Coca-Cola Dosen mit Vereinslogo sammeln. Die stapelten sich früher auf meinem Schrank und so ergriff mich eine kleine Nostalgiewelle, als man bei Coke Zero vergangenen Jahr wieder damit anfing. Auch für dieses Jahr gibt es alle 18 Vereine der ersten Bundesliga in Dosenform und ihr könnt in 10 Jahren dann damit prahlen, dass ihr noch die seltene Darmstadt-Dose habt.

GEWINNSPIEL

Wer sich das sammeln besonders einfach machen möchte, hat hier die Chance eins von zwei Komplettpaketen mit allen 18 Dosen (natürlich voll) zu gewinnen! Kommentiert dafür einfach bis einschließlich dem 6. Dezember 2015 unter diesem Artikel, welcher Verein mal auf eine Sammeldose sollte. Die Gewinner der Dosenjackpots werden dann per Zufallszahl ausgelost.

PS: Mit etwas Glück verwandeln sich die 18 Coke Zero Dosen dann auch noch in 18 mal Manuel Neuer und ihr werdet nie wieder im Schulbus geärgert.

16. November 2015 | 18:33 Uhr


Am Freitagabend bekam ich eine Push-Benachrichtigung einer Nachrichten-App über die Vorkommnisse in Paris. Kurz zuvor hatte ich zur letzten halben Stunde des Fußballländerspiels zwischen Frankreich und Deutschland geschaltet. Es ist komisch, plötzlich in einen Moment geworfen werden, von dem man genau weiß, dass man sich sehr lange, wahrscheinlich für immer, sehr genau an ihn erinnern kann. Der hilflose Tom Bartels, der dieses Spiel irgendwie zu Ende moderieren musste und die noch hilfloseren Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl im Anschluss.

Bis 2 Uhr nachts saß ich auf dem Sofa vor dem Fernseher und verfolgte jedes Detail was aus Paris kam. Sekündlich aktualisierte sich ein Newsticker auf reddit, wo verschiedene Menschen vor Ort immer wieder neue Details beitrugen. Denn auch das ist einer der Nebeneffekte unserer Zeit, der solche Taten noch absurder macht: Ich erfahre jedes noch so kleine Detail beinahe in Echtzeit. Auf Periscope-Livestreams und dergleichen habe ich verzichtet, weil ich nicht in wackeligen Videos live miterleben wollte, wie Menschen panisch um ihr Leben rennen. Schlimm genug, dass ich überhaupt jedes Detail verfolgte und mich somit immer mehr von den Vorkommnissen aufwühlen ließ. Aber an Schlaf war eh nicht zu denken. Als sich die Lage etwas beruhigte (wenn man das überhaupt sagen kann) und ich endlich schlafen wollte, machte ich mir eine Folge “Friends” an und versuchte dabei den Kopf wieder etwas frei zu bekommen und dabei einzuschlafen.

Hat nur so mittelmäßig gut funktioniert. Weitaus besser war die Entscheidung am Tag darauf für das Wochenende raus aus Berlin ins Heimatdorf nach Thüringen zu fahren. Weg von der Stadt und vor allem auch irgendwie weg vom Internet. Ruhe im Wald ist wohl das beste was man aus diesen angeknacksten Tagen noch herausholen konnte.

Zurück in Berlin bekam ich auch direkt eine Bestätigung für die Richtigkeit meiner Entscheidung. Mit meinen Freunden Donnie und Nilz betreibe ich seit einiger Zeit den Podcast “Gästeliste Geisterbahn”. Ein sehr überdrehtes und wohl auch lustiges Dings was wir erstaunlich regelmäßig bereits 11 Mal aufgenommen haben. Alle 2 Wochen erscheint eine neue Folge, in den Wochen dazwischen eine Minifolge, in der wir Fragen beantworten. Jeden Sonntag gibt es also etwas Neues. Nach kurzer Rücksprache entschieden wir uns aber gestern dafür, keine neue Folge zu veröffentlichen. Für alle Beteiligten war sofort klar, dass wir uns unangenehm damit fühlen würden, einen überdrehten, lauten Podcast, den wir bereits vor zwei Wochen aufgezeichnet hatten, zu veröffentlichen. Die Welt um uns herum war so still und nachdenklich, da will man nicht wie ein unreflektierter Idiot dastehen. Ich zumindest nicht. Natürlich lassen wir uns für gewöhnlich durch nichts den Spaß verderben, aber ein Bauchgefühl sagte sofort, dass in diesem Falle Ruhe angebracht ist.

Selbstverständlich war diese Aussage ein gefundenes Fressen für ein paar wenige Idioten, die das nicht als persönlichen Entschluss, sondern als Diskussionsgrundlage sahen. So ist das Internet nunmal. Wenn man etwas aus einem (Bauch-)Gefühl heraus entscheidet, dann ist das nun mal so. Deshalb sind es ja Gefühle. Aber nein, unsere Entscheidung wäre unverständlich, schließlich würde andauernd irgendwo was passieren und da würde man ja auch nicht … blablabla. Als wären wir ein öffentlicher Abodienst, der sich gegenüber seinen zahlenden Abonnenten in den Weg stellt und nicht ein kleines Hobbyprojekt, was sich für eine Woche Pause entschieden hat. Internet ey. Klar, ich sollte längst gelernt haben mich von nichts und niemandem im Internet provozieren zu lassen, aber für mich war es einfach ein Stück zu viel. Als ich meine Facebook App öffnete, sah ich ein Foto, unter dem ein Freund von mir mitteilte, dass ein geschätzter Kollege von ihm im Le Bataclan umgekommen sei. Daneben öffnete sich die Notification mit eben genannten “Diskussionsansatz”.

Man sollte die sozialen Medien weitestegehend meiden, bei solchen Ereignissen. Schließlich basieren die Inhalte nunmal weitestgehend auf Emotionen. Und wenn die durchdrehen, drehen auch die Inhalte durch. Niemand glaubt ernsthaft, mit einem neuen Profilfoto den Terror bekämpfen zu können, für viele Menschen ist es aber nunmal zwischen gefühlter Hilflosigkeit ein Zeichen der Anteilnahme und überhaupt irgendein Zeichen um zwischen all den Fragen mal einen Punkt zu machen. Jede/r sollte Trauer so zeigen, wie er/sie es gerne möchte. Fertig. Etwas ganz anderes ist es natürlich, wenn Anteilnahme plakativ eingesetzt wird, um beispielsweise möglichst viele Klicks zu generieren. Auch wenn ich mich wiederhole, aber: Internet ey!

Statt es einfach hinzunehmen und die Gefühle anderer zu respektieren geht die gewohnte Keule los: “Jetzt berichten die Medien darüber, wenn so etwas mal in Paris passiert, aber sonst ja nie!” Dabei stimmt das gar nicht, nur interessiert das eben nicht so viele Menschen. Wobei wir bei der nächsten Keule wären, die auch ich schon abbekommen habe: “Warum nimmt dich das so mit, wenn so etwas doch andauernd passiert! Interessiert dich das sonst etwa nicht?!”

Doch tut es, nur trifft es mich sonst nie so nah und außerdem habe ich mir mittlerweile eine sehr feine Mauer aus Selbstschutz um mich herum errichtet, weil ich nicht vollends an dieser Welt verzweifeln möchte. In nicht allzu ferner Zeit möchte ich ein Kind in diese Welt setzen und nicht vorher zu dem Schluss gekommen sein, dass dies ein Fehler wäre. Wenn ich es wollen würde, könnte mich beinahe in jedem Moment meines Alltags etwas nerven oder mir gar nahe gehen. Das reicht von übermächtigen, brutalen Regimes in fernen Ländern bis zu dummen Menschen mit Echtfellkragen die mir in der U-Bahn gegenüber sitzen. Ich habe gelernt das in den meisten Fällen nicht an mich heran zu lassen. Aus reinem Selbstschutz, weil man es anders ja auch gar nicht aushalten könnte. Stattdessen bin ich lieber froh in einer Gegend und einer Zeit zu leben, die in der Geschichte in Sachen Frieden und Lebensqualität ihresgleichen sucht. Lieber nutze ich diese Position aus, um die Welt jeden Tag ein klein wenig besser zu machen. So kitschig das auch klingt.

Und doch habe ich Angst und bin getroffen von dem, was am Freitag in Paris passierte. Einfach weil es so nah war. Bekannte von mir saßen im Fußballstadion und auch ich wäre beinahe dort gewesen. Die Eagles of Death Metal habe auch ich bereits mehrmals live gesehen und die ein oder andere Cola mit deren Sänger Jesse Hughes getrunken. Übermorgen würde ich eigentlich auf ein Konzert der Deftones gehen, die nun aber ihre Europa Tour abgesagt haben. Einige Bandmitglieder waren am Freitag im La Bataclan, haben es aber glücklicherweise frühzeitig verlassen. Ihr eigentlicher Tourplan sah so aus und könnte kaum besser verdeutlichen, wie nah dieser ganze Wahnsinn auf einmal sein kann:

Ich hasse diese eigentlich unberechtigte Angst in solchen Momenten. 2002 gab es in einer Erfurter Schule einen Amoklauf. Am Tag darauf saßen wir eine halbe Autostunde davon entfernt in unseren Klassenräumen bei einer Schweigeminute. Im Haus fiel wahrscheinlich eine Tür durch einen Windstoß zu und ein lauter Schlag hallte durch die Stille im ganzen Gebäude. Ich erwischte mich kurz wie ich dachte: “Jetzt ist es so weit.”, schließlich war man in den Stunden zuvor eh immer im Kopf durchgegangen, wer an der eigenen Schule zu so einer Tat fähig sein könnte. Letztlich war es aber doch nur eine Tür, was mich gleichermaßen erleichtert und dumm fühlen ließ.

Ähnlich wie heute morgen, als ich unterbewusst immer wieder genau schaute, wer gerade in die U-Bahn einstieg. Paris hat seinen Horror am vergangenen Freitag erlebt. Vor 10 Jahren explodierten bei einem Terroranschlag mehrere Bomben in der Londoner U-Bahn. Im Jahr zuvor gab es einen ähnlichen Anschlag in Madrid. Welche Stadt fehlt (zum Glück) in dieser Reihe? Rund 550 Dschihadisten sind aus der Bundesrepublik ausgereist, um für den IS zu kämpfen. Der bekannteste davon radikalisierte sich in der Nachbarschaft vom Büro, wo ich diesen Text gerade schreibe.

Es ist ein komisches Gefühl in einer Stadt zu wohnen, von der man die ungewisse Gewissheit hat, dass es wohl früher oder später knallen wird. Und trotzdem wäre es nicht richtig sich dieser Angst hinzugeben. In Deutschland gibt es jährlich 300.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, pro Monat sterben dabei rund 300 Menschen auf Deutschlands Straßen. Und doch kann ich jedes Mal bedenkenlos in ein Auto steigen. Ein Zitat, welches ich gestern las, bringt sehr gut auf den Punkt, nach welchem Prinzip man trotz dieser ungewissen Gewissheit leben sollte. Es entstand nach den Anschlägen in Norwegen 2011:

We will not become worse, we will be better. We lived in a land where this is possible, even easy. And we will keep living in a land where this is possible, even easy. We are open, we are free and we are together. We are vulnerable by choice. And we will keep on like that, that’s how we want to live. We will not be worse because of the worst. We must be good because of the best.

Oder wie ich es jetzt sagen würde: Denkt was Gutes, tut was Gutes, dann wird alles schon irgendwie gut. Und selbst wenn nicht, dann hat man seine Zeit bis dahin wenigstens nicht vergeudet.

22. Oktober 2015 | 23:49 Uhr


Gerade scheint wieder eine erhöhte Klassenfahrtdichte zu herrschen. Seit mehreren Tagen teile ich mir regelmäßig den U-Bahn-Wagon mit ganzen Schulklassen. Das ist zwar anstrengend, weil es sehr viel enger ist und alles nach Axe oder Vanille riecht, aber ebenso interessant ist es auch. Ich mag es mir durch bloße Beobachtungen das soziale Gefüge einer Schulklasse auszumalen.

Wer sind die Looser, wer sind die Sporthonks, wer sind die Anführermädchen und – neu! – wer sind die Hypsterstyler? Letztere sind noch nicht mal volljährig, tragen aber spitze Lederslipper und Hemden in der Schule. Hahaha! Und überhaupt: Dieses Markending wird ja auch von Generation zu Generation schlimmer. Erst Recht durch Smartphones. Die Kids verschicken Emojis mit Geräten, die teuerer sind als mein gesamter Besitz bis zum 21. Lebensjahr! Opa Herm erzählt vom Krieg.

Zu Klassenfahrten waren wir innerhalb Deutschlands nie in Großstädten. Wahrscheinlich besser so, dass hätte uns Dorfkids vollends überfordert und alle hätten sich Hasch gespritzt und Heroin geraucht. Oder so. Einmal waren wir für einen Tag in Pirna und es fühlte sich an wie die große, weite Welt.

Deshalb finde ich es immer spannend Schulklassen dabei zu beobachten, wie sie Berlin wahrnehmen und was sie außer Primark so machen in der Stadt. Heute Morgen fuhr zum Beispiel eine ganze Klasse unter der Leitung von zwei Lehrerinnen zum Kottbusser Tor. Warum in aller Welt tut man das? Auf Teenager aufpassen am Kotti – Ich kann mir nur wenig Schlimmeres vorstellen. Höchstens vielleicht auf brennende Teenager am Kotti aufpassen. Aber vielleicht waren sie ja auch für den Sozialkundeunterricht dort. Oder die Schüler/innen hatten es sich am Vorabend verdient, direkt nach dem Frühstück erstmal von wildfremden Menschen bepöbelt zu werden.

Äußerst unterhaltsam war eine weitere Klasse in meiner Bahn auf dem Heimweg. Ich hörte raus, dass es jetzt zum Abendessen geht. Und zwar in eine Pizzeria und jede/r darf für 15€ essen. Genauer gesagt zu „I Due Foni“. Ein durchaus bekannter Laden, mit 3 Bekanntheitsmerkmalen:
1) Es gibt dort sehr gute Pizza
2) Diverse Punkbands haben sich auf den Wänden dort verewigt
3) Als Mann wird man in 9 von 10 Fällen furchtbar unfreundlich bedient

Lustig jedenfalls: Einen Augenblick nachdem der Name fiel, meldete sich direkt ein Junge der schwäbischen Schulklasse zu Wort. „Ja abor der Salat soll net so gud sei.“ Alle nickten anerkennend und berieten sich, was sie nehmen würden. Hahaha, die sind auf Klassenfahrt hier und gucken selbstverständlich in die Yelp-Bewertungen. Hallo Zukunft!