22. Mai 2015 | 21:45 Uhr


Im Wesentlichen orientieren sich die größten Punkte auf meiner Liste der Dinge, die ich im Leben noch machen möchte, an Fernsehhighlights meiner Kindheit. Zum Beispiel will ich seit je her auch mal in den Eliminator der American Gladiators. Oder auf Flucht vor der Tennisballkanone sein. Oder den Super Toy Run mitmachen. Da durften Kinder mit einem Einkaufswagen durch Toys’r’Us rennen und alles mitnehmen was sie innerhalb von, ich glaube, 3 Minuten greifen konnten. Noch heute mache ich mir Gedanken über perfekte Strategien dafür. Wo sind die Prioritäten? Was sind die kürzesten Wege zwischen den Regalen? Schwierig. Eigentlich hätte ich auch gern mal bei „Takeshi’s Castle“ mitgemacht, allerdings sah das immer so aus, als würden mindestens 60% der Kandidaten mit einem Genickbruch im Schlammwasser verenden.

Umso schöner, wenn einer dieser Wünsche plötzlich ganz unverhofft erfüllt wird. Na gut nicht ganz. Also Entwarnung, NOCH war ich nicht im Eliminator, aaaber so ähnlich. Zum Geburtstag bekam ich einen Gutschein für einen Aufenthalt im „Jumphouse“. Klingt vom Namen her ein bisschen wie eine Hip Hop Disko an einer Autobahnausfahrt, ist aber in Wirklichkeit – viel besser – eine große Halle voller verschiedene Trampolins. Und das für Erwachsene!

Seit Jahren fehlt mir der Hüpfspaß so sehr. Ich war ja auch gar nicht darauf vorbereitet, dass man eines Tages nicht mehr auf Hüpfburgen drauf darf. Das lernte ich übrigens ziemlich beindruckend. Ich war bei einem Wettkampf vom Deutschen Roten Kreuz (Ja, ich hatte eine sehr aufregende Jugend!) bei dem es eine kleine Hüpfburg gab. Da es nur wenige Kinder und gar keine sehenswerten Mädchen in der Nähe gab, sprangen wir als Teenager über unsere Coolnessgrenze und vereinnahmten die Hüpfburg. Das hatte ich damals schon viel zu lang nicht mehr gemacht. Einer in unserer Gruppe war allerdings damals schon körperlich sehr viel weiter und oppulenter als alle anderen. Sein Körperbau und sein Bartansatz, den man gegen das Licht leicht erkennen konnte, ließen ihn durchaus schon fast als Erwachsenen durchgehen. Er nahm Anlauf, streckte seine Arme wie das Chiemsee Logo von sich und sprang mit dem Bauch voran auf die Hüpfburg. Mit einem lauten „FUMP!“ flog der Schlauch vom Belüftungsgerät, die Hüpfburg verlor an Luft und fiel sofort in sich zusammen.

Ein wegweisender Moment in meinem Leben. Bis dahin waren Hüpfburgen für mich ein unkaputtbarer Ort unendlichen Spaßes. Man warf sich rein, gegen die Wände oder blieb einfach in den großen Rillen liegen, Hauptsache man hatte die Schuhe vorher ausgezogen. Und jetzt das. Nie wieder Hüpfburg. Im gleichen Jahr erschien „

Zeitsprung zu 2015: EINE HALLE VOLLER TRAMPOLINS! Ich hatte vorher nicht weit genug mitgedacht und trug ein Shirt der US-Basketballnationalmannschaft. Das weckte wahrscheinlich Begehrlichkeiten der anderen Anwesenden und der Aufseher, dass ich supercoole Tricks kann, tatsächlich sah ich aber wahrscheinlich eher aus, wie ein morsches Stück Holz, an das jemand Wackelaugen geklebt hat. Aber vielleicht musste ich mich ja schonen für die NBA Playoffs und performte deshalb nur auf Sparflamme, schwitzte dabei aber sehr?

So zufrieden wie das einfache Hüpfen macht, so sehr schwitzt man davon übrigens auch. Man kann dann aber einfach in ein großes Becken voller Schaumstoffwürfel springen, wo zuvor schon 100 andere ihren Schweiß ließen. Das ist allerdings vollkommen egal, schließlich ist es ein großes Becken voller Schaumstoffwürfel, in das man einfach reinspringen kann. WIE BEI DER 100.000 MARK SHOW!

Wenn ich das richtig verstanden habe, sollen mit der Zeit in ganz Deutschland solche Hüpfhallen eröffnen. Ich wünsche es mir sehr und fühle mich nun ein Stück näher am Eliminator.

PS: Wie hieß diese Nickelodeon Show, die eine Art American Gladiators für Kinder war? Moderiert damals von jemandem, der danach dann bei QVC arbeitete.

PPS: Ich hatte die deutsche Handpuppe bei den American Gladiators ganz vergessen …

19. Mai 2015 | 9:56 Uhr

Letzten Donnerstag war ich beim 5. Geburtstag von Mit Vergnügen. Weil die Jungs und Mädels von Mit Vergnügen in Berlin besser vernetzt sind als Mallorca Jens auf den Balearen, kam zu diesem Anlass nicht nur ein müder Alleinunterhalter mit Keyboard, sondern gleich 20 Acts! In die Volksbühne! Unter dem Titel „Die 21 schönsten Sängerinnen und Sänger der Stadt“ wurde eine große Berliner Musikpralinenschachtel aufgemacht.

Genau das richtige für einen Rosinenpicker wie mich. Ich weiß gar nicht warum ich so verwöhnt geworden bin, was Konzerte angeht, aber da muss schon viel passieren, wenn ich nicht bei der Vorband gelangweilt schnaube oder zum Konzert eines Künstlers gehe, von dem ich nicht mehr als 2 Songs kenne. Ich bin ein Musikschnösel geworden, schlimm.

Aber zurück zur Volksbühne. Jede/r durfte genau einmal, man wusste nicht wer als nächstes kommt und zwischendurch sprang noch ein gut aufgelegter Nilz umher. In etwa so als wären Mit Vergnügen die Ghostbusters und Nilz wäre Slimer. Aber sehen sie doch selbst:

Der Abend hatte neben seiner generellen Schönheit noch zwei weitere Nebeneffekte:
1) Zwischen nach einem Sonnenstrahl vollends verdreckten Parks und Junkies, die einem in Regelmäßigkeit vor die Schuhe kotzen, vergisst man gerne mal, wie schön Berlin doch eigentlich ist und warum man dort ursprünglich mal hingezogen ist. An solchen Abend merkt man es wieder, wenn 20 tolle Acts aus Berlin auftreten und das gerade mal die Spitze des Musikeisbergs dieser Stadt ist.

2) Ausserdem war der Abend ein schöner Leuchtturm dafür, was aus einer kleinen Idee werden kann, wenn man sie richtig angeht. Und was überhaupt aus diesem „Wir machen jetzt nen Blog“ Ding werden kann.

Ich wünschte es hätte Mit Vergnügen schon gegeben als ich nach Berlin kam. Da war ich mit dem Nachtleben und der generellen Fülle an Events nämlich komplett überfordert. Oder überhaupt mit der Tatsache, dass man mindestens eine halbe Stunde U-Bahn überall hin fahren musste. Das gab es in Bielefeld nicht.

Deshalb meine Empfehlung: Abonniert euch den Mit Vergnügen Newsletter, denn es ist einer der wirklich nützlichen Newsletter. Die Wortkombination „nützlich“ und „Newsletter“ ist so abstrus, dass euch bewusst sein dürfte wie ernst es mir mit dieser Empfehlung ist.

Und nun wünsche ich Erfolg und vlel Vergnügen für die nächsten 50 Jahre. Am besten genauso weitermachen, nur mit der Ausnahme, dass gesponsorte Artikel ein bisschen besser gekennzeichnet sind und so sind. Wobei ich das ja selbst nicht mal richtig kann. ABER ICH FEIER JA AUCH NICHT GEBURTSTAG IN DER VOLKSBÜHNE!

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15. Mai 2015 | 9:03 Uhr


Musikalische Früherziehung ist ja sehr wichtig. Zum Glück wurde da bei mir sehr viel richtig gemacht. Mein Onkel unterbreitete mir alles, was gute Gitarren enthält. Das beschränkte sich zu 80% zwar auf Bruce Springsteen, was aber auch alles andere als ein Kritikpunkt ist. Ich weiß nicht so ganz warum, aber mein Vater machten während meiner Kindheit eine Volksmusikphase durch. Einmal habe ich auf der Fahrt in den Alpen-Wanderurlaub heimlich eine Ronny Kassette auf einem Rastplatz entsorgt, weil ich es einfach nicht länger ausgehalten habe. Hoooohe Tannnnneeeeen ….

Wie gesagt, ich kann mir nicht erklären, woher bei meinem Vater diese plötzliche Vorliebe für Volksmusik kam, aber manchmal hielt er glücklicherweise doch noch an den Helden seiner Jugend fest. Da hörten wir bei Autofahrten die Rolling Stones oder AC/DC.

Von letzteren bekam ich auch mein erste Musikkassette – das legendäre „Back in Black“ Album. So sehr wie ich die Kassetten mit „Steiermän san very good!“, „Feuer im ewigen Eis“ oder „Hooooheeee Tannnnneeeeeeeen“ hasste, so sehr liebte ich es, wenn wir mal „Back in Black“ im Auto hörten.

Meine allererste Kassette war übrigens ein Hörspiel mit der ersten Folge von „Panki aus Pankanien“. Das ist ein freundlicher Ausserirdischer, der gern Kastanien isst. Ein sehr netter Kerl, allerdings gab es auf Seite B auf einmal gruselige andere Ausserirdische vor denen ich so sehr Angst hatte, dass ich diesen Teil des Hörspiels nur unter Aufsicht hören konnte. Nie gegruselt habe ich mich dafür vor den tiefen Glockenschlägen mit denen „Back in Black“ beginnt. Auch gut 25 Jahre nach dem ersten Hören ist das für mich immer noch eins der besten Albumintros überhaupt.

Schon lustig, während ich tierische Angst vor einem Möchtegern-Bösewicht auf einem Hörspiel hatte, fand ich es total super, vorm Einschlafen mit „Hells Bells“ einen Song zu hören, in dem der Sensenmann davon erzählt, wie er wie ein Wirbelsturm übers Land fliegt. Gut, ich hab natürlich auch kein Wort verstanden, ABER DIE GITARREN SIND VOLL GUT!!!!11!!111

Besonders wenn, so wie hier in Argentinien, die Melodie der Gitarren mitgesungen wird:

So entwickelte sich schon sehr früh AC/DC als wichtige Verbindung zwischen mir und meinem Vater. Egal wie viel Streit und Ärger es während der Pubertät und weit darüber hinaus bis heute auch gab, wenn wir im Auto zusammen AC/DC hören, ist alles wieder gut. Eine dementsprechend große Herzensangelegenheit war es auch für mich, als ich ihm einen Jugendtraum erfüllte und uns beiden Tickets für ein AC/DC Konzert besorgte. Ich muss zugeben, dass es durchaus etwas übernatürliches hat, wenn Angus Young direkt vor einem auf einer Plattform aus dem Boden gefahren kommt und die ersten Töne auf seiner Gitarre anstimmt. Erst recht, wenn man Jahrzehnte auf diesen Moment gewartet hat.

Derzeit sind AC/DC wieder in Europa unterwegs und nächsten Monat ist es im Olympiastadion wieder Zeit für einen Vater-Sohn-Konzertbesuch. Seit der Ankündigung des Konzerts wächst meine Vorfreude täglich, auch wegen dem Bewusstsein, dass es wahrscheinlich das letzte AC/DC Konzert meines Lebens sein wird. Ich hoffe natürlich nicht, aber angesichts des Zustands der Band und dem kürzlichen Verlusts des an Demenz erkrankten Masterminds dahinter, ist die Zukunft natürlich mehr als fraglich. Umso schöner, sie jetzt noch mal zu sehen, diese Band, die seit 200 Jahren Songs über exakt 2 Themen schreibt.

Und fast noch besser ist, dass Sonos mich im Finden eins Vatertagsgeschenks unterstützt hat. In diesem Jahr gibt es für meinen Vater nämlich einen PLAY:1 Lautsprecher. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieses Ding gerade mal halb so groß wie Angus Young ist, aber einen Klang im Wohnzimmer machen kann, als würde man direkt vor der Bühne stehen. Perfekte Konzertvorbereitung also! Und außerdem ist es auch die logische Konsequenz davon, dass ich mich gekümmert habe, dass in der ganzen Wohnung das WLAN funktioniert. Denn darüber steuert man diversen Geräten den Speaker an und kann ordentlich Krach machen. (Ich hoffe nur, mein Vater erwartet jetzt nicht jedes Jahr solche Geschenke von mir.)

- GEWINNSPIEL -


Falls ihr auch „Back in Black“ (oder was von den Klostertalern, das ist euch frei gestelt) in bestem Sonos Klang hören möchtet, dann habt ihr hiermit die Chance einen PLAY:1 zu gewinnen! Schreibt einfach bis einschließlich 22. Mai 2015 in die Kommentare, welches Album ihr als erstes darüber hören würdet. Der oder die Gewinnerin werden dann (vollkommen musikalisch wertfrei) per Zufall gezogen. Für den Vatertag reicht es also nicht mehr ganz, aber immerhin habt ihr beim nächsten Elternbesuch dann was zum angeben.

PS: Meine zweite Musikkassette war übrigens das Album „Lotusblume“ von den Flippers. Glücklicherweise hatte diese Kassette nicht halb so viel Einfluss auf mein weiteres Leben wie „Back in Black“. Und siehe da, während sich die Flippers mittlerweile aufgelöst haben, gibt es AC/DC immer noch. Am Ende gewinnt eben immer das Gute.

» Infos zum Sonos PLAY:1
» Sonos bei Facebook

12. Mai 2015 | 11:22 Uhr


Ich lebe in so viel digitaler Dekadenz, dass neben der Playstation 4 im Wohnzimmer die Playstation 3 ein neues Leben im Schlafzimmer bekam. This is where the magic happens.

Ich weiß gar nicht mehr warum, aber ich habe gestern Abend einen wasserlöslichen Sportdrink ausprobiert. Nebeneffekt war, dass auf ein Glas 100mg Koffein kam. Das wirkte sogar in meinem colaverwöhnten Kopf. Wo ich statt Schlaf schonmal Konfetti im Kopf hatte, nutzte ich die gewonnene Wachzeit und entstaubte GTA 5 für die Playstation 3. Ich hatte da noch nie den Onlinemodus ausprobiert und hielt ihn für einen guten Zeitvertreib.

Ich kannte den GTA Onlinemodus von der PS4 und wusste also was mich in etwa erwartet. Anfangs wird man mit ein paar anderen Leuten, die ebenfalls erstmals diesen Modus spielen, zusammen gewürfelt und man muss einen Auftrag erfüllen. Irgendwo hinfahren und was besorgen. Gesagt getan.

Nach dem ersten Auftrag zur Einführung kann man im Prinzip machen, was man will. Mir fiel allerdings auf, dass mich ein anderer Spieler die ganze Zeit verfolgte. Normalerweise werden minderbemittelte Spieler wie ich in solchen Fällen eigentlich immer sofort umgelegt, weshalb ich mich immer mehr wunderte warum er das wohl tat.

Irgendwann kam mir ein Geistesblitz. Wir hatten den Auftrag vorher gemeinsam gespielt und wahrscheinlich denkt er nun, ich sei eine Figur des Spiels, die ihm die Stadt weiter zeigt. Ha! Er denkt ich wäre der Computer! Ich bin Gott!

Erst wusste ich nicht so recht, was ich mit meiner neu gewonnenen Macht tun sollte, bis mir einfiel was NATÜRLICH das logischste ist, um jemanden in GTA zu verwirren. Ich setzte mich in ein Auto, wartete bis er auch einstieg und fuhr los. Etwa 10 Minuten fuhr ich durch die Stadt ohne auch nur die geringste Verletzung der Straßenverkehrsordnung. Ich hielt brav an jeder Kreuzung und fuhr, wie es sich für einen vorbildlichen Verkehrsteilnehmer gehört, äußerst defensiv. Als wir einmal beinahe 2 Minuten an einer Ampel warten mussten, verließ er das Spiel.

Hatte ich gerade wirklich jemandem den Anschein vermittelt, dass GTA Online so eine Art Mitfahrgelegenheit ist? Sieben Stunden später schlief ich dann jedenfalls endlich ein.

5. Mai 2015 | 15:31 Uhr


Während der Rest Berlins am 1. Mai in Kreuzberg Steine wirft Mexikaner trinkt und zu elektronischer Musik tanzt, die so abwechslungsreich ist wie nass gewordene Erdnussflips, war ich rebellischer denn je. Ich war mit meiner Mutter im Museum. Fast 6 Jahre Berlin und ich habe die Museumsinsel bislang schon so oft für meine Rentnerspaziergänge genutzt, war aber noch nie in einem der Gebäude. Nun also die Premiere mit dem Neuen Museum, welches hauptsächlich Exponate der ägyptischen Geschichte beherbergt. Ich mag Museen.

Allein schon wegen dem Gedanken, dass man einen Raum betritt und dann ist da ein kleines Männchen, geschnitzt aus einem Stück Elfenbein. Vor 5000 Jahren (!) hat sich jemand am anderen Ende der Welt ein paar Tage hingesetzt, dieses Männchen geschnitzt, dann ging es verloren, vor ein paar hundert Jahren hat es jemand wieder ausgegraben und jetzt stehe ich davor und mache ein verwackeltes Foto mit meinem Smartphone davon, während ich von meiner Cola Light aufstoßen muss. Wahnsinn.

Automatisch fragt man sich, was aus unserer Zeitphase wohl großartig erhalten bleiben wird, außer eine dicke Schicht Müll und die Lehre, dass wir die „Sie hätten es eigentlich besser wissen müssen“ Epoche waren.

Meine Mutter hat den geschichtlichen Kontext auch einmal sehr schön hergestellt. Nachdem wir das Stück eines Grabes mit sehr gut erhaltenen Hieroglyphen sahen, sagte sie mit ernstem Ton: „Wenn man mal überlegt. Hier ist die Farbe noch so gut erhalten, aber wo der K. (Maler im Dorf) das Haus von der Oma gestrichen hat, bröckelt jetzt nach 5 Jahren alles schon wieder ab und sieht uralt aus.“ Wenn es doch so ist!

Ich weiß nicht inwieweit mittellustige Ben Stiller Filme dazu beigetragen haben, aber irgendwie male ich mir den Job von MuseumsaufseherInnen immer weitaus interessanter aus, als er wahrscheinlich tatsächlich ist. Letztlich stehen die den ganzen Tag ja doch nur vor einem Exponat und gucken die Leute rundherum an. Im Prinzip derselbe monotone Job wie die Kaufhaus-Security, die nach 20 Uhr immer am Supermarkteingang stehen. Aber nein, das kann nicht sein. Ich male mir das immer ganz anders aus.

Ein paar Theorien: Der ältere Herr war jahrelang Archäologieprofessor an der Uni und arbeitet nun im Ruhestand in Teilzeit im Museum. Die ältere Dame hat ihren Traumjob, nachdem sie als Kind jedes zweite Wochenende mit großen Augen vor dem Exponat stand, welches sie heute bewacht. Der junge Mann steht kurz vorm Ende seines Studiums, arbeitet als Nebenjob im Museum und braucht nur noch wenige Euro für seine erste große Ausgrabung. All so was. Aber die Realität scheint doch anders zu sein.

Ich stehe vor einer Büste aus der Zeit um 2000 v. Chr. als ein Museumswächter mit einem halben Hechtsprung auf mich zu rennt und durch die Ruhe der Ausstellungshalle ruft: „STAAAHP! NO MOBILE FONS!!!!!!!“ Er dachte ich telefoniere. Tatsächlich hielt ich mir nur den Audioguide des Museums ans Ohr. Sehe ich wirklich derart unseriös aus? Jährlich hat das Neue Museum mehr als eine halbe Million BesucherInnen. Sagen wir mal er ist seit 3 Jahren in diesem Job. Das Entspricht 1,5 Millionen Besuchern, die bereits an ihm vorbei liefen. Etwa die Hälfte nutzt einen Audioguide. Also 750.000 Menschen. Und dann denkt er, ich würde mitten in einem andächtigen Raum des Museums telefonieren?

In einem anderem Raum zeigte sich eine ausländische Besucherin sehr begeistert von antikem Schmuck in einer Vitrine. Erstaunt fragte sie den Museumswächter daneben: „Wow, how do you protect that?“ Der junge Mann ist überrascht. Ob nun vom Inhalt der Frage oder der Tatsache an sich, dass er gefragt wurde, kann ich nicht sagen. Seine fachgerechte Antwort nach kurzem Räuspern lautete jedenfalls: „… uhh … it’s in there.“ Die Frau stellt ihm eine weitere,halbwegs fachliche Frage, an die ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Seine Antwort war jedenfalls: „It’s colourful.“ Danach bewegte er sich angespannt und zugleich geschmeidig von der Frau weg. Er flüchtete vor möglichen weiteren Fragen mit einer Art umgekehrtem Moonwalk.

27. April 2015 | 13:35 Uhr


In Zeiten meines Studiums war ich mal ein paar Wochen lang beim Radio. Jeden Mittwoch gab es die große Redaktionssitzung, welche danach in einer Kneipe ausklang. Wobei von Kneipe eigentlich keine Rede sein kann. Es war ein Raum der Universität zwischen dessen Betonwänden eine behelfsmäßige Bar und ein paar Sitzgelegenheiten standen. Die beiden Highlights der “Bar” waren der damals noch als Weltneuheit geltende Lichtschlauch und ein Kickertisch.

Während ich auf dem Fußballplatz zumindest ungeschickt bin und Tore mache, bin ich am Kickertisch einfach nur ungeschickt. Während besagter Radiozeit lernte ich auch das ungeschriebene Gesetz, dass man unter dem Kickertisch entlang kriechen muss, wenn man verliert, ohne selbst ein Tor zu machen. Erschwerend hinzu kam, dass ich sehr groß bin, unter dem Tisch aber äußerst wenig Platz war. Gesetz ist Gesetz. Es war eine schöne Zeit.

Wie eine Katze die mal in die Badewanne gefallen ist und sich danach nie wieder ins Bad getraut hat, meide ich seitdem Kickertische. Bis vor kurzem zumindest. Aus dem Hause Heineken kam die Anfrage, ob ich nicht auch beim deutschlandweiten Heineken Kickerturnier mitmachen möchte. Schweißnasse Hände hatte ich, wo der Kickertisch doch mein Vietnam war. Aber warum nicht. Vielleicht ist es ja so wie Minigolf. Da schwankt meine Formkurve auch jedes Mal und das, obwohl sonst bereits ein Vorzeigerentnerleben lebe!

Die Qualifikationsrunden des Heineken Kickerturniers finden derzeit in diversen Bars in ganz Deutschland statt und dieses Mal war “Nicos Bar” in Steglitz dran. Kurze Enttäuschung meinerseits, als ich bemerkte, dass es nicht “Daniels Bar” aus GZSZ war, aber trotzdem ganz nett dort. Ich stellte mich im Team gemeinsam mit Victoria van Violence der Kickerherausforderung. Verdammt, ich brauche auch so einen coolen Namen. Hermo Honeybadger?

All meine Hoffnungen zerschlugen sich jedenfalls direkt am Kickertisch und wir verloren alle Spiele der Qualifikationsrunde. Der HSV am Kickertiosch sozusagen. Schlimmer machte es eigentlich nur der mitleidige Blick des ebenfalls anwesenden deutschen Kickermeisters. Ich werde also weiterhin wohl eher auf dem (Kunst-)Rasen, als am Kickertisch stehen, aber empfehle euch trotzdem eine Teilnahme. Es gibt nämlich nicht nur Freibier, sondern obendrein auch die Chance auf Tickets für das Champions League Finale. (Vorausgesetzt, man stellt sich nicht so doof an, wie ich.) Die Hälfte der Qualifikationsturniere ist durch, aber es gibt wie gesagt noch deutschlandweit genug Chancen, mitzumachen. Alle Infos gibt es auf heineken-kickerturnier.de!

PS: Keine Angst, der Tisch hat nicht genug Platz, um darunter durchzukriechen!

17. April 2015 | 10:39 Uhr


Abgesehen von Turnschuhen mit Blink-Applikation und Nutella ist es ja im Allgemeinen so, dass man viele Dinge nach einigen Jahren Abstand ganz anders wahrnimmt. Plötzlich hat man einen neuen Blickwinkel und alles sieht ganz anders aus. Ich werde alt.

Es könnte also kaum passender sein, dass ich mich neulich mit der Steuererklärung beschäftigte, während nebenbei der erste Pippi Langstrumpf Film lief. Während sie für mich in meiner Astrid-Lindgren-Leidenschaft früher ein Vorbild war, ging mir plötzlich ein Licht auf und wie ein Kartenhaus fiel alles zusammen.

Doch fangen wir mal von vorne an: Der wesentliche Grundsatz ist nämlich, dass sich Pippi alles erlauben kann und das im Endeffekt immer nur, weil sie über jede Menge Geld verfügt. Nicht mal die Polizei kann ihr was anhaben, da andauernd „Ermittlungspannen“ passieren und sie im Notfall ein paar Goldstücke aus der Schatztruhe holt.

Damit nicht genug. Sie ist, wenn man ehrlich ist, nicht die hellste, weigert sich dennoch in die Schule zu gehen und findet das auch noch lustig. Im Film hat sie sich Freunde gekauft, indem sie einen ganzen Süßigkeitenladen leer geräumt hat. Als sie danach Bauchweh hatte, ist sie in die Apotheke gegangen und hat eine große Flasche „Medozin“ gekauft. Die Apothekerin war anfangs (sicherlich wegen der Betäubungsmittelverordnung) noch kritisch, ließ sich letztlich aber auch vom Geld überzeugen.

Und wo kommt all das Geld für diesen aufbrausenden Lebensstil her? Von ihrem Vater. Und warum hat der so viel Geld? Weil er Pirat ist. Kurz gesagt, sämtlicher Reichtum kommt aus kriminellen Machenschaften.

Keine Sorge liebes Internet, ich meine das alles nur so halbernst, auch wenn ich mich jetzt schon über böse Kommentare freue, die das hier übersehen. Aber was ich wirklich jedes Mal interessant finde ist, dass zum Beispiel Piraten und Wikinger einen festen Platz im Kinderzimmer haben. Sind ja auch interessant und machen Spaß. Allerdings waren Wikinger und Piraten nicht gerade die nettesten Menschen und zeichneten sich vor allem durch brutale Ausbeutungen, Vergewaltigungen und Zerstörung aus. Deshalb mal die grundlegende Frage: Wieviel Zeit muss vergehen, bis die schlimmen Seiten einer geschichtliche Gräueltat vergessen sind und sie als Kinderspielzeug herhalten? Oder anders gefragt: Wann gibt es einen kleinen Nazi, der wie Wickie der Wikinger umher springt? Egal. Zurück zu Pippi.

Eines ihrer Haustiere ist ein Pferd. Welche Mädchen bekommen ihr eigenes Pferd? Richtig, die allernervigsten. Außerdem hat sie einen Hausaffen, bei dem auch noch darauf bestanden wird, dass er förmlich angesprochen wird. Welche Menschen haben Hausaffen? Menschen wie Michael Jackson oder Justin Bieber. (Ist der eigentlich noch in München?) Überhaupt gibt es erschreckend viele Parallelen zu Justin Bieber und Miley Cirus. Man stelle sich mal vor, Pippi Langstrumpf hätte einen Instagram Account. Wie anstrengend das wäre! #LikeForLike #FollowBack und all so was unter einer Tonne Selfies und Fotos von Zeug, welches sie sich von all ihrem Geld gekauft hat. Sie macht sich ja nicht mal die Mühe, es zu waschen, sondern haut es einfach raus und lebt das Leben einer Scheinrebellin, die sich all das natürlich erlauben kann.

Alles schwierig. Was ist nur los mit mir? Aber immerhin habe ich noch Hoffnung, denn noch (?!) sympathisiere ich nicht mit Tommy und Annika.

9. April 2015 | 11:54 Uhr

Es ist komisch mittlerweile in der obersten Wohnung eines Hauses zu wohnen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich weiß es gar nicht genug zu schätzen, dass ich niemanden mehr über mir habe. Andererseits fehlen mir auch die Rätsel um 4 Uhr nachts, was diese Mischung aus Stöckelschuhen und Bowling Bahn wohl sein könnte. Nach Jahren des Rätselns gibt es nun aber ein Aufklärungsvideo und plötzlich macht alles sin. ALLES!

Endlich bin ich der nervige Nachbar von oben ARHARHAR. ZEIT FÜR EINE RUNDE BASKETBALL!

7. April 2015 | 12:09 Uhr


Jon Stewart wird bald bei der Daily Show aufhören und eigentlich dachte man immer, er wäre unersetzbar. Zumindest so lange, bis Co-Reporter John Oliver seine Urlaubsvertretung für ein paar Wochen übernahm und daraufhin seine eigene Sendung bei HBO bekam. Dort liefert er mittlerweile jeden Sonntag eine Fernsehpralinenschachtel ab, die Woche für Woche interessant UND unterhaltsam ist.

In seinem Team sind Journalisten am Werk, die zum einen sehr gut zu recherchieren wissen, zum anderen aber auch wissen, wie man eben diese Fakten verständlich und unterhaltsam präsentiert. Eine Kombination die es sonst nur in Einzelteilen gibt. Also entweder gut recherchiert oder unterhaltsam. Und das dann jeweils auch nur so mittelgut.

In der letzten Ausgabe ging es darum, dass am 1. Juni die Verlängerung des Patriot Act ansteht. Inklusive Section 215, die der NSA die Sammlung diverser Daten gestattet. Und obwohl es an sich so ein großes Thema sein sollte, ist es das nicht und noch längst nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen. Ein Thema was haargenau so auch für Deutschland gilt, wo es gegenüber Milchpreissteigerungen um 3 Cent weitaus größere Aufregung gibt, als um die Sammlung diverser persönlicher Daten. Und das, obwohl man da doch eigentlich aus der Geschichte gelernt haben müsste.

Der Oscar-prämoerte Film „Citizenfour“ ist dafür schon mal ein guter Anfang. Er zeigt die ruhigen Momente, bevor und während die Geschichte um Edward Snowden ins Rollen gerät. Den Film kann man kostenlos online anschauen und ich empfehle das zutiefst, weil es ein Stück sehr interessante und wichtige Zeitgeschichte ist. Und ausserdem sieht es lustig aus, wie Edward Snowden immer seine Passwörter eingibt:

Zurück zu John Oliver … ach, was erzähl ich. Einfach 30 Minuten Zeit nehmen und das hier anschauen. Es lohnt sich.

Ich wiederhole mich: Informativ UND unterhaltsam. Wenn doch nur jede/r Journalist/in und Entertainer seine Plattformen so nutzen könnte und würde.

6. April 2015 | 19:46 Uhr


Kurz vorm Einschlafen fällt mein Kopf in eine Art Trotzreaktion. Als würde er rufen “WARUM IST DER FERNSEHER JETZT AUS?! OKAY, DANN MACHEN WIR DAS JETZT AUF MEINE TOUR!” Und schon nehmen irgendwelche Gedankengänge ihren Lauf, die in etwa so viel Hand und Fuß wie ein Fußball haben. Gestern Nacht zum Beispiel. Kurz vorm Schlafen gehen fiel mir die letzte Banane in der Küche auf. Ein trauriger Anblick. Mittlerweile ist sie zu 70% braun und gleicht damit einem Wahlkreis in Pirna. Wahrscheinlich werde ich verwöhnter Schnösel sie nicht mehr essen. Und das, wo sie doch extra fein säuberlich von einem Biobaum in Costa Rica bis in unsere Küche gekommen ist.

Bis eine Bananenstaude am Baum hängt dauert es ein halbes Jahr, dann werden die grünen Dinger 10.000km mit einem Schiff hier her gebracht um noch ein bisschen gelb zu werden und erst dann landen sie im Supermarkt. Und dann komme ich daher und denke jedes Mal: “Oh hm Bananen. Gesund und lecker. Da nehme ich eine mit. HALT SCHTOPP, ich sollte mich gesünder ernähren also nehme ich zwei mit.” Am Ende esse ich aber immer nur eine, während die andere tagelang einschläft und irgendwann einen braunen Nichtmehrverzerhbartod stirbt, wenn sie nicht vorher einen Gewichtandererdingeindertascheunterschätzttod stirbt. Hach.

Man sollte viel öfter bewusster einkaufen und stolz auf Bananen sein, dass sie so einen weiten Weg auf sich genommen haben. Überhaupt sollte man viel bewusster mit dem Fakt umgehen, dass man das ganze Jahr über jede Frucht vollkommen unabhängig von ihrer eigentlichen Saison kaufen kann.

Ist das nicht verrückt? Und wisst ihr, was noch verrückter ist? Ich kann jeden Tag, so ziemlich jede Frucht der Welt unabhängig von ihrer Saison kaufen außer heute. Warum? Weil alle Geschäfte geschlossen haben, da es allgemein anerkannt ist, dass vor etwa 2000 Jahren ein Mann aus einer Höhle von den Toten auferstanden ist. Oder anders gesagt: Ein Zombie hindert mich heute am Bananenkauf. (Wenn ich das richtig verstanden habe.)